Üblicherweise kommt der Eichelmann genau 1 Tag vor dem Gault Millau heraus. Dieses Jahr ist es, wie so vieles aus dem Weinjahr 2010, andersherum: gestern war die PK des Gault Millau, heute erst die vom Eichelmann. Gleich geblieben ist jedoch, dass der Eichelmann früher zu kaufen ist, nämlich seit heute, während der GM erst nächste Woche in die Kinos kommt. Sei's drum!
Nun ist es ja so, dass der GM ein höheres Renommee besitzt als der Eichelmann. Das ist ganz sicher nicht nur der Gnade des Zuerstgekommenen zuzuschreiben, sondern auch einer Verankerung (oder Verflechtung) innerhalb der Weinszene, die der GM sehr geschickt einzusetzen weiss. Nicht immer ohne zumindest das G'schmäckle zu hinterlassen, dass hier nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht: Interessenskonflikte, Mauscheleien, Seilschaften und was es sonst noch so alles gibt.
All das kann man dem Eichelmann wohl nicht vorwerfen. Er ist auf eine Art neutral, dass es schon fast wieder unspannend ist, lieben wir Menschen doch das Allzumenschliche, wo Urteil und Fehlurteil, Objektivität und Käuflichkeit so wunderbar ineinander verzahnt sind. Das bietet der Eichelmann nicht. Zum Glück oder leider, das ist eine Perspektivenfrage.
Was den Eichelmann in früheren Zeiten ab und an langatmig erscheinen liess, waren seine Weinbeschreibungen. Ich weiss nicht wieviele Weine zu beschreiben mit einem Vokabular, das dann doch eher begrenzt ist (Sprache hat einfach ihre Grenzen), führt unweigerlich zu Redundanzen. Der GM hat sich da immer klug aus der Affäre gewunden, indem er einfach nur schnöde Punkte gab, ohne sich um detailreiche Beschreibungen zu kümmern. Dieses Prinzip hat der Eihelmann jetzt auch angewandt. Zumindest in Maßen. Denn sicher 90% der Weine werden nur noch bepunktet, ohne weitere Beschreibung. Das fokussiert auf das Wesentliche und macht das Buch IMHO kurzweiliger und überschaubarer. Aber auch das ist Geschmackssache.
Worin sich der Eichelmann jedoch eklatant unterscheidet: er bewertet im Jungstadium keine Einzelweine sondern nur die Kollektionen. Es sind daher Weingüter und Winzer, die für ihre homogene Kollektion und nicht für einen Einzelwein vom Eichelmann geehrt werden. Das finde ich löblich und lässt daher auch mehr Spielraum für Ehrungen, die sich nicht jedes Jahr wiederholen müssen. Erst bei den 10-years-after-Proben wird dann ein einzelner Siegerwein gekürt. So weit, so gut.
Und die Gewinner sind:
WEIßWEINKOLLEKTION - Dönnhoff
ROTWEINKOLLEKTION - Meyer-Näkel
EDELSÜß - Molitor
AUFSTEIGER - Joh. Bapt. Schäfer von der Nahe
KLASSIKER - Idig vom Christmann
BESTER RIESLING 2001 - Halenberg von Emrich-Schönleber
BESTER SPÄTBURGUNDER 2001 - Weingut Stich aus Franken
BESTER SONSTIGER ROTWEIN 2001 - Lemberger tr. Barrique von Haidle aus Württemberg
Überraschend war natürlich die Wahl des besten Spätburgunders aus 2001. Die ersten 3 Plätze wurden unter dem Centgrafenberg ausgemacht. Der Spät- und der Frühburgunder vom Fürst und schliesslich der vom Stich. Stich hatte schließlich bei einer letzten Blindverkostung ganz leicht die Nase vorn.
Auch Schäfer von der Nahe ist ganz sicher ein Aufsteigerbetrieb. Zwar wirkten die Weine noch nicht vollkommen ausgereift in ihrer Individualität, aber es geht ja auch um einen Aufsteiger und nicht um einen alten Hasen.
Den hatte Eichelmann mit Meyer-Näkel natürlich im Boot, wobei ich wieder mal die Weine von Meyer-Näkel nicht völlig überzeugend fand. Was in 2009 Weingüter wie Stodden, Huber, Salwey oder Fürst präsentierten, war für mich herzerwärmender.
Wer sich seine Ehrung aber ganz sicher verdient hatte, war Markus Molitor. Er präsentierte bei der PK 10 edelsüsse Weine, von denen jeder einfach nur grandios war. Da ist ihm mit 2010 und süssem Riesling echt ein Volltreffer gelungen.
Mit dem Idig von Christmann und dem Halenberg 2001 von ES traf es ganz sicher auch bei den gereiften und den Klassikern zwei perfekte Vertreter. Und muss ich zu Dönnhoff noch etwas schreiben? Wer seinen Stil schätzt, wird auch 2010 bei ihm fündig (anders als 2008, weswegen ich ebenfalls von der 2010er Kollektion mehr als überrascht war).
So weit meine Gedanken zum zweiten (oder ersten) Weinführer für Deutsche Weine. Und wen das Bild unten irritieren sollte: nein, sie waren alle gekommen in den Domherrenhof nach Essenheim. Aber da für heute ebenfalls eine Präsi-Sitzung des VDP anberaumt war (die dann ebefalls in den Domherrenhof gelegt wurde), eilten die betroffenen Winzer nach der Ehrung nach unten und übrig blieben ihre Vertrter (v.l.n.r): Molitor, Schönleber, Dönnhoff jr., Meyer-Näkel, Schäfer, Stich, Eichelmann himself, Haidle, Christmann sr.
Eichelmann 2012
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Bernd Schulz
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- Registriert: Sa 11. Dez 2010, 23:55
Re: Eichelmann 2012
Das vergleichsweise geringere Renommee des Eichelmanns hängt sicherlich auch mit den früher durch Gerhard Eichelmann selbst vorgenommenen Bewertungen zusammen. Sowohl im Betriebsranking als auch bei den einzelnen Weinen fanden sich nämlich etliche Brüller - die 2002er Ausgabe habe ich nur deshalb nicht in die Tonne gekloppt, weil ich immer herzhaft lachen kann, wenn ich sie aufschlage.Nun ist es ja so, dass der GM ein höheres Renommee besitzt als der Eichelmann. Das ist ganz sicher nicht nur der Gnade des Zuerstgekommenen zuzuschreiben, sondern auch einer Verankerung (oder Verflechtung) innerhalb der Weinszene, die der GM sehr geschickt einzusetzen weiss.
Beispiele: Zu den 6 Spitzenbetrieben im M-S-R Gebiet (mit fünf Sternen = "Weltklasse") zählte Eichelmann das Weingut Franz-Josef Eifel, während sich J.J. Prüm mit zwei Sternen oder der Karthäuserhof mit einem Stern weit unten auf der Skala wiederfanden.
An der Nahe rangierte Jakob Schneider vor Emrich-Schönleber, im Rheingau Johannes Olig vor Künstler, in Rheinhessen Manz vor Wittmann....
Irgendwelche obskuren Geschichten wie eine Bacchus-Spätlese von der Randersackerer WG landeten knapp unterhalb der 90 Punkte und brachten es damit auf eine deutlich bessere Performance als ein Löwensteinscher Röttgen - kurzum: In dem Buch stand und steht einfach unverhältnismäßig viel Kappes.
Später hat sich Eichelmann für verschiedene Gebiete ja kompetente Verkoster (wie Wolfgang Fassbender für die Mosel und den Rheingau) gesucht, aber wenn der Ruf einmal ruiniert ist...
Beste Grüße
Bernd
Re: Eichelmann 2012
schön wärs ja, wir hätten noch 2001, aber du meinst sicher 2011?BESTER RIESLING 2001 - Halenberg von Emrich-Schönleber
BESTER SPÄTBURGUNDER 2001 - Weingut Stich aus Franken
BESTER SONSTIGER ROTWEIN 2001 - Lemberger tr. Barrique von Haidle aus Württemberg
Überraschend war natürlich die Wahl des besten Spätburgunders aus 2001
@Bernd:
ja, da war in der Startphase reichlich Seltsames - um es mal diplomatisch auszudrücken
Zahlreiche Grüße
Artur
Artur
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Bernd Schulz
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- Registriert: Sa 11. Dez 2010, 23:55
Re: Eichelmann 2012
Hallo Artur,
Eichelmann hat zwar seinerzeit den Portugieser "Raben-Dusel" vom sicher allseits bekannten Weingut Reinhard und Esther Schmitt genauso hoch bewertet wie eine trockene Recher Herrenberg Spätburgunder-Auslese von Stodden, aber dass er jetzt schon die besten 2011er Spätburgunder kürt, traue ich selbst ihm nicht zu!
Beste Grüße
Bernd
Eichelmann hat zwar seinerzeit den Portugieser "Raben-Dusel" vom sicher allseits bekannten Weingut Reinhard und Esther Schmitt genauso hoch bewertet wie eine trockene Recher Herrenberg Spätburgunder-Auslese von Stodden, aber dass er jetzt schon die besten 2011er Spätburgunder kürt, traue ich selbst ihm nicht zu!
Beste Grüße
Bernd
Re: Eichelmann 2012
Nein, es waren 01er, also 10 Jahre alte Weine, die in diesen 3 Kategorien nachverkostet und geehrt wurden. Gerhard Stich wurde damals, als der Wein aktuell war, noch gar nicht gelistet ...Latour hat geschrieben:schön wärs ja, wir hätten noch 2001, aber du meinst sicher 2011?BESTER RIESLING 2001 - Halenberg von Emrich-Schönleber
BESTER SPÄTBURGUNDER 2001 - Weingut Stich aus Franken
BESTER SONSTIGER ROTWEIN 2001 - Lemberger tr. Barrique von Haidle aus Württemberg
Überraschend war natürlich die Wahl des besten Spätburgunders aus 2001
Ciao
Peter
- Markus Vahlefeld
- Beiträge: 1689
- Registriert: Do 4. Nov 2010, 10:43
Re: Eichelmann 2012
Artur,Latour hat geschrieben:schön wärs ja, wir hätten noch 2001, aber du meinst sicher 2011?BESTER RIESLING 2001 - Halenberg von Emrich-Schönleber
BESTER SPÄTBURGUNDER 2001 - Weingut Stich aus Franken
BESTER SONSTIGER ROTWEIN 2001 - Lemberger tr. Barrique von Haidle aus Württemberg
Überraschend war natürlich die Wahl des besten Spätburgunders aus 2001
beide Weine, sowohl der Stich als auch der Haidle, waren aus 2001. Ten-years-after. Und als Würrtemberger, der Du in Deinem Herzen bist, gehe ich davon aus, dass Du den Haidle meinst. Ja, auch der 2001. Und der Wein steht wie eine eins. Mach ihn auf und probiere ihn!
Re: Eichelmann 2012
Würrtemberger,
der ich bin, grüße ich nach Rainheszen.
Harper aus Württemberg
der ich bin, grüße ich nach Rainheszen.
Harper aus Württemberg
- Don Miguel
- Beiträge: 426
- Registriert: Mi 3. Nov 2010, 18:01
Re: Eichelmann 2012
Also bei mir wurde ein bei Amazon vorbestelltes Exemplar des GM bereits ausgeliefert!Markus Vahlefeld hat geschrieben: Gleich geblieben ist jedoch, dass der Eichelmann früher zu kaufen ist, nämlich seit heute, während der GM erst nächste Woche in die Kinos kommt.
Gruß
Don
- Markus Vahlefeld
- Beiträge: 1689
- Registriert: Do 4. Nov 2010, 10:43
Re: Eichelmann 2012
Ja, sorry, war wohl eine Fehlinformation, dass der GM erst nä. Woche in die Regale kommt. Heuer war er bereits 1 Tag nach der PK erhältlich (im Ggstz. zum letzten Jahr).
Re: Eichelmann 2012
Moin, moin,
vor eineinhalb Jahren waren wir mit unserem Weinkreis beim Weingut Stich, der Termin bei Fürst hat irgendwie nicht geklappt. Die ganze Probe von der Probierstube über die Weinmacher bis natürlich zu den Flascheninhalten hat durchweg sehr positive Eindrücke hinterlassen. Gut erinnern kann ich mich an einen Silvaner mit deutlichem aber angenehmen Holzeinschlag. Aber daß ein Spätburgunder nach 10 Jahren absolut top sein soll, davon haben wir nicht geträumt. Man sollte mal wieder probieren.
Danke daher für die Info.
Grüße
Wolfgang,
der sich schon lange weder GM noch EM gekauft hat.
vor eineinhalb Jahren waren wir mit unserem Weinkreis beim Weingut Stich, der Termin bei Fürst hat irgendwie nicht geklappt. Die ganze Probe von der Probierstube über die Weinmacher bis natürlich zu den Flascheninhalten hat durchweg sehr positive Eindrücke hinterlassen. Gut erinnern kann ich mich an einen Silvaner mit deutlichem aber angenehmen Holzeinschlag. Aber daß ein Spätburgunder nach 10 Jahren absolut top sein soll, davon haben wir nicht geträumt. Man sollte mal wieder probieren.
Danke daher für die Info.
Grüße
Wolfgang,
der sich schon lange weder GM noch EM gekauft hat.