BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
Mr. I
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Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne

Beitrag von Mr. I »

warum kommen eigentlich dieses mal so viele "kleinere" und weniger bekannte Chateaux so spät heraus?
Ich meine, vieles, was in den ersten (sehr langweiligen) Tagen der Kampagne noch breit diskutiert worden wäre (und vielleicht auch gekauft) geht doch momentan vollständig unter zwischen all den 40%+ GCs... Subskriptionsmüdigkeit war dieses Jahr schon eingekehrt, bevor viele Weingüter überhaupt Lebenszeichen von sich gaben! :?:

Gruß!
Bottlebinder
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Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne

Beitrag von Bottlebinder »

Frankie Wilberforce hat geschrieben:
Desmirail hat geschrieben:
octopussy hat geschrieben: P.P.S. Wo ist eigentlich Weinpapst hin?

Bist Du wohl still :!:

sowas :D :D
Der Weinpapst hat als eine Art personifiziertes Über-Ich des Kartells von Bordeaux wenigstens die vergangene Woche hier durch seine humoristischen Einlagen sehr unterhaltsam gestaltet, habe noch nie so gelacht in einem Internet-Wein-Forum.

Leider hat das Kartell selbst nichts mehr Unterhaltsames zu bieten. Es ist definitiv die ödeste und enttäuschendste Primeurkampagne, an der ich bislang teilhatte. Der Vorteil - meine Finanzkraft wird nicht in Versuchung geführt. Vom Markt entkoppelte Preise, so meine Prognose, werden sich nicht durchsetzen lassen. Tut mir nur für die Händler leid. Zum Glück haben die letztes Jahr gut verdient ...

Bordeaux läuft Gefahr, dass über den Wein in Zukunft nicht mal mehr diskutiert wird. Ich habe auch nicht vor, mich mit Zweitweinen abspeisen zu lassen. Hochmut kommt vor dem Fall, Madames et Monsieurs!!!
Grüße
Mathias
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innauen
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Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne

Beitrag von innauen »

Schneller, höher, weiter, teurer Pichon Baron mit 47 Prozent Aufschlag ex nego. 180€ EVP. Und ein Baron darf nicht teurer als die Comtesse sein :D

Grüsse,

Wolf
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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UlliB
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Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne

Beitrag von UlliB »

Mr. I hat geschrieben:warum kommen eigentlich dieses mal so viele "kleinere" und weniger bekannte Chateaux so spät heraus?
Ich meine, vieles, was in den ersten (sehr langweiligen) Tagen der Kampagne noch breit diskutiert worden wäre (und vielleicht auch gekauft) geht doch momentan vollständig unter zwischen all den 40%+ GCs... Subskriptionsmüdigkeit war dieses Jahr schon eingekehrt, bevor viele Weingüter überhaupt Lebenszeichen von sich gaben! :?:
Stimmt schon, die Dramaturgie ist definitiv verbesserungsbedürftig... allerdings war's jetztes Jahr nun auch nicht gerade besser. Die Kampagne schleppte sich ebenfalls endlos dahin.

Bottlebinder hat geschrieben: Vom Markt entkoppelte Preise, so meine Prognose, werden sich nicht durchsetzen lassen. Tut mir nur für die Händler leid. Zum Glück haben die letztes Jahr gut verdient ...
Wer vor einem Jahr vorausgesagt hätte, dass die 09er Kampagne bereits ein Jahr später glorifiziert werden wird, wäre wohl gesteinigt worden :?

Und machen wir uns doch nichts vor: wer damals 900 Euro für eine 6er-Kiste Montrose locker abdrücken konnte, wird vermutlich dieses Jahr auch 1100 aufbringen können (ob er's auch will, ist eine andere Frage).

Der Markt für diese Weine ist wohl kaum noch der, der er vor 10 Jahren einmal war - insofern ist schwer zu sagen, wovon sich hier was entkoppelt...

Gruß
Ulli
Bottlebinder
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Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne

Beitrag von Bottlebinder »

UlliB hat geschrieben: wer damals 900 Euro für eine 6er-Kiste Montrose locker abdrücken konnte, wird vermutlich dieses Jahr auch 1100 aufbringen können (ob er's auch will, ist eine andere Frage).
Hallo Uli,

ich kann zwar, tu es aber nicht. Ich bin echt sauer. Ich tue mich einfach schwer damit, eine Flasche Wein, die Hunderte Euro wert sein soll, einfach mal wegzutrinken, denn nur zum Genießen möchte ich sie haben. Natürlich weiß ich, dass die Weine auch gekauft werden (manchmal erst recht), wenn sie teuer sind und die hiesigen Stimmen nicht repräsentativ sind. Aber eine Flasche Wein als Genussmittel ist eben das eine und der Gegenwert etwas anderes. Beides muss für mich in einem vertretbaren Verhältnis bleiben. Ich weiß nicht, wie es mir in ein paar Jahren gehen wird, wenn ich vor der Entscheidung stehe, eine Flasche 2008er Lafite oder sonstiger Premier Crus, die ich da noch en gros subskribiert hatte, zu öffnen? Das finde ich alles nicht ganz einfach. Ich verdiene schon besser und schneller als viele andere, aber in meinen Augen wird meine eigene Leistung verhöhnt, wenn man mir Dinge anbietet, deren Preis eine Frechheit und außer Verhältnis ist. Vielleicht geht es einem Millionen- oder Milliardenerben nicht so, dem alles in den Schoß gefallen ist? Ich sammle auch Platten und da gibt es viel zu tun und auszugeben. Wenn ich da eine wertvolle Scheibe erstehe, kann ich davon ausgehen, dss ihr Wert weiter steigt - der Unterschied: ich verleibe sie mir nicht ein, sondern sie bleibt materiell in meinem Besitz, obwohl ich mir den in ihr verkörperten Genuss gönnen kann.
Grüße
Mathias
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UlliB
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Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne

Beitrag von UlliB »

Hallo Mathias,

worum es mir ging, war der ganz konkrete Vergleich - 150 Euro für den 09er Montrose werden als angemessen empfunden, 180 Euro für den 10er aber nicht?

Die Frage, was nun angemessen ist oder nicht, wird jeder unterschiedlich beantworten (für die meisten Leute ist der Preis für eine Flasche Poujeaux bereits völlig unangemessen). Auf die beiden Montrose-Preise bezogen, würde ich aber sagen: der Unterschied ist bezüglich der Angemessenheit mehr oder weniger Jacke wie Hose. Wer 180 für völlig beknackt hält, der müsste auch die 150 letztes Jahr für völlig beknackt gehalten haben.
Bottlebinder hat geschrieben: Ich tue mich einfach schwer damit, eine Flasche Wein, die Hunderte Euro wert sein soll, einfach mal wegzutrinken, denn nur zum Genießen möchte ich sie haben.
Interessanter Punkt, kann ich einerseits nachvollziehen, aber - was machst Du denn mit teuren Altbeständen? - Ich habe noch eine ganze Menge Premiers aus dem Jahrgang 1990 im Keller, die haben damals in der Subs unter 100 DM (!) gekostet. Ist es ok, wenn ich sie genieße, weil ich seinerzeit einen nach meinem Gefühl angemessenen Preis dafür bezahlt habe, oder ist es nicht ok, weil die mittlerweile einen derart hohen Marktwert haben, dass ich das Trinken als unanständig empfinde?

Eine ziemlich schwierige Diskussion, finde ich.

Gruß
Ulli
Bottlebinder
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Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne

Beitrag von Bottlebinder »

Hallo Ulli,

im vergangenen Jahr waren wir doch ganz überwiegend vom Hype mitgerissen und haben gekauft und gekauft im Bewusstsein, den ganz großen Überjahrgang, die einmalige Gelegenheit am Schopfe zu packen. Dafür ging das in Ordnung. Dieses Jahr ist das anders: Ich kann hier nicht mehr erkennen, wie ich die Steigerung für mich selbst rechtfertigen soll. Zugleich hatte ich im letzten Jahr, als ich wirklich viel gekauft habe, auf einen grottenschlechten Folgejahrgang gehofft und mir selbst eingeredet, die Kohle für 2 Subskriptionen in einer untergebracht zu haben. Da ich inzwischen aus der Hypnose erwacht bin, kann ich mich daran genau erinnern und weine dem 2010ern keine Träne hinterher. Natürlich habe ich auch kleinere 2010er nach vermeintlichem PGV gekauft (z.B. Gruaud, Les Ormes, Sociando und so weiter ...). Aber ich werde nicht wieder über die Stränge schlagen, und kann mir wirklich nicht ausmalen, dass die Chateaus mit ihrer diesjährigen Preispolitik glücklich werden und ich werde dazu keinesfalls beitragen.
Grüße
Mathias
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innauen
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Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne

Beitrag von innauen »

UlliB hat geschrieben:Hallo Mathias,

worum es mir ging, war der ganz konkrete Vergleich - 150 Euro für den 09er Montrose werden als angemessen empfunden, 180 Euro für den 10er aber nicht?

Gruß
Ulli
Kleine Korrektur. Montrose wird von den Nogociants in einer "zweiten Tranche" jetzt bereits für rund zehn Prozent mehr angeboten. Kommt auf rund 200€ EVP raus.

Grüsse,

Wolf
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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octopussy
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Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne

Beitrag von octopussy »

innauen hat geschrieben: Kleine Korrektur. Montrose wird von den Nogociants in einer "zweiten Tranche" jetzt bereits für rund zehn Prozent mehr angeboten. Kommt auf rund 200€ EVP raus.
Oh, oh, schwerer Fehler. Zu billig rausgekommen. Das hätte Château Montrose nicht passieren dürfen. Aber ist ja gerade nochmal gut gegangen. Mit 200€ EVP ist ja das richtige Preisniveau jetzt etabliert :twisted:.
Beste Grüße, Stephan
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UlliB
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Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne

Beitrag von UlliB »

innauen hat geschrieben: Montrose wird von den Nogociants in einer "zweiten Tranche" jetzt bereits für rund zehn Prozent mehr angeboten. Kommt auf rund 200€ EVP raus.
Da würde mich schon interessiern, wer hier auf die Schnelle noch ein größeres Stück vom Kuchen abschneiden möchte - die Negos oder das Chateau. Ich tippe mal auf die Negos.
octopussy hat geschrieben: Mit 200€ EVP ist ja das richtige Preisniveau jetzt etabliert :twisted:.
Ob das Preisniveau "richtig" ist, werden auch die auf dem Chateau erst dann wissen, wenn die Comtesse, Cos, Ducru, Palmer und Las Cases draussen sind. Mein Tipp: die werden danach ziemlich heftig glauben, dass sie viel zu billig sind. Aber der 2011er kommt ja demnächst, und dann... :twisted:

Gruß
Ulli
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