Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's DAS EWIG GESTRIGE
was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
2018 Friedrich Becker Pinot Noir Schweigen
Blassrubin mit wässrigem Rand und ziegelroten Reflexen. Die Nase zeigt sich elegant und zurückhaltend (besonders am zweiten Tag) mit filigraner roter Frucht – Kirsche, Pflaume, Johannisbeere – sowie Wacholder und dezentem Rauchholz. Am Gaumen geschmeidige, teils austrocknende Tannine, gestützt durch eine kühle Struktur und frische Säure. Die rotfruchtige Art (Waldbeere, Hagebutte) bleibt präsent, bietet jedoch eine eher mäßige Tiefe. Der Nachhall ist mittellang und kräuterig. Der Wein erscheint mir gereift; besser bald genießen. Ein zweifellos anspruchsvolles, balanciertes Gewächs, dem für eine sehr gute Bewertung aber Konzentration und Tiefe fehlt.
Zunächst: Vielen Dank, Nora, das freut mich natürlich sehr.
Mit deiner Nachfrage hast du schon recht. Wenn ich meine Worte jetzt lese, erinnere ich mich aber gut an meine Empfindung, als ich den Wein getrunken habe: Der Wein wirkte weich, speziell am ersten Tag. Dennoch merkte ich schnell, dass das Tannin meinen Mund überraschend stark austrocknete. Die Beschreibung ist wohl der Versuch, dieses Erlebnis in Worte zu fassen. Hätte die Frucht sich besser gehalten, wäre mein Mundempfinden wahrscheinlich anders (positiver) gewesen.
Ich würde auch sagen, dass es eine Qualität von Tannin gibt. Dieses hier war nicht rau oder sandig. Trocknend aber doch.
Sicherlich hätte ich es mit etwas Mühe besser beschreiben können. Macht das so aber Sinn für dich oder bleibt es ein Widerspruch?
Nachtrag: Weiche Textur im Antrunk (erstes Mundgefühl), austrocknend im Finish. Dürfte es besser treffen. Für mich ein Zeichen dafür, dass die Frucht hinter die Struktur des Weins zurückfällt.