Aktuelle Zeit: Mi 23. Okt 2019, 22:34


Reichsrat von Buhl

  • Autor
  • Nachricht
Offline
Benutzeravatar

EThC

  • Beiträge: 2385
  • Bilder: 6
  • Registriert: Fr 27. Feb 2015, 17:17
  • Wohnort: BY

Re: Reichsrat von Buhl

BeitragMi 4. Sep 2019, 20:14

Volker hat geschrieben:Insofern kann man rein aus der Veränderung der Vorräte nicht zwangsläufig ableiten, wie sich die Situation für die wirklich abgefüllten und für den Vertrieb zu Verfügung stehenden Menge verhält.

Generell richtig, ich kann mir aber nicht vorstellen, daß eine solch signifikante Erhöhung der Vorräte überwiegend aus der Sparte der Reserve-Sekte herrührt; die dürften mengenmäßig nur die Spitze des Eisbergs darstellen...
Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
https://ec1962.wordpress.com/
Offline

Gerlach

  • Beiträge: 62
  • Registriert: Sa 29. Jan 2011, 00:03
  • Wohnort: Berlin

Re: Reichsrat von Buhl

BeitragMi 4. Sep 2019, 22:18

Diskussionen über die bilanzielle Situation von im Weinbau tätigen Unternehmen haben wir hier wohl noch nicht gehabt, insofern bewegen wir uns nach der dankenswerten Recherche von TOM mit seinem Zugang zu ansonsten nicht jedermann zugänglichen Informationen auf neuem Terrain. Danach ist der ergebnisseitige Mißerfolg von Buhl offenkundig. Nichts spricht gegen das Bestehen eines EAV (Ergebnisabführungsvertrages) ggü. Niederberger auch auf Seiten von Buhl - es gab aber im Gegensatz zu den beiden Schwester-Weingütern nichts abzuführen. Insofern sind auch die Verbindlichkeiten - entgegen der Einschätzung von Volker- auch ohne dort möglicherweise gebuchte EAV-Verbundverbindlichkeiten (eine im übrigen sehr unterschiedlich gehandhabte Praxis in deutschen Konzernen - das muss nicht so sein) aus dem operativen Geschäft angestiegen. Von den Zahlen her bestand Handlungsbedarf seitens des Eigentümers (die junge Witwe des in der Werbebranche erfolgreichen und danach zum Eigentümer der drei vor langen Zeiten bereits verbundenen Weingütern, von denen Buhl übrigens langjährig der Familie zu Guttenberg gehörte -bekannt durch den hartleibigen CSU-Bundestagsabgeordneten - unvergessen seine Rede zu den Ostverträgen - , seinen Sohn, den Bach-Orchesterleiter und dann den Kurzzeit-Höhenflug-Bundesminister - hat offenbar einen Kollegen ihres Mannes geheiratet und ist nach Berlin verzogen). Nun ist gehandelt worden.
Zurück zum Wein: Ein gestriger Vergleich zwischen dem Winning Mäushöhle 2016 und Buhls Deidesheimer Ortswein 2017 lässt auf den unterschiedlichen wirtschaftlichen Erfolg der beiden Güter schliessen. Die Mäushöhle schmeckt zitrisch-frisch, kein Holz erkennbar (für das Attmann bei Winning anfänglich stand, hat sich offenbar gegeben- womöglich kam das kommerziell zu wenig an), nett zu trinken. Buhl dagegen wirkt französisch angehaucht - bloß keine Frucht, dafür struktuiert; aber eben ohne Charme und Attraktivität. Dass sich so etwas in der Breite nicht gut verkauft, ist sehr wahrscheinlich und ein Beleg dafür, dass die für Expertenpunkte gute Steinweine kommerziell nicht erfolgreich sind.
Gruß
Bernd
Offline

Volker

  • Beiträge: 162
  • Registriert: So 27. Feb 2011, 00:22
  • Wohnort: Osnabrück

Re: Reichsrat von Buhl

BeitragMi 4. Sep 2019, 22:23

eben einer der Effekte.

Die Verlängerung der Lagerzeit z.B. beim Riesling Sekt, der ja tendenziell der Standardsekt ist, von min. 12 Monate auf min. 18 Monate in der Kauffmann Zeit dürfte sicherlich den größeren Impact haben.

Letztlich will ich damit ja auch nicht gesagt haben, dass es zu keiner Erhöhung der Bestände "vertriebsfäiger" Weine gekommen ist, wenn aber dann in geringerem Maße.

Volker
Offline
Benutzeravatar

EThC

  • Beiträge: 2385
  • Bilder: 6
  • Registriert: Fr 27. Feb 2015, 17:17
  • Wohnort: BY

Re: Reichsrat von Buhl

BeitragMi 4. Sep 2019, 22:50

...vielleicht kann ja jemand einigermaßen fundiert abschätzen, wieviel Sekt von Buhl tatsächlich verkauft. Ich würde mich jedenfalls wundern, wenn's mehr als 10 % wären. Und wenn man dessen Lagerzeit um 50 % erhöht, führt das nicht so einem signifikanten Anstieg...
Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
https://ec1962.wordpress.com/
Offline

TOM

  • Beiträge: 278
  • Registriert: Do 2. Apr 2015, 09:15

Re: Reichsrat von Buhl

BeitragDo 5. Sep 2019, 15:16

Gerlach hat geschrieben:... Die Mäushöhle schmeckt zitrisch-frisch, kein Holz erkennbar (für das Attmann bei Winning anfänglich stand, hat sich offenbar gegeben- womöglich kam das kommerziell zu wenig an), nett zu trinken. Buhl dagegen wirkt französisch angehaucht - bloß keine Frucht, dafür struktuiert; aber eben ohne Charme und Attraktivität. Dass sich so etwas in der Breite nicht gut verkauft, ist sehr wahrscheinlich und ein Beleg dafür, dass die für Expertenpunkte gute Steinweine kommerziell nicht erfolgreich sind. ...

Ich glaube, das trifft des Pudels Kern. Ich persönlich fand den etwas stärkeren Holzeinsatz bei Winning eigentlich immer angenehm, bin aber sicherlich hier in der Minderheit. Es reicht eben wirtschaftlich nicht Weine zu machen, die von Experten hoch bewertet werden und Preise gewinnen. Man muss auch Geld verdienen, um zu überleben (oder die Investoren zufrieden zu stellen) und das geht wohl überwiegend nur mit Weinen für die breite Masse.
Ich vermute mal, dass der Wechsel von Perters zu Würtz bei St. Antony ähnlich motiviert war.
Trotzdem sind die Weine ja nicht schlecht. Eben nur etwas "Massentauglicher".

Gerlach hat geschrieben:... insofern bewegen wir uns nach der dankenswerten Recherche von TOM mit seinem Zugang zu ansonsten nicht jedermann zugänglichen Informationen auf neuem Terrain ...

Meine Quelle ist öffentlich zugänglich. Es ist das Unternehmensregister: https://www.unternehmensregister.de
Ich bin auch kein Bilanzfachmann, fand aber die unterschiedlichen Gewinne der Weingüter sowie den Stand des Lagers schon sehr interessant. Daher hatte ich die gepostet. Kann sein, dass ich mit den "herausgerissenen Zahlen" ein falsches Bild gezeichnet habe, da die Situation und Verflechtung etwas komplizierter ist. Zudem liegen die Daten von 2018 im Unternehmensregister (verständlicherweise) noch nicht vor.

Volker hat geschrieben:Die Verbindlichkeiten ... nur bedingt aussagekräftig ... Bei den Vorräten müsste man natürlich wissen, welche Beträge z.B. durch den Aufbau von Lagerbeständen ... längere Lagerzeiten .. Anstieg der Bestände führen.
Insofern kann man rein aus der Veränderung der Vorräte nicht zwangsläufig ableiten, .. für den Vertrieb zu Verfügung stehenden Menge verhält.

Da gebe ich Dir Volker 100% Recht. Ich fand wie oben erwähnt eben nur das unterschiedliche Verhalten und den Lageraufbau der drei Güter interessant. Aber ohne Details (Menge, Qualität der eingelagerten Weine, Bewertungskriterien usw.) kann man da nur bedingt etwas ableiten. Zudem sind es nur "Vorräte". Man weiss nicht aus was die sich genau beziehen (gewollter Lagerbestand, Restposten, nicht verbrauchte leere Flaschen usw.).
Die Anmerkung in der Bilanz hat auch noch Spielraum Die Vorräte wurden zu Anschaffungskosten bzw. Herstellungskosten unter Beachtung des Niederstwertprinzips angesetzt.
Nimmt man die "Herstellungskosten", dann kann es sein, dass ein Restbestand überbewertet, die Sekte aber von potentiellen Erlös unterbewertet sind.
Zu guter letzt hat auch beim Niederwertprinzip der Geschäftsführer oder Steuerberater durchaus "einen Gestaltungsspielraum". Diesen Spielraum wird man im positiven Sinne nutzen, wenn man Verluste macht und wird ihn möglichst klein halten, wenn man Gewinne macht (um nicht unnötig Steuern zu zahlen).
Alle diese Details wissen wir natürlich alle nicht. Trotzdem fand ich die Zahlen interessant und wollte auch eigentlich nicht so in die Tiefe gehen...
Wer 14 Tage auf Öl, Wein und Zucker verzichtet, der verliert 2 Wochen.
Offline

Philst

  • Beiträge: 256
  • Registriert: Fr 5. Dez 2014, 13:52

Re: Reichsrat von Buhl

BeitragMi 18. Sep 2019, 20:02

Mathieu Kauffmann hat schon ein neues Projekt gefunden:

https://www.meininger.de/de/weinwirtsch ... um-sektgut
Vorherige

Zurück zu Pfalz

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

Impressum - Nutzungsbedingungen - Datenschutzrichtlinie - Das Team - Alle Cookies des Boards löschen