edit: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil...
Meine verbleibenden vier, fünf Favoriten sind alle in Deiner Liste enthalten.
Die geklammerte Anmerkung zu "den lieferbaren" verstehe ich nicht: 2015 ist es doch noch garnicht?Matthias Hilse hat geschrieben:Nun haben die Montrose Eigner die Zuteilungen bei den Negociants um 10 bis 35% gekürzt (hier geht es immer um die unterjährigen Aktivitäten bei den "livrables"), mit dem Ergebnis, dass es vom 2016er bisher nur sehr wenig Angebot gibt.
Danke für die Einschätzung. Es ist ja immer wieder spannend, zu sehen, wie der Markt funktioniert. Es scheint, als ob im seinerzeit durchaus von Vertrauen geprägten Verhältnis zwischen Châteaux und Négociants und dahintergelagerten Händlern einiges im Argen ist. Ich würde es an Stelle der Châteaux im Zweifel ebenso machen. Vertrauen in guten Zeiten erfordert auch Vertrauen in schwierigeren Zeiten. Und zwar von beiden Seiten.Matthias Hilse hat geschrieben:Guten Morgen zusammen,
am Beispiel Montrose wird deutlich, dass die historische Rolle der Negociants, quasi großzügig "ein- und auszuatmen", in einer Definitionskrise steckt - und die dürfte ihre tieferen Wurzeln in den gravierenden Veränderungen im Banksektor haben.
Montrose ist dem Beispiel von Cos gefolgt und hat die Preise (zunächst) gleichgelassen. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich. Auch wenn nicht jeder Verkoster meiner Meinung ist, dass Montrose der Wein des Jahrgangs ist, so liegt der Konsens doch im komfortablen Bereich, wo die Träume anfangen.
Die Negociants haben im letzten Jahr, der allgemeinen Einschätzung eingedenk (die ich übrigens nicht im Ansatz teile), dass St. Estpehe minderwertig sei, nur die Cos und die Montroses gekauft, die sie ihrerseits verkauft hatten. Das dürfte im letzten Jahr (hier gab es ja schon verschiedentlich den Hinweis auf cellartracker) nicht so arg viel gewesen sein.
Nun haben die Montrose Eigner die Zuteilungen bei den Negociants um 10 bis 35% gekürzt (hier geht es immer um die unterjährigen Aktivitäten bei den "livrables"), mit dem Ergebnis, dass es vom 2016er bisher nur sehr wenig Angebot gibt.
Dadurch ergeben sich zwei Alternativen: es gibt keine zweite Tranche - dann steigt der Preis sehr schnell bis an die nächste Hundertergrenze, oder es gibt eine zweite Tranche, dann pendelt sich der Preis zunächst dort ein, wo Cos jetzt liegt.
Ich als Chateaubesitzer würde mich jetzt natürlich schon fragen, warum ich einen beträchtlichen Teil an der Gesamtmarge Marktteilnehmern überlasse, die durch ihren Attentismus ihre Funktion per se in Frage stellen.
Herzliche Grüße,
Matthias Hilse
Das gleiche Spiel dürfte es bei Weinen wie Haut-Bailly, Canon, Carmes Haut Brion, Pontet Canet etc. auch geben.
Die Negociants müssen sich quasi durch unterjährige Ankäufe lieferbarer Jahrgänge bei den Weingütern dafür legitimieren, überhaupt en primeur einkaufen zu können. Ist schon ein ziemlich perfides System, weil es Kausalketten leicht in ein Labyrinth umwandelt...amateur des vins hat geschrieben:Danke für die Einblicke, Herr Hilse.Die geklammerte Anmerkung zu "den lieferbaren" verstehe ich nicht: 2015 ist es doch noch garnicht?Matthias Hilse hat geschrieben:Nun haben die Montrose Eigner die Zuteilungen bei den Negociants um 10 bis 35% gekürzt (hier geht es immer um die unterjährigen Aktivitäten bei den "livrables"), mit dem Ergebnis, dass es vom 2016er bisher nur sehr wenig Angebot gibt.
Das bedeutet doch aber, daß die Effekte bei den 2015ern die Knappheit der 2016er nicht erklären können, denn erstere sind ja noch nicht lieferbar - oder? Wenn es dieser Mechanismus wäre, müßte das "unterjährige" (aktuelle?) Verhalten der Négociants bei den Jahrgängen 2014 und älter verantwortlich gemacht werden. Das würde für mich auch Sinn ergeben: klassisches Koppelgeschäft der Erzeuger, um die schwächeren Jahrgänge loszuwerden.Matthias Hilse hat geschrieben:Die Negociants müssen sich quasi durch unterjährige Ankäufe lieferbarer Jahrgänge bei den Weingütern dafür legitimieren, überhaupt en primeur einkaufen zu können. Ist schon ein ziemlich perfides System, weil es Kausalketten leicht in ein Labyrinth umwandelt...
Die Knappheit des Jahrgangs 2016 ist hier bestimmt durch die Einkäufe der Negociants 2015. Es ist so, wie wenn Sie dieses Jahr auf dem Wochenmarkt Spargel kaufen wollten und die Verkäuferin Sie darauf hinweist, dass dies nur im Rahmen Ihrer letztjährigen Einkäufe möglich ist.amateur des vins hat geschrieben:Das bedeutet doch aber, daß die Effekte bei den 2015ern die Knappheit der 2016er nicht erklären können, denn erstere sind ja noch nicht lieferbar - oder? Wenn es dieser Mechanismus wäre, müßte das "unterjährige" (aktuelle?) Verhalten der Négociants bei den Jahrgängen 2014 und älter verantwortlich gemacht werden. Das würde für mich auch Sinn ergeben: klassisches Koppelgeschäft der Erzeuger, um die schwächeren Jahrgänge loszuwerden.Matthias Hilse hat geschrieben:Die Negociants müssen sich quasi durch unterjährige Ankäufe lieferbarer Jahrgänge bei den Weingütern dafür legitimieren, überhaupt en primeur einkaufen zu können. Ist schon ein ziemlich perfides System, weil es Kausalketten leicht in ein Labyrinth umwandelt...