Individualitätskiller

Was Sie schon immer über Wein wissen wollten, aber nie zu fragen wagten
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piggeldy
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Individualitätskiller

Beitrag von piggeldy »

Hallo liebe Forumsmitglieder,

bei einer bunten Blindverkostung im Kollegenkreis (unserer ersten) war die primäre und schon einmal sehr beruhigende Erkenntnis, drei der vier Teilnehmenden "Günstig"-Aldi/Lidl-Weine quasi sofort erkannt zu haben. Der dritte fiel aus dem abgesprochenen Rahmen, da er aus einer Sonderaktion stammte, zu teuer und eine Erzeugerabfüllung war.

Die dann folgende, zweite und irritierende Erfahrung war: Die Weine waren trotz unterschiedlicher Rebsorten und Anbaugebiete kaum voneinander zu unterscheiden.

Das führt nun zu meiner Frage: Welche Weinbereitungsmethoden führen zu dieser Uniformität? Welches sind die effektivsten Individualitätskiller? Ich vermute mal: Maximale Erntemengen und Reinzuchthefen. Was mich besonders interessiert: Welche Rolle spielt die Maischeerhitzung?

Werden diese Methoden absichtlich eingesetzt um einen einheitlichen Weinstiel zu kreieren oder ist dieser Geschmack eine Folge der maximal billigen Produktion?

Vielen Dank für Eure Expertise.

Markus
Ollie
Beiträge: 2388
Registriert: Mo 6. Jun 2011, 12:54

Re: Individualitätskiller

Beitrag von Ollie »

piggeldy, komm mit!

Bei grossen Kellereien ist es durchaus ein erklaertes Ziel, auch ueber die unterschiedlichen Jahrgaenge hinweg einen moeglichst gleichbleibenden Weinstil zu einer moeglichst gleichbleibenden Qualitaet abzuliefern, und zwar in grossen Mengen, zugeschnitten fuer den jeweiligen Markt/Verbrauchergeschmack.

Das bedeutet also nicht maximal billige Produktion, sondern angemessener Aufwand (dieses Ziel hat der normale Winzer auch). Schliesslich soll Geld verdient werden. (Aktuelles Beispiel: ein badischer Gutedel fuer 125 Euro, wohl pro Flasche...)

Dabei koennen die erreichten Weinqualitaeten durchaus hoch und sogar sehr hoch sein; bestes Beispiel ist Australien, wo hervorragende Weine "am Reissbrett" entstehen koennen, weil hochqualifizierte Weinbauingenieure und Getraenketechnologen ganze Arbeit leisten.

Dass da das geographische Profil etwas unter die Raeder kommt, ist zwar nicht notwendigerweise so, wird in Grenzen aber durchaus in Kauf genommen. (Es reicht, als "Australier" durchzugehen.)

Cheers,
Ollie
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piggeldy
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Registriert: Mo 22. Jul 2013, 11:09
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Re: Individualitätskiller

Beitrag von piggeldy »

Hallo Ollie,

um noch mal bei den "günstigen" Discounterweinen zu bleiben (120€ Gutedel, wer macht den sowas?):

Ich kann mir ja gut vorstellen, dass ein bestimmtes Geschmacksprofil über die Jahrgänge und vermutlich auch Marken und Anbieter hinweg im Sinne des durchschnittlichen Verbrauchergeschmacks angestrebt wird. Aber muß das ein so schlechtes sein? :( Ich vermute die Ausrichtung auf eine möglichst kostengünstige Produktion trägt hier doch auch ihren Teil bei?

Werden die einfachsten Discounterweine häufig Maischeerhitzt? Wird die Methode auch bei einfachen Winzerweinen angewendet? Wie deutlich ist ihr Einfluss auf den Geschmack?

Gruß

Markus
Ollie
Beiträge: 2388
Registriert: Mo 6. Jun 2011, 12:54

Re: Individualitätskiller

Beitrag von Ollie »

Markus,

klar, die Maischeerhitzung ME) wird typischerweise bei der Erzeugung von Weine des unteren Qualitaetsniveaus angewandt. Man kann naemlich auch aus deutlich suboptimalem Lesegut Rotweine machen, also (viel) Geld in der Weinbergs- und Lesearbeit sparen.

Ich wuerde mal vermuten(!), dass Discounterweine immer, gehobene Supermarktweine (vorzugsweise aus Australien) hingegen nur manchmal per ME erzeugt wurden; im Topsegment der Supermarkklasse (Jacob's Creek) ist die normale Maischegaerung wahrscheinlich Standard. Winzergenossenschaften arbeiten v.a. im Basissegmant auch noch recht haeufig mit ME, kleine Winzer dagegen nie.

Ein Grund ist, dass ME zu einem speziellen Aromaprofil fuehren: marmeladige oder uebertrieben parfuemiert-bonbonhafte Frucht (das genaue Resultat ist wohl auch rebsortenabhaengig). NIcht gerade das, was man mit hochwertigen Rotweinen verbindet.

Cheers,
Ollie
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Desmirail
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Re: Individualitätskiller

Beitrag von Desmirail »

Ollie hat geschrieben:piggeldy, komm mit!

OT

Auch einen Pinguin zu Hause *grins* :lol:
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piggeldy
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Re: Individualitätskiller

Beitrag von piggeldy »

Danke für die Ausführungen Ollie,

noch eine Anmerkung bevor wir "nach Hause" gehen. Mir ist ein kleiner Winzer bekannt, der seine Basis Dornfelder mit ME erzeugt. Daher war meine Vermutung, dass es noch eine traditionelle, mittlerweile wahrscheinlich nachlassende, Nachfrage nach diesem speziellen Geschmacksbild gibt.

Gruß

Markus
Ollie
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Re: Individualitätskiller

Beitrag von Ollie »

Ach, da kuck! Tja, dann gibt's bestimmt noch ein paar andere Winzer, die das tun.

Cheers,
Ollie

PS: Desmirail: gnihihi.
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