Ich habe mich von ca. 2006 bis 2022, bei nur gelegentlichem Weinkonsum, fast ausschließlich im Gutsweinbereich deutscher trockener Weißweine und der Preisklasse 8 - 12 € bewegt und meinen Weinbedarf fast ausschließlich über den gutsortierten LEH (Citti, Globus) gedeckt. Davor im Studium waren eher kräftige Rotweine aus dem Sortiment von Jaques' Weindepot mein Thema.
Mein seit 2022 neu erwachtes Weininteresse ist mit dem unbedingten Wunsch nach neuen und anderen Geschmackseindrücken verbunden. Beim Weißwein geht es mir im Moment mehr um Struktur, Mineralität und Phenolik als um plakative Fruchtigkeit. Frucht an sich ist aber nicht unwichtig. Mit Reife habe ich gute und weniger gute Erfahrungen, wobei ich nicht einmal ganz sicher bin, ob das eine oder andere negative Reifeerlebnis nicht doch eher ein Korkfehler war. Ich kaufe nicht nur junge Weine, aber vorzugsweise nach gereiften Sachen (womöglich noch aus 2. Hand) suche ich auch nicht. Meine Erfahrung mit Reife wird also im Laufe der Zeit wachsen.
amateur des vins hat geschrieben: ↑Di 30. Jun 2026, 21:24
final_scream hat geschrieben: ↑Di 30. Jun 2026, 17:01
Nach der guten Erfahrung mit Bürklin-Wolfs Einstiegsriesling verkoste ich mich seit Sonntag am
Dr. Bürklin-Wolf, Cuvée blanc, 2024. Beim ersten Glas herbe Enttäuschung. Ein recht dünner Wein, sehr auf typische Sauvignon Blanc Fruchtigkeit getrimmt. Wenig Struktur, nichts von der erhofften Reduktion. Besondere Länge erwarte ich im Gutweinbereich ohnehin nicht.
Nach einem Tag Kühlschrankaufenthalt beim insgesamt 3. Glas ein völlig verändertes Bild: die laute Frucht hat sich verzogen. Leichte Reduktion, phenolischer Grip und herbe Saftigkeit geben dem Wein plötzlich einen Charakter, der für mich am ersten Abend nicht ansatzweise zu erahnen war. Der Wein ist interessant geworden.
Mir wäre kein Mechanismus bekannt, der aus dem Nichts in der geöffneten Flasche Reduktion entstehen ließe. Das deutet auf einen starken, gar dominanten Einfluß Deiner Tagesform hin. Daraus auf ein Trinkfenster zu schließen, halte ich für gewagt.
jm2c
Tagesform würde ich bei den oben beschriebenen Geschmackseindrücken von
Dr. Bürklin-Wolf und
von Winning ausschließen, aber andererseits ein generell gültiges Trinkfenster nie behaupten wollen.
Jeder schmeckt anders und hat individuelle Vorlieben.
Vielleicht bin ich auch nur zu ungeübt oder geschmacklich unsensibel, um die tatsächlich von Beginn an vorhandenen mineralischen und phenolischen Noten (ich nannte sie oben Reduktion, was vielleicht nicht richtig widergegeben ist) schon von Beginn an hinter der Frucht zu entdecken.
Mein Punkt war folgender:
Da gibt es Weine, die bei manchen Weingütern das Einstiegssegment bilden, die aber bereits als Jungwein eine erstaunliche Komplexität bieten, die sich in ihrer Deutlichkeit (zumindest mir) aber erst nach 2 - 3 Tagen zeigt. Solche Weine werden aber von den meisten eher nicht über mehrere Tage hinweg getrunken werden und bekommen so oft gar nicht die Möglichkeit, ihre ganze Pracht zu zeigen.
EThC hat geschrieben: ↑Di 30. Jun 2026, 18:42
final_scream hat geschrieben: ↑Di 30. Jun 2026, 17:01
Wie geht man mit solchen Weinen am besten um?
...tatsächlich mache ich solche Gutsweine in der Regel erst nach ein paar Jahren auf, hängt davon ab, ob ich die Sachen vorab schon bei Händlern oder Winzern probieren konnte. Wer meine Verkostungsnotizen durchforstet, wird da bislang kaum 24er (10) / 25er (2

) finden und nicht wenige davon haben andere in irgendwelche Weinrunden mitgebracht. Dafür erreichen nicht wenige Gutsweine bei mir auch ein zweistelliges Alter und machen da zuallermeist eine sehr gute Figur (zuletzt ein 16er Gutsriesling von Schäfer-Fröhlich), die sind ja auch in aller Regel verschraubt und reifen damit auch viel gleichmäßiger als die leider meist verkork(s)ten Ersten und Großen Lagen etc.
Ob Reife hier die Lösung ist, kann ich für mich noch nicht beantworten. Ich werde es im Laufe der Zeit erfahren

Dein Blog und deine Verkostungsnotizen sind auf jeden Fall seit Jahren für mich ganz oft Inspiration und manchmal Rückversicherung. Ganz herzlichen Dank dafür, dass du seit so langer Zeit so viel Zeit und Aufwand darauf verwendest.
