gestern konnte man im Favorite Parkhotel in Mainz die Siegerweine -und viele Weine mehr- des Vinum-Wettbewerbs "Riesling-Champion 2014" verkosten, bei dem es um die besten Riesling-Weine in verschiedenen Kathegorien sowie um die beste Gesamtleistung eines Weinguts in Sachen Riesling ging.
Folgende 15 Weingüter präsentierten Ihre Weine (gesamt ca. 100 Weine):
- Frank Brohl, Pünderich (Mosel) -2. Platz halbtr./feinherb
- Weingut Didinger, Osterspai (Mittelrhein) 2. Platz halbtr./feinherb
- Weingut Dönnhoff, Oberhausen (Nahe) 3. Platz Gesamtwertung
- Weingut Geil, Bermersheim (Rheinhessen) 1. Platz trocken
- Weingut Hahnmühle, Mannweiler-Cölln (Nahe) 3. Platz edelsüß
- Weingut Künstler, Hochheim (Rheingau) 2. Platz trocken
- Weigut Kuhn, Laumersheim (Pfalz) 1. Platz Gesamtleistung -- 2. Platz trocken
- Ludi Neiss, Kindenheim (Pfalz) 3. Platz edelsüß
- Horst Sauer, Escherndorf (Franken) 2. Platz edelsüß
- Weingut Schäfer-Fröhlich, Bockenau (Nahe) 3. Platz fruchtig
- Karl Heinz Schneider, Bad Sobernheim (Nahe) 1. Platz edelsüß
- Weingut Seehof-Fam Fauth, Westhofen (Rheinhessen) Zusatzwettbewerb: Beste Scheurebe
- Weingut Spreitzer, Oestrich-Winkel (Rheingau) 1. Platz fruchtig
- Weingüter Wegeler, Oestrich-Winkel (Rheingau) 1. Platz halbtr./feinherb
- Weingut Wirsching, Iphofen (Franken) Zusatzwettbewerb: bester Rieslaner
Wie bei vielen Wettbewerben sind einige Sieger und Platzierte durchaus nachvollziehbar, bei anderen fragt man sich schon, wie das zustande gekommen ist. Nun ja, Geschmäcker sind verschieden, und wer weiss, in welchem Zustand sich die Geschmacksnerven einiger Juroren/-innen befunden haben
Zunächst zu den edelsüßen Gewinnern, bei denen man (fast) nicht meckern konnte:
Der Siegerwein bei den Rieslingen ist wirklich grandios und dafür extrem preiswert:
- 2011er Sobernheimer Marbach Riesling TBA (Karl Heinz Schneider)
ultraklare, ganz saubere Bortrytis, trotz satten 375 gr Restzucker ist dieses Elixier dank über 12 Promill Säure in keiner Weise mastig oder einseitig süss, sondern fast filigran, und das bei enormen Druck und Dichte. In dieser Stilistik nahezu perfekt,sehr bescheidener Preis (39 EURO/0,375 l).
2. Platz:
- 2012 er Escherndorfer Lump Riesling TBA (Horst Sauer)
ebenfalls sehr saubere Bortrytis, noch etwas konzentrierter, aber nicht ganz so elegant wie die Sieger-TBA. Ebenfalls eine großartige TBA (62 EURO/0,5 l-Fl.)
3. Platz (ex aequo):
- 2011er Riesling TBA (Hahnmühle)
sehr konzentriert und makellos, steht den beiden Siegern kaum nach (89 EURO/0,375 l. Fl.)
- 2009er Riesling BA (Ludi Neiss)
da fragt man sich schon...?? Breit, nicht ganz saubere Bortrytis, ordentlich, aber nicht viel mehr.
2 grandiose TBA, die den Nebenwettbewerb der besten Scheureben und Rieslaner gewonnen haben, muss man unbedingt noch erwähnen:
- 2013er Westhofener Morstein Scheurebe TBA (Seehof-Fam. Fauth)
ganz grosse Scheu (190 Grad Ö), she fein und klar, sehr kompakt und dicht, sehr lang, phantastische TBA zu einem fast unmöglichen Preis (22 EURO/halbe Flasche). Da muss man selbst im (süssweingünstigen) Burgenland lange suchen, um so etwas Exquisites für so einen "lauen" Preis zu bekommen. Dringende Kaufempfehlung für Süssweinliebhaber !!
- 2011er Iphöfer Julius-Echter-Berg Rieslaner TBA (Wirsching)
dieser Wein zeigt exemplarisch, dass der Rieslaner als ein solches "Hochprädikat" fast alle Riesling-TBAS aus den Schuhen blasen kann: extrem konzentriert und fruchtdicht, grandiose Süsse-Säure-Balance, ein TBA für die lange Lagerung (88 EURO/halbe Fl.)
Bei den halbtr./feinherben Weinen gab es einen wirklich trinkanimierenden Sieger:
- 2013er Johannisberger feinherb (Weingüter Wegeler)
dank 9,5 Promill Säure sind die ca. 18 gr. RZ fast nicht schmeckbar, der Wein wirkt annähernd trocken, tolle Balance, ein Hauch Gerbstoff, so sollte feinherber Riesling sein. Ein perfekter Riesling, sowohl für die Terrasse als auch zum Essen. (11,90 EURO)
- 2013er Bopparder Hamm Mandelstein Riesling Kabinett halbtr. (Didinger) (2. Platz):
ebenfalls sehr gelungen und absolut trinkfreudig, geniales PLV (6,80 EURO)
Den Sieger bei den trockenen Rieslingen konnte ich nicht nachvollziehen:
- 2011er Nieder-Flörsheimer Frauenberg Riesling QW tr. (Geil)
ein guter Riesling, aber Sieger in dieser Kathegorie??
Wenn man folgenden Wein heranzieht, der offensichtlich etwas polarisiert hat, ist das Ergebnis natürlich schon in Frage zustellen:
- 2013er Bockenauer Felseneck Riesling GG (Schäfer-Fröhlich)
gnadenlos mineralisch (Schiesspulver, Stein), die "schwefligen "Aspekte sind für S-F-Verhältnisse relativ dezent
Auch bei den fruchtigen Weinen war für mich ein Wein von Schäfer-Fröhlich ganz vorne, obwohl er im Wettbewerb nur Dritter wurde:
-2013er Riesling Spätlese Felseneck (S-F)
ein Abbild des trockenen GG, aber aufgrund der Restsüsse (die absolut stimmig ist) wirkt er etwas zugänglicher. Aber auch das ist ein "Schläfer": in den Keller legen und mindestens 10 Jahre warten.
Großartig bei den "Restsüssen" war noch die Hermannshöhle Riesling Auslese Goldkapsel von Dönnhoff, die aber nicht zu den Siegern zählte. Der Gesamtsieger in dieser Kathegorie (fruchtig), der Oestricher Lenchen Riesling Spätlese "303" von Spreitzer konnte mich dagegen nicht so begeistern.
Das wars in aller Kürze. Eine sehr interessante Veranstaltung mit ebensolchen Weinen. Gerne mal wieder...
Grüsse
Bodo