vorgestern haben sich in Würzburg wieder einmal einige "Weinnasen" getroffen, um in einer vergleichenden Blindprobe herauszufinden, an welchen Stellschrauben der Winzer im Produktionsprozess drehen kann und wie sich das letztendlich auf das Endergebnis geschmacklich auswirkt. Der Arbeitstitel dieser Probe war daher für Anhänger des "Terroirprinzips" auch bewusst etwas provokant formuliert ("Der Winzer macht den Wein"), sollte aber diesen weinphilosophischen Ansatz ("Herkunft besiegt Winzerhand") auch nicht ad absurdum führen. Die Wahrheit liegt wie bei vielen Dingen des Lebens wahrscheinlich ohnehin in der Mitte
Folgende 7 Vergleichspaare stellten sich den Verkostern:
1.A) 2008er Escherndorfer Lump Silvaner QW trocken (Rainer Sauer) 88 P.
1.B) 2008er Escherndorfer Lump Silvaner QW trocken (Rainer Sauer) 88 P.
Es handelt sich bei beiden Weinen um ein und denselben Ausgangswein, der bis auf eine Ausnahme exakt gleich ausgebaut wurde.
Farblich unterscheiden sich beide Weine durchaus. Wein B hat eine etwas kräftigere hellgoldene Farbe. In der Nase ist die Variante A etwas würziger und kräuterbetonter, die Variante B etwas abgeklärter und neutraler. Noch deutlicher der Gaumenauftritt: Variante A ist kräuterwürzig, reifer Apfel, etwas Birne, angenehm gereift, jetzt auf dem Punkt, sehr charakteristischer Silvaner, Variante B wirkt in sich stimmiger, kräftigere Struktur, wirkt mineralischer, weniger Fruchteinfluss,gute Länge. Beide Weine haben eine sehr gute Qualität und vermitteln jetzt optimalen Trinkspass. Variante B ist für mich der noch essenskompatiblere Wein.
Wein Ahatte 6 Stunden Maischestandzeit und ist spontanvergoren.
Wein Bist auch spontanvergoren, wurde jedoch über mehrere Tage zusätzlichmaischevergoren.
Auffallend ist der unterschiedliche Alkoholgehalt: Variante A hat 13,5 Vol%, Variante B hat aufgrund der Maische vergärung rund 1 Vol% weniger. Die Maischevergärung bei Weißwein kann daher im Rahmen der weltweiten Klimaerwärmung für den einen oder anderen Winzer ein brauchbarer Mosaikstein zur Bändigung überbordender Alkoholwerte sein. Beide Weine sind qualitativ ebenbürtig, je 88 P.
Vergleichspaar 2(hier ging es um die Stilistik/Ausprägung eines weissen Rebsortenweins):
Wein 2A hat ein helles Strohgelb, zunächst sehr verhaltene Nase, die mit Luft immer mehr aufblühte (etwas Cassis, Zitrus, aber alles andere als plakativ), blieb jedoch ein "geheimnisvoller" Steinwein, bei dem man die aromatische Tiefe nicht ganz fassen kann, auf der Zunge staubtrocken, tolle Mineralität, die deutlich an Feuerstein erinnert, knackige, aber reife Säure, langsam baut sich dahinter die Frucht auf, sehr puristisch und fein, kein schmeckbarer Holzeinfluss, sehr tief, aber voll auf der finessenreichen Seite, angenehme Reife, sehr mineralischer Abgang. Ein grossartiger Wein, bei dem vielleicht das Terroir tatsächlich über die Rebsorte triumphiert. Egal was das ist, ein grossartiger Individualist mit Klasse. 93 P.
Wein 2Bhatte zunächst eine etwas reduktive, leicht sulphidische Nase (kleines Stinkerl), das aber mit Lufteinfluss deutlich besser wurde, im Gegensatz zum Vorgänger deutlich plakativer schon in der Nase, reife Tropenfrüchte (Maracuja, Mango), aber auch reife schwarze Johannisbeere, deutlicher, aber gelungener (Barrique)Holzeinfluss, der die Frucht aber nicht einschränkt, bei aller Extrovertiertheit kein fetter "Blender", sondern ein perfekt gemachter, offenherziger Vertreter dieser Rebsorte, der auch im Gegensatz zum Vorgänger sofort erkennbar war, auch der Gaumeneindruck enttäuscht nicht, sehr klare, feine Fruchtaromatik mit der idealen Holzunterstützung (kaum Rösttöne), saftige Säure, mit 12,5 Vol% nur mittlerer Körper, ein echter Spasswein, sehr gut vinifiziert, man merkt nur im Mittelteil und in der aromatischen Intensität im Nachhall die grössere Klasse des Vorgängers. 90P.
Wie sicherlich zu Recht vermutet wird, handelt es sich um 2 Sauvignon blancvöllig unterschiedlicher Stilistik.
Wein Astammt aus einem exzellenten, bio-dynamisch gepflegtem Weinberg mit sehr altem Rebmaterial und feuersteinhaltigem Boden (ist tatsächlich schmeck- und riechbar!),ist älter als der Nachfolger und kam mit Barrique nicht in Berührung (Ausbau in großen alten Holzfässern und im Stahltank).
Wein B ist eine Cuvee aus 3 verschiedenen Weinbergen mit unterschiedlichen Bodenformationen (Buntsandstein,Kiesmergel, Kalkstein),stammt aus jungen Rebanlagen und wurde im kleinen Holzfass (teilweise neu)ausgebaut. 70% wurden auch im Holzfass vergoren. Ansonsten auch hier sehr handwerklicher Ausbau mit langem Voll-und Feinhefe-Kontakt.
Die Weine waren:
2.A) 2007er Sancerre a.c. "Les Romains" (Domaine Vacheron 93P.
2.B) 2011er Sauvignon blanc "I" QW trocken (von Winning, Deidesheim) 90P.
Fortsetzung folgt mit den 5 fehlenden Vergleichspaaren !
Grüsse
Bodo