Hallo liebe Forumsmitglieder,
bei einer bunten Blindverkostung im Kollegenkreis (unserer ersten) war die primäre und schon einmal sehr beruhigende Erkenntnis, drei der vier Teilnehmenden "Günstig"-Aldi/Lidl-Weine quasi sofort erkannt zu haben. Der dritte fiel aus dem abgesprochenen Rahmen, da er aus einer Sonderaktion stammte, zu teuer und eine Erzeugerabfüllung war.
Die dann folgende, zweite und irritierende Erfahrung war: Die Weine waren trotz unterschiedlicher Rebsorten und Anbaugebiete kaum voneinander zu unterscheiden.
Das führt nun zu meiner Frage: Welche Weinbereitungsmethoden führen zu dieser Uniformität? Welches sind die effektivsten Individualitätskiller? Ich vermute mal: Maximale Erntemengen und Reinzuchthefen. Was mich besonders interessiert: Welche Rolle spielt die Maischeerhitzung?
Werden diese Methoden absichtlich eingesetzt um einen einheitlichen Weinstiel zu kreieren oder ist dieser Geschmack eine Folge der maximal billigen Produktion?
Vielen Dank für Eure Expertise.
Markus
Individualitätskiller
Re: Individualitätskiller
piggeldy, komm mit!
Bei grossen Kellereien ist es durchaus ein erklaertes Ziel, auch ueber die unterschiedlichen Jahrgaenge hinweg einen moeglichst gleichbleibenden Weinstil zu einer moeglichst gleichbleibenden Qualitaet abzuliefern, und zwar in grossen Mengen, zugeschnitten fuer den jeweiligen Markt/Verbrauchergeschmack.
Das bedeutet also nicht maximal billige Produktion, sondern angemessener Aufwand (dieses Ziel hat der normale Winzer auch). Schliesslich soll Geld verdient werden. (Aktuelles Beispiel: ein badischer Gutedel fuer 125 Euro, wohl pro Flasche...)
Dabei koennen die erreichten Weinqualitaeten durchaus hoch und sogar sehr hoch sein; bestes Beispiel ist Australien, wo hervorragende Weine "am Reissbrett" entstehen koennen, weil hochqualifizierte Weinbauingenieure und Getraenketechnologen ganze Arbeit leisten.
Dass da das geographische Profil etwas unter die Raeder kommt, ist zwar nicht notwendigerweise so, wird in Grenzen aber durchaus in Kauf genommen. (Es reicht, als "Australier" durchzugehen.)
Cheers,
Ollie
Bei grossen Kellereien ist es durchaus ein erklaertes Ziel, auch ueber die unterschiedlichen Jahrgaenge hinweg einen moeglichst gleichbleibenden Weinstil zu einer moeglichst gleichbleibenden Qualitaet abzuliefern, und zwar in grossen Mengen, zugeschnitten fuer den jeweiligen Markt/Verbrauchergeschmack.
Das bedeutet also nicht maximal billige Produktion, sondern angemessener Aufwand (dieses Ziel hat der normale Winzer auch). Schliesslich soll Geld verdient werden. (Aktuelles Beispiel: ein badischer Gutedel fuer 125 Euro, wohl pro Flasche...)
Dabei koennen die erreichten Weinqualitaeten durchaus hoch und sogar sehr hoch sein; bestes Beispiel ist Australien, wo hervorragende Weine "am Reissbrett" entstehen koennen, weil hochqualifizierte Weinbauingenieure und Getraenketechnologen ganze Arbeit leisten.
Dass da das geographische Profil etwas unter die Raeder kommt, ist zwar nicht notwendigerweise so, wird in Grenzen aber durchaus in Kauf genommen. (Es reicht, als "Australier" durchzugehen.)
Cheers,
Ollie
Yeah, well, you know, that’s just like, uh, your opinion, man.
Parfois, quand c'est trop minéral, on s'emmerde.
"Souvent, l'élégance, c'est le refuge des faibles." (Florence Cathiard)
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Re: Individualitätskiller
Hallo Ollie,
um noch mal bei den "günstigen" Discounterweinen zu bleiben (120€ Gutedel, wer macht den sowas?):
Ich kann mir ja gut vorstellen, dass ein bestimmtes Geschmacksprofil über die Jahrgänge und vermutlich auch Marken und Anbieter hinweg im Sinne des durchschnittlichen Verbrauchergeschmacks angestrebt wird. Aber muß das ein so schlechtes sein?
Ich vermute die Ausrichtung auf eine möglichst kostengünstige Produktion trägt hier doch auch ihren Teil bei?
Werden die einfachsten Discounterweine häufig Maischeerhitzt? Wird die Methode auch bei einfachen Winzerweinen angewendet? Wie deutlich ist ihr Einfluss auf den Geschmack?
Gruß
Markus
um noch mal bei den "günstigen" Discounterweinen zu bleiben (120€ Gutedel, wer macht den sowas?):
Ich kann mir ja gut vorstellen, dass ein bestimmtes Geschmacksprofil über die Jahrgänge und vermutlich auch Marken und Anbieter hinweg im Sinne des durchschnittlichen Verbrauchergeschmacks angestrebt wird. Aber muß das ein so schlechtes sein?
Werden die einfachsten Discounterweine häufig Maischeerhitzt? Wird die Methode auch bei einfachen Winzerweinen angewendet? Wie deutlich ist ihr Einfluss auf den Geschmack?
Gruß
Markus
Re: Individualitätskiller
Markus,
klar, die Maischeerhitzung ME) wird typischerweise bei der Erzeugung von Weine des unteren Qualitaetsniveaus angewandt. Man kann naemlich auch aus deutlich suboptimalem Lesegut Rotweine machen, also (viel) Geld in der Weinbergs- und Lesearbeit sparen.
Ich wuerde mal vermuten(!), dass Discounterweine immer, gehobene Supermarktweine (vorzugsweise aus Australien) hingegen nur manchmal per ME erzeugt wurden; im Topsegment der Supermarkklasse (Jacob's Creek) ist die normale Maischegaerung wahrscheinlich Standard. Winzergenossenschaften arbeiten v.a. im Basissegmant auch noch recht haeufig mit ME, kleine Winzer dagegen nie.
Ein Grund ist, dass ME zu einem speziellen Aromaprofil fuehren: marmeladige oder uebertrieben parfuemiert-bonbonhafte Frucht (das genaue Resultat ist wohl auch rebsortenabhaengig). NIcht gerade das, was man mit hochwertigen Rotweinen verbindet.
Cheers,
Ollie
klar, die Maischeerhitzung ME) wird typischerweise bei der Erzeugung von Weine des unteren Qualitaetsniveaus angewandt. Man kann naemlich auch aus deutlich suboptimalem Lesegut Rotweine machen, also (viel) Geld in der Weinbergs- und Lesearbeit sparen.
Ich wuerde mal vermuten(!), dass Discounterweine immer, gehobene Supermarktweine (vorzugsweise aus Australien) hingegen nur manchmal per ME erzeugt wurden; im Topsegment der Supermarkklasse (Jacob's Creek) ist die normale Maischegaerung wahrscheinlich Standard. Winzergenossenschaften arbeiten v.a. im Basissegmant auch noch recht haeufig mit ME, kleine Winzer dagegen nie.
Ein Grund ist, dass ME zu einem speziellen Aromaprofil fuehren: marmeladige oder uebertrieben parfuemiert-bonbonhafte Frucht (das genaue Resultat ist wohl auch rebsortenabhaengig). NIcht gerade das, was man mit hochwertigen Rotweinen verbindet.
Cheers,
Ollie
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- Desmirail
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Re: Individualitätskiller
Ollie hat geschrieben:piggeldy, komm mit!
OT
Auch einen Pinguin zu Hause *grins*
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Deep And House
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Deep And House
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Re: Individualitätskiller
Danke für die Ausführungen Ollie,
noch eine Anmerkung bevor wir "nach Hause" gehen. Mir ist ein kleiner Winzer bekannt, der seine Basis Dornfelder mit ME erzeugt. Daher war meine Vermutung, dass es noch eine traditionelle, mittlerweile wahrscheinlich nachlassende, Nachfrage nach diesem speziellen Geschmacksbild gibt.
Gruß
Markus
noch eine Anmerkung bevor wir "nach Hause" gehen. Mir ist ein kleiner Winzer bekannt, der seine Basis Dornfelder mit ME erzeugt. Daher war meine Vermutung, dass es noch eine traditionelle, mittlerweile wahrscheinlich nachlassende, Nachfrage nach diesem speziellen Geschmacksbild gibt.
Gruß
Markus
Re: Individualitätskiller
Ach, da kuck! Tja, dann gibt's bestimmt noch ein paar andere Winzer, die das tun.
Cheers,
Ollie
PS: Desmirail: gnihihi.
Cheers,
Ollie
PS: Desmirail: gnihihi.
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