Hallo zusammen,
vor kurzem durfte ich eine Weinprobe für die hiesige Weinbruderschaft zusammenstellen und moderieren, die sich mit den Weinen vom "anderen Ende der Welt" -also Neuseeland und Australien- beschäftigte. Mein Ziel hierbei war, ein bischen gegen die gängigen Vorurteile anzugehen und in 14 Weinen eine möglichst breite Range verschiedener Stilistiken abzubilden. Australische Weiß- und Rotweine müssen nicht immer alkoholreich, cremig und fruchtbetont sein, ebenso wie neuseeländische Weißweine nicht immer oberflächlich fruchtbetont und knackig in der Säure sein müssen.
Letzendlich wurden je 7 Weiß- und Rotweine präsentiert, wobei Neuseeland mit 8 und Australien mit 6 Weinen ins Rennen geschickt wurden.
Folgende Weine wanderten dann ins Glas:
------ Cuvee No 1 Non Vintage Brut (No 1 Family Estate, Blenheim) -Marlborough- NZ-
100% Chardonnay, knapp 2 Jahre Hefelager, Dosage: 4,9 gr. RZ, S: 7,2, 12,5 Vol%.
Dieser tolle Aperitif-Schäumer stammt von dem einzigen Weinbaubetrieb in Neuseeland, der ausschließlich Schaumweine nach der klassischen Methode produziert. Kein Wunder - die Inhaberfamilie Le Brun entstammt einer Champagnerwinzer-Dynastie und produziert wohl den besten Schaumwein des Landes. Strohgelb mit feiner Perlage,zarte Briochenoten, dezente Gelbfrucht, sehr saftig und speichelziehend, recht herb und animierend, blind probiert hätte ich sofort auf einen Blanc de Blancs aus der Champagne getippt. Sehr gute Qualität, die natürlich auch ihren Preis hat (ca. 35 EURO im hiesigen Handel).
2024er Albarino Nelson (Trudy Sheild, Nelson) -Nelson- NZ-
13,5 Vol%-- Z: 6,5---S: 9,7--
Sicherlich eine (noch) exotische Rebsorte in Neuseeland, die ihre Heimat in Galicien und Nordportugal hat und dort sehr interessante Weine entstehen lässt. Auch dieser Wein macht richtig Spass: dezente Pfirsich- und Agrumenfrucht, sehr klar und reintönig, am Gaumen ein kaum schmeckbarer Hauch Restzucker, der auch zur Harmonisierung der knackigen Säure gute Dienste leistet, sehr straight und trinkig, kein komplexer oder mineralischer Wein, aber ein Wein mit glasklarer Frucht und saftiger Machart. Ein Crowdpleaser, der unkompliziert, aber nicht banal daherkommt. Fruchtbetonter Ausklang mit mittlerer Länge (ca. 16-17 EURO im Handel).
2018er "Vat 1" Semillon Hunter Valley (Tyrrell's, Pokolbin) -Hunter Valley- AUS-
Top-Semillon des Betriebes aus teils 100 Jahre alten Reben--100% Edelstahlausbau-- nur 12 Vol%.
Dies ist ein Wein, der sehr oft schon in den praktischen Master-of-Wine Prüfungen aufgetaucht, vielleicht, weil er so einmalig ist und es an ein Wunder grenzt, in so einer heissen "Ecke" einen dermaßen frischen, filigranen und alkoholleichten Wein produzieren zu können.
Dezent gelbfruchtige Nase, etwas Mineralität schon in der Nase, sehr fein und zurückhaltend, am Gaumen komplett trocken, schlanke Stilistik, die dennoch einige Tiefe besitzt, wiederum gelbe Früchte, aber nur dezent fruchtig, mineralisch, Hauch Gerbstoff-Grip, erinnert ein wenig an einen gutklassigen Chablis, trotz der Finesse und Leichtigkeit besitzt der Wein Tiefe und Länge, unerwartet langer Abgang. Ein ungewöhnlicher und hochklassiger Wein, der dem Pauschalbild des kräftigen und schmelzigen australischen Weißwein völlig konträr gegenübersteht. Leider nicht ganz billig (ca. 49 EURO im Handel).
2024er Sauvignon blanc Marlborough (Cloudy Bay, Blenheim) -Marlborough- NZ-
13,5 Vol%---Z:1,7---S:6,7--
Dies ist die Weinikone, die Neuseeland im Alleingang auf die Weltweinkarte gesetzt hat. Der Wein beeindruckt wirklich jeden- den Weinneuling und auch den Wein-Nerd,keiner kann sich der Anziehungskraft dieses Weines ganz entziehen. In der Nase dieses archetypische Sauvignon blanc-Aroma, ein Mix aus tropischen Früchten, Stachelbeere, zart "grüne" Anteile und eine neben der klirrenden Frische zarte Cremigkeit (1,5 Prozent wurden im Barrique ausgebaut), perfekt ausgewogen, trotz der exaltierten Frucht nicht überpowert oder ordinär, gute Länge. Trotz der sicherlich großen Produktionsmenge ein Wein mit Anspruch und trotzdem für jedermann leichtverständlich und trinkig. Sollte jeder einmal probiert haben, denn er entspricht im positiven Sinne dem Pauschalbild eines neuseeländischen Sauvignon blanc (ca. 30 EURO im Handel).
Wie weit die Stilistiken beim neuseeländischen Sauvignon blanc auseinanderdriften können, zeigt eindrücklich der nächste Wein:
2020er Sauvignon blanc "Section 94" Re-Release (Dog Point, Marlborough) -Marlborough- NZ-
14 Vol%---Bio-Wein---über 30 Jahre alte Reben--
Die beiden Inhaber James Healy und Ivan Sutherland arbeiteten beide für Cloudy Bay, wollten aber nach der Übernahme von Cloudy Bay durch den LVMH-Konzern lieber ihre eigenen, handwerklichen Weine erzeugen. Diese Sauvignon blanc können auch sehr gut reifen, deswegen werden die Weine auch erst nach einigen Jahren in der Flasche vermarktet.
Komplett anderer Stil: in der Nase zarte Reduktion, sehr zurückhaltende Fruchtaromatik, feiner Holzeinsatz mit überwiegend gebrauchten Tonneaux, tiefgründige Nase, am Gaumen komplett trocken, saftige Säure, feine aber dezente Fruchtaromatik, guter Grip, der Alkohol ist bestens integriert, gute Mixtur aus Stoffigkeit und Eleganz, tolle Länge. Dieser hochklassige Stil erinnert mehr an die Steiermark als an die "üblichen"Sauvignons Neuseelands. Cloudy Bay oder Dog Point ? Reine Geschmackssache, beide haben ihre Berechtigung, wobei mein Herz eher für den Dog Point schlägt (ebenfalls ca. 30 EURO im Handel).
2023er "Sexton Vineyard" Chardonnay (Giant Steps, Healesville) -Yarra Valley- AUS-
13,5 Vol%---Einzellagenwein---
Dieser Wein gilt zu Recht als einer der besten Chardonnay des Yarra Valley, mittleres Strohgelb, eher kühl wirkende, europäische Stilistik, reife Agrumen, reifer Apfel, zurückhaltender Holzeinsatz, sehr fein und elegant, am Gaumen komplett trocken, zarte , perfekt tarierte Säure, Hauch Gerbstoff-Grip, reifer Apfel, etwas Zitrus, elegante Würze, Alkohol perfekt eingebunden, saftig und kühl, straff, ausgezeichnete Länge. Hier ist nichts zuviel oder zuwenig, blind probiert, würde man diesen hochklassigen Chardonnay niemals nach Australien verorten. Toller Chardonnay, der es auch mit einigen Originalen aus dem Burgund aufnehmen kann. Hat natürlich seinen Preis (ca. 49 EURO im Handel).
2023er "Heytesbury Vineyard" Chardonnay (Vasse Felix) -Margaret River- AUS-
13 Vol%---Einzellagenwein---Ganztrubenpressung---Spontangärung--- 52% neues Barrique---
So gut auch der Vorgänger war, dieser Chardonnay aus einer der kühlsten Ecken Australiens legt hier nochmals 2 Schippen drauf. Blind probiert würde man diese Schönheit sofort in die Bourgogne verorten, und zwar in die absolute Spitze !!
Zartes Strohgelb mit grünen Nuancen, unheimliche Eleganz schon in der Nase, zarte Gelbfrucht, kühle, aber sehr tiefe Nase, Finesse pur, am Gaumen komplett trocken, deutlicher Extrakt, perfekt konterkariert durch eine saftige Säure, sehr mineralisch, zarter Gerbstoff, der diesem Wein ein festes Korsett gibt, absolut kühle Stilistik mit dennoch viel Tiefgang, bei diesem Wein stimmt einfach alles, perfekt ausgewogen, tolle Länge. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass australischer Chardonnay diese Qualitätshöhen erreichen kann. Wenn man diesen Wein in eine hochkarätige Probe mit burgundischen Chardonnays als Pirat einbaut, könnte so manch vinologisches Weltbild ins Wanken geraten. Ein absoluter Spitzen-Chardonnay zum in Hinblick auf burgundische Preise fast günstigen Preis (ca. 75 EURO im Handel).
Die fehlenden 7 Rotweine folgen demnächst!
LG
Bodo
Weinprobe Neuseeland und Australien
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Re: Weinprobe Neuseeland und Australien
Hallo Bodo!
Ich war in 2007 mal in Sydney und konnte mich durch eine Reihe von Weinen durchprobieren, u.a. auch den VAT 1, der damals als 2000er ziemlich "gajol" war. Richtig super Riesling gab's übrigens auch (Seppelt).
Bei einem Händler hab ich da nach den feineren Vertretern der australischen Weinwelt gefragt, er meinte dann nur lachend wie sinngemäß, daß er eh kaum Dickweine hätte, die würden alle exportiert...
Schönes Line-up, bin gespannt auf die Roten...
Ich war in 2007 mal in Sydney und konnte mich durch eine Reihe von Weinen durchprobieren, u.a. auch den VAT 1, der damals als 2000er ziemlich "gajol" war. Richtig super Riesling gab's übrigens auch (Seppelt).
Bei einem Händler hab ich da nach den feineren Vertretern der australischen Weinwelt gefragt, er meinte dann nur lachend wie sinngemäß, daß er eh kaum Dickweine hätte, die würden alle exportiert...
Schönes Line-up, bin gespannt auf die Roten...
Viele Grüße
Erich
Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's
DAS EWIG GESTRIGE
was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
https://ec1962.wordpress.com/
Erich
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weinaffe
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Re: Weinprobe Neuseeland und Australien
Hallo Erich,
na dann werden ja mittlerweile nicht nur die "Dickschiffe" aus Australien exportiert
Neuseeland hat sowieso klimabedingt nicht das Potential, richtig "fette" Weine zu produzieren. Beide Länder sind jetzt nicht unbedingt meine vinologische "Hauptbaustelle", obwohl ich 2019 6 Wochen lang durch die Anbaugebiete in Neuseeland gereist bin und von den Qualitäten dort durchaus beeindruckt war. Australien kenne ich nur aus der Ferne, daher war ich gerade von der hohen Qualität der australischen Weißweine überrascht. So eine Probe ist halt eine schöne Gelegenheit, den Weinhorizont zu erweitern und Gewächse außerhalb der eigenen Komfortzone zu probieren.
Doch jetzt weiter mit den Rotweinen:
2020er Rippon Mature Vine Pinot noir (Rippon, Lake Wanaka) -Central Otago- NZ-
Einzellagenwein-- sandiger Lehm mit Schiefer und Quarzit--75% wurzelechte Reben !!--Bio-Dyn-Betrieb-- 13,5 Vol%--18 Monate Fassausbau (17 % neues Holz).
Das 14 ha-Weingut mit dem unscheinbaren Gutshaus besitzt wahrscheinlich eine der traumhaftesten Lagen direkt am Lake Wanaka mit den Bergen im Hintergrund. Hier auf der Veranda des Gutes einen Wein zu verkosten, ist wahrlich atemberaubend und unvergesslich. Dabei vergisst man vielleicht, dass auch die Weine, speziell der Pinot, zu den Feinsten des Landes zählen. Hier ein relativ kräftiges Rubin, in der Nase ein komplexer Mix aus Kirsche, Brom- und Himbeere sowie frischen Kräutern, eleganter Holzeinsatz, am Gaumen trocken mit einigem Extrakt, perfekt tarierte Säure, strukturgebendes Tannin, mittelgewichtiger Eindruck, von der Stilistik geht das in Richtung Gevrey-Chambertin, wobei diese kräutrige Note eher typisch für Weine aus Central Otago ist, auch am Gaumen fruchtig-ätherisch mit festem Background, hat durchaus noch Potential, langer Nachklang.
Spitzenwein des Gutes, daher auch ca. 65 EURO Handelspreis.
2022er Grenache "Blewitt Springs" (MMAD Vineyard)-Mc Laren Vale- AUS-
Ein Gemeinschaftsprojekt von Michael Hill Smith (MW), Martin Shaw, Adam Wadewitz und David Le Mire (MW), die einfach den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen zum Weingutsnamen zusammengesetzt haben. Dieser Grenache stammt von alten Buschreben aus der Spitzenlage Blewitt Springs im Mc Laren Vale. Zart durchscheinendes Rubinrot, elegante Nase nach hellen roten Früchten und Beeren, insbesondere Herzkirsche, Johannisbeere, Hauch Rhabarber, nur dezent Holz, sowohl farblich als auch nasal sehr transparent und elegant, am Gaumen zart extraktsüss, dank saftiger Säure bleibt dieser Wein auf der feinkomplexen Seite, die 14 Vol% sind in keiner Weise spürbar, hellrote Früchte, etwas Holz, dezent grüne Aspekte frischen den Wein auf, sehr saftig und trinkig mit durchaus langem Abgang. Für knapp 39 EURO Handelspreis ein Grenache, dem ich so manchem Chateauneuf vorziehen würde.
2018er "The Dead Arm Shiraz" (d`Arenberg, Mc Laren Vale) -Mc Laren Vale- AUS-
Der Klassiker--- auf einer alten Korbpresse gepresst--- 22 Monate Barrique---14,5 Vol%---
Die Weinstöcke, aus dem das Traubengut für diesen Wein stammt, sind von der Viruskrankheit Eutypa Lata befallen, bei der die eine Seite des Rebstock abstirbt. Die übrigen Trauben auf der anderen Seite des Rebstocks sollen dann besonders intensiv schmeckende Trauben liefern.
Ich kenne den Wein von früher her und war damals sehr angetan von diesem Wein. Wahrscheinlich hat sich mein Geschmack inzwischen verändert oder ich bin schlicht anspruchsvoller geworden
Der Wein bedient eigentlich genau das Pauschalbild, was viele von einem australischen Shiraz auch erwarten. Schon optisch ein sattes, undurchdringliches Purpur, in der Nase eine kraftvolle Dunkelfrucht (Cassis, reife Kirsche, Brombeere), rauchige und dezent speckige Noten vom Holz, etwas Mokka, schon in der Nase sehr expressiv, am Gaumen zwar trocken, aber deutlich extraktsüss, reifes Tannin, passende Säure, sehr kraftvoll, Alkohol schon spürbar, kratzt aber noch deutlich an der reinen Marmeladigkeit vorbei, auch hier viel reife Frucht, kraftvoll und auch ein bischen sättigend. Zum T-Bone-Steak sicherlich eine gute Wahl. Zweifellos ein gutklassiger Shiraz im beliebten Aussie-Stil, aber nicht unbedingt my cup of tea.
Handelspreis ca. 35 -40 EURO.
2020er "Trelinoe Vineyard" Syrah (Bilancia, Hastings) -Hawkes Bay- NZ-
stammt aus einer der wenigen "Steillagen" Neuseelands---3 Jahre Fassausbau (gebrauchte Fässer)---20% Ganztrauben---13,5 Vol%---
Größer könnte der Kontrast zum Vorgänger-Shiraz nicht sein: farblich eher mit einem Pinot vergleichbar, unwahrscheinlich feine und reine Fruchtaromatik (Cassis, Preiselbeeren, Himbeere), dezent nussiges Holz, kräutrige Würze, ätherisch komplex, fast eine "schwebend-feine" Duftnote, macht süchtig nach dem ersten Schluck, auch am Gaumen ganz klar Finesse vor purer Kraft, obgleich hier schon durchaus Struktur und Nachhaltigkeit vorhanden sind, zarte Säure, sehr feinkörniges Tannin, nur mittelgewichtig,komplexe Fruchtaromatik, begleitet von zart-grünen und würzigen Noten, ein Wein wie Samt und Seide, ohne dass hier die Struktur fehlen würde, Alkohol bestens integriert, langer retronasaler Nachhall.
Ein großartiger Syrah, der genauso daherkommt, wie ich mir einen hochklassigen Nord-Rhone-Syrah wünschen würde. Bei der letzten Kultweinprobe hatten wir aus dieser Ecke den 2017er Hemitage La Chapelle, den ich für diesen Neuseeländer glatt stehenlassen würde.
Großes Kino und tatsächlich auch der- zu Recht- teuerste Wein der gesamten Probe (ca. 83 EURO im Handel).
Die letzten 3 Rotweine folgen in Kürze !
LG
Bodo
na dann werden ja mittlerweile nicht nur die "Dickschiffe" aus Australien exportiert
Doch jetzt weiter mit den Rotweinen:
2020er Rippon Mature Vine Pinot noir (Rippon, Lake Wanaka) -Central Otago- NZ-
Einzellagenwein-- sandiger Lehm mit Schiefer und Quarzit--75% wurzelechte Reben !!--Bio-Dyn-Betrieb-- 13,5 Vol%--18 Monate Fassausbau (17 % neues Holz).
Das 14 ha-Weingut mit dem unscheinbaren Gutshaus besitzt wahrscheinlich eine der traumhaftesten Lagen direkt am Lake Wanaka mit den Bergen im Hintergrund. Hier auf der Veranda des Gutes einen Wein zu verkosten, ist wahrlich atemberaubend und unvergesslich. Dabei vergisst man vielleicht, dass auch die Weine, speziell der Pinot, zu den Feinsten des Landes zählen. Hier ein relativ kräftiges Rubin, in der Nase ein komplexer Mix aus Kirsche, Brom- und Himbeere sowie frischen Kräutern, eleganter Holzeinsatz, am Gaumen trocken mit einigem Extrakt, perfekt tarierte Säure, strukturgebendes Tannin, mittelgewichtiger Eindruck, von der Stilistik geht das in Richtung Gevrey-Chambertin, wobei diese kräutrige Note eher typisch für Weine aus Central Otago ist, auch am Gaumen fruchtig-ätherisch mit festem Background, hat durchaus noch Potential, langer Nachklang.
Spitzenwein des Gutes, daher auch ca. 65 EURO Handelspreis.
2022er Grenache "Blewitt Springs" (MMAD Vineyard)-Mc Laren Vale- AUS-
Ein Gemeinschaftsprojekt von Michael Hill Smith (MW), Martin Shaw, Adam Wadewitz und David Le Mire (MW), die einfach den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen zum Weingutsnamen zusammengesetzt haben. Dieser Grenache stammt von alten Buschreben aus der Spitzenlage Blewitt Springs im Mc Laren Vale. Zart durchscheinendes Rubinrot, elegante Nase nach hellen roten Früchten und Beeren, insbesondere Herzkirsche, Johannisbeere, Hauch Rhabarber, nur dezent Holz, sowohl farblich als auch nasal sehr transparent und elegant, am Gaumen zart extraktsüss, dank saftiger Säure bleibt dieser Wein auf der feinkomplexen Seite, die 14 Vol% sind in keiner Weise spürbar, hellrote Früchte, etwas Holz, dezent grüne Aspekte frischen den Wein auf, sehr saftig und trinkig mit durchaus langem Abgang. Für knapp 39 EURO Handelspreis ein Grenache, dem ich so manchem Chateauneuf vorziehen würde.
2018er "The Dead Arm Shiraz" (d`Arenberg, Mc Laren Vale) -Mc Laren Vale- AUS-
Der Klassiker--- auf einer alten Korbpresse gepresst--- 22 Monate Barrique---14,5 Vol%---
Die Weinstöcke, aus dem das Traubengut für diesen Wein stammt, sind von der Viruskrankheit Eutypa Lata befallen, bei der die eine Seite des Rebstock abstirbt. Die übrigen Trauben auf der anderen Seite des Rebstocks sollen dann besonders intensiv schmeckende Trauben liefern.
Ich kenne den Wein von früher her und war damals sehr angetan von diesem Wein. Wahrscheinlich hat sich mein Geschmack inzwischen verändert oder ich bin schlicht anspruchsvoller geworden
Der Wein bedient eigentlich genau das Pauschalbild, was viele von einem australischen Shiraz auch erwarten. Schon optisch ein sattes, undurchdringliches Purpur, in der Nase eine kraftvolle Dunkelfrucht (Cassis, reife Kirsche, Brombeere), rauchige und dezent speckige Noten vom Holz, etwas Mokka, schon in der Nase sehr expressiv, am Gaumen zwar trocken, aber deutlich extraktsüss, reifes Tannin, passende Säure, sehr kraftvoll, Alkohol schon spürbar, kratzt aber noch deutlich an der reinen Marmeladigkeit vorbei, auch hier viel reife Frucht, kraftvoll und auch ein bischen sättigend. Zum T-Bone-Steak sicherlich eine gute Wahl. Zweifellos ein gutklassiger Shiraz im beliebten Aussie-Stil, aber nicht unbedingt my cup of tea.
Handelspreis ca. 35 -40 EURO.
2020er "Trelinoe Vineyard" Syrah (Bilancia, Hastings) -Hawkes Bay- NZ-
stammt aus einer der wenigen "Steillagen" Neuseelands---3 Jahre Fassausbau (gebrauchte Fässer)---20% Ganztrauben---13,5 Vol%---
Größer könnte der Kontrast zum Vorgänger-Shiraz nicht sein: farblich eher mit einem Pinot vergleichbar, unwahrscheinlich feine und reine Fruchtaromatik (Cassis, Preiselbeeren, Himbeere), dezent nussiges Holz, kräutrige Würze, ätherisch komplex, fast eine "schwebend-feine" Duftnote, macht süchtig nach dem ersten Schluck, auch am Gaumen ganz klar Finesse vor purer Kraft, obgleich hier schon durchaus Struktur und Nachhaltigkeit vorhanden sind, zarte Säure, sehr feinkörniges Tannin, nur mittelgewichtig,komplexe Fruchtaromatik, begleitet von zart-grünen und würzigen Noten, ein Wein wie Samt und Seide, ohne dass hier die Struktur fehlen würde, Alkohol bestens integriert, langer retronasaler Nachhall.
Ein großartiger Syrah, der genauso daherkommt, wie ich mir einen hochklassigen Nord-Rhone-Syrah wünschen würde. Bei der letzten Kultweinprobe hatten wir aus dieser Ecke den 2017er Hemitage La Chapelle, den ich für diesen Neuseeländer glatt stehenlassen würde.
Großes Kino und tatsächlich auch der- zu Recht- teuerste Wein der gesamten Probe (ca. 83 EURO im Handel).
Die letzten 3 Rotweine folgen in Kürze !
LG
Bodo
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weinaffe
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Re: Weinprobe Neuseeland und Australien
... und weiter geht es mit den letzten 3 Rotweinen:
2023er "La Roccia" Pinot noir (Stefano Lubiana, Granton) -Tasmanien- AUS-
Kalkstein und Terra Rossa--- Bio-Dynamie---13,5 Vol%---
Der Spitzen-Pinot aus diesem 25 ha-Familienbetrieb und zu Recht einer der besten Pinots des Landes: aufgehelltes, sortentypisches Aussehen, bezaubernde, feine Nase mit einer Mischung aus floralen Noten (Veilchen, Rose),frischen Früchten und Beeren (Sauerkirsche, Himbeere, reife Johannisbeeren) und ätherischen/würzigen Noten (Hauch Rosmarin, etwas Unterholz, frische Pilze), schon in der Nase elegant und komplex, vor allem frisch und duftig, am Gaumen trocken mit zarter Extraktsüsse, passende Säure, feinkörniges Tannin, nur mittelgewichtig, der Fokus liegt hier auf aromatischer Frische und Eleganz, sehr saftig, wiederum der komplexe Mix aus Frucht, Blüten und sanftem Holzeinsatz. Duftiger, nachklingender Gaumenauftritt. Toller Pinot, den ich niemals nach Australien verortet hätte. Leider nicht ganz billig (77 EURO im hiesigen Handel).
Jetzt bot sich noch ein Vergleich mit einem der besten Pinots Neuseelands an:
2021 Pinot Noir Martinborough (Ata Rangi, Martinborough) -Martinborough- NZ-
Burgundische Klone---über 40 Jahre alte Reben--- 14 Vol%---
Farblich etwas tiefer als der Vorgänger, konzentrierte, feste Nase nach reifer Kirsche, kräutrige Noten und fast unmerklicher Holzeinsatz. Wirkt genauso kühl wie der Vorgänger. Wenn man Äpfel mit Birnen vergleichen will, so ähnelt der Vorgänger eher einem Vosne-Romanee und der Ata Rangi eher einem gelungenen Gevrey-Chambertin, was für beide Weine durchaus als Kompliment zu verstehen ist. Am Gaumen trocken mit einigem Extrakt, ohne dass der Wein in die Breite geht, strukturierende Säure, sehr feinkörniges Tannin, der Wein hat Struktur, ohne die Eleganz vermissen zu lassen, finessenreiche Frucht (Kirsche, Himbeere), angenehme Kräuternote, Hauch Holz, etwas sous bois, hat noch Potential, langer Abgang.
Ein eigenständiger, aber hochklassiger Pinot, der es mit vielen "Originalen" aus der Bourgogne aufnehmen kann. Berechtigte 65 EURO im Handel.
2022er "Airfield" Cuvee (Stonyridge, Waiheke Island) -Waiheke Island- NZ-
Cuvee aus Merlot, Malbec, Cabernet franc und Petit Verdot--- 13,5 Vol%---
Dieses 6 ha-Boutique-Weingut auf der wunderschönen Insel Waiheke Island, dem beliebten Ferienort der Aucklander, erzeugt den teuersten Wein des Landes, den Larose, eine Bordeaux-Cuvee, die im hiesigen Handel zwischen 220 und 250 EURO kostet. Der "Airfield" ist der bezahlbare "Zweitwein" und auch nicht von schlechten Eltern: mittelkräftiges Purpur, elegante Nase nach dunklen Früchten (Cassis, Brombeere, Kirsche), etwas Mokka vom Holzeinsatz, Zedernholz, Piment, noch sehr jugendlich, am Gaumen mit Extraktsüsse, glasklare Dunkelfrucht, saftige Säure, noch leicht eckiges Tannin, hat Kraft, aber auch kühle Eleganz, ausgezeichnete Länge. Der Wein ist noch sehr jugendlich und linear, wird sich aber mit zunehmender Alterung sicher noch komplexer entwickeln. Jetzt antrinkbar, aber ich würde noch einige Jahre Kellerreife befürworten.
Ca. 40 EURO Handelspreis.
Sehr schöner Abschluss der Probe mit etwas "Bordeaux-Feeling".
Ein Teilnehmer brachte im nachhinein noch einen im Barrique ausgebauten fränkischen Chardonnay (2022er Würzburger Stein Chardonnay vom Bürgerspital), der in der Nase ganz ansprechend war, aber im Mund ganz gewaltig gegen die beiden australischen Chardonnays "abgestunken" ist.
Da liegen doch qualitative Welten dazwischen, allerdings auch preisliche. Der Franken-Chardonnay kostet so um die 20 EURO.
In den nächsten Wochen stehen noch 3 VHS-Proben an. Als nächstes in gut 2 Wochen steht ein Frankreich-Rundumschlag an, weitere 3 Wochen später Italien und den Abschluss Ende April machen Weine aus Südafrika. Dazwischen habe ich noch die Möglichkeit, an einer hochkarätigen Blindprobe mit Top-Weinen der nördlichen Rhone sowie eingestreuten Piraten teilzunehmen. Darauf freue ich mich ganz besonders und werde nach Möglichkeit über alle Events berichten.
Bis dann und immer einen guten Wein im Glas
LG
Bodo
2023er "La Roccia" Pinot noir (Stefano Lubiana, Granton) -Tasmanien- AUS-
Kalkstein und Terra Rossa--- Bio-Dynamie---13,5 Vol%---
Der Spitzen-Pinot aus diesem 25 ha-Familienbetrieb und zu Recht einer der besten Pinots des Landes: aufgehelltes, sortentypisches Aussehen, bezaubernde, feine Nase mit einer Mischung aus floralen Noten (Veilchen, Rose),frischen Früchten und Beeren (Sauerkirsche, Himbeere, reife Johannisbeeren) und ätherischen/würzigen Noten (Hauch Rosmarin, etwas Unterholz, frische Pilze), schon in der Nase elegant und komplex, vor allem frisch und duftig, am Gaumen trocken mit zarter Extraktsüsse, passende Säure, feinkörniges Tannin, nur mittelgewichtig, der Fokus liegt hier auf aromatischer Frische und Eleganz, sehr saftig, wiederum der komplexe Mix aus Frucht, Blüten und sanftem Holzeinsatz. Duftiger, nachklingender Gaumenauftritt. Toller Pinot, den ich niemals nach Australien verortet hätte. Leider nicht ganz billig (77 EURO im hiesigen Handel).
Jetzt bot sich noch ein Vergleich mit einem der besten Pinots Neuseelands an:
2021 Pinot Noir Martinborough (Ata Rangi, Martinborough) -Martinborough- NZ-
Burgundische Klone---über 40 Jahre alte Reben--- 14 Vol%---
Farblich etwas tiefer als der Vorgänger, konzentrierte, feste Nase nach reifer Kirsche, kräutrige Noten und fast unmerklicher Holzeinsatz. Wirkt genauso kühl wie der Vorgänger. Wenn man Äpfel mit Birnen vergleichen will, so ähnelt der Vorgänger eher einem Vosne-Romanee und der Ata Rangi eher einem gelungenen Gevrey-Chambertin, was für beide Weine durchaus als Kompliment zu verstehen ist. Am Gaumen trocken mit einigem Extrakt, ohne dass der Wein in die Breite geht, strukturierende Säure, sehr feinkörniges Tannin, der Wein hat Struktur, ohne die Eleganz vermissen zu lassen, finessenreiche Frucht (Kirsche, Himbeere), angenehme Kräuternote, Hauch Holz, etwas sous bois, hat noch Potential, langer Abgang.
Ein eigenständiger, aber hochklassiger Pinot, der es mit vielen "Originalen" aus der Bourgogne aufnehmen kann. Berechtigte 65 EURO im Handel.
2022er "Airfield" Cuvee (Stonyridge, Waiheke Island) -Waiheke Island- NZ-
Cuvee aus Merlot, Malbec, Cabernet franc und Petit Verdot--- 13,5 Vol%---
Dieses 6 ha-Boutique-Weingut auf der wunderschönen Insel Waiheke Island, dem beliebten Ferienort der Aucklander, erzeugt den teuersten Wein des Landes, den Larose, eine Bordeaux-Cuvee, die im hiesigen Handel zwischen 220 und 250 EURO kostet. Der "Airfield" ist der bezahlbare "Zweitwein" und auch nicht von schlechten Eltern: mittelkräftiges Purpur, elegante Nase nach dunklen Früchten (Cassis, Brombeere, Kirsche), etwas Mokka vom Holzeinsatz, Zedernholz, Piment, noch sehr jugendlich, am Gaumen mit Extraktsüsse, glasklare Dunkelfrucht, saftige Säure, noch leicht eckiges Tannin, hat Kraft, aber auch kühle Eleganz, ausgezeichnete Länge. Der Wein ist noch sehr jugendlich und linear, wird sich aber mit zunehmender Alterung sicher noch komplexer entwickeln. Jetzt antrinkbar, aber ich würde noch einige Jahre Kellerreife befürworten.
Ca. 40 EURO Handelspreis.
Sehr schöner Abschluss der Probe mit etwas "Bordeaux-Feeling".
Ein Teilnehmer brachte im nachhinein noch einen im Barrique ausgebauten fränkischen Chardonnay (2022er Würzburger Stein Chardonnay vom Bürgerspital), der in der Nase ganz ansprechend war, aber im Mund ganz gewaltig gegen die beiden australischen Chardonnays "abgestunken" ist.
Da liegen doch qualitative Welten dazwischen, allerdings auch preisliche. Der Franken-Chardonnay kostet so um die 20 EURO.
In den nächsten Wochen stehen noch 3 VHS-Proben an. Als nächstes in gut 2 Wochen steht ein Frankreich-Rundumschlag an, weitere 3 Wochen später Italien und den Abschluss Ende April machen Weine aus Südafrika. Dazwischen habe ich noch die Möglichkeit, an einer hochkarätigen Blindprobe mit Top-Weinen der nördlichen Rhone sowie eingestreuten Piraten teilzunehmen. Darauf freue ich mich ganz besonders und werde nach Möglichkeit über alle Events berichten.
Bis dann und immer einen guten Wein im Glas
LG
Bodo