Weinprobe Burgundersorten in Würzburg

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weinaffe
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Weinprobe Burgundersorten in Würzburg

Beitrag von weinaffe »

Hallo zusammen,

letzten Freitag trafen sich wieder einmal einige Weininteressierte, die diverse Burgunderrebsorten durchgetestet haben.
Es waren 14 Weine am Start, je zur Hälfte Weiß- und Rotwein. Alle 14 Weine hatten Korkverschluss und -absolut nicht selbstverständlich- war tatsächlich kein Korkschmecker dabei.

Die probierten Weine in der tatsächlichen Reihenfolge mit kurzen Anmerkungen von mir:


--- Bouzy Grand Cru "Silver" Brut Nature (Andre Clouet, Bouzy)

100%iger Pinot Noir-Champagne, völlig ohne Dosage, Ausbau der Grundweine teilweise in gebrauchten Sauternes-Fässern von Doisy-Daene. Dezent goldgelbe Farbe, zartes Perlenspiel, trocken wie ein Pokerauge, aber mit reifer Säure und Reife, ein vorbildlicher Blanc de Noirs mit guter Länge zu einem sehr fairen Preis (bei Lobenberg knapp 30 EURO).
90 P.


2012er Malterdinger Auxerrois Kabinett trocken (Bernhard Huber, Malterdingen)

über 40 Jahre alte Rebstöcke, nur 11,5 Vol%.
ein sehr klarer und feiner Auxerrois mit ausreichend Säure, der trotz der geringen Alkoholgradation genügend Schmalz mitbringt. Sehr guter Trinkfluss, mittlere Länge, sehr gekonnt vinifiziert. 86 P.


2010er Weißburgunder Riserva "Passion" (Kellerei St. Pauls, Eppan)

18 Monate im großen Holzfass ausgebaut. Einer der Premium-Weine dieser Südtiroler Kellerei: kräftige Goldreflexe, sehr kraftvoller Stil, reife Früchte in der Nase, mächtig am Gaumen, sehr reife Frucht nach Apfel und Mirabellen, Alkohol kommt etwas durch, aufgrund der niedrigen Säure (weniger als 5 Promill) geht der Wein deutlich in die Breite, mittlerer, etwas brandiger Abgang. Kein Solist, mit entsprechendem Essen macht er wahrscheinlich eine bessere Figur. 82 P.


1998er Haardter Herrenletten Grauburgunder Spätlese trocken (Müller-Catoir)

nur die -wahrscheinlich eher bortrytisbedingte- kräftige Goldfärbung verrät sein Alter, zunächst die übliche Sauerkrautnase, die aber in kürzester Zeit verschwindet, dahinter verbirgt sich eine kräftige und intensiv-würzige Frucht, die 13,5 Vol% sind dank der kräftigen Säure überhaupt nicht spürbar, langer und kraftvoller Abgang, trotzdem alles andere als ein Sattmacher. Toller, fast zeitloser Grauburgunder, der noch einige Jahre Leben vor sich haben könnte. 92P.


1999er Kirrweiler Mandelberg Weißburgunder Spätlese trocken (Bergdolt)

unglaublich jugendliche Farbe, superklare Apfel und Aprikosenfrucht, trotz 13,6 Umdrehungen fast spielerisch, tolle Würze und Länge, ein filigraner und trotzdem sehr dichter Weißburgunder der absoluten Spitzenklasse. Chapeau, Herr Bergdolt! Leider sind die Weißburgunder aus diesem Hause in den letzten Jahren nicht mehr auf diesem Niveau.
P.S: keiner der Teilnehmer schätzte den Wein älter als 3-4 Jahre ein !!
93P.

Fortsetzung folgt !!

Grüsse
Bodo
Zuletzt geändert von weinaffe am Di 19. Nov 2013, 10:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Weinfreund
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Re: Weinprobe Burgundersorten in Würzburg

Beitrag von Weinfreund »

Hallo Bodo,

danke für die (wie immer) schöne und vor allem auch gut nachvollziehbare Beschreibung der Weine .. :)

Ich glaube .. ich muss mich bei Gelegenheit einmal zu so einer Probe einladen lassen .. :lol:

Viele Grüße
Sascha
weinaffe
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Re: Weinprobe Burgundersorten in Würzburg

Beitrag von weinaffe »

Hallo Sascha,

da brauchst Du Dich gar nicht einladen lassen, da kann man sich richtiggehend anmelden. Es handelt sich hier um einen regulären Volkshochschulkurs, bei dem sich jeder Interessierte anmelden kann (vorausgesetzt, er meldet sich schnell an, da nur 18 Teilnehmer mitmachen können). In der Praxis sind diese Weinkurse allerdings mehr und mehr "Privatveranstaltungen", da immer die "üblichen Verdächtigen" dabei sind :lol:
Bei Interesse und wenn der Weg für Dich nach Würzburg nicht so weit ist, kannst Du mir ja mal per PM Deine Mail-Adresse geben. Ich mail Dich dann an, wenn entweder über die VHS (dieses Semester ist aber schon ausgebucht) oder natürlich privat (da läuft eigentlich mehr) mal wieder etwas verkostet wird. Ich würde mich jedenfalls freuen, Dich mal live kennenzulernen.

Grüsse
Bodo
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Weinfreund
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Re: Weinprobe Burgundersorten in Würzburg

Beitrag von Weinfreund »

Hi Bodo,

PM ist draußen .. :)

Viele Grüße
Sascha
weinaffe
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Re: Weinprobe Burgundersorten in Würzburg

Beitrag von weinaffe »

... und weiter geht's mit der Burgunderprobe:

2010er "Musbrugger" Grauer Burgunder Landwein trocken (Ziereisen)

deutliche, aber vollkommen integrierte Holznote (großes Holzfass),trotz reichlich Extrakt ein schlanker und trinkiger Typ dank messerscharfer Säure, sehr typisch, deutlich strukturbetont denn fruchtbetont, würde in einer Bourgogne-Blindprobe einen guten Piraten abgeben, gute Länge. Dieser Wein wird in ein paar Jahren garantiert noch besser schmecken.Unbedingte Kaufempfehlung! 91 P.


2010er "Les Carrons" V. V. Pouilly-Fuisse a.c. (Robert-Demogent)

ganz feiner Stoff aus durchschnittlich 90 Jahre alten Reben,tolle Struktur, unheimlich dicht, aber mit kräftiger Säure, die für spielerische Eleganz sorgt, extreme Kalkmineralität,trotzdem noch etwas verschlossen, viel Potenzial, toller Burgunder, der deutliche teurere Crus aus Meursault, Puligny oder Chassagne ziemlich alt aussehen lässt.
Seine ca. 35 EURO auf jeden Fall wert. 93 P.

Die 7 roten Burgunder folgen demnächst....

Grüsse
Bodo
olifant
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Re: Weinprobe Burgundersorten in Würzburg

Beitrag von olifant »

weinaffe hat geschrieben: Weißburgunder Riserva "Passion" (Kellerei St. Pauls, Eppan)

18 Monate im großen Holzfass ausgebaut. Einer der Premium-Weine dieser Südtiroler Kellerei: kräftige Goldreflexe, sehr kraftvoller Stil, reife Früchte in der Nase, mächtig am Gaumen, sehr reife Frucht nach Apfel und Mirabellen, Alkohol kommt etwas durch, aufgrund der niedrigen Säure (weniger als 5 Promill) geht der Wein deutlich in die Breite, mittlerer, etwas brandiger Abgang. Kein Solist, mit entsprechendem Essen macht er wahrscheinlich eine bessere Figur. 82 P.
Hallo Bodo,

hatte der auch einen Jahrgang? Hört sich für mich von sowas nach 2007 an ... und von im Ausbau übertrieben.
Grüsse

Ralf

Die Zukunft war früher auch besser.
Karl Valentin
weinaffe
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Re: Weinprobe Burgundersorten in Würzburg

Beitrag von weinaffe »

olifant hat geschrieben:
weinaffe hat geschrieben: Weißburgunder Riserva "Passion" (Kellerei St. Pauls, Eppan)

18 Monate im großen Holzfass ausgebaut. Einer der Premium-Weine dieser Südtiroler Kellerei: kräftige Goldreflexe, sehr kraftvoller Stil, reife Früchte in der Nase, mächtig am Gaumen, sehr reife Frucht nach Apfel und Mirabellen, Alkohol kommt etwas durch, aufgrund der niedrigen Säure (weniger als 5 Promill) geht der Wein deutlich in die Breite, mittlerer, etwas brandiger Abgang. Kein Solist, mit entsprechendem Essen macht er wahrscheinlich eine bessere Figur. 82 P.
Hallo Bodo,

hatte der auch einen Jahrgang? Hört sich für mich von sowas nach 2007 an ... und von im Ausbau übertrieben.
Hallo Ralf,

uups... da hab ich wohl den Jahrgang vergessen. Es war der 2010er.

Grüsse
Bodo
weinaffe
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Re: Weinprobe Burgundersorten in Würzburg

Beitrag von weinaffe »

.... und weiter geht es mit den roten Burgundersorten:


2011er Schwarzriesling QW trocken (Graf Neipperg, Schwaigern)

durchscheinendes Kirschrot, angenehme, aber recht harmlose "Dropsnase", geschmeidiges Tannin,Brombeeren und Kirsche, wirkt fast wie ein mauischeerhitzter Wein, angenehm im Alkohol (12,5 Vol%), mittlere Länge. Ein auf Frucht gebauter trockener Schwarzriesling, der auch vielen Weißweintrinkern gefallen könnte und etwas über dem Durchschnittsniveau in dieser Klasse liegt (auch preislich!). 81 P.


2010er Samtrot QW trocken (Wachtstetter, Pfaffenhofen)

gleich noch ein Württemberger aus einer seltenen Rebsorte, der aber qualitativ in einer anderen Liga spielt: etwas kräftigeres , aber denoch leicht transparentes Kirschrot, sehr feine Nase (Kirsche, Himbeere, leicht pfeffrig), die deutlich in die elegante Pinot Noir -Richtung geht, nur mittelgewichtig (12,5 Vol%), gut stützende Säure und reifes, feinkörniges Tannin, ein eher leiser, introvertierter Wein mit wunderbar gefühlvollem Holzeinsatz (kein Neuholz), der nur eine dezente Würze beisteuert, sehr ausgewogen und in sich ruhend, ausgezeichneter Trinkfluss. Ein vorbildlicher Samtrot aus keinem einfachen Jahr, der mit etwas mehr Dichte und Länge sogar die 90 Punkte-Marke gerissen hätte. Preislich kaum über dem Niveau des Schwarzriesling, was eindeutig für diesen Samtrot spricht. Sehr empfehlenswert für Eleganztrinker ! 87 P.


2011er Saulheimer Frühburgunder QW trocken (Thörle, Saulheim)

Das Weingut hat ja schon öfter mit seinem Premium-PN "Hölle" auf sich aufmerksam gemacht. Auch der Frühburgunder bietet gerade im Hinblick auf seinen bescheidenen Preis doch einiges: kräftigeres Kirschrot, trotz 2. + 3.-Belegung der Barriques deutliche, aber integrierte Holznote, sehr klare Note nach Herzkirschen und Preiselbeeren, samtiger Gaumenauftritt mit geschmeidigem Tannin und passender Säure, trotz 14 Vol% ist dieser unfiltrierte Wein keineswegs mastig oder marmeladig, stimmige Länge, die noch mit Frucht und Würze nachklingt. 88P.

Fortsetzung mit den 4 noch fehlenden Weinen folgt !!

Grüsse
Bodo
olifant
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Re: Weinprobe Burgundersorten in Würzburg

Beitrag von olifant »

Hallo Ralf,

uups... da hab ich wohl den Jahrgang vergessen. Es war der 2010er.

Grüsse
Bodo
... für einen 2010er Südtiroler Weissburgunder, auch bei Ausbau im grossen Holz und (wohl höchst wahrscheinlich) Malo, klingt das nicht so stark ...
Die 2011er Ausgabe hat gar 3YYY im GR erhalten. Nun differieren die Jahrgänge '10 und '11 zwar sehr kontrastreich, aber dennoch, an Säure fehlte es in 2010 und 2011 nicht, 2011 ist Aromen- und Extraktreicher, 2010 i.d.R. ist frischer und eleganter und wird m.E. sehr gut reifen - dieser WB wohl eher nicht?
Aber eines ist schon klar, als Solisten brillieren wohl die wenigsten WB, zum Essen hingegen schon.
Grüsse

Ralf

Die Zukunft war früher auch besser.
Karl Valentin
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Re: Weinprobe Burgundersorten in Würzburg

Beitrag von weinaffe »

Hallo Ralf,

der 2010er Passion war für mich auch eine große Enttäuschung, angesichts des eher für Frische sorgenden Jahrganges und der doch recht hoch gelegenen Weinberge dieser Genossenschaft. Der Wein hat aber analytisch nur 4,57 Promill Säure (warum auch immer!?) und das schmeckt man leider. Dabei hat Südtirol gerade im Weißburgunderbereich meist Ausgezeichnetes zu bieten.

Grüsse
Bodo
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