Südafrika-Weinprobe in Würzburg

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weinaffe
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Südafrika-Weinprobe in Würzburg

Beitrag von weinaffe »

Hallo zusammen,

letzten Freitag trafen sich wieder im Rahmen meiner VHS-Seminare weinaffine Menschen, um gemeinsam in einer Blindprobe 14 Weine (6x weiss, 8x rot) aus Südafrika zu verkosten. Gemeinerweise :lol: gab es noch zusätzlich einen "roten Piraten" aus einem anderen afrikanischen Land, der aber weder aus Tunesien, Marokko oder Algerien stammte :? Doch dazu später !

Folgende Weine waren am Start:

------ Chardonnay Cap Classique Zero Dosage (Black Elephant Vintners) -Franschhoek-
100% Trauben aus der Cool-Climate-Region Elgin---Grundwein 2011--- 100 Monate Hefelager---11,5 Vol%---Produktion 12.000 Flaschen---Methode champenoise--
Kevin Swart, Raymond Ndlovu und Winemaker Jacques Wentzel produzieren mit die besten Schäumer Südafrikas, was dieser Blanc de Blancs souverän unterstreicht: zartes Goldgelb mit feiner Perlage, elegante Chardonnay-Nase mit Agrumen und Brioche, perfekte Balance zwischen Frische und Reife, am Gaumen knochentrocken, aber ohne jegliche Aggressivität, saftige Säure, relativ leicht im Alkohol, aber trotzdem mit einiger Dichte, nahezu perfekte Kombi aus zarter Gelbfrucht und hefigen Aspekten, sehr saftig und stimmig, sehr hochwertiger Apero-Schampus, der sich auch in einer noblen Champagnerverkostung gut behaupten könnte. Für diese Qualität sehr günstig (Handelspreis ca. 29 EURO).

2023er "Olindo" Verdelho Single Vineyard (Jasper Raats, Driefontein) -Stellenbosch-
12,5 Vol%---RZ: 1,1 gr.---zertifizierter Bio-Dyn-Betrieb---
Die portugiesische Rebsorte Verdelho, die eine der Madeira-Hauptrebsorten ist, findet man -zumal in einer trockenen Version- nicht nur in Südafrika äusserst selten, was offensichtlich sehr schade ist, wenn man diesen Wein im Glas hat: strohgelb mit grünlichen Reflexen, sehr klare und reintönige Nase mit nur dezenter Fruchtausprägung (Apfel, grüne Williams-Birne) und feiner Kräuterwürze, Hauch Holz, am Gaumen komplett trocken mit animierender, saftiger Säure, frisch und mittelgewichtig, ganz dezente Holzwürze, wiederum zurückhaltende Kernobst-Frucht mit straffer, leicht schmirgelnder Mineralität, feste Struktur durch Gerbstoff-Grip, mineralisch-würziger Abgang mit guter Länge. Handelspreis ca. 25 EURO.

2023er Wild Ferment Sauvignon blanc Elgin W.o.O. (Iona Family, Elgin) -Elgin-
Schiefer-/Ton-Böden---12,5 Vol%---
Sehr typische, das relativ kühle Klima transportierende Sortenart schon in der Nase,die sich eher an der Loire als an Neuseeland orientiert, frisch geschnittenes Gras, Hauch grüne Paprika, Stachelbeere, etwas Cassis und ein Hauch Maracuja, klirrend frischer Eindruck, im Mund komplett durchgegorener Eindruck, knackige, aber nicht bissige Säure, nur mittelgewichtig, richtig speichelziehend, am Gaumen bestätigt sich der Naseneindruck, verhaltene Frucht mit grün-ätherischer Würze, sehr straight und klar, mittlere Länge.
Gelungener Sauvignon blanc, der aber auch seinen Preis hat (ca. 29 EURO im hiesigen Handel).

2021er Chardonnay Reserve (Whalehaven, Hermanus) -Upper Hemel-en-Aarde-Valley-
12,5 Vol%---Barriqueausbau---
Dieser Chardonnay gilt als einer der besten Sortenvertreter des Landes, wobei der etwas kurze Presskorken dies jetzt nicht vermuten lässt. Der "Spar-Korken" hatte aber Gottseidank keinen Einfluss auf die Weinqualität genommen: Sehr typische und elegante Nase nach zarter Gelbfrucht, dezente Holzwürze, am Gaumen sehr ausgewogen, absolut trocken mit stimmiger Säure, Zitrus, Hauch Aprikose, leicht rauchiger, aber passender Holzeinsatz, kein Blockbuster, sondern ein perfekt ausgewogenes Mittelgewicht, klingt elegant mit dezenter Frucht und Holzwürze aus.
Hochwertiger Sortenvertreter mit entsprechendem Preis (im Handel ca. 35 EURO).

2024er Old Vines White Swartland W.o.O. (Mullineux, Malmesbury) -Swartland-
Cuvee aus 72% Chenin blanc,Rest Clairette, Viognier, Grenache blanc und Semillon gris---13,5 Vol%---Schieferboden mit Eiseneinschüben---
Diese Cuvee könnte von der perfekten Machart her auch ein Weißwein aus der Bourgogne sein: in der Nase elegante, verhaltene Gelbfrucht, die durchaus einem entsprechend ausgebauten Chardonnay ähnelt, gekonnter Barriqueeinsatz, der etwas Vanille beisteuert, der Wein ruht völlig in sich, am Gaumen zart-cremig, aber dank vifer Säure nicht in die Breite gehend, zarte Gelbfrucht mit hefigen Aspekten, zarte, gelungene Holzuntermalung, Alkohol perfekt integriert, durchaus dicht und stoffig, aber ohne jede Schwere, sehr gute, ausgewogene Länge. Perfekt vinifizierter Wein, den man aber in einer Blindprobe nur sehr schwer verorten kann. Die ca. 30 EURO Handelspreis sind aber für diese Qualität durchaus angemessen.

2022er Semillon Franschhoek W.o.O. (Boekenhoutskloof, Franschhoek) -Franschhoek-
stammt aus 3 Weinbergen mit Pflanzjahren 1902, 1936 und 1942---Ausbau in Barrique und Amphore---13,5 Vol%---1,1 % Muscat-Alexandria-Anteil---
Dieser fast sortenreine Semillon hat zunächst nasal Gemeinsamkeiten mit dem Swartland-Vorgänger, auch hier ein gefühlvoller Holzeinsatz, sehr elegant und ebenmäßig, nur dezente Fruchtausprägung (reifer Apfel, Hauch Zitrus), souverän in sich ruhend, am Gaumen geht dann aber die Post ab, komplett trocken, nicht so cremig wie der Vorgänger,spürbare Säure, auch hier nur dezente Gelbfrucht mit fast nicht wahrnehmbarem Muscat-Anteil, dann wird das komplett mineralisch, feiner Gerbstoff, der Wein schiebt sich in die Länge, druckvoll, Alkohol und Holz perfekt integriert, sehr intensiver, völlig fruchtbefreiter Abgang im Stile eines Corton. Für mich grosses Kino, aber der Wein wird nicht jeden gleichermaßen begeistern.
Berechtigte ca. 40 EURO im hiesigen Handel.

Nun geht es weiter mit den Rotweinen, wobei der erste Wein gleich der afrikanische "Pirat" war. Der Wein kommt weder aus den 3 nordafrikanischen Herkünften (Tunesien, Algerien, Marokko), sondern stammt tatsächlich aus einem Land der Sub-Sahara-Zone, wo die Reben aufgrund der feuchten Hitze und der Wasserknappheit kein leichtes Leben haben. Dieses Land ist tatsächlich nach Südafrika (95.000 ha) der zweitgrösste Traubenproduzent dieser Sub-Sahara-Zone, wobei die Anbaufläche nur auf einer Hochebene möglich ist und mit ca. 2.000 ha auch sehr überschaubar ist. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, dass in diesem Land überhaupt Trauben wachsen und Wein produziert wird. Asche über mein Haupt :lol:, zumal Würzburg seit vielen Jahrzehnten eine Städtepartnerschaft mit der im Süden des Victoria-Sees gelegenen Stadt Mwanza pflegt. Wir hatten somit erstmalig einen Wein aus Tanzania im Glas, der dank italienischer Entwicklungshilfe und technischem Know-how durchaus mit Genuss zu trinken war. Auf den sandigen und bewässerten Böden kann tatsächlich 2-mal im Jahr geerntet werden! Vielen Dank an einen Afrika-Reisenden, der mir diesen Wein mitgebracht hat!
Doch nun zum Wein:

2018er "Presidential" Reserve Cuvee red Wine Dodoma (Cetawico, Hombolo) -Tanzania-
Cuvee aus Teroldego, Aglianico, Marzemino und Syrah---2 Jahre Barriqueausbau---15 Vol%---
Farblich ein fast blickdichtes Purpurrot, in der Nase ein dunkles, aber nicht plakatives Frucht-Potpourri aus dunklen Beeren,schrammt etwas an der Überreife, aber noch im Rahmen, rauchiger Holzeinsatz in Richtung Schinkenspeck (für die Biertrinker etwas Schlenkerla-Feeling ;) ), aber nicht unangenehm, am Gaumen ist der Wein absolut sauber, keinerlei Fehltöne, trocken, aber durchaus extraktsüss, der Alkohol ist dank stimmiger Säure und relativ feinkörnigem Tannin gut eingebunden, etwas würzige Ätherik, auch im Geschmack etwas Räucherspeck, ordentliche Länge.
Hut ab vor den Produzenten, die unter nicht gerade einfachen klimatischen Verhältnissen einen wirklich trinkenswerten Wein produziert haben, der offensichtlich auch durchaus einige Jahre reifen kann. Wahrscheinlich eine interessante, aber einmalige Begegnung mit diesem exotischen Produzenten. Vor Ort hat dieser Wein umgerechnet 15 EURO gekostet, was wirklich sehr angemessen ist.

Fortsetzung mit den 8 südafrikanischen Rotweinen folgt in Kürze!

LG
Bodo
weinaffe
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Re: Südafrika-Weinprobe in Würzburg

Beitrag von weinaffe »

....und weiter geht es mit den Rotweinen aus Südafrika:

2023er "Follow the line" Cinsault Darling W.o.O. (Savage Wines, Cape Town) -Darling-
13 Vol%---41 Jahre alte Buschreben---6 % Verschnittanteil Syrah---
Duncan Savage gehört zu den Spezialisten für den Ausbau dieser selten reinsortig ausgebauten Rhone-Rebsorte: durchscheinende Pinot-Farbe, auch in der Nase pinotähnlich, Sauerkirsche, Brombeere, Himbeere, Hauch Erdbeere, ätherische Noten, dezent kräutrig, kühler Naseneindruck, am Gaumen trocken, elegante für Frische sorgende Säure, feinkörniges Tannin, eher "heller" Fruchteindruck, sehr saftig und trinkig, elegant, nur mittelgewichtig, von Würze und dezenter Samtigkeit getragener Ausklang. Die Verwechslungsgefahr mit einem Pinot noir ist hier durchaus vorhanden. Gelungener Wein für Liebhaber finessenreicher Weine (ca. 29 EURO Handelspreis).

2021er Grenache noir Swartland W.o.O. (David + Nadia Sadie, Malmesbury) -Swartland-
Ausbau in Holz und Beton---teilweise Verwendung ganzer Beeren bei der Vergärung---13,5 Vol%---
Farblich nicht viel mehr als rosefarben, auch hier will man sofort Pinot schreien, Erdbeere, Himbeere, etwas Craneberry, grüne Ätherik, sehr pur und elegant, am Gaumen komplett trocken mit stimmiger Säure, hellrote Fruchtaromatik, feinkörniges, dezentes Tannin, unauffälliger Alkohol, ordentliche Länge mit angenehmer retronasaler Rückaromatik. In der Tat wieder ein Wein für Pinot-Trinker. Ca. 30 EURO im Handel.

2022er "Primo" Pinotage Paarl W.o.O. (Fairview, Charles Back, Paarl) -Paarl-
13,5 Vol%---20 Monate Barriqueausbau---
Keine Südafrika-Probe ohne diese 1925 in Südafrika gekreuzte Rebsorte (Pinot Noir x Cinsault), deren Eigenheiten man erst in den Griff bekommen musste. Dieser Sortenvertreter ist ein absolutes Musterbeispiel für den gelungenen Umgang mit dieser Rebsorte: relativ kräftiges aber leicht durchscheinendes Rubinrot, wunderbar klare und reine Dunkelfrucht (Brombeere, Herzkirsche, Hauch Himbeere) mit angenehmer Holztönung, keinerlei grüne oder medizinale Töne, die diese Rebsorte früher oft so unattraktiv gemacht haben, nasal erinnert mich das an einen Top-St.-Laurent aus der Thermenregion, am Gaumen trocken, feine Extraktsüsse, sehr dichte, aber nicht kitschige Frucht, integriertes Holz, feinkörniges Tannin, elegante Aromatik, Kraft ohne Gewicht, klarer, ebenmässiger und durchaus langer Abgang. Viel besser geht Pinotage wahrscheinlich nicht!.
Berechtigter Preis (Handelspreis ca. 33 EURO).

2023er Pinot noir (Hamilton Russell, Hermanus) -Hemel-en-Aarde-Valley-
Dieser Pinot noir gilt seit vielen Jahren als wohl bester Sortenvertreter des Landes... und das zu Recht.
"Ehrliche" Pinot-Farbe (durchscheinendes Rubinrot), in der Nase extrem sortentypisch und voll auf der eleganten und duftigen Seite, Herzkirsche, Himbeere, Veilchen, Hauch sous bois, sehr elegant und finessenreich,Holz ganz im Hintergrund, am Gaumen trocken mit feiner Sucrosite, passende Säure, hochwertiges Tannin, das in 3-5 Jahren noch einen Tick mehr Finesse zulässt, mittelgewichtig, feine Beerenaromatik gepaart mit etwas Ätherik und zartem Holztouch, sehr elegant, auch hier besticht Im Abgang wiederum die langanhaltende Rückaromatik. Vorbildlicher Pinot, der in keiner internationalen Pinot-Probe fehlen sollte. Dürfte in den nächsten 2-5 Jahren noch an Finesse gewinnen. Hat leider seinen Preis (ca. 47 EURO im Handel).

2021er "Hannibal" Cuvee (Bouchard Finlayson, Hermanus) -Hemel-en-Aarde-Valley-
"wilde" Cuvee aus 41% Sangiovese, 26% Nebbiolo, 14% Shiraz, 11% Pinot noir, 5% Barbera und 3% Mourvedre---13 Vol%---RZ:2,7---S: 6,0---
Mittelkräftiges Rubinrot, nasal dominiert etwas der Sangiovese mit seiner Sauerkirschfrucht, etwas Brombeere, Hauch Cassis, wirkt frisch und nicht überpowert, am Gaumen trocken mit durchaus wahrnehmbarer, aber noch integrierter Säure, leicht eckiges, charaktervolles Tannin, nur mittelgewichtig, angenehme, eher dunkel angehauchte Beerenfrucht, frisch, nicht extrem tief, aber stimmig, mittellanger Abgang.
Aufgrund der durchaus vorhandenen Qualität dieser Cuvee scheint es sich nicht um eine "Resteverwertung" gehandelt zu haben, aber was der Sinn dieser ungewöhnlichen Rebsortenzusammenstellung sein soll, erschließt sich mir nicht unbedingt. Für 32 EURO im Handel macht er mir jedoch nicht genügend Spass ;)

2021er Porseleinberg Syrah Swartland W.o.O. (Porseleinberg, Ribeek Kasteel) -Swartland-
Wenn ihr von dem Vorderetikett ein Foto schiessen wollt... vergesst es ! Weisses Etikett mit weisser, erhabener Schrift, das ist das Markenzeichen dieses Weins, der einen wohl den Eindruck von Porzellan (daher der Name Porseleinberg) auf der Flasche vermitteln soll. Die notwendigen Angaben stehen dann glücklicherweise auf dem Rückenetikett. Wenn ihr einen südafrikanischen Sommelier nach den besten Weinen des Landes fragt, der Porseleinberg Syrah ist stets dabei. Und das auch völlig zu Recht, denn es handelt sich um einen Syrah, der auch international ganz vorne mitspielt und in keiner Rebsortenprobe fehlen sollte. Hier werkeln auch 2 der angesagtesten Kellermeister mit, nämlich Callie Louw und Marc Kent (kennt :lol: man auch von Boekenhoutskloof), und zusammen mit perfekten Syrah-Trauben auf "Schiefergeläuf" entsteht tatsächlich Großes.
Optisch ein kräftiges, aber nicht ganz blickdichtes Purpur, in der tiefgehenden Nase hat man ein komplexes Gemisch aus Dunkelfrucht (Maulbeeren, Cassis, Kirsche, Brombeere) und würzigen Noten (Piment, weisser Pfeffer, Hauch Leder und heller Tabak), schon in der Nase großartig, am Gaumen trocken, aber deutlich extraktsüss, trotzdem keinerlei Alkoholschwere (13,5 Vol%), perfekte Säureausrichtung, sensationelle Tanninqualität, extrem feinkörnig, nur zart schmirgelnd am Gaumen, aber kräftig vorhanden, daher eine makellose Struktur, vielfältige Frucht und Würze, sehr dicht und komplex, der Wein trinkt sich schon sehr gut, steht aber noch ganz am Anfang und wird zumindest über die nächsten 5-10 Jahre noch deutlich zulegen.
Ein sehr langer Abgang rundet diese kleine Kunstwerk "in progress" ab. Für mich klar ein Herausforderer für so manch teuren Syrah der nördlichen Rhone. In Anbetracht dieser Qualität ist der Wein sehr fair bepreist (ca. 60-70 EURO im Handel). Ich konnte tatsächlich einige Flaschen zum sehr günstigen Preis von 58 EURO ergattern.

2011er "Paul Sauer" Cuvee Simonsberg-Stellenbosch W.o.O. (Kanonkop) -Stellenbosch-
Cuvee aus 70% Cabernet Sauvignon, 18% Cabernet franc und 12% Merlot---2 Jahre neues französisches Barrique---14,5 Vol%
Hier sind wir jetzt in Pauillac angekommen ;) Der Traditionsbetrieb (seit 1910) beweist Jahr für Jahr, dass ihre Spitzen-Cuvee im Bordeaustil auch genauso gut und lange reifen kann wie ihre Vorbilder: unheimlich jugendlich in der Nase, nicht die Spur einer Alterungsnote, bildhübsche, cabernetgeprägte Aromatik, Cassis, reife Kirsche Brombeere, heller Tabak, Graphit, im Mund wunderbar klare Fruchtausprägung mit perfekter, zarter Holzuntermalung, am Gaumen perfekt ausgewogen, passende Säure, dicht und extraktreich, aber weit entfernt von Dickschiff, die 14,5 Umdrehungen sind in keiner Weise spürbar, grüne Ätherik (Hauch Minze) sorgt für Frische und Trinkigkeit, noch nicht ganz abgeschmolzenes Tannin, langer, ebenmässiger Abgang. Der Wein wird in den nächsten 3-6 Jahren seinen Peak erreichen und dürfte ihn erfahrungsgemäss über viele weitere Jahre halten. Gereifte Kanonkop-Weine dieser Spitzen-Cuvee aus Top-Jahren (wie 2011) sind auch international gesucht, so dass man hier durchaus mal an die 100 Euronen loswerden kann. Ich habe den Wein glücklicherweise aus einer Kellerauflösung für überschaubare 36 EURO erworben und habe dies auch nur in Anrechnung für die Probe gestellt. Ein echtes Schnäppchen ;)

Zum Abschluss der Probe musste noch eine Stilistik präsentiert werden, für die Südafrika in der Vergangenheit auch einen gewissen Ruf hatte, nämlich alkoholverstärkte Weine im Port-Stil:

2020er Cape Vintage Reserve Calitzdorp W.o.O. (de Krans, Calitzdorp) -Calitzdorp-
Cuvee aus 71% Touriga Nacional und 29% Tinta Roriz (=Tempranillo)--1 Jahr Fassausbau---19 Vol%--über 30 Jahre alte Reben---
erwartungsgemäß ein völlig blickdichtes Schwarzrot, intensive Süsskirschfrucht a la Mon-Cherie, Hauch Holz, etwas Kräuter, sehr klar und eingängig,keinerlei oxidative Noten, am Gaumen passende Restsüsse (geschätzt vielleicht 80 -90 Gramm RZ), konterkariert durch saftige Säure, kraftvoll, trotz 19 Umdrehungen nicht spritig, feinkörniges Tannin, saftige Kirschfrucht, etwas Pflaume, Hauch Kräuter, sehr direkt und leicht verständlich auf durchaus hohem Niveau, intensiver, langer Nachhall. Die perfekte Ergänzung zu einem Stück Stilton oder noch besser zu dunkler Schokolade.

Fazit:
Alle Weine hatten ein durchwegs hohes Niveau, was auch in dieser preislichen Liga zu erwarten war. Bei den Weißweinen waren der Sekt und der Semillon meine Favoriten, bei den Roten war dies vor allem der Syrah sowie die Kanonkop-Cuvee, wobei mir auch der Pinotage ausnehmend gut gefallen hat.
Und jetzt weiss ich auch, dass in Tanzania Wein produziert wird.... :lol:

Habt allzeit einen guten Wein im Glas !

LG
Bodo
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Re: Südafrika-Weinprobe in Würzburg

Beitrag von EThC »

Hallo Bodo!
Den "Presidential" habe ich als 2017er mal in Morogoro getrunken, war mehr als anständig, auch wenn die Stilistik nicht so ganz meine Baustelle ist, könnte aber die Benchmark für tanzanischen Wein sein. Insbesondere um Dodoma gibt's schon länger Weinbau, in den Usambarabergen im Nordosten sogar schon seit der deutschen Kolonialzeit, was wir dort in Lushoto getrunken haben, war aber deutlich einfacher gestrickt...
Viele Grüße
Erich

Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's
DAS EWIG GESTRIGE
was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.

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