Nora hat geschrieben: ↑Di 7. Jul 2026, 21:35
Ich schwanke zwischen einerseits der Faszination ob der Lebendigkeit, die manchmal wie ein Blitz durch den Mund schiebt, und andererseits der fehlenden Substanz und Dichte des Weins. Ich kann mich nicht so richtig entscheiden, ob ich das gut finde oder enttäuscht bin.
VG Nora
Mir geht es ganz ähnlich!
Farblich erscheint mir Pontet-Canet 17 wie Schwarzkirsche. Im Geruch weder sehr zurückhaltend, noch expressiv, sondern mit Aromen, die nicht einfangen wollen, einen ehrbar gelassenen Eindruck machen und mit etwas Pflaume, dunklen Beeren und Rauch einstimmen. Ähnlich im Mund, wo sich zugleich ausdrucksvoll Säure über den Gaumen legt. Allein das sorgt für schönen Kontrast und Lebendigkeit. Wird das etwa ein vielschichtiger Pontet-Canet?? Etwas Himbeere mildert die harscheren Akzente und selten habe ich mich so über eine Rauchanmutung gefreut, die zugleich Frische und Fruchtigkeit transportiert. Es gibt kein raues oder provozierendes Tannin, meistens empfinde ich es als gut versteckt. Nach den vorherigen P-C-Erlebnissen mit anderen Jahrgängen erstaunt mich eine gewisse Feinnervigkeit und bei aller Festigkeit relative Zartheit des Weines, das „Durchscheinende" und Bewegliche. Zum ersten Mal kann ich die so gerne bemühten Burgunder-Vergleiche nachvollziehen.
Die Säure wird jedoch immer auffallender bis zu einem Punkt, wo ich den Wein als gescheitert ansehe: Er erinnert an ein zu stark gewürztes Gericht, dessen Schärfe sich störend auf die anderen Aromen auswirkt. Am zweiten Tag komme ich damit besser klar, warum auch immer. Wunderbare klassische, dichte Nase, wieder Rauch und Rotfrüchte und ein Hauch Holz/verfremdete Vanille. Gefasster und fester nun der Wein, mich mehr an andere PC-Jahrgänge erinnernd mit der Neigung, sich aromatisch zusammenzudrängen, anstatt Sprünge und Spielereien und überhaupt Nebensachen zuzulassen. Beim 17er gibt es allerdings nichts Überbordendes. In schönen Momenten ist er wie ein feines, delikates Praliné, nicht mundfüllend, sondern zum aufmerksam Hineinschmecken.
Immer wieder fällt aber auch seine Leichtfüßigkeit auf. Am dritten Tag schmecke ich etwas Schoko und schöne Harmonie, aber auch Säurig-bitteres drängt sich wieder ziemlich in den Vordergrund...
Ich habe mal nach Kommentaren bei Cellartracker geschaut, die mir weit näher als viele Profi-Bewertungen sind. Oft wird auf die Jugendlichkeit und das große Potential hingewiesen. Dies müsste der Wein in der Tat auch entwickeln, um manche hohen Punktzahlen und den Preis zu rechtfertigen. Mir scheint es kaum möglich.
Gruß, Kle