Fragen zu Säure und Barriqueausbau

Was Sie schon immer über Wein wissen wollten, aber nie zu fragen wagten
thiloV
Beiträge: 90
Registriert: Do 2. Okt 2014, 14:19
Wohnort: Südwestpfalz

Fragen zu Säure und Barriqueausbau

Beitrag von thiloV »

Hallo zusammen,

ich hab mich hier ganz frisch angemeldet und habe ein paar Fragen, die ich mir nicht mit dem Lesen der einzelnen Threads beantworten konnte. Der Hintergrund ist, dass ich vor nicht allzu langer Zeit in die Pfalz (nicht ganz ins Weinbaugebiet aber fast) gezogen bin und langsam feststelle, dass es spannend ist, sich quer durch die Winzer zu probieren. Allerdings bin ich immer mit dem Auto unterwegs und kaufe dementsprechend Probeflaschen und möchte gerne versuchen, dabei Enttäuschungen zu vermeiden (so weit es geht). Ich bin also im Vergleich mit Euch Wein-Anfänger. Ich probiere mich vor allem in Sachen Rotwein durch und bin bis jetzt noch immer unter 20€ (meistens unter 10€) die Flasche geblieben.

Nun meine Fragen: Ich habe mir jetzt schon zweimal den Basis-Spätburgunder von relativ hochgewerteten Weingütern (jeweils 3 GM-Trauben) gekauft. Beide Male war mir der Wein viel zu sauer. Beide Weine konnte ich deshalb solo nicht trinken und musste irgendwelchen Knabberkram dazu einwerfen (was kontraproduktiv ist, wenn man auf die schlanke Linie achten will und daher Bier durch Wein ersetzt :) ). Müssen solche Spätburgunder so sauer sein? Oder bin ich nur besonders empfindlich? Wie verhält sich das, wenn ich teureren Spätburgunder kaufe, sind die ähnlich säurebetont? Sollte ich Spätburgunder nur zum Essen trinken?

Der eine Spätburgunder war am ersten Abend sogar noch schlimmer als nach 1 bis 3 Tagen. Ich hatte das Gefühl, der Wein stinkt und hat irgendwelche negativen Aromen, genauer kann ich es leider nicht sagen. Kann es sein, dass ich sogar diese Basisqualität noch hätte liegenlassen müssen? Nach drei Tagen war mir der Wein dann nur noch zu sauer :) .

Meine zweite Frage bezieht sich auf Barrique-Weine. Wenn auf einem (pfälzer) Rotwein 'Barrique' steht, wird der Wein für mich jedes Mal von einem penetranten Holzgeschmack überlagert. Dabei passiert es (meistens), dass ein Mittrinker neben mir sitzt, der total begeistert vom Wein ist und auf Nachfrage meint, sie oder er schmecke kein Holz. Die einzige, die diesen Geschmack ähnlich (negativ) herausschmeckt wie ich, ist meine Mutter, die aus dem selben Grund einen weiten Bogen um Barrique-Weine macht. Eigentlich soll es ja aber ein Qualitätsmerkmal sein, wenn ein Wein im Barriquefass ausgebaut wird. Was mache ich also falsch? Muss Barrique-Wein einfach noch drei Jahre in den Keller, bevor ich ihn trinken kann? Wenn ja, warum haben dann 'die anderen' nicht das gleiche Problem, wie ich? Wir hatten schon überlegt, ob es eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit gegen irgend einen Inhaltsstoff gibt, aber das ist doch Quatsch, oder?

Oh ha, das ist jetzt doch ein ganz schön langer Text geworden. Aber vielleicht hat ja irgendjemand bis hierher durchgehalten und kann mir helfen, vielen Dank dafür schonmal!

Einen Vorstellungsthread für neue Forumsmitglieder habt Ihr nicht, oder? Ich hab zumindest keinen gefunden.

Viele Grüße, Thilo.
Bernd Schulz
Beiträge: 7597
Registriert: Sa 11. Dez 2010, 23:55

Re: Fragen zu Säure und Barriqueausbau

Beitrag von Bernd Schulz »

Hallo Thilo,

zunächst einmal herzlich willkommen im Forum!

Spätburgunder kann je nach Jahrgang, Lesegut und Ausbau eine durchaus kräftig wirkende Säure aufweisen. Bei deutschem Spätburgunder ist das aber nach meinen Erfahrungen seltener der Fall; Probleme mit einer rustikalen Säure hatte ich häufiger bei burgundischen Basis-Pinots.

Meine Antwort auf deine Frage lautet daher: Nein, Spätburgunder muss nicht so sauer sein! Probiere einfach mal weitere Erzeuger aus!

Zum Thema Barrique ist zu sagen, dass die Winzer hierzulande zwar langsam dazulernen, aber trotzdem in vielen Fällen immer noch das nötige Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem neuen Holz vermissen lassen. Nicht selten schmecken deutsche Rote aus dem Barrique nach "Omas Schrank" oder aber auch nach Vanille und Karamell (letztere Aromen rühren vom Toasting der Fässer her). In einer sehr deutlichen Ausprägung benötige ich beides überhaupt nicht zu meinem Glück - aber auch hier hilft meiner Ansicht nach nur Ausprobieren. Irgendwann stößt man dann doch auf Erzeuger, die richtig gut arbeiten...
Muss Barrique-Wein einfach noch drei Jahre in den Keller, bevor ich ihn trinken kann? Wenn ja, warum haben dann 'die anderen' nicht das gleiche Problem, wie ich?
Eine Lagerung von zwei, drei Jahren dürfte bei den meisten überholzten Weinen wenig bis nichts bringen. Und 'die anderen' sind vermutlich einfach wenig geschmackssensibel oder haben sich an den Fremdgeschmack gewöhnt.

Herzliche Grüße

Bernd
Benutzeravatar
sorgenbrecher
Beiträge: 1239
Registriert: Di 6. Sep 2011, 15:32
Wohnort: Ffm.

Re: Fragen zu Säure und Barriqueausbau

Beitrag von sorgenbrecher »

vieles hat bernd bereits richtig geschrieben, ich würde ergänzen wollen, dass es in der von dir beschriebenen preisklasse purer zufall wäre einen guten deutschen spätburgunder zu finden. es ist nicht ganz auszuschließen, aber der weg dahin ist mit extrem vielen weinen gepfalstert, die man lieber nicht ins glas bekommen mag.
Gruß, Marko.
thiloV
Beiträge: 90
Registriert: Do 2. Okt 2014, 14:19
Wohnort: Südwestpfalz

Re: Fragen zu Säure und Barriqueausbau

Beitrag von thiloV »

Hallo Ihr zwei,

vielen Dank für die Antworten. Ich fange mal hinten an.

Bei der Barrique-Geschichte hatte ich gehofft, dass ich so eine Antwort bekomme. Das heißt nämlich für mich im Umkehrschluss, dass ich zum Beispiel französische Weine ohne Rücksicht auf so etwas kaufen kann, da sie Winzer beim Holzeinsatz mehr Fingerspitzengefühl haben, oder? In der Pfalz lasse ich dann erstmal die Finger von Winzern, von denen ich mal einen überholzten Wein hatte und probiere es in ein paar Jahren ggf. noch einmal. Erzeuger, deren Weine durch die Bank überhaupt nicht nach Holz schmecken, habe ich auch schon gefunden, ich bin da also guter Dinge.

Zum Spätburgunder: Dann hatten wir also einfach nur einen schlechten Start, der Spätburgunder und ich. Ich habe noch zwei im Keller, dessen Erzeuger die Analysewerte veröffentlicht haben. Ein Basis-Spätburgunder und eine gehobenere Qualität mit < 4.5 g/L Säure, da kann ich mich also weiter durchtesten. Ab welcher Preisklasse bekommt man denn Eurer Meinung nach in der Pfalz mit hoher Wahrscheinlichkeit einen guten Spätburgunder?
Bernd Schulz hat geschrieben: zunächst einmal herzlich willkommen im Forum!
Vielen Dank für die nette Aufnahme :)

Viele Grüße, Thilo
Bernd Schulz
Beiträge: 7597
Registriert: Sa 11. Dez 2010, 23:55

Re: Fragen zu Säure und Barriqueausbau

Beitrag von Bernd Schulz »

...ich würde ergänzen wollen, dass es in der von dir beschriebenen preisklasse purer zufall wäre einen guten deutschen spätburgunder zu finden.
Die Menschen haben unterschiedliche Geschmäcker und machen unterschiedliche Erfahrungen. Etliche User dieses Forums dürften wohl eine ähnliche Meinung wie Marko vertreten (unsere Birte z.b. :mrgreen:).

Ich teile diesen Standpunkt überhaupt nicht. Aus Gründen des Budgets (mehr als die Hälfte meines Einkommens mag ich nun mal nicht versaufen :mrgreen: ) bin ich sehr häufig in der besagten Preisklasse unterwegs, und ich hatte im noch einstelligen bis knapp zweistelligen Bereich schon viele Spätburgunder, die mir genug Freude bereitet haben, im Glas - so z.b. erst gestern den 2012er Ursulinengarten von Riske zu gerade mal 7,90 Euro. Ein großer Rotwein ist das selbstredend nicht, aber für meine Nase und meinen Gaumen auf jeden Fall ein guter.

Tatsache ist allerdings, dass es in Deutschland mehr schlechte als gute Rotweine (wie auch mehr schlechte als gute Weißweine :mrgreen: ) gibt. Man muss schon etwas suchen.

Leider habe ich in Bezug auf die Pfalz keinen richtigen Durchblick. Wenn es hier um die Ahr gehen würde, würde ich sofort den einen oder anderen aktuellen Tipp loswerden wollen.

Viele Grüße

Bernd
Bernd Schulz
Beiträge: 7597
Registriert: Sa 11. Dez 2010, 23:55

Re: Fragen zu Säure und Barriqueausbau

Beitrag von Bernd Schulz »

Einen Vorstellungsthread für neue Forumsmitglieder habt Ihr nicht, oder?
Den Vorstellungsthread findest du hier:

http://www.dasweinforum.de/viewtopic.php?f=44&t=125
Ab welcher Preisklasse bekommt man denn Eurer Meinung nach in der Pfalz mit hoher Wahrscheinlichkeit einen guten Spätburgunder?
Wie gesagt kommt es aus meiner Perspektive nicht so sehr auf den Preis an. Wenn du 30 Euro in die Hand nimmst, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du einen Wein aus besonders hochwertigem Ausgangsmaterial erhältst, aber gleichzeitig steigt auch die Wahrscheinlichkeit eines übertriebenen Holzeinsatzes :twisted: .

Und auch große Namen schützen nicht vor Enttäuschung, wie ich es selber bei 12 mir geschenkten Flaschen eines Rebholz-Spätburgunders erlebt habe....

Vielleicht bekommst du hier ja noch ein paar gute Hinweise auf konkrete Winzer und Weine!

Herzliche Grüße

Bernd
Zuletzt geändert von Bernd Schulz am So 5. Okt 2014, 22:44, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
OsCor
Beiträge: 931
Registriert: Do 4. Okt 2012, 18:36
Wohnort: Oberrhein
Kontaktdaten:

Re: Fragen zu Säure und Barriqueausbau

Beitrag von OsCor »

thiloV hat geschrieben:Ein Basis-Spätburgunder und eine gehobenere Qualität mit < 4.5 g/L Säure
Wenn ich die vielen Verkostungsnotizen hier richtig verstanden habe, ist nicht der absolute Säuregehalt wichtig, sondern die Balance mit den anderen sensorischen Elementen. Es könnte also leicht sein, dass ein Wein mit (zu) wenig Säure als eher flach (oder wie kann man das nennen?) empfunden wird.

Ganz nebenbei könnte ich mir vorstellen, dass die vinologische Historie des Fadenurhebers für das Säureempfinden auch eine Rolle spielt ;) Bei mir verursacht jedes noch so kleine „Zuckerschwänzchen” ein Zusammenzucken, aber das ist wohl ein Erbe meines Vaters…

Aber zum Barriqueausbau: Als ich Anfang der 90-er Jahre zu einer Weinprobe (keine Verkostung!) in einem bekannten Weingut in Müllheim/Baden eingeladen war, musste ich feststellen, dass alle Weine (weiß) völlig von einem gewaltigen Holzton beherrscht waren, auch der Gutedel - alle für mich ununterscheidbar. Das war für mich, der den Gutedel quasi mit der Muttermilch eingesogen hat, ein Kulturschock, erst recht, nachdem der Kellermeister meine Frage, ob denn die Abnehmer (also die Weinhandlungen) den Wein auch in diesem Stadium verkosteten, mit einem trockenen „Hejo!!” beantwortete.

Ich dachte eigentlich, heute würde man so etwas kaum noch erleben. Aber thiloVs Erlebnis deutet in eine andere Richtung. Erlebt ihr das gelegentlich, dass andere bei einer Verkostung oder Probe ein völlig anderes „Holzerlebnis” verspüren?

@thiloV
Ich hoffe, du empfindest diesen Beitrag nicht als Kaperung deines Fadens.

Gruß
Oswald
thiloV
Beiträge: 90
Registriert: Do 2. Okt 2014, 14:19
Wohnort: Südwestpfalz

Re: Fragen zu Säure und Barriqueausbau

Beitrag von thiloV »

Hallo nochmal,
Bernd Schulz hat geschrieben: Wie gesagt kommt es auf meiner Perspektive nicht so sehr auf den Preis an. Wenn du 30 Euro in die Hand nimmst, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du einen Wein aus besonders hochwertigem Ausgangsmaterial erhältst, aber gleichzeitig steigt auch die Wahrscheinlichkeit eines übertriebenen Holzeinsatzes :twisted: .
Bernd
Genau das ist der Punkt, warum ich mich nicht an eine höhere Preisklasse heranwage und jetzt hier nachgefragt habe. Warum also einen teuren Wein kaufen, wenn er doch eh nur nach dem Holz schmeckt. Es bleibt schwierig.
Bernd Schulz hat geschrieben: Leider habe ich in Bezug auf die Pfalz keinen richtigen Durchblick. Wenn es hier um die Ahr gehen würde, würde ich sofort den einen oder anderen aktuellen Tipp loswerden wollen.
Bernd
An einen konkreten Tipp in Sachen Spätburgunder hatte ich jetzt auch gar nicht gedacht, das war eher Neugier. Allerdings würd ich mich tatsächlich über Tipps freuen, welche pfälzer Winzer (oder die Weine selbst) Barrique-Weine produzieren, die nur wenig nach Holz schmecken. Dann könnte ich mal testen, ob ich diesen Holzgeschmack dann wirklich nicht mehr schmecke.

Viele Grüße, Thilo.
Benutzeravatar
Allegro
Beiträge: 1061
Registriert: Fr 4. Feb 2011, 18:48
Wohnort: Hessen
Kontaktdaten:

Re: Fragen zu Säure und Barriqueausbau

Beitrag von Allegro »

thiloV hat geschrieben:
Nun meine Fragen: Ich habe mir jetzt schon zweimal den Basis-Spätburgunder von relativ hochgewerteten Weingütern (jeweils 3 GM-Trauben) gekauft. Beide Male war mir der Wein viel zu sauer. Beide Weine konnte ich deshalb solo nicht trinken und musste irgendwelchen Knabberkram dazu einwerfen (was kontraproduktiv ist, wenn man auf die schlanke Linie achten will und daher Bier durch Wein ersetzt :) ). Müssen solche Spätburgunder so sauer sein? Oder bin ich nur besonders empfindlich? Wie verhält sich das, wenn ich teureren Spätburgunder kaufe, sind die ähnlich säurebetont? Sollte ich Spätburgunder nur zum Essen trinken?

Der eine Spätburgunder war am ersten Abend sogar noch schlimmer als nach 1 bis 3 Tagen. Ich hatte das Gefühl, der Wein stinkt und hat irgendwelche negativen Aromen, genauer kann ich es leider nicht sagen. Kann es sein, dass ich sogar diese Basisqualität noch hätte liegenlassen müssen? Nach drei Tagen war mir der Wein dann nur noch zu sauer :) .

Hallo Thilo,

ich kann Dir zwar leider keinen Pfälzer Spätburgunder empfehlen, will Dir jedoch sagen, dass ich mit dieser Rebsorte auch meine Probleme habe. Unter anderem eben auch, da sie mir ebenfalls recht säurelastig vorkommt. Und auch ich habe noch keinen bis 10,-- EUr gefunden, den ich nochmal kaufen wollte ...
Ich fnde auch, dass Spätburgunder an sich einen ganz speziellen Eigengeschmack (inkl. Duft) hat - vielleicht war auch genau das der Eindruck der negativen Aromen bei Dir ...
Ich bin zwar auch noch Wein-Laie, aber trotzdem denke ich, dass Deutschland einfach kein "Rotwein-Land" ist. Ich hatte bisher erst einen einzigen deutschen Rotwein im Glase, der mich wirklcih sehr psoitiv überrascht hat ... und das war ausgerechnet ein Dornfelder :oops: - allerdings einer, bei dem man diese Rebsorte gar nicht erahnen würde ... nämlich von Weingut Martin Müllen in Traben-Trarbach ... der war wirklich gut ! :mrgreen:
Viele Grüße - Allegro
Benutzeravatar
Jochen R.
Beiträge: 3020
Registriert: Mo 6. Dez 2010, 19:53
Bewertungssystem: Auf Benutzername klicken

Re: Fragen zu Säure und Barriqueausbau

Beitrag von Jochen R. »

Ohne mich jetzt je mit Pfälzer Spätburgundern groß beschäftigt zu haben (und auch
weiterhin zu wollen):
Wir hatten kürzlich im Top Air Stuttgart auf Empfehlung zum Hauptgang einen
Spätburgunder B trocken vom Weingut Becker 2010. Der Wein war sicher nichts
großes, aber er begleitete das Menu hervorragend, ohne säurelastig oder
holzüberladen zu sein. Ich denke da waren wir uns am Tisch einig.
Kostet im Handel so knapp unter 20 EUR...

Viele Grüße,
Jochen
"Viele haben eine Meinung, aber keine Ahnung." (Franz Müntefering)
Antworten

Zurück zu „Allgemeines Weinwissen“