Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Hohe Brisanz, kurzes Verfallsdatum
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UlliB
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von UlliB »

Gerald hat geschrieben: Di 6. Jan 2026, 16:43 Hallo
Der Gesamtalkohol ist gewissermaßen ein "winzerinterner" Parameter, den das Weinlabor ermittelt und im Zertifikat ausweist. Was der Winzer damit anfängt, weiß ich auch nicht. Vielleicht fragst du einen Winzer das nächste Mal, wenn du den besuchst. Die Antwort würde mich dann auch interessieren ;)
ich weiß es auch nicht, ich könnte mir aber vorstellen, dass der Wert als "Kontrollparameter" nützlich sein könnte. Wenn man Mostgewicht (bzw. den daraus berechneten Zuckergehalt) mit dem Gesamtalkohol vergleicht, kann man ja abschätzen, wie viel vom Zucker nicht zu Alkohol geworden ist, sondern ein anderes Ende gefunden hat. Zum Beispiel für das Wachstum von Hefe bzw. anderen Mikroorganismen oder Verdunstung (z.B. bei höherer Maischetemperatur) oder aber mikrobiell zu anderen Endprodukten verarbeitet, z.B. Milchsäure?
Ja, natürlich. Man kann den Gärungsverlust abschätzen, aber auch da ist immer noch die Frage: wozu, wenn der Wein sensorisch in Ordnung ist. Auf hohe nominelle Alkoholgehalte zielt heute vermutlich kein Winzer mehr ab, so dass Gärverluste doch egal sind, sobei da nicht etwas "Schräges" mit entsprechenden sensorischen Auswirkungen entsteht.
amateur des vins hat geschrieben: Di 6. Jan 2026, 16:46 Ich vermute ja fast, daß das ein Rudiment irgendeiner akademischen Vorgänger-Software ist.
Ne. Der Begriff "Gesamtalkohol" existierte, bevor es so etwas wie Software überhaupt gab.

Gruß
Ulli
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von amateur des vins »

UlliB hat geschrieben: Di 6. Jan 2026, 17:03
amateur des vins hat geschrieben: Di 6. Jan 2026, 16:46 Ich vermute ja fast, daß das ein Rudiment irgendeiner akademischen Vorgänger-Software ist.
Ne. Der Begriff "Gesamtalkohol" existierte, bevor es so etwas wie Software überhaupt gab.
Softwaregenerierte tabellarische "Untersuchungsergebnisse" mit dem Eintrag "Gesamtalkohol" existieren erst, seit es Software gibt.

Was auch immer, ist ja eh Spekulation. Soll'n se machen.
Besten Gruß, Karsten
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UlliB
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von UlliB »

amateur des vins hat geschrieben: Di 6. Jan 2026, 17:57 Softwaregenerierte tabellarische "Untersuchungsergebnisse" mit dem Eintrag "Gesamtalkohol" existieren erst, seit es Software gibt.
Ich verstehe nicht, was du hiermit sagen willst. Selbstverständlich gibt es softwaregenerierte Werte erst, seitdem es Software gibt.

Nur braucht man, um einen Gesamtalkoholgehalt eines Weines zu bestimmen, keinerlei Software. Dafür reicht ein Taschenrechner, und bevor es den gab, nur ein Blatt Papier und ein Stift. Und auch in der "nur-Stift-Zeit" gab es den Begriff Geamtalkohol schon, mit der selben Definition wie heute. Und deshalb auch Geamtalkoholwerte.

Gruß
Ulli
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von amateur des vins »

Ulli, ich beziehe mich eigentlich die ganze Zeit auf die von Erich zitierten Bilder.

Nach meinem Verständnis hat Frau Isabelle Frank einen echten Laborberichtsauszug hergenommen (sonst wären die Werte vermutlich nicht so krumm) und daran exemplarisch die Rechnung demonstriert. Diese Laborauswertungen hat es sicher auch schon vor der geänderten Rechtslage bezüglich Brenn- und Nährwertangeben gegeben. In anderem Kontext kann dieser Wert ja sinnvoll sein. Dann habe ich die Annahme reingesteckt, daß die kaum alle von Hand eingetippt werden, mithin softwaregeneriert sind.

Daß da jetzt "Gesamtalkohol" auftaucht, auch wenn der an dieser Stelle vermutlich niemanden interessiert, kann auch einfach daherkommen, daß diese Berichte schon länger existieren und niemand sich die Mühe gemacht, die für Frau Franks Exempel zu entfernen.

Eigentlich alles nicht wert, soviele Worte darum zu machen - sorry dafür. Mache ich jetzt nur, damit Du mich nicht für einen Volltrottel hältst. Hoffe, ich habe damit Erfolg.
Zuletzt geändert von amateur des vins am Di 6. Jan 2026, 19:49, insgesamt 2-mal geändert.
Besten Gruß, Karsten
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UlliB
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von UlliB »

amateur des vins hat geschrieben: Di 6. Jan 2026, 19:03 Mache ich jetzt nur, damit Du mich nicht für einen Vollttrotel hältst.
Das würde mir doch niemals einfallen ;)

Selbstverständlich werden heute Laborberichte elektronisch generiert. Das ist bei meinem jährlichen Checkup bei meinem Hausarzt auch so, wobei genau deswegen hier und da auch ein wenig Misstrauen angebracht ist.

Das ändert aber nichts daran, dass die im Laborbericht ausgewiesenen Parameter zu einem großen Teil schon existierten und sowohl bestimmt als auch dokumentiert werden konnten, bevor es so etwas wie eine IT überhaupt gab. Bei vielen Resultaten der Weinanalyse ist das so, die sahen vor hundert Jahren gar nicht mal so sehr viel anders aus als heute. Einen Gesamtalkoholgehalt konnte man mit den damaligen Methoden nicht viel schlechter bestimmen als heute. Und spätestens seit 1971 dürfte der obligatorische Analysenbericht für Qualitätsweine den auch ausgewiesen haben.

Was die Frage nach der Sinnhaftigkeit allerdings nicht beantwortet.

Gruß
Ulli
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von Rieslingfan »

Kann es sein, dass inzwischen abgesehen von den Nährwertangaben wie Brennwert, Kohlenhydate/Zucker, die Zutaten wie Trauben, Saccharose und sonstige Inhaltsstoffe im Shop der Weingüter nicht mehr angegeben werden müssen?

Die Frage stellt sich mir, da ein Weingut die Zutaten bis vor kurzem bei allen relevanten Weinen angegeben hat, nun aber nur noch die Nährwerte nennt. (Und nein, nicht Wittmann). Zudem fehlt die Angabe der Zutaten nach wie vor sowohl in der Onlinepräsenz einiger Weingüter und auch bei Händlern.
Gruß Markus
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von EThC »

...ich hab auf die Schnelle mal die üblichen Quellen durchforstet und keine Änderung der entsprechenden EU-Regelwerke gefunden...
Viele Grüße
Erich

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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von weinaffe »

Hallo zusammen,

da mich die inflationsartig ausufernde Verwendung von Carboxymethylcellulose (CMC) in den letzten Jahrgängen sehr irritiert hat, habe ich direkt mal einen Winzer gefragt, der das wohl nicht verwendet.Er glaubt, dass der sprunghafte Anstieg von CMC mit der immer mehr zur gängigen Praxis werdenden Aufsäuerung zu tun hat. Insbesondere bei der Aufsäuerung mit Weinsäure, die im Moststadium empfohlen wird, kommt es häufig zu einer Weinsteinausfällung, die durch die CMC-Zugabe vermieden oder zumindest zeitlich hinausgeschoben werden kann. Ich habe zwar von Chemie keine Ahnung, gleichwohl erscheint mir diese Argumentation durchaus schlüssig zu sein.

LG
Bodo
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UlliB
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von UlliB »

weinaffe hat geschrieben: Sa 4. Apr 2026, 14:28 [...] die inflationsartig ausufernde Verwendung von Carboxymethylcellulose (CMC) in den letzten Jahrgängen [...]
Deklarationspflichtig ist die Verwendung von CMC erst seit dem Jahrgang 2024. Insofern ist es ein wenig gewagt, von "inflationsartig ausufernd" zu reden, schließlich könnte CMC auch schon in den Vorjahrgängen im selben Ausmaß verwendet worden sein. Man weiß es einfach nicht. Zulässig ist die Verwendung in Wein jedenfalls seit 2009, und die Verwendung wurde sowohl von den Weinbauschulen als auch von den Kellereiartikellieferanten gleich nach Zulassung sehr gepuscht, weil das Zeug wohl wirksamer ist als die vorher meistens verwendete Metaweinsäure.

Der Ausfall von Weinstein in der Flasche trat bis in die 90er insbesondere beim Riesling noch sehr häufig auf und war in manchen Jahrgängen fast schon ein Regelfall, danach wurde er immer seltener, und ich vermute, dass schon damals Maßnahmen ergriffen wurden.

Für den Weinsteinausfall ist es übrigens völlig egal, ob die Weinsäure zugesetzt wird oder ob der Most diese natürlich enthält. Chemisch gesehen ist die zugesetzte Weinsäure mit der natürlich in Trauben vorhandenen völlig identisch.

Gruß
Ulli
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von Taunus Südhang »

Mich irritiert diese CMC Diskussion.
Mache ich jetzt besser, trotz der Zulassung in vielen Lebensmittel, einen Bogen um die Weine mit CMC?
Bei Bioweinen ist CMC nicht zugelassen?
Welche Rolle spielt bei dieser Diskussion der Einsatz von Metaweinsäuren?
Viele Grüße

Thomas
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