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Portwein

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OsCor

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Re: Portwein

BeitragSo 22. Jan 2017, 19:41

Hallo Ulli,

Sherry hat auch noch einen ganz anderen Vorteil: Meine Frau mag ihn :-) Wir sind im Moment dabei, die verschiedenen Versionen auszuprobieren - wobei wir immer 2 Flaschen kaufen: Ich mag Sherry eher kühl, meine Frau mag ihn mehr temperiert (diplomatisch ausgedrückt für zimmerwarm).
Erste Versuche als Begleitung zum Essen sind für mich nicht erfolgreich verlaufen; vermutlich sind die momentan noch verwendeten einfachen Versionen dafür auch gar nicht geeignet.

Ok, war OT. Ich danke dir!
Oswald
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Ollie

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Re: Portwein

BeitragMo 23. Jan 2017, 02:08

Dannn ganz kurz OT weiter:

Trockener Sherry ist ein Eins-A-Speisebegleiter. Fino und Manzanilla (auch der Supermarktklasse) gehen zu Tapas aller Art, speziell luftgetrocknetem Schinken, Tapenade, gereiftem Hartkaese (Manchego, Parmesan, usw.), gebratenen Chorizo-Scheiben, Fischzeugs (gebratene Garnelen, gegrilltem Fisch wie Makrele oder Sardine und natuerlich zu geschmortem Huhn: Wenn du das naechste Mal Coq au Riesling machst, einfach Fino (ode Vin Jaune) benutzen. Amontillado oder nicht allzusuesser Oloroso gehen sehr gut zu Fleischbruehen (Consommee).

Cheers,
Ollie
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OsCor

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Re: Portwein

BeitragMo 23. Jan 2017, 09:22

Danke, Ollie! Damit ist mir klar geworden, dass es wohl eher nicht am Sherry lag, sondern an den falsch gewählten Speisen, die doch eher kräftig/kräftig gewürzt sein sollten.

Gruß
Oswald
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UlliB

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Re: Portwein

BeitragDo 2. Feb 2017, 13:51

Ich erlaube mir mal, einen kompletten Beitrag von Ollie zu den verschiedenen Portwein-Sorten aus einem anderen Thread hierher zu kopieren, da er die Sachlage ganz hervorragend zusammenfasst, und im anderen Thread, der primär nicht direkt mit Port zu tun hat, vermutlich eher verloren geht als hier:

Ollie hat geschrieben:Nichts leichter als das. Roter Portwein kommt in zweieinhalb Varianten: aus einem einzelnen Jahrgang, als Verschnitt unterschiedlicher (und unterschiedlich lang gereifter) Jahrgaenge und als Ruby.

- Vintage (VP): Nach maximal 2 Jahre Reife im Holzfass und typischerweise unfiltriert gefuellter Wein aus einem Jahrgang, der lange auf der Flasche reifen kann und auch sollte. Schmeckt jung wie volle Droehnung Fruchtbombe, aber nur selten mit der Komplexitaet und Tiefe, die den Nimbus jahrzehntealter Ports ausmachen. VP wird nur in guten Jahren "deklariert"; in nicht ausreichend guten Jahren wird stattdessen LBV gemacht. Im Allgemeinen ist VP ein Verschnitt aus Weinen unterschiedlicher Lagen, aber einige Hersteller ("Port-Haeuser") haben extrem gute Einzellagen (single quinta, wie man auf portunglish sagt), die sie separat fuellen (und die sie sich i.d.R. fuerstlich bezahlen lassen).

- Late Bottled Vintage (LBV): Nach 4 bis 6 Jahren Fassreife gefuellter Wein aus einem Jahrgang. Durch den laengeren Ausbau leicht oxidativer Stil, aber noch bei weitem nicht so rancio wie die Suedfranzosen (Banyuls, Maury, Rivesaltes usw.), und nicht mehr gar so schreiend fruchtig, teilweise sogar schon mit etwas Komplexitaet. Quer durch die Haeuser recht homogener Stil. Wird traditionell jung getrunken und ist nicht nur wegen des im Vergleich zum VP deutlich niedrigeren Preises der traditionelle Port zum Kochen (Wild) und zum Essen (Kaese). Die besten Versionen koennen (lange!) auf Flasche reifen und deutlich dazugewinnen, v.a. wenn es sich um unfiltierte ("unfiltered") LBVs handelt, von denen es aber nur noch wenige Hersteller gibt, und/oder der LBV aus einem sehr guten, aber gerade noch nicht deklarierten Jahrgang ist. (Superjahrgaenge machen in beiden Kategorien optimale Weine, weil die Hersteller mit den Chargen spielen koennen.) Es gibt interessanterweise keinen Single-Quinta-LBV, jedenfalls ist mir keiner bekannt.

- Colheita: Noch laenger als LBV in Holzfaessern gelagerter Jahrgangsport (also mit Jahrgang auf dem Etikett!). Selten und gelegentlich recht teuer, da der Ausgangsjahrgang die Reife abkoennen muss und keine Moeglichkeit zum Verschnitt besteht, wenn man sich mal "verreift" hat. Jedes Haus hat seine eigene Philosophie, also recht uneinheitlicher Stil. Gewinnt nicht mehr durch Flaschenreifung.

- Tawny Port: Verschnitt von Weinen unterschiedlicher Jahrgaenge, die (typischerweise laenger als LBV) in Holzfaessern gelagert wurden und deshalb mehr oder weniger starke oxidative Noten zeigen; die aeltesten Weine zeigen schon deutlichen rancio-Charakter. Durch Verschnitte unterschiedliche lange gereifter Weine kann man ein gewuenschtes Geschmacksprofil generieren: 10yo mit viel Frucht, 40yo mit starken Nussaromen und weniger suess, haeufig auch recht filligraner, fast gezehrt wirkender Koerper, 20yo als (fuer mich) optimalen Kompromis. Wichtig ist, dass die "Altersangabe" kein echtes Alter angibt, sondern einen Geschmackstypus kennzeichnet. Tawny heisst uebrigens lohfarben (wie in "lichterloh brennen"), also ein mehr oder weniger ausgepraegtes Ziegelbraunrot. Wegen dieses Farbtons lange fassgereiften Ports wird Colheita auch oft als "Jahrgangstawny" bezeichnet, was aber irrefuehrend ist (aber sehr gut zur Abgrenzung taugt).

- Crusted Port: Auch ein Jahrgangsverschnitt, aber von jungen, VP-artigen Weinen, die wie VP von langer Flaschenreife profitieren, im Gegensatz zu diesen aber den Vorteil des Verschnitts (Komplexitaet usw.) geniessen. Die Weine werden unfiltriert gefuellt; der Name kommt von der Kruste, die sich bildet, wenn sich im Laufe der Jahre das Depot absetzt. Crusted verhaelt sich also zu Tawny wie VP zu LBV. (Sehr selten gibt es wohl auch Jahrgangs-Crusted, aber ich habe noch keinen gesehen.)

Uebrigens ist es das Depot sowohl der VPs als auch der Crusted Ports, das umfangreiche Vorbereitungsmassnahmen bedingt, bevor der Wein denn nun endlich getrunken werden kann: Dekantieren muss man sowieso, also kann man das auch Tage(!) vor dem Genuss machen (speziell Crusted baut an der Luft noch stark auf) und dabei allerlei Idiosynkrasien ausleben; die (notwendigerweise adeligen) Angehoerigen des Offizierkorps der Royal Navy haben die Not (broeseliger Kork in extrem alten VP-/CP-Flaschen) zur Tugend (Flasche wird sabriert) gemacht.

- Die billigste Portvariante ist der Ruby (Rubin), ein sehr junger, betont reduktiv ausgebauter (in Farbe und Geschmack) Port. Kann wegen der Suesse und der Frucht ganz gut zu Blauschimmelkaese passen und allgemein da, wo einem restsuessen "normalen" Rotwein (Spaetburgunder von der Ahr usw.) die Puste ausgeht, weil zu koerperarm und zu leicht, und Recioto della Valpolicella oder Sforzato "zu unsuess" sind.

Es gibt noch weissen Port, aber das ist eine andere Baustelle (und irgendwo zwischen Madeira und Ginger-Ale-basiertem Longdrink zu verorten).

Cheers,
Ollie


Noch ein paar Anmerkungen:
VP wird nur in guten Jahren "deklariert"; in nicht ausreichend guten Jahren wird stattdessen LBV gemacht.

Man sollte vielleicht noch darauf hinweisen, dass es durchaus Jahrgänge gibt, in denen Vintage und LBV gemacht wird, aktuelles Beispiel ist 2011, das Jahr wurde von praktisch allen Häusern "deklariert", es gibt aber von mehreren Häusern auch LBVs, z.B. von Taylor und Graham. Den Graham LBV 2011 gab es letztes Jahr in der Lufthansa - Business Class zum Käse: ein echter Knaller, von dem ich mir gleich mal ein paar Flaschen besorgt habe.

- Tawny Port: Verschnitt von Weinen unterschiedlicher Jahrgaenge, die (typischerweise laenger als LBV) in Holzfaessern gelagert wurden und deshalb mehr oder weniger starke oxidative Noten zeigen;

Theoretisch richtig, so ist die Lehrmeinung. Tatsächlich gibt es aber massenhaft "Supermarkt-Tawnies", die nicht einer längeren Fasslagerung unterworfen wurden - sonst müssten sie auch teurer sein als Ruby, das sind aber viele nicht. Billige Tawnies werden entweder durch kürzere Maischung (--> hellere Farbe) und anschließende gezielte Oxidation im Tank im "Turboverfahren" hergestellt, oder aber durch Verschnitt von rotem und weißen Portwein. Beides ist statthaft, da "tawny" sich tatsächlich nur auf die Farbe bezieht. Auf der einigermaßen sicheren Seite im Hinblick auf eine längere Faslagerung bewegt man sich nur mit den Tawnies mit Altersangabe (10, 20, 40 Jahre).

Gruß
Ulli
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Ollie

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Re: Portwein

BeitragDo 2. Feb 2017, 14:28

Vielen Dank fuer's Rueberkopieren, Ulli! Ich werde meinen Text drueben durch einen link hierher ersetzen.

UlliB hat geschrieben:Man sollte vielleicht noch darauf hinweisen, dass es durchaus Jahrgänge gibt, in denen Vintage und LBV gemacht wird, aktuelles Beispiel ist 2011, das Jahr wurde von praktisch allen Häusern "deklariert", es gibt aber von mehreren Häusern auch LBVs, z.B. von Taylor und Graham. Den Graham LBV 2011 gab es letztes Jahr in der Lufthansa - Business Class zum Käse: ein echter Knaller, von dem ich mir gleich mal ein paar Flaschen besorgt habe.


Ja, steht da auch:

Ollie hat geschrieben: (Superjahrgaenge machen in beiden Kategorien optimale Weine, weil die Hersteller mit den Chargen spielen koennen.)


Vielleicht habe ich mich unklar ausgedrueckt, aber genau wie von dir beschrieben war's gemeint. Und 2011 ist ja nun ein solcher Superjahrgang. (Danke fuer den Tip, uebrigens, ich hatte es mir vorgenommen und dann doch wieder vergessen, mit die 2011er LBVs zu besorgen. Graham ist mir, obwohl filtriert, uebrigens lieber als Noval.)

Das mit den "Turbo-Tawnies" wusste ich nicht, danke fuer die Info!

Cheers,
Ollie
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weingollum33

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Re: Portwein

BeitragDo 2. Feb 2017, 19:58

Zitat (Ollie) zu Vintage-Port:
Im Allgemeinen ist VP ein Verschnitt aus Weinen unterschiedlicher Lagen, aber einige Hersteller ("Port-Haeuser") haben extrem gute Einzellagen (single quinta, wie man auf portunglish sagt), die sie separat fuellen (und die sie sich i.d.R. fuerstlich bezahlen lassen).

Diese Aussage ist mE ein bisschen missverständlich. Während in den meisten Weingegenden die Einzellage im Sinne des Terroirs besonders "hoch" bewertet wird, ist das bei Portwein mE bisher nur bedingt so. Der VP aus den verschiedenen Lagen (bzw.von den unterschiedlichen Quinta) ist das Top-Produkt der jeweiligen Portweinhäuser. Ein Single-Quinta-VP wird - soviel ich weiß - normalerweise nur dann hergestellt und abgefüllt, wenn kein "normaler" VP produziert wird. Das sind dann in der Regel nicht die Top-Jahrgänge. Ein Single-Quinta-VP liegt preislich deshalb auch unterhalb des normalen VP.

Zitat (Ollie) zu Tawnys:
Wichtig ist, dass die "Altersangabe" kein echtes Alter angibt, sondern einen Geschmackstypus kennzeichnet.

Die Altersangabe ist m.E. ein Mindestalter, welcher der Verschnitt der verschiedenen Jahrgänge jeweils im Durchschnitt bei der Abfüllung einhalten muss. Durch das unterschiedliche Mindestdurchschnittsalter (10, 20, 30 oder 40) ergeben sich die primären geschmacklichen Ausrichtungen.

Ein Colheita wird auch als Jahrgangstawny bezeichnet und steht in der "Hierarchie" über dem LBV. Er hat eine mindestens 7 jährige Fasslagerung (teilweise deutlich länger!) hinter sich. Ein LBV liegt "nur" zwischen 4 bis 6 Jahren im Fass. Sowohl Colheita als auch LBV werden trinkfertig abgefüllt.

Ich glaube, dass es LBV grundsätzlich jedes Jahr gibt - unabhängig davon, ob ein Jahrgang zum VP deklariert wird. Es geht m.E. nie eine ganze Ernte in den VP. Auch in Top-Jahren können Teile der Ernte zu Colheitas verarbeitet werden.

Gruß Tobias
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Ollie

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Re: Portwein

BeitragDo 2. Feb 2017, 20:48

Mit der Logik, dass Verschnitte "unkritischer" sind, war ich eher ausgegangen, dass SQ-VPs bevorzugt in guten Jahren gefuellt werden und ansonsten im VP aufgehen. Aber stimmt, der Kleine Johnson schreibt, dass es sich genau andersherum verhaelt. Preislich hatte ich aber den SQ von Taylor's im Kopf, und ich glaubte mich zu erinnern, dass die Quinta Vargellas preislich (und prestigemaessig) ueber dem "normalen" VP stand. Deswegen hatte ich das auch auf die anderen Haeuser erweitert.

Stimmt, strenggenommen bezeichnet die Altersangabe bei Tawnies das Mindestdurchschnittsalter des Verschnitts.

Zu den anderen Sachen (Colheita, LBV, VP): Ja, genauso hatte ich das auch geschrieben, aber vielleicht etwas missverstaendlich. Danke fuer die Klarstellungen.

Cheers,
Ollie
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weingollum33

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Re: Portwein

BeitragDo 2. Feb 2017, 21:05

Hallo Ollie,
stimmt, manches hattest du bereits geschrieben - nur mit anderen Worten ausgedrückt!
Habe ich teilweise bei der "Textfülle" übersehen!
Gruß Tobias
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Ollie

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Re: Portwein

BeitragDo 2. Feb 2017, 21:22

Kein Problem, doppelt haelt je bekanntlich, bis der Brunnen bricht. :lol:

Cheers,
Ollie
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UlliB

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Re: Portwein

BeitragFr 3. Feb 2017, 10:23

weingollum33 hat geschrieben:Diese Aussage ist mE ein bisschen missverständlich. Während in den meisten Weingegenden die Einzellage im Sinne des Terroirs besonders "hoch" bewertet wird, ist das bei Portwein mE bisher nur bedingt so. Der VP aus den verschiedenen Lagen (bzw.von den unterschiedlichen Quinta) ist das Top-Produkt der jeweiligen Portweinhäuser. Ein Single-Quinta-VP wird - soviel ich weiß - normalerweise nur dann hergestellt und abgefüllt, wenn kein "normaler" VP produziert wird. Das sind dann in der Regel nicht die Top-Jahrgänge. Ein Single-Quinta-VP liegt preislich deshalb auch unterhalb des normalen VP.

Auch diese Aussage ist missverständlich. Aber ich sehe schon, Ihr wollt es kompliziert - dann bekommt Ihr es jetzt auch kompliziert 8-)

Zunächst einmal: Quinta ist das portugiesische Wort für Landgut. Einige der Quintas verfügen über ganz erhebliche Rebflächen, jedenfalls über mehr als das, was man in Deutschland oder auch im Burgund größenmäßig noch als "Einzellage" ansehen würde. Insofern ist der weiter oben von Ollie gezogene Vergleich "Quinta = Einzellage" ein klein wenig irreführend.

Die Portweinhäuser, die häufig englische Namen tragen (Taylor, Graham, Dow, Cockburn, Warre, Croft...) sitzen in Porto / Vila Nova de Gaia, d.h. ein ganz erhebliches Stück entfernt von den Weinbergen. Im deutschen Verständnis würde man diese "Häuser" am ehesten als Kellerei ansehen.

Die "Häuser" kaufen u.a. Wein von unabhängigen Erzeugern, daneben haben sie aber erheblichen eigenen Besitz im Anbaugebiet, d.h. ihnen gehören etliche Quintas.

In herausragend guten Jahren wird für den Vintage-Port traditionell der Hausname verwendet, d.h. ein Spitzen-Vintage z.B. von Dow rangiert grundsätzlich als "Dow's Vintage Port". In etwas weniger guten Jahren, die man aber immer noch gut genug für die Erzeugung von Vintage Port hält (was mittlerweile die meisten Jahrgänge sind), wird stattdessen der Name einer einzelnen Quinta verwendet, die zu Dow gehört und meistens die besten Weine im Verschnitt liefert, bei Dow ist das regelmäßig die Quinta da Bomfin. Die anderen Häuser halten das gleich, z.B. Taylor --> Vargellas, oder Graham --> Malvedos. Insofern stellen hier die "Single Quinta Vintages" tatsächlich nicht die besten Weine dar, sondern nur das zweite Register.

So weit, so gut. Nun gibt es aber Quintas, die von den Handelshäusern unabhängig sind und ihren Wein selber vermarkten, und zwar unter dem Namen der Quinta. Bekanntestes und lange existierendes Beispiel ist die Quinta do Noval, es gibt aber auch etliche andere wie z.B. Romaneira oder Vale Dona Maria , und im Rahmen einer gewissen Portwein-Renaissance werden es in den letzten Jahren deutlich mehr. Bei diesen ist der Single Quinta Vintage mit dem Namen der Quinta tatsächlich der beste Vintage des Hauses. Einige Erzeuger haben für etwas schwächere Vintages ein Zweitlabel, so erzeugt die Quinta do Noval den Silval.

Es kommt also darauf an: bei den "Häusern" ist der Single Quinta Vintage nicht der beste Wein, bei den unabhängigen Erzeugern aber schon. Das bedeutet im Endeffekt, dass man als orientierter Konsument wissen muss, ob eine Quinta einem der Portweinhäuser gehört oder aber unabhängig ist.

In die ganze Geschichte scheint aber bei den Häusern mittlerweile etwas Bewegung zu kommen, da die bisherige Handhabung in einer Weinwelt, die eine geographisch engere Herkunftsbezeichnung mit höherer Qualität gleichsetzt, kontraintuitiv ist (siehe Ollies Beitrag). Die Symington-Gruppe, der gleich mehrere der oben genannten Häuser gehören, hat die Quinta do Vesuvio aus ihrem übrigen Portfolio herausgeschält und behandelt sie so, als wenn sie unabhängig wäre. Taylor scheint Vargellas aufwerten zu wollen, Graham den Malvedos. Es bleibt also interessant zu beobachten.

Sorry, das war jetzt etwas länger - aber wie gesagt: ihr wolltet es kompliziert, eh voilà, es ist kompliziert... :mrgreen:

Gruß
Ulli
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