Flächenstillegung auch in Deutschland?

Von der Weinbergspflege bis zur Kellertechnik
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EThC
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Re: Flächenstillegung auch in Deutschland?

Beitrag von EThC »

...jetzt würde ich mal "steil" behaupten, daß die wüttembergischen Verhältnisse nicht wirklich mit denen anderer Regionen vergleichbar sind. Des Weiteren ist es ja auch nicht so, daß "je steiler, je besser" ein ehernes Gesetz ist, Morstein und Co. lassen grüßen. Andererseits wird man m.E. auch mit Innovationen in der Mechanisierung über ein gewisses Level der Weinqualität nicht hinauskommen, das gewisse Delta wird m.E. immer nur durch entsprechenden manuellen wie qualifizierten Einsatz zu erreichen sein.
Ist aus meiner Sicht wie bei der Wettervorhersage, zu wenige "harte" Daten, zuviele Einflußfaktoren, um zu einer wirklich belastbaren Aussage zu kommen, die über das Morgen und vielleicht noch Übermorgen hinaus reicht.
Im Übrigen halte ich nicht viel von staatlichen Stützungsmaßnahmen für solche "wie reite ich ein totes Pferd"-Fälle, das hat doch noch nie wirklich funktioniert, allenfalls sehr kurzfristig. Das kann man als Anschub in Fällen machen, bei denen ein klarer Aufwärtstrend erkennbar ist, aber wenn man eh schon im Sturzflug ist, ist das m.E. Quatsch bzw. Verschwendung von Geld und Ressourcen. Würde ich einzig und allein dem Markt überlassen, schließlich befinden wir uns hier nicht im Bereich der kritischen Infrastruktur sondern beim "Zuckerl obendrauf"...
Viele Grüße
Erich

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UlliB
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Re: Flächenstillegung auch in Deutschland?

Beitrag von UlliB »

EThC hat geschrieben: So 15. Mär 2026, 10:12 ...jetzt würde ich mal "steil" behaupten, daß die wüttembergischen Verhältnisse nicht wirklich mit denen anderer Regionen vergleichbar sind.
Ich nehme an, dass die Verhältnisse für die betroffenen Betriebe an der Mosel noch viel dramatischer sind als in Württemberg. Denn eingeklemmt zwischen Eifel und Hunsrück ist die Mosel anders als Württemberg ein strukturschwaches Gebiet. Außer Weinbau und Tourismus gibt es da kaum Einnahmequellen, und wer mitten im Erwerbsleben seinen Betrieb aufgeben muss, dem bleibt nicht viel anderes, als wegzuziehen oder zum Fernpendler zu werden.
Im Übrigen halte ich nicht viel von staatlichen Stützungsmaßnahmen für solche "wie reite ich ein totes Pferd"-Fälle, das hat doch noch nie wirklich funktioniert, allenfalls sehr kurzfristig. Das kann man als Anschub in Fällen machen, bei denen ein klarer Aufwärtstrend erkennbar ist, aber wenn man eh schon im Sturzflug ist, ist das m.E. Quatsch bzw. Verschwendung von Geld und Ressourcen.
Ich verstehe diese Position durchaus. Allerdings bedeutet sie, dass es in einigen Regionen erhebliche und nicht mehr umkehrbare Änderungen im Landschaftsbild geben würde, weil ohne Subventionen die Bewirtschaftung der Steillagen im heutigen Umfang nicht mehr möglich sein wird. Man kann das schulterzuckend hinnehmen, man kann das sogar begrüßen, weil hier ein vor der Etablierung einer Monokultur vorhandener Naturzustand wieder hergestellt wird (dieser Naturzustand ist an der Mosel allerdings etwa 2000 Jahre her).

Anzumerken ist hier außerdem, dass in der Landwirtschaft bereits heute gemittelt über sämtliche Betriebe die Subventionen knapp 36% der Betriebseinkünfte ausmachen - mit einer enormen Spannweite zwischen verschiedenen Betriebsarten und Betriebsgrößen. Bei kleineren Betrieben machen die Einnahmen aus Subventionen regelmäßig mehr als zwei Drittel der Gesamteinnahmen aus. Im Prinzip sind das staatlich bezahlte Landschaftsgärtner mit einem kleinen wirtschaftlichen Eigenanteil. Und das ist keine Anschubfinanzierung, sondern ein Dauerzustand, Tendenz eher steigend. Da könnte man auch Winzer als Landschaftsgärtner bezahlen, ohne dass das Subventionsvolumen noch wesentlich erhöht werden müsste.

Gruß
Ulli
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Gerald
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Re: Flächenstillegung auch in Deutschland?

Beitrag von Gerald »

Hallo Ulli
Da könnte man auch Winzer als Landschaftsgärtner bezahlen, ohne dass das Subventionsvolumen noch wesentlich erhöht werden müsste.
ja, dieses Thema gibt es in Ö ja schon lange bei der Almwirtschaft im Alpenraum. Nur ist diese - soweit mir bekannt - ja ökologisch unproblematisch und sogar aus Sicht der Biodiversität sehr vorteilhaft, während der Weinbau mit dem enormen Pestizideinsatz (selbst bei Biowein bleibt ja das Kupferproblem) fast genau das Gegenteil davon darstellt. Wenn in den Steillagen der Mosel bzw. auch der Wachau Wald (nach Möglichkeit ein Mischwald) wachsen würde, wäre das auch durchaus schön anzusehen und dazu auch noch ein Schutz gegen Erdrutsche bei Starkniederschlägen, die ja in Zukunft auch bei uns zunehmen werden.

Dazu noch die Frage, ob Steillagen wirklich von sich aus bessere Weine ergeben oder ob nur die bekannten Lagennamen dem Winzer über die Nachfrageseite mehr (finanziellen) Spielraum lassen, das Optimum herauszuholen. Zumindest früher waren "gute Lagen" ja vor allem solche, die durch die Exposition die Trauben zuverlässig ausreifen ließen und durch die Hanglage auch das Problem von Spätfrösten reduzierten.

Grüße
Gerald
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EThC
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Re: Flächenstillegung auch in Deutschland?

Beitrag von EThC »

...bei den Subventionen würde ich klar unterscheiden zwischen denen, die in den Teil der Landwirtschaft fließen, die im weitesten Sinne Grundnahrungsmittel erzeugt und dem, der allgemein entbehrliche Güter herstellt, da zähle ich den Wein klar dazu.
Und ja, wenn eine Mehrheit gerne möchte, daß mehr Steillagen in ihre aktuellen Form erhalten werden als der (Wein-) Markt sie finanzieren kann, dann muß man eben Geld zuschießen.
Auch aus meiner Sicht ist's schade, wenn ein wie auch immer großer Teil der Weinkulturlandschaft verschwindet, aber aus meiner Sicht ist es in der Gesamtabwägung doch sinnvoller, daß der Teil, der nicht mehr gebraucht wird, aufgegeben wird.
Viele Grüße
Erich

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