Gestern Abend waren wir zum ersten Mal bei der VDP Kellernacht dabei. In vier Betrieben (Siegrist, Münzberg, Kranz, Dr. Wehrheim) stellten sämtliche 26 Betriebe des VDP Pfalz je vier ihrer Weine vor, zwischen 17 und 22 Uhr verkehrte ein Shuttlebus zwischen den Weingütern, sodass man problemlos alle Stationen besuchen konnte.
Das Event war top organisiert, sehr gut besucht, selbst aus dem Ruhrgebiet und den Niederlanden kamen Weinfans in die Südpfalz – so ein Event ist also nicht nur gut für die Weingüter selbst, sondern für den ganzen regionalen Tourismus. Es hat war ein wirklich gelungener Abend, wobei man schon sagen muss, dass das Pensum von 104 Weinen in fünf Stunden recht ambitioniert ist. Rechnet man die Fahrtzeiten und Essenspausen mit ein, bleiben kaum mehr als 2 Minuten pro Wein, wenn man wirklich alle probieren wollte.
Wir haben uns daher vor allem auf die Nicht-Rieslinge fokussiert, da trockener Riesling momentan bei uns nicht so hoch im Kurs steht. Aber selbst die haben wir nicht alle geschafft. Ich greife hier auch nur ein paar Weine auf, die mir besonders aufgefallen sind. Bei einer solchen Großveranstaltung, in der man situationsbedingt Rebsorten und Jahrgänge bunt durcheinander probiert, ist eine gründliche Bewertung und fundierter Vergleich der Weine für einen Amateur wie mich kaum möglich. Auch ist der untrainierte Gaumen bei solchen Events dann irgendwann doch etwas überfordert, viel mehr als „schmeckt“ – „schmeckt nicht (so gut)“ geht dann kaum mehr.
Das schönste Ambiente des Abends hatte mit Abstand das Weingut Dr. Wehrheim zu bieten. Wirklich tolle Location, schön beleuchtet und dekoriert, alles sehr stimmungsvoll und einladend. Mein Wein des Abends war die 2020 Cuvée X von Knipser. Die klassische Bordeaux-Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot, aus den kalksteinreichen Spitzenlagen rund um Laumersheim, hat mit ihrer Tiefe und Struktur und viel roter Frucht knapp die Nase vorn vor mehreren ebenfalls sehr guten Spätburgundern. Da überzeugten vor allem die 2022er Mußbacher Eselshaut Erste Lage von Christmann (der wohl keines seiner kostbaren Großen Gewächse "dem Pöbel" überlassen wollte), 2015er Schweigener Steinwingert Erste Lage von Friedrich Becker (auch hier war, wie bei einigen anderen „Granden“, die Erste Lage der hochwertigste präsentierte Wein) und 2022er Laumersheimer Steinbuckel GG von Philipp Kuhn. Allesamt hervorragende deutsche Spätburgunder mit viel Körper, guter Struktur und Säure, gemacht für die Langstrecke. Interessant auch, dass zum Beispiel Rebholz nur mit Rotweinen vertreten war, der Spätburgunder GG Im Sonnenschein wusste dabei durchaus auch zu glänzen. Besondere Erwähnung hat meiner Meinung nach der 2019 Laumersheim St. Laurent Réserve von Philip Kuhn verdient. Der einzige Nicht-Spätburgunder der Probe (außer der Cuvee X) zeigt eindrucksvoll, dass man in der Pfalz auch neben dem Pinot Noir sehr ansprechende Rotweine erzeugen kann. Der ausschenkende Kuhn-Mitarbeiter meinte aber, dass man aber insbesondere aufgrund der besseren internationalen Vermarktbarkeit mehr und mehr vor allem auf den Spätburgunder setze. Daher würden gebietsübergreifend mehr und mehr Flächen wie z.B. von St. Laurent zu Gunsten von Spätburgunder umgelegt.
Im Bereich der Weißweine jenseits des Rieslings war das Feld sehr vielseitig. Diverse Rebsorten und Ausbaustile von Ausbau im neuen Barrique bis 100% Stahl bei den Burgundersorten und Chardonnay machten es mir wirklich schwer, hier objektiv zu vergleichen. Richtig gut gefallen hat uns die Scheurebe von Müller-Catoir (2023 Haardter Ortswein), die etwas ernsthafter rüberkommt als die ebenfalls guten, frischen und sorten-typischen 2024er Ortswein-Scheureben von Pfeffingen und Fitz-Ritter, eventuell auch einfach nur weil sie schon ein Jahr länger auf der Flasche ist.
Sehr überzeugend auch der 2023er Kalkmergel Grauburgunder Gutswein von Friedrich Becker. Sehr viel Körper und Extrakt, Holzeinsatz kaum spürbar, aber gibt Struktur und Fülle. Der Wein stach wirklich positiv heraus. Das tat auch Beckers 2022er Schweigener Chardonnay, aber eher in die andere Richtung. Ganz viel Säure, ganz viel Holz und nichts passt (momentan) zusammen. Ob das je zusammenfindet? Ich würde es nicht abwarten wollen. Jülgs Schweigener Chardonnay von 2024er lieferte übrigens ein ähnliches Bild. Man hebt da wohl bei beiden Betrieben auf ein (internationales ?) Weinpublikum ab, dem ich nicht angehöre(n will). Sehr viel ansprechender dagegen der 2023er Birkweiler Rosenberg Chardonnay Erste Lage von Dr. Wehrheim (elegant und mineralisch, gut eingebundene Holzwürze, helle Frucht, saftig) oder der 2023er Burrweiler Chardonnay Ortswein von Meßmer, letzterer nur zu 80% im Barrique ausgebaut, 20% im Stahl, harmonische Balance aus Cremigkeit, Struktur und Frische. Von den durchaus etlichen Weißburgundern hat es keiner auf meine Auswahlliste geschafft. Kann einfach sein, dass es bei einem solchen Event für Weine aus dieser Rebsorte sehr schwer ist, sich gegen die „lautere“ Konkurrenz Gehör zu verschaffen. Wir haben jedenfalls einige probiert, schlecht war wahrlich keiner, aber auch keiner hinterließ wirklich bleibenden Eindruck.
Insgesamt haben wir den Abend sehr genossen. Die Kellernacht war eine tolle Möglichkeit, die Vielfalt der Pfälzer Weine an einem Abend zu probieren. Im nächsten Jahr wird sie am 20. Februar 2027 in Forst und Deidesheim stattfinden, wir sind sicher wieder dabei. Und am nächsten Wochenende präsentiert sich dann das Forum Pfalz mit ebenfalls 26 Weingütern (alle außerhalb des VDP) auf der Frühjahrspräsentation in Bad Dürkheim. Das wird bestimmt auch sehr interessant.
VDP Kellernacht 2026
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VDP Kellernacht 2026
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Salute - und immer einen guten Wein im Glas wünscht
Jörn
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Jörn
Re: VDP Kellernacht 2026
Ähnlich ging mir das auch. Ich gehe auch davon aus, dass einige Weine in der Menge untergegangen sind, die mir zuhause mit mehr Zeit besser gefallen hätten.joern_ribu hat geschrieben: ↑So 22. Feb 2026, 16:41 Auch ist der untrainierte Gaumen bei solchen Events dann irgendwann doch etwas überfordert, viel mehr als „schmeckt“ – „schmeckt nicht (so gut)“ geht dann kaum mehr.
Meine Favoriten (aus ~70 probierten, darunter (fast?) alle Chardonnays, viele Rieslinge) waren:
- 2015 Buhl Deidesheimer Kieselberg Riesling Brut
- 2022 Knipser Chardonnay *** (wärmer, intensiver als der übliche eher schlanke, kühle Stil)
- 2023 Odinstal Weissburgunder GG
- 2018 Rebholz Im Sonnenschein Spätburgunder GG
- 2021 Pfeffingen Ungsteiner Herrenberg Riesling GG
- 2023 Winningen Kirchenstück Forst Riesling GG
Die Folgenden wären mir ihren aktuellen Preis wert:
- 2015 Buhl Deidesheimer Kieselberg Riesling Brut - 39€
- 2022 Knipser Chardonnay *** - 32€
- 2021 Pfeffingen Ungsteiner Herrenberg Riesling GG - 30€
- 2019 Knipser Spätburgunder Kalkmergel - 22€
- 2021 Bergdolt Weißburgunder Extra Brut - 18€
- 2023 Winning Deidesheimer Paradiesgarten - 17€
- 2024 Bergdolt Kirrweiler Chenin Blanc - 15€
Die meisten anderen probierten waren auch nicht schlecht, aber für mich nicht besser als halb so teure und nicht so gut wie vergleichbar bepreiste Weine außerhalb des VDP Pfalz.
Zuletzt geändert von nm_ am Mo 23. Feb 2026, 17:10, insgesamt 2-mal geändert.