Bordeaux 2005

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
Kle
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Re: Bordeaux 2005

Beitrag von Kle »

nach langer Zeit wieder an einen 2005er getraut, einen kleineren, aber mit Bangem und Respekt: Fourcas Hosten, Listrac.
Die Farbe ist mir sympathisch, wirkt ehrbar: dunkles Rubin, etwas durchscheinend. In der Nase fein und vielschichtig. Klare Frucht- und Gewürzanmutungen.
Im Mund zuerst fast zu üppig mit Beigeschmack sehr reifer Früchte. Dieser Eindruck vergeht auch nicht, aber wird in Schach gehalten durch Frische, gute Säure und pikanten Abgang. So verstand ich nach einer Weile die reife Üppigkeit nicht mehr als Mangel, sondern als interessantes Charakteristikum. Sie geht einher mit Raucharomen, hat mitunter einen pflaumigen Geschmack, dann den von süffigem Beerensaft, dessen Rohstoff in den Tropen gewachsen sein muss. Oft körnig-staubige Textur. Es ist aber auch feine Kirschfrucht vorhanden und wie es sich für einen guten Bordeaux gehört, ist Fourcas Hosten nicht nur unterhaltsam, sondern schafft es ab und zu, sich von allem erschmeckten Ballast zu befreien und aufregend neu zu formieren: Die bisher gesammelten Eindrücke scheinen nur noch Werkstoffe zu sein für einen Wein, der jetzt erst im Entstehen ist. Sie machen sich schlank, verlieren ihre individuelle Bedeutung für eine kaum beschreibbare geschlossene Komposition. Während mich hier der Wein begeisterte, gab es auch Schlucke, wo die „Überreife“ penetrant und hohl wurde und auch nach zu lang gezogenem Tee schmeckte oder aber eine räuchrige Wässrigkeit schlechte Stimmung auslöste. Besonders nach längerer Lufteinwirkung. 87 Punkte.
Ich werde die Bannmeile um meine größeren(?) 2005er wohl bald aufheben.

Gruß, Kle
nono
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Re: Bordeaux 2005

Beitrag von nono »

Chateau d Aiguilhe: vor ein paar Jahren habe ich den Jahrgang 2001 dieses Weinguts getrunken und war nicht besonders begeistert: viel zu süß und fett. 2005 gefiel mir besser, sicherlich auch kein Wein für Finessentrinker, aber dafür steht der vollen schwarzbeerigen Frucht diesmal viel, aber rundes Tannin gegenüber (für mich 90 P). Wie einige hier im Forum auch schon angedeutet haben scheinen mir die Weine der zweiten Reihe ( insbesondere mit hohem Merlot-Anteil) z.Zt mit großem Vergnügen zu trinken sein, die Gerbstoffe sind schon noch da, sorgen aber für ein gutes Fundament.
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ledexter
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Re: Bordeaux 2005

Beitrag von ledexter »

Ganz schnelle Frage, würdet ihr die Weine dekantieren?

2005 Chateau Lusseau
2005 Chateau Grand Pontet

Vielen Dank schonmal
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innauen
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Re: Bordeaux 2005

Beitrag von innauen »

Hallo,

würde ich, entgegen meiner Regel es nie zu tun, hier machen. Warum? 2005 ist immer noch am Anfang mit Massen an Tannin. Du kannst aber selber den Test machen. Korken ziehen und Probeschluck nehmen. Ist der Wein schon trinkfähig, Korken sofort wieder drauf und kühl stellen.

Grüße,
wolf
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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ledexter
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Re: Bordeaux 2005

Beitrag von ledexter »

Hatte beide Weine je 30min im Dekanter und war begeistert, hab die Weine gegeneinander verkostet und beide haben voll meinen Nerv getroffen und mich begeistert bei einem tollen Preisleistungsverhältnis:

2005 Chateau Lusseau

Eher rustikale Nase, die nicht vermuten lässt was im Glas auf einen zukommt. Am Gaumen dann Kirschen, schwarze Johannisbeeren, Brombeeren und ein tolles Volumen. Aber auch die leicht herberen Töne von Kaffee, dunkler Schokolade und Tabak, die sich elegant zu den fruchtigen Noten im Gleichgewicht bewegen, wissen zu überzeugen. Kräftig, extraktreich und samtig ist dieser Saint Emilion und unglaublich lecker.

2005 Chateau Grand Pontet

Hier eine etwas floralere Nase, man merkt das der Wein eine feinere Struktur hat. Er duftet herrlich nach Kirschen und roten Früchten. Im Mund merkt man dass der Grand Pontet nicht die Power des Lusseau hat, er ist insgesamt filigraner und freundlicher. Man schmeckt auch die Kirschen, rote Früchte eine knackige Säure und hat auf der Gegenseite Schokolade. Beide Weine haben sehr dezentes kaum wahrnehmbares Holz welches sich gut integriert. Der Grand Pontet ist auch ein sehr leckerer Wein, hätte ich ihn ohne Rivalen verkostet wäre das für mich ein absoluter Winner gewesen. Aber im direkten Geschmacksvergleich hatte mich der Körper und die Ballance des Lusseau doch mehr überzeugt.
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Jochen R.
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Re: Bordeaux 2005

Beitrag von Jochen R. »

Du Retout 2005:
Tief dunkles Weinrot (fast schwarz). Mind. mittelkräftige Nase mit floralen Noten
(blumig), Tabak, Kirschen, Him- und Heidelbeeren, dahinter ein Hauch Minze.
Mittlerer Körper mit einer frischen Säure, Kirschen, Heidelbeeren, Kaffee, floralen
Noten, Tabak, auch nasses Laub, ewig lang.
Baut innerhalb von 2 Std. schon ab, trotzdem Top-PLV. Hervorragend zum Rostbraten
mit Gemüse. 91 P.

Viele Grüße,
Jochen
"Viele haben eine Meinung, aber keine Ahnung." (Franz Müntefering)
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UlliB
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Re: Bordeaux 2005

Beitrag von UlliB »

Zwei 2005er aus der AOC Margaux:

Monbrison: Nur minimale Öffnung. Schlank, straff und fest an der Grenze zur Härte; Tiefe nur angedeutet. Verbessert sich an der Luft nur unwesentlich. Deutlich zu jung; könnte aber durchaus etwas sehr gutes werden, wenn die Frucht das Abschmelzen des Tannins überlebt - fragt sich nur, wann das sein wird. Im sich mittlerweile ausdifferenzierenden Feld der nicht klassifizierten 2005er vom linken Ufer ein Langstreckenläufer.

Angludet: anders als der Monbrison ist der schon voll da, aber auch der deutlich kleinere Wein. Sanfte, rotfruchtige, aber auch etwas verwaschene Nase; im Gaumen zunächst ebenfalls sanft und geschmeidig, aber auch hier verwaschen, dem Wein fehlt es an Richtung und Definition. Im Abgang bittert das hier immer noch spürbare Tannin deutlich nach und hinterlässt einen insgesamt unausgewogenen, unharmonischen Eindruck. Enttäuschend.

Gruß
Ulli
Frankie Wilberforce
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Re: Bordeaux 2005

Beitrag von Frankie Wilberforce »

Mal wieder einen kleinen aber feinen Wein probiert:
Chateau Reysson, Haut-Medoc,CB, 2005
dunkles Rot, schöne rotbeerige Frucht mit Leder, geröstetem Holz, Vanille und Gewürzen. Ein mittlerer Körper mit rotbeeriger Frucht, Brombeere, Vanille, geröstetem Holz, Schokolade und Schmelz, ordentliche Tannine, frische Säure, gute Blance, gut strukturiert aber insgesamt ohne Glanz.
Mittellanger Abgang wie am Gaumen auf der rotbeerigen Seite.
87- FW Punkte
Grüße Armin

Sie fragen mich nach den besten Wein, den ich getrunken habe? Der ist wahrscheinlich im nächsten Glas ...
Frankie Wilberforce
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Registriert: Do 30. Dez 2010, 22:18

Re: Bordeaux 2005

Beitrag von Frankie Wilberforce »

Passend dazu einen anderen kleinen Wein:
Chateau Saint Paul, Haut-Medoc, CB, 2005
mittleres bis dunkles Rot, endlich einmal keinen Kork und so etwas wie ein Bukett nach Pflaumen, roten Sauerkirschen und Johannisbeeren, floralen Noten, Erde und Holzwürze aber nicht so hübsch/gut wie der Reysson.
Am Gaumen ein leichter bis mittlerer Körper, mit saftiger Frische, abgeschmolzenen Tanninen und Schmelz, dunkler MIlchschokolade, Malz und Sauerkirschen.
Kurzer Abgang nach ordentlichem Bordeaux für den kleinen Geldbeutel.
86 FW Punkte.
Grüße Armin

Sie fragen mich nach den besten Wein, den ich getrunken habe? Der ist wahrscheinlich im nächsten Glas ...
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innauen
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Re: Bordeaux 2005

Beitrag von innauen »

Hallo Frankie,

irgendwo früher stand geschrieben, der Wein sei schon hin. Bei mir war er es nicht. Der Eindruck war ein ganz ähnlicher. Klassischer, ehrlicher Stoff. Vielleicht hätte ich einen Punkt mehr gegeben. Aber das ist nicht entscheidend.

Grüße,

wolf
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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