Eichelmann 2012
Verfasst: Mi 9. Nov 2011, 17:55
Üblicherweise kommt der Eichelmann genau 1 Tag vor dem Gault Millau heraus. Dieses Jahr ist es, wie so vieles aus dem Weinjahr 2010, andersherum: gestern war die PK des Gault Millau, heute erst die vom Eichelmann. Gleich geblieben ist jedoch, dass der Eichelmann früher zu kaufen ist, nämlich seit heute, während der GM erst nächste Woche in die Kinos kommt. Sei's drum!
Nun ist es ja so, dass der GM ein höheres Renommee besitzt als der Eichelmann. Das ist ganz sicher nicht nur der Gnade des Zuerstgekommenen zuzuschreiben, sondern auch einer Verankerung (oder Verflechtung) innerhalb der Weinszene, die der GM sehr geschickt einzusetzen weiss. Nicht immer ohne zumindest das G'schmäckle zu hinterlassen, dass hier nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht: Interessenskonflikte, Mauscheleien, Seilschaften und was es sonst noch so alles gibt.
All das kann man dem Eichelmann wohl nicht vorwerfen. Er ist auf eine Art neutral, dass es schon fast wieder unspannend ist, lieben wir Menschen doch das Allzumenschliche, wo Urteil und Fehlurteil, Objektivität und Käuflichkeit so wunderbar ineinander verzahnt sind. Das bietet der Eichelmann nicht. Zum Glück oder leider, das ist eine Perspektivenfrage.
Was den Eichelmann in früheren Zeiten ab und an langatmig erscheinen liess, waren seine Weinbeschreibungen. Ich weiss nicht wieviele Weine zu beschreiben mit einem Vokabular, das dann doch eher begrenzt ist (Sprache hat einfach ihre Grenzen), führt unweigerlich zu Redundanzen. Der GM hat sich da immer klug aus der Affäre gewunden, indem er einfach nur schnöde Punkte gab, ohne sich um detailreiche Beschreibungen zu kümmern. Dieses Prinzip hat der Eihelmann jetzt auch angewandt. Zumindest in Maßen. Denn sicher 90% der Weine werden nur noch bepunktet, ohne weitere Beschreibung. Das fokussiert auf das Wesentliche und macht das Buch IMHO kurzweiliger und überschaubarer. Aber auch das ist Geschmackssache.
Worin sich der Eichelmann jedoch eklatant unterscheidet: er bewertet im Jungstadium keine Einzelweine sondern nur die Kollektionen. Es sind daher Weingüter und Winzer, die für ihre homogene Kollektion und nicht für einen Einzelwein vom Eichelmann geehrt werden. Das finde ich löblich und lässt daher auch mehr Spielraum für Ehrungen, die sich nicht jedes Jahr wiederholen müssen. Erst bei den 10-years-after-Proben wird dann ein einzelner Siegerwein gekürt. So weit, so gut.
Und die Gewinner sind:
WEIßWEINKOLLEKTION - Dönnhoff
ROTWEINKOLLEKTION - Meyer-Näkel
EDELSÜß - Molitor
AUFSTEIGER - Joh. Bapt. Schäfer von der Nahe
KLASSIKER - Idig vom Christmann
BESTER RIESLING 2001 - Halenberg von Emrich-Schönleber
BESTER SPÄTBURGUNDER 2001 - Weingut Stich aus Franken
BESTER SONSTIGER ROTWEIN 2001 - Lemberger tr. Barrique von Haidle aus Württemberg
Überraschend war natürlich die Wahl des besten Spätburgunders aus 2001. Die ersten 3 Plätze wurden unter dem Centgrafenberg ausgemacht. Der Spät- und der Frühburgunder vom Fürst und schliesslich der vom Stich. Stich hatte schließlich bei einer letzten Blindverkostung ganz leicht die Nase vorn.
Auch Schäfer von der Nahe ist ganz sicher ein Aufsteigerbetrieb. Zwar wirkten die Weine noch nicht vollkommen ausgereift in ihrer Individualität, aber es geht ja auch um einen Aufsteiger und nicht um einen alten Hasen.
Den hatte Eichelmann mit Meyer-Näkel natürlich im Boot, wobei ich wieder mal die Weine von Meyer-Näkel nicht völlig überzeugend fand. Was in 2009 Weingüter wie Stodden, Huber, Salwey oder Fürst präsentierten, war für mich herzerwärmender.
Wer sich seine Ehrung aber ganz sicher verdient hatte, war Markus Molitor. Er präsentierte bei der PK 10 edelsüsse Weine, von denen jeder einfach nur grandios war. Da ist ihm mit 2010 und süssem Riesling echt ein Volltreffer gelungen.
Mit dem Idig von Christmann und dem Halenberg 2001 von ES traf es ganz sicher auch bei den gereiften und den Klassikern zwei perfekte Vertreter. Und muss ich zu Dönnhoff noch etwas schreiben? Wer seinen Stil schätzt, wird auch 2010 bei ihm fündig (anders als 2008, weswegen ich ebenfalls von der 2010er Kollektion mehr als überrascht war).
So weit meine Gedanken zum zweiten (oder ersten) Weinführer für Deutsche Weine. Und wen das Bild unten irritieren sollte: nein, sie waren alle gekommen in den Domherrenhof nach Essenheim. Aber da für heute ebenfalls eine Präsi-Sitzung des VDP anberaumt war (die dann ebefalls in den Domherrenhof gelegt wurde), eilten die betroffenen Winzer nach der Ehrung nach unten und übrig blieben ihre Vertrter (v.l.n.r): Molitor, Schönleber, Dönnhoff jr., Meyer-Näkel, Schäfer, Stich, Eichelmann himself, Haidle, Christmann sr.
Nun ist es ja so, dass der GM ein höheres Renommee besitzt als der Eichelmann. Das ist ganz sicher nicht nur der Gnade des Zuerstgekommenen zuzuschreiben, sondern auch einer Verankerung (oder Verflechtung) innerhalb der Weinszene, die der GM sehr geschickt einzusetzen weiss. Nicht immer ohne zumindest das G'schmäckle zu hinterlassen, dass hier nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht: Interessenskonflikte, Mauscheleien, Seilschaften und was es sonst noch so alles gibt.
All das kann man dem Eichelmann wohl nicht vorwerfen. Er ist auf eine Art neutral, dass es schon fast wieder unspannend ist, lieben wir Menschen doch das Allzumenschliche, wo Urteil und Fehlurteil, Objektivität und Käuflichkeit so wunderbar ineinander verzahnt sind. Das bietet der Eichelmann nicht. Zum Glück oder leider, das ist eine Perspektivenfrage.
Was den Eichelmann in früheren Zeiten ab und an langatmig erscheinen liess, waren seine Weinbeschreibungen. Ich weiss nicht wieviele Weine zu beschreiben mit einem Vokabular, das dann doch eher begrenzt ist (Sprache hat einfach ihre Grenzen), führt unweigerlich zu Redundanzen. Der GM hat sich da immer klug aus der Affäre gewunden, indem er einfach nur schnöde Punkte gab, ohne sich um detailreiche Beschreibungen zu kümmern. Dieses Prinzip hat der Eihelmann jetzt auch angewandt. Zumindest in Maßen. Denn sicher 90% der Weine werden nur noch bepunktet, ohne weitere Beschreibung. Das fokussiert auf das Wesentliche und macht das Buch IMHO kurzweiliger und überschaubarer. Aber auch das ist Geschmackssache.
Worin sich der Eichelmann jedoch eklatant unterscheidet: er bewertet im Jungstadium keine Einzelweine sondern nur die Kollektionen. Es sind daher Weingüter und Winzer, die für ihre homogene Kollektion und nicht für einen Einzelwein vom Eichelmann geehrt werden. Das finde ich löblich und lässt daher auch mehr Spielraum für Ehrungen, die sich nicht jedes Jahr wiederholen müssen. Erst bei den 10-years-after-Proben wird dann ein einzelner Siegerwein gekürt. So weit, so gut.
Und die Gewinner sind:
WEIßWEINKOLLEKTION - Dönnhoff
ROTWEINKOLLEKTION - Meyer-Näkel
EDELSÜß - Molitor
AUFSTEIGER - Joh. Bapt. Schäfer von der Nahe
KLASSIKER - Idig vom Christmann
BESTER RIESLING 2001 - Halenberg von Emrich-Schönleber
BESTER SPÄTBURGUNDER 2001 - Weingut Stich aus Franken
BESTER SONSTIGER ROTWEIN 2001 - Lemberger tr. Barrique von Haidle aus Württemberg
Überraschend war natürlich die Wahl des besten Spätburgunders aus 2001. Die ersten 3 Plätze wurden unter dem Centgrafenberg ausgemacht. Der Spät- und der Frühburgunder vom Fürst und schliesslich der vom Stich. Stich hatte schließlich bei einer letzten Blindverkostung ganz leicht die Nase vorn.
Auch Schäfer von der Nahe ist ganz sicher ein Aufsteigerbetrieb. Zwar wirkten die Weine noch nicht vollkommen ausgereift in ihrer Individualität, aber es geht ja auch um einen Aufsteiger und nicht um einen alten Hasen.
Den hatte Eichelmann mit Meyer-Näkel natürlich im Boot, wobei ich wieder mal die Weine von Meyer-Näkel nicht völlig überzeugend fand. Was in 2009 Weingüter wie Stodden, Huber, Salwey oder Fürst präsentierten, war für mich herzerwärmender.
Wer sich seine Ehrung aber ganz sicher verdient hatte, war Markus Molitor. Er präsentierte bei der PK 10 edelsüsse Weine, von denen jeder einfach nur grandios war. Da ist ihm mit 2010 und süssem Riesling echt ein Volltreffer gelungen.
Mit dem Idig von Christmann und dem Halenberg 2001 von ES traf es ganz sicher auch bei den gereiften und den Klassikern zwei perfekte Vertreter. Und muss ich zu Dönnhoff noch etwas schreiben? Wer seinen Stil schätzt, wird auch 2010 bei ihm fündig (anders als 2008, weswegen ich ebenfalls von der 2010er Kollektion mehr als überrascht war).
So weit meine Gedanken zum zweiten (oder ersten) Weinführer für Deutsche Weine. Und wen das Bild unten irritieren sollte: nein, sie waren alle gekommen in den Domherrenhof nach Essenheim. Aber da für heute ebenfalls eine Präsi-Sitzung des VDP anberaumt war (die dann ebefalls in den Domherrenhof gelegt wurde), eilten die betroffenen Winzer nach der Ehrung nach unten und übrig blieben ihre Vertrter (v.l.n.r): Molitor, Schönleber, Dönnhoff jr., Meyer-Näkel, Schäfer, Stich, Eichelmann himself, Haidle, Christmann sr.