2005 hat rote Burgunder hervorgebracht, die sich nicht besonders zum frühen Genuss eignen.
Pfeif drauf, dachten wir (eine Gruppe von Weinfreunden und ich), unsere Neugier auf diesen Wein war einfach zu gross.
Wir sollten nicht enttäuscht werden:
Tiefes, sattes Purpur-Rot mit verführerischem Glanz. Rotfruchtig in der Nase mit Noten von Rauch und Holz. Reich und dennoch feingliedrig. Modernen Weinstil verkörpernd: Sauberkeit geht vor Komplexität.
Die Nasen-Aromatik bestätigt sich am Gaumen. Schöner Trinkfluss, eher wenig Säure, die (primär Holz-gepägten) Tannine verleihen eine gute Struktur und einen ziemlich langen Abgang. Macht Freude, ist aber bei Weitem nicht die grösste Repräsentation dieser fantastischen Lage. Rousseau und Fourrier lassen grüssen.
Die Genuss-Phase dieses Weins sehe ich ab jetzt bis ca. 2025.
Mein subjektives Rating: 92/100.
2005 Domaine Joseph Roty Gevrey-Chambertin
Roty-Weine belohnen die Geduldigen. In der Regel macht es keinen Sinn, sie jung zu trinken. Manchmal klappt's trotzdem:
Die Farbe noch tiefer und eindrücklicher als beim oben beschriebenen roten Burgunder.
Zuerst eher diffus in der Nase mit Noten von Griottes, Syrah, Altfass, Frischfleisch, Rauch und Tannenharz.
Roty-Liebhaber lassen sich dadurch nicht verunsichern: Belüftung wird's richten, in den allermeisten Fällen.
Nach 2-3 Stunden Luft wirkt der Wein wesentlich besser integriert. Die Nase ist jetzt sauberer, fruchtiger und zeigt mineralische Noten.
Eindrückliche Gaumenpräsenz für einen Villages-Wein! Aromatisch, druckvoll, anhaltend, lecker, guter Abgang mit komplexem Rückaroma.
Das Qualitätsgeheimnis liegt im Alter der Reben. Dieser altmodisch-authentische Burgunder-Typus ist einfach unkopierbar.
Die Genuss-Phase dieses Weins sehe ich zwischen 2018 und 2030.
Mein subjektives Rating: 92+/100.
Beste Grüsse,
Rainer