Beaujolais

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octopussy
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Re: Beaujolais

Beitrag von octopussy »

Neulich im Glas:

Louis-Claude Desvignes - Morgon Côte du Py "Javernières" 2003
Louis-Claude Desvignes - Morgon Côte du Py "Javernières" 2005
Thibault Liger-Belair - Moulin-à-Vent Vielles Vignes 2009


Alle drei Weine waren hervorragend. Die beiden Desvignes waren sehr unterschiedlich, der 2005er - wie so viele Weine aus dem Jahr aktuell - noch sehr verschlossen, aber mit wirklich herausragenden Anlagen. Der 2003er war viel reifer und jetzt voll ausgereift ohne weiteres Potenzial (außer zum Abstieg). Eigentlich war er auch ein bisschen komisch, aber dieser wunderbare Lorbeer- und Wacholder-Aromatik im Abgang, die wirklich so expressiv war, wie ich eine bestimmte Aromatik selten bei einem Wein gespürt habe, fand ich wirklich spektakulär.

Der Thibault war auch ausgezeichnet, der Winzerstil kommt sehr deutlich zum Ausdruck (wie auch schon beim 2010er), aber der Wein ist immer noch so typisch Moulin-à-Vent, dass man nicht von einem verkappten Bourgogne sprechen kann. Mein Tipp: in fünf bis zehn Jahren ist dieser Wein die ab-so-lute Wucht. Eine Suche und das Einkellern mehr als wert (ich habe nur 2010 und werde 2011 kaufen).

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innauen
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Re: Beaujolais

Beitrag von innauen »

Hallo,

gibt es eigentlich schon Wasserstandsmeldungen über die Güte des Jahrgangs 2012 im Beaujolais? Die Erntemenge ist wie im Burgund ja wohl eher übersichtlich.

Grüße,

wolf
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Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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octopussy
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Re: Beaujolais

Beitrag von octopussy »

innauen hat geschrieben:gibt es eigentlich schon Wasserstandsmeldungen über die Güte des Jahrgangs 2012 im Beaujolais? Die Erntemenge ist wie im Burgund ja wohl eher übersichtlich.
Hallo Wolf,

probiert habe ich selbst noch keinen Wein (diese Woche werde ich vllt ein bisschen Vissoux probieren). Gekauft habe ich schon ein paar Flaschen, aber bislang deutlich weniger als 2011: Bouland, Vissoux, Dutraive. In der RVF sind die 2012er verhaltener bewertet als die 2011er. Der Burgunder-Händler m.V. ist von den 2012er Vissouxs ziemlich begeistert. Nach allem denke ich, dass der Jahrgang anders als 2011, 2009 und 2005 kein "No Brainer" ist, sondern dass sich im Zweifel erstmal probieren lohnt. Aber wirklich Schlechtes habe ich auch noch nicht gehört...

...außer von den Bordeaux-Freaks, die keinen Beaujolais mögen ;) :lol:.

P.S. Vor gut einer Woche habe ich im Restaurant ein Glas Damien Coquelet - 2011 Chiroubles getrunken. Den fand ich ausgezeichnet, leicht, trotzdem gehaltvoll, frisch und animierend, aber nicht belanglos. Hatte der 2011er Morgon Côte du Py neulich deutliche Stallnoten, war der Chiroubles jetzt viel klarer und reintöniger.

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innauen
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Re: Beaujolais

Beitrag von innauen »

Danke Stephan, auf Dich ist bei Beaujolais immer Verlass - das sage ich als Bordeaux-Freak :mrgreen:

Grüße,

wolf
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octopussy
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Re: Beaujolais

Beitrag von octopussy »

Das Angebot an Beaujolais im deutschen Fachhandel nimmt stetig zu.

Unverkennbar ist, dass Pinard de Picard ihr Burgunder-Angebot deutlich ausdünnt und ihr Beaujolais-Angebot deutlich ausweitet. Jetzt ist eine vierte Domaine hinzugekommen: Richard Rottiers, der u.a. einen Moulin-à-Vent "Champ de Cour" abfüllt aus einer Lage, aus der auch Château des Jacques (Louis Jadot), Mommesin (Clos de Tart) und Château du Moulin-à-Vent einen Einzellagenwein abfüllen. http://www.pinard-de-picard.de/katalog/ ... _Vent.html. Ich habe mir mal von jedem verfügbaren Wein zwei Flaschen gekauft zum Probieren.

Bei Vinisud ist - lieferbar ab Dezember - neu im Programm Julien Sunier, der in den USA schon einigermaßen bekannt und gut vertreten ist. Von ihm gibt es die 2012er Regnié, Morgon und Fleurie: einfach mal den Online-Katalog 2013/2014 runterladen. Da sind die Weine schon gelistet: http://www.vinisud.de/VINISUD_aktuellePreisliste.pdf

Ein Punkt stört mich aber bei der Bewerbung von Beaujolais im deutschen Fachhandel und auch bei Artikeln in der Presse. STÄNDIG wird der Burgund-Vergleich bemüht, der m.E. nur in Ausnahmefällen passt. Ein Vergleich zu Syrahs von der nördlichen Rhône wäre genauso passend (oder unpassend). Gamay ist Gamay, nur sollte sich ein Fleurie von einem Morgon von einem Brouilly unterscheiden.

Auch bei Norbert Müller gibt es eine neue Domaine im Programm: Château Thivin, und zwar mit vier Weinen, u.a. den seltenen Cuvées Zacharie und La Chapelle. Der 2011er Côte de Brouilly "7 Vignes" (12,80 Euro!) hat bei John Gilman 94 Punkte bekommen und ein Trinkfenster aus Absurdistan: 2015 - 2040+ :lol: (dafür muss man wohl Altweine mögen). http://www.burgunder-suesswein.de/weine-2/. Auch hier habe ich natürlich zugeschlagen.
Beste Grüße, Stephan
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thvins
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Re: Beaujolais

Beitrag von thvins »

An Tagen wie diesen kann man sich über so vieles ärgern:
- darüber, dass es gar nicht mehr mit jauchen aufhören will und dass es wieder dunkel ist, bevor es hell wurde,
- darüber, dass manche Dinge nicht so laufen, wie sie sollten,
- darüber, dass so viel Zwietracht unter den Menschen ist,
- darüber, dass still, heimlich und leise versucht wird, uns die PKW Maut schnell noch unterzujubeln
- darüber, dass der Maroilles so dolle stinkt
- darüber, dass die Katze die Türen zwar alle immer auf, aber keine einzige wieder zu macht
und vor allem auch darüber, dass der blöde Wein aus dem Beaujolais - Gebiet, der heute die Tarte aux Maroilles begleiten soll, damit der Stinkekäse weg kommt, blöderweise mit Siegellack - ja, diesem doofen bröseligen... - verschlossen ist.

Aber dann gibt es zur Tarte aux Maroilles diesen wunderbaren Wein ins Glas:

Domaine Michel Cheveau; Naissance; Saint Amour; 2003 rot;

Was für ein kristallklarer Gamay-Duft, welch - super Gaumen nach 10 Jahren, viel Himbeeren, etwas rostige Nägel, etwas Schokolade, eine etwas kalkig wirkende Mineralik, ein ganz klein wenig Herbstlaub. Eine burgundisch anmutende Finesse (das ist aber alles, was den Vergleich zu Burgund rechtfertigt, ansonsten ist er Gamay durch und durch, geschmacklich näher an meinen geliebten Gamay - Weinen aus der Auvergne von Rougeyron als an Burgund). Am Gaumen wunderbar ausbalanciert und zärtlich, wenn der Wein nicht die AOC Saint Amour hätte, müßte man diese für ihn erfinden. Ein wahrer Schatzfund - unerwartet und nach dem letzen missratenen 2003er Beaujolais eine Offenbarung, ja tatsächlich eine Geburt - die eines großen Weines.

Ich weiß nicht, ob es immer noch verpönt ist, und es immer noch keine großen Weine aus dem Beaujolais geben darf - es hat sich ja allerlei getan und die Gegend erfährt grad einen Hype, aber ich habe den Wein damals gekauft, als es noch als verpönt galt, Weine aus dem Beaujolais als Groß zu bezeichnen. Ein Vor-Hype -Wein sozusagen, aber einer, der diesen Hype heute nachträglich rechtfertigt. Nur Ole hat damals die Fahne des Beaujolais schon kräftig geschwungen - aber der tat das doch schon immer...?!

Und ihr dürft mich gern als Ketzer beschimpfen, ich halte das aus - und ich gebe diesem Saint Amour liebende 95/100 Th. Und bezeichne ihn somit nach meiner Skala, über die ich mich mit euch nicht schon wieder streiten will, als Großen Wein.

Heute gibt es nur eines, über das ich mich ärgern könnte - diesen Wein zu 9 € auf der Weinmesse in Lille damals nicht kistenweise gekauft zu haben...

Ärgern macht Pickel und Falten und die machen häßlich - also bin ich dankbar. Dankbar, dass es mir vergönnt ist, diesen Wein zu trinken, auch wenn es eine Einzelflasche war. Ein singuläres Ereignis - ich erlaube mir besser nicht, die Experten zu fragen, ob es für den Wein noch eine Bezugsquelle gäbe... Falls jemand (...ungefragt) doch eine hat, würde ich schwach werden. Selbst, wenn er da ein bisschen mehr als 9 € kostet...

Ein gutes Glas habe ich noch - und das genieße ich jetzt. :mrgreen:
Beste Grüße

Torsten

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Re: Beaujolais

Beitrag von Weinbertl »

thvins hat geschrieben:Und ihr dürft mich gern als Ketzer beschimpfen, ich halte das aus - und ich gebe diesem Saint Amour liebende 95/100 Th. Und bezeichne ihn somit nach meiner Skala, über die ich mich mit euch nicht schon wieder streiten will, als Großen Wein.

:shock: :lol:

eine deutlich tiefere Bewertung von Dir würde mich jetzt erst recht verwirren und zum Schluss kommen lassen, dass Du nur Priorat so hoch bewertest. Insofern gibts da m.E. nichts zu streiten (tun wir sowieso nicht) bzw. diskutieren. ;)
Grüße
Robert
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thvins
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Re: Beaujolais

Beitrag von thvins »

Hallo Robert,

ich bin ja inzwischen so was von dankbar über jeden Nicht-Priorato aus meinem Keller, der mir so viel Spaß macht... - Oft mache ich was auf, was da seit Jahren schlummert (wenn ich zwischen den Priorat-Verkostungen dazu komme) und denke mir dann - jaja, ganz nett, aber wieso musstest du dafür damals das Geld ausgegeben haben?
Und dann dümple ich oft bei irgend was zwischen 88 und 92 Punkten rum (zum Glück habe ich einen soweit ausgesuchten Keller, dass sich tiefer da selten was findet und warum soll ich mir heute noch was beschaffen, was ich mit 80 oder 85 Punkten abstrafen müßte?).

Nur in der Regel schreibe ich da kaum noch was drüber, warum soll ich all diese Weine, die ganz nett, aber nicht wirklich berührend sind, noch erwähnen, all die gepflegte Langeweile, das was nicht mehr bietet, als das wa man erwartet. Versteh mich da jetzt nicht falsch -das schmeckt mir alles durchaus noch und ich trinke es auch mit Spaß aus, aber ohne den Drang zu haben, über all das Schreiben zu müssen...

Hat man mal einen schlechten Tag, dann schimpft man über einen enttäuschenden Wein, weil der zufällig auch noch überdurchschnittlich teuer war und viele ihn kennen, aber eigentlich mag ich eher so was wie gestern, was mich spontan zum Schwärmen anregt...

Und das hat gestern ausgerechnet ein 9 € Beaujolais geschafft - mich sogar zu berühren und zu entführen...

Im Übrigen habe ich schon immer mal Weine dort im Beaujolais gefunden, die mir ein Lächeln über die Lippen zauberten, sicher nicht der normale Durchschnittsbeaujolais, aber halt so was wie den gestrigen Kandidaten (wenn auch selten sooo hoch bewertet). Das hat schon vor 10 oder 15 Jahren dazu geführt, dass ich das Gebiet als hochspannend fand und dort eine Fundgrube für Schätze sah, die mit zum besten hinsichtlich des PGV gehören, was die Weinwelt bietet.

Nur hätte ich das damals zu Beginn meiner Wein-Internet Zeit bei TAW so verfochten, wäre ich virtuell gesteinigt worden. Hat immer schon gereicht, wenn alle schimpften, weil ich wieder von irgendwas aus dem Jura fasziniert war... :mrgreen: :lol:

Fakt ist aber eben, dass mich schon lange kein französischer Wein aus meinem Keller so begeistet hat wie der Gestrige...
Beste Grüße

Torsten

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Gerald
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Re: Beaujolais

Beitrag von Gerald »

Hallo Torsten,
Tarte aux Maroilles
dieses Rezept bzw. der Käse war mir kein Begriff, musste erst Tante google anwerfen. Hast du die Tarte so ähnlich wie in dieser arte-Sendung zubereitet?

http://www.arte.tv/de/maroilles-kaeseku ... 20862.html

Und falls der Maroilles hierzulande nicht aufzutreiben ist: gibt es einen passenden (leicht erhältlichen) Ersatz dafür?

Grüße,
Gerald
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thvins
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Re: Beaujolais

Beitrag von thvins »

Hallo Gerald,

ja, das ist das Ur-Rezept...

Ich habe mir aber eine andere Variante "zugelegt", bei der ich den Teig zunächst dünn mit Creme Fraiche und Kräutern bestreiche und dann noch ein paar Scheiben Schinken und Schalotten drauf lege, bevor ich den Käse großzügig darüber gebe. Die Butter habe ich dafür weg gelassen.

Wir waren in den 90ern per Rad vor Ort und haben in dem Dorf, von wo der Käse kommt, auch übernachtet und im dörflichen Restaurant wurden die verschieden reichen Tartes serviert.

In Frankreich gibt es den Käse überall ind verschiedenen Größen und Qualitätsstufen - am besten natürlich "fermier" und das große 850 g Stück.

In Deutschland habe ich den manchmal schon in der SB-Abteilung von Kaufland gesehen und gekauft, da allerdings nur "industriel" und die Kleinste Abpackung, dafür deutlich teurer im Kilopreis :mrgreen: Da musst du für eine vernünftige Tarte mindestens zwei Käse kaufen, bissel von naschen willst du ja auch.

Auf dem Weihnachtsmarkt in Quedlinburg stehen alljährlich die Franzosen aus der Partnerstadt Quedlinburgs. Und da die in der Nähe von Maroilles ist, haben sie auch den Käse immer mit dabei, wie auch diverse Beaujolais eines befreundeten Winzers. Passt auch gut zu einem rustikalen Primeur, wobei die Variante gestern die weit Noblere war. Und eine gelungene Marriage noch dazu.

Ich bringe mir dann immer ausreichend von dem Käse zum günstigen Preis in der großen Größe mit... Der jetzige als Sonderausgabe "fromage de vendange" stammte von der Rückfahrt aus dem Priorat im September - war auch ein 850 g Stück und ein "fermier".

Riechen tut er natürlich wirklich dolle (Käsefeinde sagen "Stinkt!"), wobei der Geruch vom Vieux Lille aus der selben Ecke noch mals deutlich übertroffen wird.
Beste Grüße

Torsten

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