in einer Woche Frankreich war ich auch zwei Tage im Beaujolais und habe ein paar Winzer besucht. Los ging es bei mittelmäßigem Wetter zu Nicole Chanrion und ihrer Domaine de la Voute des Crozes in Cercié. Nicole Chanrion ist eine zierliche Frau um die 60, die schon in den 70er Jahren anfing, in der elterlichen Domaine mitzuhelfen, und das Weingut 1988 ganz übernahm. Sie bewirtschaftet heute ca. 7 ha in der AOP Côte de Brouilly, einem der südlichen Crus des Beaujolais. Sie bewirtschaftet ihre Lagen komplett alleine, nur zur Lese nimmt sie externe Hilfe in Anspruch. Nicole Chanrion wird auch die "Patronne de la Côte" genannt.
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Hinter der Domaine geht es gleich hoch zum Mont de Brouilly und die Weinberge liegen eher auf dem unteren und mittleren, flacheren Teil. Sie sind nach Osten und Nordosten ausgerichtet (zum Vergleich: die Reben von Château Thivin stehen überwiegend auf der nach Süden ausgerichteten Seite des Mont de Brouilly, sind deshalb etwas üppiger). Die AOP Côte de Brouilly ist mit 305 ha deutlich kleiner als die AOP Brouilly und umfasst letztlich nur die Reben am Mont de Brouilly bis knapp in die Flachlagen rein. Auch geologisch unterscheiden sich die AOP Brouilly und die AOP Côte de Brouilly. Während in der AOP Brouilly Granitböden vorherrschen, besteht der Mont de Brouilly aus einer Art bläulichem vulkanischem Bastalt- und Schiefergestein, relativ ähnlich zu den Böden an der Côte du Py in Morgon.
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Ihre Reben sind unterschiedlich alt, in den Côte de Brouilly kommen Trauben aus Anlagen mit ca. 15-70 Jahre alten Reben. Ihre Weinberge werden nicht bio- oder biodynamisch bewirtschaftet, sondern nach "Lutte raisonée" (heißt in etwa: "so viel Chemie wie nötig, so wenig Chemie wie möglich"). Mme Chanrion arbeitet sehr traditionell, die Trauben werden nicht entrappt in Stahltanks gefüllt und durchlaufen eine komplette Macération Carbonique, es wird also zunächst nicht gepresst, sondern die Trauben vergären etwas Zucker in Alkohol (bis ca. 2 % Vol.) und gehen bereits teilweise durch die malolaktische Gärung. Einige Trauben platzen aufgrund der interzellulären Prozesse, andere werden durch die später eingefüllten Trauben zerquetscht. Nachdem die Macération Carbonique abgeschlossen ist, werden die Trauben entnommen, gepresst und der Saft zum Vergären wieder in Stahltanks gefüllt. Nach der spontanen Vergärung wird der Wein in gebrauchte Fässer von etwas mehr als 2.000 l Fassungsvermögen gefüllt und lagert dort je nach Jahrgang zwischen 9 und 12 Monaten. Die Weine werden unfiltriert abgefüllt.
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Es gibt praktisch nur einen Wein - "Côte de Brouilly". Anders als andere Winzer hat Mme Chanrion sich weder in andere Crus ausgestreckt, noch gibt es bei ihr mehrere Cuvées ("Tradition", "Vielles Vignes", o.ä.). Sie will keine Qualitätspyramide aufbauen. Wein, der es nicht in den Côte de Brouilly" schafft, wird als Fassware verkauft. Nur eine Ausnahme gibt es: seit kurzem füllt sie in kleiner Auflage (ca. 2.000 Fl. p.a.) auch noch einen Blanc de Noir Gamay Schaumwein ab.
Probiert haben wir zuerst den aktuellen Jahrgang 2012. Er war sehr kalt und deshalb schwer zu beurteilen, vom Hocker gerissen hat er mich aber nicht. Er hat zwar eine schöne frische Frucht, aber im Mund wirkten die Tannine etwas kräftig für die Frucht, jedenfalls aktuell. Viel besser war der 2011er, der schon ein paar Tage offen war. Ich liebe diesen Jahrgang im Beaujolais, für mich haben die 2011er zumeist einfach eine wunderbare Harmonie aus Substanz, Frische, Muskeln und Charme. Absolut weggepustet hat mich aber der 2005er, der ca. 24 Stunden offen war. Für den Jahrgang war er herrlich finessenreich, zart, feingliedrig. Mitgenommen habe ich v.a. 2011, 2009 (eine Kiste konnte ich ihr abquatschen) und 2005. Am Ende habe ich aber auch noch eine gemischte Kiste älterer Jahrgänge mitgenommen. Denn viele ältere Jahrgänge sind noch verfügbar, und zwar (bis auf 2009) alle zum selben Preis wie der aktuelle Jahrgang.
Ich kannte die Domaine vorher noch nicht, in den USA ist Mme Chanrion dank Imports durch Kermit Lynch allerdings ziemlich bekannt. Ich bin zum großen Fan geworden. Dieses Unterstatement, die sehr freundlichen Preise, die gute Qualität, die große Freundlichkeit der Inhaberin, all dies sind für mich große Pluspunkte.















