Ich denke doch, dass die geschmacklichen Vorlieben von Villa Gemma hier im Forum recht deutlich werden. Insofern, warum soll er nicht seine eigenen subjektiven Punkte und seine Rangliste veröffentlichen? Ich glaube kaum, dass irgendjemand, der sich für Burgund interessiert, deshalb meint, der 2008 Vosne Romanée Les Champs Perdrix von Bruno Clair werde schon nichts taugen.
Was ich viel wichtiger finde, aber das ist jedem selbst überlassen, ist, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Zum Beispiel: Burgund ist ein teures Minenfeld, Bordeaux ist teuer und hat hartes Tannin, Kalifornische Zinfandel sind marmeladig, usw.
Sicher, es gibt Leute, die bestimmte Weine schlicht nicht mögen, egal in welcher Situation. Villa Gemma hat schon des öfteren geäußert, dass er keine säurestarken Rotweine und so gut wie keine Weißweine mag. Fein. Da hilft auch Bekehren nichts. Und da würde das Aha-Erlebnis vielleicht nicht mal bei einem 1999er Vosne-Romanée Champs Perdrix von Bruno Clair mit einem Rehrücken eintreten. Ich persönlich habe Probleme mit einem konzentrierten, alkoholstarken, säurearmen Stil, ggf. noch mit etwas flüchtiger Säure, sogar wenn ich diesen zu einer geschmorten Ochsenbacke mit einer konzentrierten Sauce trinke. Auch da hilft es vielleicht nichts, wenn ich den besten Jahrgang im optimalen Reifestadium mit bestem Essen serviert bekomme (wobei, wer weiß

).
Jedenfalls bin ich aber der Meinung, dass man aus einer "Best of Red" Probe auch für einen persönlich nicht den Schluss ziehen darf, dass Wein x "besser" sei als Wein y. Und das nicht mal, wenn die Rangliste die Summe aller Einzelbewertungen ist. Und Aussagen wie "
Ziemlich lange Gesichter gab es beim Clos Estournel 2008, aber hallo: Wer gegen dann gleich Prioratos antritt, der muss damit rechnen, verhauen zu werden." sind m.E. größter Käse.
Dagegen richtet sich Ulli zurecht. Denn das impliziert ja etwas wie "Puh, sind die Leute blöd, die sich einen Cos d'Estournel für 100 Euro kaufen, wo ich doch für die Hälfte im Priorat viel mehr Wein kriege". Solche Gleichungen funktionieren einfach nicht. Rotwein ist nicht Rotwein und der Trinkzeitpunkt sowie der Kontext spielen eine ganz erhebliche Rolle, die man nicht ausblenden kann.