Bordeaux 2017

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
Kle
Beiträge: 1168
Registriert: Fr 10. Dez 2010, 17:18
Wohnort: Hamburg

Re: Bordeaux 2017

Beitrag von Kle »

die Alternative dazu, Pichon Baron 2017 jetzt zu öffnen, wäre etwa gewesen, 10 Jahre zu warten und womöglich festzustellen, dass es sich um einen schwachen Jahrgang handelt. So nun umwerfendes, fast ein wenig ungläubig machendes Schwarzrot und ein Duft, der alle BDX-Verführungskraft besitzt. Rote Früchte mit einer - wahrscheinlich durch Holz und Tannin, gepaart mit Säurigem - Würze, die buchstäblich durch die Luft abheben lassen.
Im Mund schöner, konzentrierter, aber nicht wie gezwungen vollgepackter Stoff. Eleganz, laissez-faire bei bewusster Struktur sind zu spüren, ähnliche Eindrücke wie in der Nase. Nicht überkultiviert - vielleicht sogar unterkultiviert für einen solchen Wein? Denn tatsächlich kommen zwar schöne Grand Cru-Attribute zum Vorschein, einen hochgradigen Anspruch gibt es aber nicht. Es könnte auch ein Cru Bourgeois mit Grand Cru-Attributen sein.
Wie sich zeigt, braucht dieser Wein nicht nur viel Luft, sondern verträgt sie auch - ein ungekühlter Rest mindestens drei Tage. So erschloss er sich nach vielen Stunden mit einem subtilen Aromenspiel vor einem Tanninhintergrund, der nie aufdringlich wurde. Wie auch der ganze Wein nicht, der mit entspannter Eleganz zwischen fruchtigen und gewürzigen, aber auch wohlschmeckend transformierten Holzaromen changierte. Letztere vermute ich bei für mich schwer identifizierbaren leicht nussig, mandelig oder auch kuchenartig schmeckenden Aromen. Der Wein schwenkt von sowas rasch zu anderem wie herzhafter und auch saftiger säurebetonter Kirsche und Brombeere, aber nicht wie ein Zirkuspferd. Trotz der Vielfalt gibt es keinen Spurenwechsel, man scheint geschmacklich einer Komposition zu folgen. Der Wein hält auch Kontakt zur ersten Phase nach dem Öffnen. Einer klaren, dichten aber luftigen, einfachen aber nicht simplen Grundstruktur. Gerade das macht ihn so gut vergleichbar mit „normaleren“ Weinen, die anfangs scheinbar mithalten.
Als der Wein besser schmeckte, wollte ich ausschließen, einem Placebo-Effekt wegen des großen Namens zu erliegen. Dies gelang. Pichon Baron 2017 war ein einzigartiges Erlebnis und guter Kauf.
Benutzeravatar
Schönibert
Beiträge: 500
Registriert: Di 7. Dez 2010, 11:28
Wohnort: Frankfurt am Main

Re: Bordeaux 2017

Beitrag von Schönibert »

stollinger hat geschrieben: Mi 4. Mär 2020, 19:19
Château Sociando-Mallet - Haut Medoc - 2017:

Bild

Im Vergleich zum Potensac wirkt der Wein etwas edler. Beide Weine sind, wie die anderen getrunkenen 2017er, schlank und mit Frische, aber auch eher kurz. Harmonisch, wenig Spannung, vielleicht etwas langweilig. Vor allem aber fehlt die Tiefe. Zwar sind durchaus verschiedene -angenehme- Aromen vorhanden, aber die Weine wirken flach und vermögen keine Komplexität oder Dimensionalität aufzuspannen. Sie sind nicht mehr- oder vielschichtig.

Ich weiß nicht, wie sich die Weine entwickeln werden. […] Den Sociando für 26€ fand ich ganz akzeptabel, aber so wirklich juckt es mich bei dem Jahrgang nicht, großartig was einzukellern.

Grüße, Josef
Sociando 17 kommt hier am WE mal auf den Tisch. Bei CellarTracker kommt der mittlerweile übertrieben gut weg für die +/-25 Euro.
Viele Grüße,
Euer Schöni
TroisLacs
Beiträge: 191
Registriert: So 11. Mai 2025, 09:17
Wohnort: Lyss

Re: Bordeaux 2017

Beitrag von TroisLacs »

Château Haut-Bailly, Pessac-Leognan
60% Cabernet Sauvignon, 32% Merlot, je 4% Cabernet Franc und Petit Verdot

Gestern am frühen Nachmittag geöffnet und dann später rund 4 Stunden karaffiert.
Direkt aus der Flasche noch etwas zurückhaltend, braucht etwas Luft und Zeit.

Schönes, recht dunkles Rot, mittlere Farbtiefe.
Verführerischer Duft nach Johannisbeeren und Kirschen. Später gesellen sich feine Kräuternoten zu den dunklen Früchten und etwas dezent holziges (am ehesten die berühmte Zigarrenkiste). Etwas Laub und Waldboden, aber nur feine Altersnoten spürbar.
Am Gaumen ist der Wein sicher kein Schwergewicht, aber das hat er auch nicht nötig. Elegant und ausgewogen, es kommt sofort eine Trinkfreude auf. Feine Tannine, eine erfrischende Säure. Nichts dominiert, nichts fällt ab. Abgang mittellang. Ich mag auch hier die etwas kühle Stilistik und die feine Würze. Das ist mir bisher bei den Weinen aus der Appellation sehr positiv aufgefallen. 18/20 Punkten.
Passte wunderbar zum Stroganoff mit Rindfleisch und Nudeln.

Hatte etwas Bedenken wegen dem Jahrgang, aber ich komme immer mehr zum Schluss, dass ein guter Winzer auch in einem schwierigen Jahr einen guten Wein auf die Flasche bringt.
Gruss, Sascha

„Riesling geht immer“!
Benutzeravatar
Schönibert
Beiträge: 500
Registriert: Di 7. Dez 2010, 11:28
Wohnort: Frankfurt am Main

Re: Bordeaux 2017

Beitrag von Schönibert »

2017 Sociando

Boah, der kommt aber mit nem Paukenschlag rein. Vanille und Kaffee. Kloster-Kräutergarten mit Salbei, Thymian, Minze. Cassonade. Bereits recht eingebundenes Tannin aber noch deutlich präsent unterlegt mit dem, was in dem Begriff Gerbsäure wohl die Säure ist. Himbeeren. Gefällt mir ausgesprochen gut.
Viele Grüße,
Euer Schöni
Antworten

Zurück zu „Bordeaux und Umgebung“