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Burgund 2024
Verfasst: Fr 12. Jun 2026, 20:14
von Ralf Gundlach
Ich konnte heute nicht widerstehen und habe einen Weißen aufgemacht, den ich mit Markus, dem Ostbelgier samt Gattin nach einem wunderbaren Restaurantbesuch in Volnay gekauft habe, die auch einen kleinen Weinhandel betreiben:
2024 Monthelie „Les Duresses“ blanc Nathalie Gente-Pont
Den habe ich vor einer halben Stunde aufgemacht. Und mit jeder Minute wird der offener. Man, ist das lecker. Da passt alles, trotz des jungen Stadium und dem nicht so leichten Jahrgang. Die feine Frucht wird durch eine dezente Gerbstoffnote abgepuffert. Das gibt Struktur. Und Lebendigkeit mit der feinen Säure. Das ist ein unglaublich delikater Chardonnay mit null Schwere.
93 Punkte.
Gruß
Ralf
Re: Burgund 2024
Verfasst: Sa 13. Jun 2026, 00:48
von Bernd Schulz
Ralf Gundlach hat geschrieben: ↑Fr 12. Jun 2026, 20:14
....Da passt alles, trotz des jungen Stadium und dem nicht so leichten Jahrgang....
Ralf, wer weiß, vielleicht passt auch alles
wegen des jungen Stadiums? Oder anders gefragt: Was soll da angesichts deiner Beschreibung mit den Jahren noch groß an Aufwertung kommen?
Bis vor ca. 25 Jahren war ich ja überzeugter Jungweintrinker. Danach wurde ich infolge diverser Umerziehungsmaßnahmen

irgendwann zum Altweinfreak, aber mittlerweile kehre ich zumindest in Teilen wieder zu meinen frühen Vorlieben zurück, bei trockenen Weißen sowieso, aber sogar auch bei diversen Roten. Den Reiz, den das alte Zeug haben kann, will ich nicht verleugnen, aber aus der Notwendigkeit des Reifens mache ich bei den meisten Weinen viel weniger ein Dogma als noch vor zehn Jahren. Sprich: Viele interessante Weine haben für mich in ihrer Jugend einen besonderen Reiz, der (vielleicht) später durch andere besondere Reize abgelöst werden kann, aber eben nur abgelöst im Sinne von auf gleichwertige Art ersetzt.
Herzliche Grüße
Bernd
Re: Burgund 2024
Verfasst: Sa 13. Jun 2026, 07:45
von EThC
...na ja, manche Weine sind eben jung voll da und manche nicht. Ich für mich kann da keine verläßliche Regel aufstellen, auch wenn ich feststelle, daß die Mehrheit der ganz jungen Sachen mir "zu grün hinter den Ohren" ist und mir erst nach 2, 3, 4 Jahren ohne Abschläge gefallen. Ich probiere deswegen auch recht wenige der von mir blind gekauften Sachen im Jungstadium, einfach weil ich zuallermeist nur eine oder zwei Flaschen habe. Da kann ein Kistenkäufer natürlich ganz anders agieren...
Re: Burgund 2024
Verfasst: Sa 13. Jun 2026, 08:52
von Ostbelgier
Hallo Ralf,
vielen Dank für Deine Notiz. Ich wäre im Traum nicht darauf gekommen, so junges Gemüse jetzt schon zu probieren. Aber auch wir werden gelegentlich eine der Flaschen öffnen, vielleicht machen wir kommende Woche mal ein Huhn a la Bresse. Mir ist eingefallen, dass wir dort vor vielen Jahren mal essen waren, und damals einen Pichet (ein kleiner Krug) offenen Rotwein aus Monthelie bestellt hatten. Der Wein war auch sofort "da". Und jetzt rechnen wir mal 2 und 2 zusammen: Es besteht offenbar ein direktes Verwandtschaftsverhältnis zwischen Restaurant und Weingut. Kann es also sein, dass die Weine dieses Gutes "gastronomisch" ausgebaut werden, um direkt "da" zu sein ? Ich weiss es nicht, aber es erscheint mir wahrscheinlich.
Viele Grüße
Markus
Re: Burgund 2024
Verfasst: Sa 13. Jun 2026, 10:27
von Ralf Gundlach
Bernd Schulz hat geschrieben: ↑Sa 13. Jun 2026, 00:48
Ralf Gundlach hat geschrieben: ↑Fr 12. Jun 2026, 20:14
....Da passt alles, trotz des jungen Stadium und dem nicht so leichten Jahrgang....
Ralf, wer weiß, vielleicht passt auch alles
wegen des jungen Stadiums? Oder anders gefragt: Was soll da angesichts deiner Beschreibung mit den Jahren noch groß an Aufwertung kommen?
Bis vor ca. 25 Jahren war ich ja überzeugter Jungweintrinker. Danach wurde ich infolge diverser Umerziehungsmaßnahmen

irgendwann zum Altweinfreak, aber mittlerweile kehre ich zumindest in Teilen wieder zu meinen frühen Vorlieben zurück, bei trockenen Weißen sowieso, aber sogar auch bei diversen Roten. Den Reiz, den das alte Zeug haben kann, will ich nicht verleugnen, aber aus der Notwendigkeit des Reifens mache ich bei den meisten Weinen viel weniger ein Dogma als noch vor zehn Jahren. Sprich: Viele interessante Weine haben für mich in ihrer Jugend einen besonderen Reiz, der (vielleicht) später durch andere besondere Reize abgelöst werden kann, aber eben nur abgelöst im Sinne von auf gleichwertige Art ersetzt.
Herzliche Grüße
Bernd
Guten Morgen Bernd,
der Wein ist natürlich noch etwas unruhig und mit 3-4 Jahren Reife wird der bestimmt noch etwas differenzierter. Aber dieses unruhige, leicht wilde gefällt mir gerade in diesem jungen Stadium sehr. Deswegen ist die Reife auch für mich nicht notwendig, weil ich genau das mag was ich da im Glas gestern hatte.
Gruß
Ralf
Re: Burgund 2024
Verfasst: Sa 13. Jun 2026, 10:30
von Ralf Gundlach
Ostbelgier hat geschrieben: ↑Sa 13. Jun 2026, 08:52
Hallo Ralf,
vielen Dank für Deine Notiz. Ich wäre im Traum nicht darauf gekommen, so junges Gemüse jetzt schon zu probieren. Aber auch wir werden gelegentlich eine der Flaschen öffnen, vielleicht machen wir kommende Woche mal ein Huhn a la Bresse. Mir ist eingefallen, dass wir dort vor vielen Jahren mal essen waren, und damals einen Pichet (ein kleiner Krug) offenen Rotwein aus Monthelie bestellt hatten. Der Wein war auch sofort "da". Und jetzt rechnen wir mal 2 und 2 zusammen: Es besteht offenbar ein direktes Verwandtschaftsverhältnis zwischen Restaurant und Weingut. Kann es also sein, dass die Weine dieses Gutes "gastronomisch" ausgebaut werden, um direkt "da" zu sein ? Ich weiss es nicht, aber es erscheint mir wahrscheinlich.
Viele Grüße
Markus
Guten Morgen Markus,
soweit ich dass verstanden habe ist die Seniorchefin des Restaurants auch Besitzerin des Weinguts. „Gastronomisch“kann man durchaus sagen, im absolut positiven Sinne. Der hat schon genügend Charakter.
Gruß
Ralf
Re: Burgund 2024
Verfasst: Sa 13. Jun 2026, 10:42
von Ostbelgier
Ralf, "Gastronomisch" war ausdrücklich nicht negativ gemeint. Was nützt schliesslich ein Wein im Restaurant, der völlig unreif und daneben ist ?
Re: Burgund 2024
Verfasst: So 14. Jun 2026, 09:37
von Ralf Gundlach
Ostbelgier hat geschrieben: ↑Sa 13. Jun 2026, 10:42
Ralf, "Gastronomisch" war ausdrücklich nicht negativ gemeint. Was nützt schliesslich ein Wein im Restaurant, der völlig unreif und daneben ist ?
Guten Morgen Markus,
ich habe bei gastronomisch leider auch die Assoziation, dass solche Weine mitunter etwas glattgebügelt und konturenlos sein können. Müssen sie natürlich nicht automatisch.
Gruß
Ralf
Re: Burgund 2024
Verfasst: Sa 22. Aug 2026, 18:21
von Ostbelgier
Hallo Ralf,
nun habe ich den 24er auch probiert, zu Spiessen mit Miesmuscheln und Speck. Der Wein wächst sehr hoch gelegen in Monthelie, kurz vor der Waldgrenze und an der Grenze zu Auxey Duresses. Direkt nach dem Öffnen fand ich ihn wirklich wild, aber nach kräftigem Belüften wandelt sich das Bild. Da sind reiche Kirchenfenster und ein faszinierender Duft. Am Gaumen sehr interessant: Gelbe Birne, Stachelbeere, Orangenzeste und ein Hauch von Anis. Schöne Länge. Ich verstehe nun Deinen Enthusiasmus, weil ich weiss, dass Du solche Weine gerne im jungen, wilden Stadium trinkst. Das ist bei mir eben anders, ich glaube fest, dass dieser Wein seine beste Seite noch nicht zeigt. Ich verstehe, wie gesagt, den Reiz, aber die Weissen aus Monthelie können auch sehr schön altern.
Viele Grüße
Markus
Re: Burgund 2024
Verfasst: Mo 31. Aug 2026, 00:02
von final_scream
Agnes Paquet, Auxey-Duresses, Le Hoz, Rouge, 2024
In dem Wissen, den Wein bei Gefallen in Deutschland einfach wiederbeschaffen zu können (Lobenberg), in einem Laden in Beaune gekauft. Das weiße Pendant direkt dazu.
In der Nase zunächst keine typische Pinot Assoziation: Alles noch sehr jugendlich und kantig. Vor allem schwarze Beeren aus der Brom- und Boysenbeerecke. Im Hintergrund auch Schattenmorelle, aber klar von den Beeren übertönt. Braunes, noch nicht durchgetrocknetes Tabakblatt. Pferdestall oder -sattel, deutlich aber nicht unangenehm.
Am Gaumen die nasalen Eindrücke alle wiederkehrend. Hinzu tritt eine hohe Säure, die sich irgendwie warm anfühlt und dann doch den Gesamteindruck im Richtung Pinot lenkt. Feines, aber durchaus beherzt zupackendes Tannin.
Ich muss gestehen, ich habe mir etwas anderes vorgestellt: zarter, duftender und eleganter. Nun habe ich weder große Erfahrung mit Pinots aus dem Burgund (bewusst erst die 3. Flasche), noch mit Weinen der nördlichen Rhône. Aber genau dort hätte ich den Wein nach meinem Geschmacksempfinden hinverortet.
Auf jeden Fall habe ich künftig eine Ahnung, wie das gemeint sein könnte, wenn man andernorts liest, dass Nordrhôneweine an Burgunder erinnern können. Andersrum scheint's auch zu funktionieren.