letzten Freitag trafen sich in Würzburg einige Weininteressierte, um queerbeet einige autochthone Rebsorten zu verkosten.
Autochthone Rebsorten sind solche, die idealerweise in einer bestimmten Gegend (durch natürliche Zufallskreuzungen) entstanden sind, dort seit vielen Jahren im Anbau sind und nach Möglichkeit nur in diesem Gebiet angebaut werden. Die letzte Anforderung ist aber in einer immer globaler werdenden Weinwelt mehr und mehr illusorisch geworden.
Da wir außerdem nicht nur "schrullige" Obskuritäten probieren wollten, haben wir den Begriff "autochthon" etwas weiter gefasst. So gab es neben einigen Raritäten auch wohlbekannte Rebsorten, allerdings ausschließlich aus der -vermutlichen- Urheimat der jeweilige Rebsorte. Eines galt aber uneingeschränkt: der Weinabend musste frei von den Global Playern Cabernet, Merlot, Chardonnay und Sauvignon blanc sein.
Es gab insgesamt 14 Weine, zunächst 6x weiss und anschliessend 8x rot.
Hier die Weine in der tatsächlichen Reihenfolge mit kurzen Anmerkungen:
2012er Resi (Reze) Wallis AOC (Chanton Weine, Visp)
Die Weinkellerei Chanton in Visp gilt zurecht als "Gralshüter" alter und schon fast ausgestorbener Rebsorten. Hierzu zählt auch die Resi (herzallerliebster Name
2010er Escherndorfer Lump Silvaner "L" Spätlese trocken (Rainer Sauer)
"Mister Silvaner" (wie er aufgrund seines extrem hohen Silvaneranteils im Betrieb auch genannt wird) ist mit dem 2010er "L" (wie Leidenschaft) ein Prachtstück gelungen: sehr dicht Nase mit kräutriger Frucht (reife Birne, Apfel, Aprikose), auf der Zunge cremig und mineralisch, dank der jahrgangstypischen Säure (6,7 Promill, nicht entsäuert!) wirkt der Wein sehr beschwingt und ungeheuer trinkig, kraftvoll (13,5 Vol%), aber bestens integrierter Alkohol, ausgezeichnete Länge. Ein großartiger Sortenvertreter. 92 P.
2011er Meilener Completer (Zürirebe) Zürichsee AOC (Schwarzenbach, Meilen)
Der Completer entspricht fast idealtypisch den Anforderungen an eine autochthone Rebsorte. Es gibt ihn praktisch nur am Zürichsee (syn. Züri-Rebe) und in Graubünden (syn. Malanser Rebe). Diese Rebsorte hätte durchaus eine größere Verbreitung verdient: sehr wuchtige Nase mit dezenter, reifer Frucht (Birne,Quitte) und -angenehmen- Malospuren, tiefgehende Nase, auf der Zunge sehr kraftvoll, milde Säure, die gerade genug Halt gibt, dichte Frucht(Birne,Honigmelone,Quitte), Alkohol(13,8 Vol%) noch integriert, langer kraftvoller Abgang. Wenn man Äpfel mit Birnen vergleichen will, erinnert er ein wenig an einen hochreifen Grauburgunder vom Kaiserstuhl oder an einen Viognier von der Rhone.
Sehr gute Qualität. 89 P.
Fortsetzung folgt !!
Grüsse
Bodo