Vorneweg: Von Moueix gab’s nix, und viele bekannte Weine habe ich nicht verkostet. Was ich aber im Glas hatte, war sehr oft sehr spektakulär. Denn wo es 2022 etwa teilweise schon Anzeichen von Überreife gab - was gerade beim Cabernet Franc für sirupige und schwerfällige Frucht sorgt -, war 2025 alles perfekt auf den Punkt gereift, und es ist dieses Plus an Definition und Perfektion, das die Weine so unglaublich schön macht. (Man hat mich übrigens darauf aufmerksam gemacht, daß auch hier eine ausgelebte Cabernet-Vorliebe im Spiel sein könnte…)
Cheval Blanc
(51 M, 45 CF, 5 CF) Sehr herausforderndes Jahr für Cheval Blanc, mit trockenheitsbedingt sehr schweren Ertragseinbußen. Dafür hat der späte Regen nicht nur den Weinberg, sondern auf die Alkoholwerte gerettet: Die Beeren haben sich mit so viel Wasser vollgesaugt, daß der finale Alkoholwert bei nur 12.7 Vol% liegt - aber, und das ist das Besondere an 2025, ohne die unglaubliche Konzentration und Dichte des Weins zu kompromittieren. Dennoch ist der Wein von einer geradezu überirdischen Eleganz und Seidigkeit. Hier ist alles Textur; sogar das enorme Tannin (Vergleich mit 1961 und 2010 wurden gezogen) ist so derart hochverdichtet, daß es zur wohlschmeckenden Fülle des Weins beiträgt, mit einer enorm harmonischen Aromatik (pH=3.76). Ein in allen Dimensionen enormer und perfekter Wein (98-100). Wirklich irre beeindruckend, dabei bereits sauf- und ansprechbar. Naja, was heißt ansprechbar - und dieser Punkt scheint einige Kritiker sehr irritiert zu haben -, der Wein ist ein bißchen distanziert ("stand-offish"). Für seine ungeteilte Zuneigung wird man warten müssen, bis er sich bequemt. Ein Generationenprojekt, und ein legendenfähiges noch dazu.
Quinault l’Enclos
Vom Können der Cheval-Blanc-Mannschaft vermittelt dieser Wein einen sehr guten Eindruck. Die stilistische Linie, die unglaubliche Harmonie ist auch hier zu finden, mit einer wunderschönen Aromatik (62 M, 19 CF, 19 CS) und enormen Süffigkeit (pH=3.70, auch nur 13 Vol%). Vielleicht nicht der komplexeste Wein der Klasse, aber sicherlich einer der ästhetischsten. Gefällt mir wirkllich gut (93-95), wird aber nicht en-primeur angeboten.
Ausone
Aromatisch deutlich dominiert von Cabernet Franc (65%, neben nur 30 M und 5 CS), aber perfekt reif, ohne sirupige oder blättrige Einschläge und so dicht, daß man nicht weiß: Ist das noch Körper oder schon Textur? Bildschön, mit viel Schmelz, expressiver und energetischer als Cheval Blanc (ein ganzes Volumenprozent mehr Alkohol, bei einem pH=3.50) und deshalb wohl auch einnehmender und verbindlicher, aber immer noch enorm edel und aristokratisch. Auch hier: alle Parameter im perfekten Bereich. Großartig (98-100).
Angélus
Der dritte Groß-St-Emilion im Bunde (die drei Erzeuger wurden in zeitlicher Abfolge hintereinander verkostet, es gab nur den Châteaux-Wechsel dazwischen). Hier wird eher auf, ich sag’ mal: die Bedürfnisse des modernen Publikums geachtet. Mit großer Dichte und Fülle (50 M, 50 CF bei 14 Vol%), Rundheit und Energie (pH=3.50) und viel Geschmack. Wiederum perfekter Cabernet Franc mit hervorragender Unterstützung durch den Merlot. Brillante, präzise und sehr kühle Frucht, superelegantes Tannin. Großartig (97-99). Der Carillon d’Angélus ist ein "zweiter Wein" der Mannschaft und die Fortschreibung des Themas mit anderen, weniger sittsamen Mitteln (90 M, 10 CF). Etwas arg mehrheitsfähig vielleicht, aber sehr gut (91-93).
Beau-Séjour-Bécot
Uff! Nur einmal auf einer Sammelverkostung gehabt, aber was ein Wein! Typisch für BSB sehr dunkelfruchtig und Cabernet-Franc-geprägt (Nadelwald), sehr dicht, jahrgangsbedingt enorm präzise, viel Energie und aromatische Frische und deshalb anders als der enorme 2022er, ein herrlicher BSB und ziemlich sicher schon groß (95-97+). Für Fans des Weinguts (wie ich einer bin) ein völliger no-brainer, und ja, nach dem sehr demonstrativen 2022er ist das wie der Colinhays’sche Sprung ins einen kühlen, ruhigen Mirror Pool. Aber Perfektion sehe ich hier immer noch nicht.
Berliquet
Zwei Mal verkostet, zuletzt auf Château Canon. Dunkle, leicht strenge, Cabernet-Franc-geprägte Frucht (61 M, 39 CF). Viel dunkle Kalksteinmineralität, alles sehr viel dunkler als bei Canon, aber sonst noch nicht sehr aromatisch expressiv, das muss noch kommen. Sehr gut, aber ich hatte ehrlich gesagt mehr erwartet (89-91+). Keine Ahnung, was da los war. Die Elevage muss es richten.
Canon
Zwei Mal verkostet, davon einmal auf dem Château. Schon in der Nase die (für mich Canon-typische) Kräutrigkeit. Recht blumig, viel rote und ein paar eingestreute dunkle Früchte (76 M, 24 CF). Gute Energie (pH=3.50), viel Kalkstein (super!). Sehr satte, dichte Textur und wunderschöne Länge mit viel Kalkstein, alles sehr edel, sauber definiert (vernünftige 14 Vol% helfen dem Wein ungemein) und wunderbar ausgewogen (sein Alkohol-zu-Körper-Verhältnis war für mich immer Anlass zu Kritik) - sicherlich der harmonischste Canon ever. Aber: Das macht den Wein seltsam kontrolliert und, nun ja, etwas langweilig. Es ist, als ob bei aller Qualität Chanel gesagt hätte: "Der Schuss muss sitzen, das Ding muss erfolgreich verkauft werden!" Oder ist der Wein einfach nur zu Duclos-poliert? Wie gesagt, ein super Canon (95-97+), für Fans ein Muss, allein der Funke will einfach nicht überspringen. Einer der wenigen Weine, wo ich dachte, daß der Jahrgangscharakter und der Hausstil sich vielleicht etwas ins Gehege gekommen wären, denn ich hatte mehr Ausdruck erwartet. Wenn der Wein im Ausbau noch aufmacht, ist das Pluszeichen sehr dick.
Clos Fourtet
Einmal auf einer Sammelverkostung, aber der Wein sticht sofort heraus. Sehr viel Kraft und Wucht (84 M, 10 CF, 6 CS, sehr vernünftige 14 Vol%), sehr sauber und deutlich strukturiert, alles wunderbar eingebettet in der dichten, sehr aromatischen Textur, jahrgangsbedingt mit sehr viel Definition und Transparenz (pH=3.40), tolle Länge. Wird ein paar Jahre benötigen, um sich in voller Pracht zu zeigen. Superb (96-98+), auf der kraftvollen Seite des Spektrum, wenn auch nicht ganz so heavy wie Pavie (obwohl...).
Corbin
Auf Cantemerle verkostet. Hübscher, sehr gefälliger St-Emilion (87-89).
Figeac
Ein Jahrgang der extremen Gleichzeitigkeit: nicht nur sehr frühe, sondern sehr gleichmäßige und schnelle Blüte. Entsprechend frühe, aber auch schnelle, gleichmäßige und auch relativ gleichzeitige Reife der drei Rebsorten - in weniger als drei Wochen war alles durch (naja, was heißt schon "alles": 25 hl/ha Ertrag), aber natürlich mit einem Riesenaufwand an Mensch und Material. Das Ergebnis: pure Perfektion. Als Ausreißer des rechten Ufers mit etwa einem Drittel Merlot und zwei Dritteln Cabernet (38 M, 32 CS, 30 CF). Unglaubliche Harmonie, kühle, dunkle, aromatische Frucht mit edler Würze (sehr Cabernet-Sauvignon-geprägt), Länge, Dichte, seidigste Textur, sehr beiläufige Eleganz und Schönheit - überhaupt nicht die "Eisenfaust im Samthandschuh", sondern viel freundlicher, verbindlicher, lieblicher gar. Super (98-100). - Bevor die Diskussion aufkommt, ob man Figeac vielleicht durch Les Carmes Haut-Brion substituieren könnte, wegen Rebsortenzusammensetzung, Kritikerpunkte usw. - nein, leider nein. Das sind zwei grundverschiedene Weine (erst recht 2025), und ich sehe zwischen Figeac und LCHB durchaus eine Lücke von 2, 3 Punkten. Fairerweise muss man einräumen, daß sich diese Lücke auch auf den Kontostand überträgt. Wer kann, sollte natürlich beide Weine kaufen und sich selbst ein Bild malen.
Grand Corbin Despagne
Zweimal verkostet (jeweils Sammelverkostungen), zweimal enttäuschend. Hart und harsch und unschön, und ich bin GCD-Fan. Keine Ahnung, was da los war.
La Gaffelière
Direkt nach Canon verkostet (Sammelverkostung), und was soll ich sagen: Hier bin ich zuhause. Mehr Körper (sic!), mehr Saft, mehr Würze, mehr Energie, mehr Struktur als Canon - hier passiert etwas im Glas! Vielleicht liegt’s am höheren Cabernet-Franc-Gehalt (35 % neben 65 M) und am niedrigeren pH=3-41? Auf jeden Fall tut der Jahrgangscharakter dem Wein enorm gut. Nach der sehr flamboyanten, etwas karikaturhaften 2022er ist der 2025er hier von viel größerer Ernsthaftigkeit und Edle, ohne jedoch seinen expressiven Grundcharakter aufzugeben. Ich stehe voll auf sowas, für mich ziemlich sicher groß (95-97+). Und zur Arrivage werden wir feststellen, wie groß das Delta zum 2019er ist. Der 2025er könnte der schönste ever sein.
Larcis Ducasse
Zwar nur auf einer Sammelverkostung gehabt, dort aber mehrmals gegen Canon, La Gaffelière und BSB verprobt, denn ich wollte sicher(er)gehen. Typisch satte, dunkle Frucht (dabei nur 10 CF und 90 M!), viel Stoff, aber mit einem schönen, sehr satten Schmelz (14 Vol%), sehr schöne Länge und eine sehr sauber definierte, sehr harmonische Interpretation der Côte de Pavie, sicherlich unterstützt durch den niedrigen pH=3.50. War der 2022er etwas krass, war das hier viel leiser und mir auch nicht auf Anhieb ersichtlich - bei meiner Erstverkostung fand ich den Wein etwas harmlos, aber im direkten Vergleich mit o.g. Weinen kristaliisierte sich dann sehr schnell die Eigenständigkeit. Toll, vielleicht sogar besser als 2022, weil viel sauberer gezeichnet, aber wie schon damals für mich doch ein Stück weg von der Perfektion. Hat aber Potential zur Größe (defensive 94-96). Könnte preislich aber der interessanteste Zugang zur Côte de Pavie sein (aber ich hatte keinen vernünftigen Pavie Macquin). Beobachten und mich ggf. ignorieren, das könnte superb werden!
Laroque
Und wieder so ein Wein, dem ich mich etwas angespannt genähert habe, denn die hohen Kritikermeinungen konnte ich bislang nicht nachvollziehen. Den 2022er hatte ich sehr gut gefunden (92), aber der 2025er ist wieder in diesem seltsamen Loch der unbedingten Unauffälligkeit verschwunden, obwohl die Papierform interessant ist (99 M, 1 CF, 13.8 Vol%, pH=3.40). Was haben die Leute nur mit diesem Wein..? Sehr gut (89-91), aber halt nicht mehr. Vielleicht explodiert er ja erst im Fass?
La Tour Figeac
Zwei Mal verkostet. Der Wein war auf einer Sammelverkostung sehr positiv aufgefallen, und die Nachverkostung auf einer zweiten Sammelverkostung hat den guten Eindruck auch prompt bestätigt. Sehr aromatische, reife, satte, süßliche, eher rötliche Frucht (70 M, 30 CF, nur 13.5 Vol%). Was den Wein aber wirklich herausstechen lässt, ist seine fast schon sämige Fülle, die der Textur eine wunderschöne Seidigkeit verleiht - einer der wenigen St-Emilions mit einer deutlichen, aber Dank des Jahrgangs keinesfalls überrissenen, sondern sehr natürlichen, Pomerol-haften Fülle (aber mit Kalkstein!) und insgesamt sehr ausgewogen. Ein sehr sympathischer und hedonistischer ("gourmand") Wein, beide Male ausgeschenkt vom ebenfalls sehr sympathischen Gutsdirektor Pierre Blois (der Mann mit dem Hund war wirklich da). Sehr gut (91-93+, konservative Schätzung) und ein schöner Sparringspartner zu Villemaurine.
Le Prieuré
Wie bereits beschrieben, gemacht vom Team vom Calon Ségur (und auch dort verkostet). Viel Stoff und Dichte (97 M, 3 CF - die bemerkenswert hohen 14.7 Vol% sind völlig problemlos eingebaut), Frische, Energie und Saft (der dramatische pH=3.30 hilft). Schöne Frucht und sehr expressive Kalksteinmineralität (auch in der Nase sehr kalkig), das ist toll und gefällt mir sehr gut. Im Fernduell mit Laroque habe ich hier eindeutig meinen Champion, wenn’s um Merlot vom Kalk geht (91-93+, konservative Wertung).
Mangot
Ich verfolge dieses Château schon seit einigen Jahrgängen (und seinen District 9 ebenso), aber irgendwie hat der Wein nie zu mir gesprochen - und das trotz relativ hohen Cabernet-Anteils (35 CF, 5 CS, 60 M). Fans werden natürlich von der dieses Jahr sauberer gezeichneten Frucht begeistert sein. Solide (89-91).
Pavie
Während Cheval Blanc und Ausone schon in der Loge sitzen und die Partitur der gleich beginnenden Oper durchgehen, spielt Pavie im Foyer laute, aber sehr, sehr gute Rockmusik: Die Gitarrenriffs elaboriert und enorm durchhörbar, die Drum Fills unglaublich, alles wahnsinnig komplex und melodisch und mit sehr interessanten Harmonien. Und wie Led Zep wird dieser Pavie ebenfalls die Zeiten überdauern. Enorm viel Kraft und Wucht, kräftiges, aber saftiges Tannin, Dabei sehr, sehr präzise. Die satte, dunkle Frucht ohne den Hauch von Überreife und gut vom Holz gestützt, alles mit viel Frische und Saftigkeit und Länge, unglaublich süffig (ja doch!) - das ist schon große Klasse (96-98+, defensive Wertung, die Reife wird’s perfektionieren, das wird genial) und weit, weg von echten oder gefühlten Karikaturen. Enormer "Haben-Will-Faktor", ich würde zu gerne sehen, wo diese grandiose Wein in 20 Jahren steht. Arômes de Pavie bleibt im Thema, ist dicht, voll und rund, zeigt sehr viel Graphit im Abgang und macht seine Sache wirklich sehr gut (91-93+). Wer einen Eindruck vom Pavie-Stil bekommen möchte, sollte hier anfangen. (Leider wissen die Erzeuger, was sie da im Fass haben, das wird alles nicht billig.)
Pavie Macquin
Nur auf einer Sammelverkostung gehabt, mit einem desaströsem Sample: harsch, hart, unschön. Ohne Wertung. Das fuchst mich ungemein, denn ich hätte gerne einen Vergleich zum Larcis-Ducasse gehabt…
Tertre Rôtebœuf
Hier wird’s metaphysisch. Denn natürlich sind die Weine von Mitjavile sehr idiosynkratisch, und wer mit dem Stil nicht klarkommt, wird auch mit dem 2025er nicht klarkommen. Enorm dicht, sämig geradezu, die Tanninstruktur zur Textur verdichtet, aromatische ein sattes Amalgam verschiedener Gewürze und Früchte, keine Überreife, alles auf den Punkt, satt und voll wie ein Christmas Pudding. Sehr lang. Sehr origineller Stil und ästhetisch sehr befriedigend, aber noch viel zu jung. Im aktuellen Zustand schon superb (96), aber in 20 Jahren wird hier die Sonne aufgehen, wie ein ebenfalls verkosteter, absolut perfekter 2000er aus einer am Vorabend angebrochenen Flasche gezeigt hat (100 von mir, einer der besten Rotweine, die ich je hatte), deswegen die große Spanne von 96-100. Roc de Cambes ist auch sehr gut gelungen, aber noch überraschend zugeknöpft, der Domaine de Cambes ist aktuell der schönere Wein (beide Weine aus der Appellation Côtes de Bourg und im ähnlichen Stil gehalten, auch wenn sie massiv abfallen im direkten Vergleich). Wertungen kann sich jeder selbst ausdenken, hier sind Vorlieben zu stark ausschlaggebend, und Fans sollten zuschlagen.
Tour St-Christophe
Satte Frucht (80 M, 20 CF mit überraschend hohen 14.5 Vol%), die Frische macht das unfallfrei trinkbar (pH=3.35), dankenswerterweise in nur 25% neuem Holz ausgebaut. Solide (89-91), etwas arg schablonenhaft, aber ein preiswerter und lehrreicher Einstieg in die Appellation.
Troplong Mondot
Oh wow. Zwei Nackenschläge in schneller Abfolge. Der erste: I've the feeling we’re not in Kansas anymore. Was auch immer Château Tropbeaucoup-Mondot früher gemacht hat, jetzt tun sie’s nicht mehr (schon seit einigen Jahren, übrigens). Der zweite: Uff, ist das gut! Das Château ist am höchsten Punkt St-Emilions, deswegen steht direkt daneben das Schwestergut Château d’Eau mit seinem hohen Turm. Dort hat ein mächtiger Blitz eingeschlagen, und dann hat der Kellermeister von Troplong halt den Blitz mit ins Fass gefüllt. Was eine Energie! Komplexe, frische, hocharomatische, deutlich rote Beerenfrucht (85 M, 13 CS(!), 2 CF, pH=3.43), enorme, knisternde Kalksteinmineralik, die den Wein elektrisiert, daß einem die Haare zu Berge stehen. Und das Ganz natürlich aufgefüllt mit der üblichen Dichte, Länge, Höhe, Breite usw. des Jahrgangs. Leute, schmeißt den Grill an (und den Sangiovese fort), die Bistecca wartet. Ganz, ganz große Klasse (98-100), aber nichts für Leute, die zum Lachen in den Keller gehen.
TrotteVieille
Ehrlich gesagt der für mich am schwierigsten einzuschätzende Wein der rechten Ufers (auf dem linken war es Durfort-Vivens, aus gleichen Gründen). Einerseits enorm dichte, kühle, dunkle Frucht eines perfekt reife Cabernet Francs, viel Kalkfrische, Länge, das Tannin hochverdichtet, die feinsamtige Textur von großer Klasse. Andererseits enorm vertikal und zugeschnürt, eifersüchtig wie ein Drache über seinem Goldschatz, im Gegensatz zum superexpressiven 2022er (aus der Flasche, natürlich) ist der 2025er unergründlich wie der Monolith aus 2001 (dem Film). Aber das Material ist da für einen superben Wein, also wer weiß, vielleicht ist er ja wirklich voller Sterne. Große Spanne von 94-98, denn potentiell ist das der best ever - und wenn nicht, immer noch ein toller Wein, kein Vergleich zu den Geschichten von vor 10 Jahren. Aber ich denke, das wird ein Wein, auf den man wird warten müssen, zumindest aus jetziger Sicht. Hätte ich mehr en-primeur-und-Arrivage-Erfahrung, könnte ich eine genauere Einschätzung abgeben, sorry, ihr müsst selber ins Risiko gehen. (Kauft nicht nach Punkten.)
Valandraud
Nur einmal auf der Sammelverkostung, und wahrscheinlich ein problematisches Sample, denn das war Holzsaft mit Fruchtüberzug, völlig ohne Interesse. Keine Wertung.
Villemaurine
Nur einmal auf einer Sammelverkostung, dort aber sehr positiv aufgefallen. Dunkle(!), kühle, satte Frucht (dabei 80 M, 15 CF, 5 CS mit sehr vernünftigen 14 Vol%), sehr aromatisch wunderbar harmonisch und bereits äußerst trinkbar das Holz super eingebaut. Villemaurine wird seit einigen Jahrgängen sehr gelobt, und jetzt weiß ich auch, warum. Ein Wein, den man auf dem Radar haben sollte, und ein sehr interessanter Gegensatz zum rotfruchtigeren La Tour Figeac. Sehr gut (91-93+, konservative Wertung).
Croix de Labrie — Nachzügler
Sorry, den hatte ich vergessen. Nur einmal auf der Sammelverkostung, furchtbares Sample. Keine Wertung.
Weiter geht's mit Pomerol und ein paar kleineren Sachen des rechten Ufers.
Cheers,
Ollie