http://wuertz-wein.de/wordpress/2011/05 ... -kritiker/
Nun, damit könnten wir uns alle eigentlich angesprochen fühlen, die wir hier, in der VKN-Datenbank oder auch in Weinblogs etc. unsere Verkostungsnotizen bzw. Eindrücke schreiben. Vielleicht noch weniger im Forum selbst als in Weinblogs, die auf den mit der Weinszene nicht vertrauten Leser oft den Eindruck erwecken, dass es sich um eine professionelle Produktion handelt und nicht ein Freizeitvergnügen privater Weinfreunde.
Die Aussage von Mazzella ist mir natürlich verständlich als Klage eines professionellen Weinschreibers, dem durch die "Demokratisierung" im Web immer mehr Einfluss und bestimmt auch Einnahmen verloren gehen. Andererseits halte ich eine solche Aussage für hochnäsig und vor allem inhaltlich absurd, da ja auch die meisten professionellen Weinschreiber keinerlei Qualifikationsnachweis für ihre degustatorische Tätigkeit aufweisen können. Wir alle haben schon Statements von Weinautoren in der Art wie "wer den Wein anders als ich sieht, hat eben keine Ahnung davon" gelesen
Eine Weinverkostung und Beurteilung ist letztendlich auch nur ein Messverfahren, das eben nicht mit technischen Hilfsmitteln ausgeführt wird, sondern mit dem menschlichen Gaumen bzw. der Nase. In Prüflaboratorien gibt es seit längerem Akkreditierungsverfahren, ohne deren erfolgreichen Nachweis man kaum mehr Aufträge bekommt. Da geht es neben der Qualitätssicherung selbst (Verantwortlichkeiten, lückenlose und nachvollziehbare Aufzeichnung etc.) vor allem um den Nachweis, dass man korrekte und zuverlässige Messungen durchführen kann.
Bei Wein gibt es so etwas nicht, zumindest nicht in einer Art institutionalisierter Form, mit dem jeder Weinverkoster quasi seine Qualifikation nachweisen kann. Dabei müsste man meiner Meinung nach zwei unterschiedliche Faktoren heranziehen: einerseits die sensorischen Fähigkeiten an sich (also z.B. dass man bestimmte Weine in unterschiedlichen Verkostungsanordnungen wiedererkennt), andererseits die Korrelation mit anderen Verkostern, die die Sensorik-Hürde geschafft haben.
Und solange es so etwas nicht gibt, finde ich eine solche herablassende Art eines Profis gegenüber engagierten Amateuren für völlig realitätsfern ...
Grüße,
Gerald