Ende Juni über ein verlängertes Wochenende nach dem Besuch eines Sulpturengartens in Buchholz, bei der Rückfahrt den kleinen Hunger bekommen und spontan beim Buschenschank "Ansitz Dornach" eingekehrt.
Ein Weingut mit einem recht krassen Kontrast zwischen dem ursprünglichen schlossartigen und leicht heruntergekommenen historischen Ansitzes und dem neu in den Hang gestellten bauhausartig-nuchtern-brutalistischem Kellereineubau mit angeschlossenem Bio-Hofladen und Osteria Contadina biologica (Bio-Buschenschank).
Also Erich, dass dir dieser Betrieb bisher nicht aufgefallen ist? Im eigentlichen Naturwein-Plus mit extra biodynamisch
Probiert haben wir den
Louis rosso Blauburgunder mit 11°alc.
Louis aromatisch gewürztraminer mit 11,5°alc.
Louis rosé mit 11°alc.
Cuvée No. 37 Bianco mit ca. 13°alc aus Chardonnay, Sauvignon Blanc, Pinot Blanc und Gewürztraminer
Die Louis-Weine sind allesamt als leichte Trinkweine zum Essen konzipiert, zumeist gradation zwischen 10,5° - 11,5°alc.
Der weisse "Louis" GT und der Rose fallen recht mineralisch, aber auch in gewisser Weise "neutral", aus. Maischig-hefige Noten bildeten zudem das geschmackliche Grundgerüst, für meinen Geschmack einfach nicht ganz eindeutig / sauber im Geschmacksbild. Oki, muss man mögen, mir etwas zu wenig, auch in Anbetracht der 23€/Fl.
Der Louis rosso wusste hingegen in gewisser Weise mehr zu gefallen, das Geschmacksbild nicht derart hefig-maischig verstellt, sauber, leicht "schwebende" Kirschfrucht, mineralisch. Da ging zumindest eine Flasche zum Preis von 23€ zur Nachverkostung mit.
Eigentlich auch ganz apart die Cuvée Nr. 37, die Cuvée-Partner blättern sich geschmacklich auf, das Gesamtbild ist stimmig, als Wein für mich in Ordnung, den aufgerufenen Preis, irgendwas über 30€, war mir das weder stilistisch noch qualitativ wert.
Das Weinangebot ist aufgegliedert in eine PiWi-Linie, die Louis-Linie (der "leichten" Weine) und dem "Rest".
Zudem werden alle Weine seit 2019 (oder so) zusätzlich aufsteigend durchnummeriert. Nach der Denke des Winzers ist jeder Wein in jedem Jahr anders... und das soll irgendwie zusätzlich zum Ausdruck gebracht werden.
Positiv zu erwähnen sind auf jeden Fall die kulinarischen Angebote des Buschenschanks. Biodyn-Sachen aus eigenenm Anbau, bzw. Produktion, gut gebacken, bzw. gekocht, Ergänzungsprodukte von befreundeten Bio-Betrieben ... war lecker, konnte man nicht mosern. Richtig Hunger darfst du aber nicht haben, dafür sind die Portionen vielleicht zu übersichtlich.
Interessant am Rande:
Die Frau des Hofes, Karoline Uccelli, hat über Probleme aufgrund Flavescence dorée erzählt. Vorletztes Jahr mussten 3 Weinberge des Betriebs wegen der Erkrankung gerodet werden, dises Jahr schon wieder eine nachgepflanzter Weinberg ...
Ich habe dies einem anderem, befreundeten (im Wesentlichen konventionell arbeitenden) Winzer erzählt. Der meine darauf hin, "ach der Uccelli, von der Tenuta Dornach, der meint immer, er müsse alles anders machen als die Anderen."
Ob das an der Biodynamie läge, fragte ich nach. Nein, das sei nicht das Problem, auch für Bio- und Biodyn-Betriebe stehen zugelassenen Spritzmittel zur Verfügung, die müssen nach Vorschrift 3-malig gespritzt werden; Anmerkung: die Mittel für konventionellen Weinbau seien bei Befall 2-malig auszubringen. ... aber man müsse halt bei Befall aktiv tätig werden, sonst ist das Ergebniss die Komplettrodung.
In Südtirol liefe die Bekämpfung der Flavescence dorée eigentlich gut.
Wenn die (gesetzlichen) Vorschriften beachtet werden, befallene Pflanzen sind umgehend ab Oberkante Boden aus dem Weinberg zu entfernen, und anschließend die besagten Spritzungen durchzuführen, dann könne man mit der Rebkrankeit umgehen.
Die Nachlässigkeiten im Umgang mit dieser Krankheit werden inzwischen behördlich verfolgt, auch mit regelmäßigen verdachtsunabhängigen Kontrollen im Weinberg selbst. Kommt der Winzer bei Befall nicht der Rückschnitt- und Spritzplichten nach, werden die Weinberge von kommunaler Seite gerodet und die Rechnung weitergegeben ...