Gestern und heute im Glas:
Canon 2016
Dunkles Rubinrot.
In der Nase Brom- und Blaubeere. Viel und reif. Unaufdringliches Holz, leicht tropisch. Zarte Äthherik (irgendwo zwischen dunklem Basilikum und Rosmarin). Ein bissl dunkler Nougat. Herzkirsche und Spüren von Him- und Erdbeere.
Am Gaumen kühl und erstaunlich "leicht" (natürlich kein Hänfling). Unauffällig frisch; recht kräftige, feinkörnige Tannine. Super Balance!
Am Ende des zweiten Tages die Neige weniger strahlend, etwas diffuser. Schon einiges Depot.
Ganz toller Wein, und schon jetzt WOTY-Kandidat.
...und das, wo weder rechtes Ufer und Merlot noch Cabernet Franc meine Favoriten sind!
Bordeaux 2016
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amateur des vins
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Re: Bordeaux 2016
Besten Gruß, Karsten
Re: Bordeaux 2016
Hallo Karsten,amateur des vins hat geschrieben: ↑Di 10. Feb 2026, 20:16 Gestern und heute im Glas:
Canon 2016
Dunkles Rubinrot.
In der Nase Brom- und Blaubeere. Viel und reif. Unaufdringliches Holz, leicht tropisch. Zarte Äthherik (irgendwo zwischen dunklem Basilikum und Rosmarin). Ein bissl dunkler Nougat. Herzkirsche und Spüren von Him- und Erdbeere.
Am Gaumen kühl und erstaunlich "leicht" (natürlich kein Hänfling). Unauffällig frisch; recht kräftige, feinkörnige Tannine. Super Balance!
Am Ende des zweiten Tages die Neige weniger strahlend, etwas diffuser. Schon einiges Depot.
Ganz toller Wein, und schon jetzt WOTY-Kandidat.
...und das, wo weder rechtes Ufer und Merlot noch Cabernet Franc meine Favoriten sind!
danke für die Notiz zum Canon - wow Kandidat WOTY, kommt überraschend da ich den Wein (zuletzt im Sommer letzten Jahres, wie auch schon einige Jahre zuvor) als komplett vernagelt, umcharmant und einfach nicht ready-to-go wahrgenommen habe (und, nachdem ich selten mit Verschluss hadere, auch schon etwas verunsichert war, habe ich bei Canons der Neuzeit noch nie so wahrgenommen). Deine Notiz macht jedenfalls Freude auf eine nächste Testflasche (werde die mal aus einer anderen Kiste nehmen - Chargenunterschiede ?).
War übrigens im Januar bei einer 16er - 10 Jahres Verkostung, einiges am Start (Canon nicht); Star war für mich die bereits sehr schöne Comtesse und der Montrose der jedoch noch sehr auf Potential läuft, der ist m.M. viele Jahre hinter der Comtesse in Sachen echte Trinkfreude. Beide und viele andere (Brane Cantenac, GPL und vor allem auch Rauzan Segla) mit echter Größe und mit Freude auf den zu Recht hochgelobten Jahrgang.
LG
Manfred
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amateur des vins
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Re: Bordeaux 2016
Manfred, ich war selber ein bißchen überrascht (obwohl 2016 mein Lieblingsjahrgang ist). Ich habe auch - mangels Vergleich - spekuliert, ob die gefühlte Leichtigkeit Zeichen eines Teilverschlusses sein könnte. Immerhin war meine Wahrnehmung von den "Wuchtbrummenbeschreibungen" einiger Händler sehr weit weg.
Ich fand den Wein aber weder besonders harsch, noch irgendwie aus dem Gleichgewicht. Auch Frucht fehlte nicht. Das war ein wirklich stimmiges Gesamtpaket.
Ich hoffe, damit keine Pferde scheu zu machen. Meine Bordeaux-Expertise hält sich ja doch in Grenzen...
--
Danke für das Steno zum aktuellen Zustand einiger 2016er. Rauzan kenne ich von der Arrivage. Hat sich damals nur knapp hinter meinem Favoriten Calon einsortiert. (Promis wie Comtesse habe ich nicht vorab probiert, da zuwenige Flaschen im Keller.)
Ich fand den Wein aber weder besonders harsch, noch irgendwie aus dem Gleichgewicht. Auch Frucht fehlte nicht. Das war ein wirklich stimmiges Gesamtpaket.
Ich hoffe, damit keine Pferde scheu zu machen. Meine Bordeaux-Expertise hält sich ja doch in Grenzen...
--
Danke für das Steno zum aktuellen Zustand einiger 2016er. Rauzan kenne ich von der Arrivage. Hat sich damals nur knapp hinter meinem Favoriten Calon einsortiert. (Promis wie Comtesse habe ich nicht vorab probiert, da zuwenige Flaschen im Keller.)
Besten Gruß, Karsten
- Jochen R.
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Re: Bordeaux 2016
Du Tertre 2016:
In der Nase anfangs eine laktische Note. Schon nach kurzer Zeit drängen florale Noten, Bittermandeln, Zedern, Gewürze und nasses Leder in den Vordergrund, dazu allmählich auch feiner Tabak und eine animalische Note. Immer neue Eindrücke.
Mittelgewichtig, seidige Kirschfrucht, dazu Cassis, frische Säure, noch sehr jugendlich – läuft runter wie Öl, schöne Adstringenz und ein langer Abang. Aktuell mal 92(-93)+ P., in ein paar Jahren geht da bestimmt noch mehr.
Viele Grüße,
Jochen
In der Nase anfangs eine laktische Note. Schon nach kurzer Zeit drängen florale Noten, Bittermandeln, Zedern, Gewürze und nasses Leder in den Vordergrund, dazu allmählich auch feiner Tabak und eine animalische Note. Immer neue Eindrücke.
Mittelgewichtig, seidige Kirschfrucht, dazu Cassis, frische Säure, noch sehr jugendlich – läuft runter wie Öl, schöne Adstringenz und ein langer Abang. Aktuell mal 92(-93)+ P., in ein paar Jahren geht da bestimmt noch mehr.
Viele Grüße,
Jochen
"Viele haben eine Meinung, aber keine Ahnung." (Franz Müntefering)
Re: Bordeaux 2016
Den hatte ich jetzt auch mal wieder im Glas. Die Notiz passt so, vor allem die floralen Noten sind sehr schön. Punktemäßig würde ich etwas niedriger tendieren, 88, denn die Intensität empfinde ich doch als eher mäßig, und ein Wunder an Komplexität ist der Wein auch nicht. Da gibt es doch einigen Abstand zu den meisten klassifizierten Gewächsen, und da meine ich, dass man da bewertungsmäßig entsprechend Luft lassen muss.Jochen R. hat geschrieben: ↑Do 5. Feb 2026, 19:17 Senejac 2016 [...]
Florale Noten, Zedern, nasses Leder, Eucalyptus, Tabak. Tolle Entwicklung mit wenig Luftzufuhr. Mittelgewichtig, Bittermandeln, herb/würzig, nicht so schlechte Tanninstruktur, tabakig, Brombeeren, mittellanger bis langer Abgang. Null Fett, keine Schminke notwendig, Trinkfluss, hervorrangend. 91+ P.
Aber natürlich sollte man hier die Kirche im Dorf lassen. Ich habe für den Wein 13,80 € bezahlt, da kostet schon ein Cantemerle schnell mal das Doppelte und ist jetzt auch nicht sehr viel besser. Für das Geld gibt es hier überhaupt nichts zu meckern, und der Wein widerlegt die Meinung, dass guter Bordeaux immer teuer ist.
Gruß
Ulli
Re: Bordeaux 2016
Hallo,
dem kann ich mich anschließen. Was mich bei Senejac immer wieder wundert sind übrigens die Jahrgangsunterschiede. 2016 wirklich sehr gelungen. Der Jahrgang davor 2015 brandig und fast ungenießbar. 2020 wieder sehr gut. 2019 dagegen grünlich, unreif.
Seltsame Unbeständigkeit.
Grüße,
wolf
dem kann ich mich anschließen. Was mich bei Senejac immer wieder wundert sind übrigens die Jahrgangsunterschiede. 2016 wirklich sehr gelungen. Der Jahrgang davor 2015 brandig und fast ungenießbar. 2020 wieder sehr gut. 2019 dagegen grünlich, unreif.
Seltsame Unbeständigkeit.
Grüße,
wolf
„Es war viel mehr.“
Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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Catenaccio
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- Wohnort: Siegerland
Re: Bordeaux 2016
Den '20er Senejac hatte ich am Wochenende auch. Gefiel mir ebenfalls sehr gut.
Aktuell gibt es den übrigens in einer 5+1 Aktion bei Pese Wein für 82,50.
https://pese-wein.de/de/produkte/12476- ... 1650-2020/
Aktuell gibt es den übrigens in einer 5+1 Aktion bei Pese Wein für 82,50.
https://pese-wein.de/de/produkte/12476- ... 1650-2020/
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pessac-léognan
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- Registriert: Fr 11. Jan 2019, 10:57
Re: Bordeaux 2016
Château Lilian-Ladouys Saint-Estèphe CB 2016 (13.5% ABV)
62% M / 32% CS / 6% PV
Das Nasenbild des tiefdunkel purpurnen Weins ist unauffällig, am ersten und auch am zweiten Tag. Am ehesten etwas von Räucherholz.
Am Gaumen zunächst nicht viel mehr als krautige Aromen, etwas grüner Wacholder.
Am zweiten Tag, besonders nach dem Wiederentkorken die ersten Schlucke, geht die Post ab auf exotische Gewürze und ebensolche Hölzer, dann auch - nun schwarzer - Wacholder. Im Nachhall sehr ausgeprägt die Kombination von schwarzem Wacholder und Zeder. Das ist mir fast etwas zu viel und vor allem zu vordergründig, lässt jeglicher Differenzierung in Richtung Frucht oder auch Stein und Erde null Chance. Wenn man das mag, kann man dafür vielleicht schon 90 Punkte vergeben, mir ist das eher 88(+) wert. Als Speisenbegleiter ist mir da der Château Clauzet 2016 mit deutlich höherem CS-Anteil und größerer Ausgewogenheit entschieden lieber. Solo ab und zu ein Glas mit diesem Charme des Exotischen jedoch nicht ganz zu verachten...
62% M / 32% CS / 6% PV
Das Nasenbild des tiefdunkel purpurnen Weins ist unauffällig, am ersten und auch am zweiten Tag. Am ehesten etwas von Räucherholz.
Am Gaumen zunächst nicht viel mehr als krautige Aromen, etwas grüner Wacholder.
Am zweiten Tag, besonders nach dem Wiederentkorken die ersten Schlucke, geht die Post ab auf exotische Gewürze und ebensolche Hölzer, dann auch - nun schwarzer - Wacholder. Im Nachhall sehr ausgeprägt die Kombination von schwarzem Wacholder und Zeder. Das ist mir fast etwas zu viel und vor allem zu vordergründig, lässt jeglicher Differenzierung in Richtung Frucht oder auch Stein und Erde null Chance. Wenn man das mag, kann man dafür vielleicht schon 90 Punkte vergeben, mir ist das eher 88(+) wert. Als Speisenbegleiter ist mir da der Château Clauzet 2016 mit deutlich höherem CS-Anteil und größerer Ausgewogenheit entschieden lieber. Solo ab und zu ein Glas mit diesem Charme des Exotischen jedoch nicht ganz zu verachten...
- Jochen R.
- Beiträge: 2997
- Registriert: Mo 6. Dez 2010, 19:53
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Re: Bordeaux 2016
Citran 2016:
Den Auftakt macht Heidelbeer- und Krischjoghurt. Diese doch etwas aufgesetzte laktische Note hatte bereits vor fast 7 Jahren. Erfreulicherweise wird das schon mit wenig Luft überlagert durch Tabak und Zedernholz und dann passt das schon.
Eher schlank, schöne Heidelbeer- und Kirschfrucht, anfangs laktisch korrensprondierend zur Nase, wird allmählich würzig mit leicht trocknendem Tannin, wohlwollend mittellang.
Das ist gewiss nicht schlecht, für den Jahrgang aber auch kein Aushängeschild. 86-87 P.
Viele Grüße,
Jochen
Den Auftakt macht Heidelbeer- und Krischjoghurt. Diese doch etwas aufgesetzte laktische Note hatte bereits vor fast 7 Jahren. Erfreulicherweise wird das schon mit wenig Luft überlagert durch Tabak und Zedernholz und dann passt das schon.
Eher schlank, schöne Heidelbeer- und Kirschfrucht, anfangs laktisch korrensprondierend zur Nase, wird allmählich würzig mit leicht trocknendem Tannin, wohlwollend mittellang.
Das ist gewiss nicht schlecht, für den Jahrgang aber auch kein Aushängeschild. 86-87 P.
Viele Grüße,
Jochen
"Viele haben eine Meinung, aber keine Ahnung." (Franz Müntefering)