Südafrika-Weinprobe in Würzburg
Verfasst: So 26. Apr 2026, 16:28
Hallo zusammen,
letzten Freitag trafen sich wieder im Rahmen meiner VHS-Seminare weinaffine Menschen, um gemeinsam in einer Blindprobe 14 Weine (6x weiss, 8x rot) aus Südafrika zu verkosten. Gemeinerweise
gab es noch zusätzlich einen "roten Piraten" aus einem anderen afrikanischen Land, der aber weder aus Tunesien, Marokko oder Algerien stammte
Doch dazu später !
Folgende Weine waren am Start:
------ Chardonnay Cap Classique Zero Dosage (Black Elephant Vintners) -Franschhoek-
100% Trauben aus der Cool-Climate-Region Elgin---Grundwein 2011--- 100 Monate Hefelager---11,5 Vol%---Produktion 12.000 Flaschen---Methode champenoise--
Kevin Swart, Raymond Ndlovu und Winemaker Jacques Wentzel produzieren mit die besten Schäumer Südafrikas, was dieser Blanc de Blancs souverän unterstreicht: zartes Goldgelb mit feiner Perlage, elegante Chardonnay-Nase mit Agrumen und Brioche, perfekte Balance zwischen Frische und Reife, am Gaumen knochentrocken, aber ohne jegliche Aggressivität, saftige Säure, relativ leicht im Alkohol, aber trotzdem mit einiger Dichte, nahezu perfekte Kombi aus zarter Gelbfrucht und hefigen Aspekten, sehr saftig und stimmig, sehr hochwertiger Apero-Schampus, der sich auch in einer noblen Champagnerverkostung gut behaupten könnte. Für diese Qualität sehr günstig (Handelspreis ca. 29 EURO).
2023er "Olindo" Verdelho Single Vineyard (Jasper Raats, Driefontein) -Stellenbosch-
12,5 Vol%---RZ: 1,1 gr.---zertifizierter Bio-Dyn-Betrieb---
Die portugiesische Rebsorte Verdelho, die eine der Madeira-Hauptrebsorten ist, findet man -zumal in einer trockenen Version- nicht nur in Südafrika äusserst selten, was offensichtlich sehr schade ist, wenn man diesen Wein im Glas hat: strohgelb mit grünlichen Reflexen, sehr klare und reintönige Nase mit nur dezenter Fruchtausprägung (Apfel, grüne Williams-Birne) und feiner Kräuterwürze, Hauch Holz, am Gaumen komplett trocken mit animierender, saftiger Säure, frisch und mittelgewichtig, ganz dezente Holzwürze, wiederum zurückhaltende Kernobst-Frucht mit straffer, leicht schmirgelnder Mineralität, feste Struktur durch Gerbstoff-Grip, mineralisch-würziger Abgang mit guter Länge. Handelspreis ca. 25 EURO.
2023er Wild Ferment Sauvignon blanc Elgin W.o.O. (Iona Family, Elgin) -Elgin-
Schiefer-/Ton-Böden---12,5 Vol%---
Sehr typische, das relativ kühle Klima transportierende Sortenart schon in der Nase,die sich eher an der Loire als an Neuseeland orientiert, frisch geschnittenes Gras, Hauch grüne Paprika, Stachelbeere, etwas Cassis und ein Hauch Maracuja, klirrend frischer Eindruck, im Mund komplett durchgegorener Eindruck, knackige, aber nicht bissige Säure, nur mittelgewichtig, richtig speichelziehend, am Gaumen bestätigt sich der Naseneindruck, verhaltene Frucht mit grün-ätherischer Würze, sehr straight und klar, mittlere Länge.
Gelungener Sauvignon blanc, der aber auch seinen Preis hat (ca. 29 EURO im hiesigen Handel).
2021er Chardonnay Reserve (Whalehaven, Hermanus) -Upper Hemel-en-Aarde-Valley-
12,5 Vol%---Barriqueausbau---
Dieser Chardonnay gilt als einer der besten Sortenvertreter des Landes, wobei der etwas kurze Presskorken dies jetzt nicht vermuten lässt. Der "Spar-Korken" hatte aber Gottseidank keinen Einfluss auf die Weinqualität genommen: Sehr typische und elegante Nase nach zarter Gelbfrucht, dezente Holzwürze, am Gaumen sehr ausgewogen, absolut trocken mit stimmiger Säure, Zitrus, Hauch Aprikose, leicht rauchiger, aber passender Holzeinsatz, kein Blockbuster, sondern ein perfekt ausgewogenes Mittelgewicht, klingt elegant mit dezenter Frucht und Holzwürze aus.
Hochwertiger Sortenvertreter mit entsprechendem Preis (im Handel ca. 35 EURO).
2024er Old Vines White Swartland W.o.O. (Mullineux, Malmesbury) -Swartland-
Cuvee aus 72% Chenin blanc,Rest Clairette, Viognier, Grenache blanc und Semillon gris---13,5 Vol%---Schieferboden mit Eiseneinschüben---
Diese Cuvee könnte von der perfekten Machart her auch ein Weißwein aus der Bourgogne sein: in der Nase elegante, verhaltene Gelbfrucht, die durchaus einem entsprechend ausgebauten Chardonnay ähnelt, gekonnter Barriqueeinsatz, der etwas Vanille beisteuert, der Wein ruht völlig in sich, am Gaumen zart-cremig, aber dank vifer Säure nicht in die Breite gehend, zarte Gelbfrucht mit hefigen Aspekten, zarte, gelungene Holzuntermalung, Alkohol perfekt integriert, durchaus dicht und stoffig, aber ohne jede Schwere, sehr gute, ausgewogene Länge. Perfekt vinifizierter Wein, den man aber in einer Blindprobe nur sehr schwer verorten kann. Die ca. 30 EURO Handelspreis sind aber für diese Qualität durchaus angemessen.
2022er Semillon Franschhoek W.o.O. (Boekenhoutskloof, Franschhoek) -Franschhoek-
stammt aus 3 Weinbergen mit Pflanzjahren 1902, 1936 und 1942---Ausbau in Barrique und Amphore---13,5 Vol%---1,1 % Muscat-Alexandria-Anteil---
Dieser fast sortenreine Semillon hat zunächst nasal Gemeinsamkeiten mit dem Swartland-Vorgänger, auch hier ein gefühlvoller Holzeinsatz, sehr elegant und ebenmäßig, nur dezente Fruchtausprägung (reifer Apfel, Hauch Zitrus), souverän in sich ruhend, am Gaumen geht dann aber die Post ab, komplett trocken, nicht so cremig wie der Vorgänger,spürbare Säure, auch hier nur dezente Gelbfrucht mit fast nicht wahrnehmbarem Muscat-Anteil, dann wird das komplett mineralisch, feiner Gerbstoff, der Wein schiebt sich in die Länge, druckvoll, Alkohol und Holz perfekt integriert, sehr intensiver, völlig fruchtbefreiter Abgang im Stile eines Corton. Für mich grosses Kino, aber der Wein wird nicht jeden gleichermaßen begeistern.
Berechtigte ca. 40 EURO im hiesigen Handel.
Nun geht es weiter mit den Rotweinen, wobei der erste Wein gleich der afrikanische "Pirat" war. Der Wein kommt weder aus den 3 nordafrikanischen Herkünften (Tunesien, Algerien, Marokko), sondern stammt tatsächlich aus einem Land der Sub-Sahara-Zone, wo die Reben aufgrund der feuchten Hitze und der Wasserknappheit kein leichtes Leben haben. Dieses Land ist tatsächlich nach Südafrika (95.000 ha) der zweitgrösste Traubenproduzent dieser Sub-Sahara-Zone, wobei die Anbaufläche nur auf einer Hochebene möglich ist und mit ca. 2.000 ha auch sehr überschaubar ist. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, dass in diesem Land überhaupt Trauben wachsen und Wein produziert wird. Asche über mein Haupt
, zumal Würzburg seit vielen Jahrzehnten eine Städtepartnerschaft mit der im Süden des Victoria-Sees gelegenen Stadt Mwanza pflegt. Wir hatten somit erstmalig einen Wein aus Tanzania im Glas, der dank italienischer Entwicklungshilfe und technischem Know-how durchaus mit Genuss zu trinken war. Auf den sandigen und bewässerten Böden kann tatsächlich 2-mal im Jahr geerntet werden! Vielen Dank an einen Afrika-Reisenden, der mir diesen Wein mitgebracht hat!
Doch nun zum Wein:
2018er "Presidential" Reserve Cuvee red Wine Dodoma (Cetawico, Hombolo) -Tanzania-
Cuvee aus Teroldego, Aglianico, Marzemino und Syrah---2 Jahre Barriqueausbau---15 Vol%---
Farblich ein fast blickdichtes Purpurrot, in der Nase ein dunkles, aber nicht plakatives Frucht-Potpourri aus dunklen Beeren,schrammt etwas an der Überreife, aber noch im Rahmen, rauchiger Holzeinsatz in Richtung Schinkenspeck (für die Biertrinker etwas Schlenkerla-Feeling
), aber nicht unangenehm, am Gaumen ist der Wein absolut sauber, keinerlei Fehltöne, trocken, aber durchaus extraktsüss, der Alkohol ist dank stimmiger Säure und relativ feinkörnigem Tannin gut eingebunden, etwas würzige Ätherik, auch im Geschmack etwas Räucherspeck, ordentliche Länge.
Hut ab vor den Produzenten, die unter nicht gerade einfachen klimatischen Verhältnissen einen wirklich trinkenswerten Wein produziert haben, der offensichtlich auch durchaus einige Jahre reifen kann. Wahrscheinlich eine interessante, aber einmalige Begegnung mit diesem exotischen Produzenten. Vor Ort hat dieser Wein umgerechnet 15 EURO gekostet, was wirklich sehr angemessen ist.
Fortsetzung mit den 8 südafrikanischen Rotweinen folgt in Kürze!
LG
Bodo
letzten Freitag trafen sich wieder im Rahmen meiner VHS-Seminare weinaffine Menschen, um gemeinsam in einer Blindprobe 14 Weine (6x weiss, 8x rot) aus Südafrika zu verkosten. Gemeinerweise
Folgende Weine waren am Start:
------ Chardonnay Cap Classique Zero Dosage (Black Elephant Vintners) -Franschhoek-
100% Trauben aus der Cool-Climate-Region Elgin---Grundwein 2011--- 100 Monate Hefelager---11,5 Vol%---Produktion 12.000 Flaschen---Methode champenoise--
Kevin Swart, Raymond Ndlovu und Winemaker Jacques Wentzel produzieren mit die besten Schäumer Südafrikas, was dieser Blanc de Blancs souverän unterstreicht: zartes Goldgelb mit feiner Perlage, elegante Chardonnay-Nase mit Agrumen und Brioche, perfekte Balance zwischen Frische und Reife, am Gaumen knochentrocken, aber ohne jegliche Aggressivität, saftige Säure, relativ leicht im Alkohol, aber trotzdem mit einiger Dichte, nahezu perfekte Kombi aus zarter Gelbfrucht und hefigen Aspekten, sehr saftig und stimmig, sehr hochwertiger Apero-Schampus, der sich auch in einer noblen Champagnerverkostung gut behaupten könnte. Für diese Qualität sehr günstig (Handelspreis ca. 29 EURO).
2023er "Olindo" Verdelho Single Vineyard (Jasper Raats, Driefontein) -Stellenbosch-
12,5 Vol%---RZ: 1,1 gr.---zertifizierter Bio-Dyn-Betrieb---
Die portugiesische Rebsorte Verdelho, die eine der Madeira-Hauptrebsorten ist, findet man -zumal in einer trockenen Version- nicht nur in Südafrika äusserst selten, was offensichtlich sehr schade ist, wenn man diesen Wein im Glas hat: strohgelb mit grünlichen Reflexen, sehr klare und reintönige Nase mit nur dezenter Fruchtausprägung (Apfel, grüne Williams-Birne) und feiner Kräuterwürze, Hauch Holz, am Gaumen komplett trocken mit animierender, saftiger Säure, frisch und mittelgewichtig, ganz dezente Holzwürze, wiederum zurückhaltende Kernobst-Frucht mit straffer, leicht schmirgelnder Mineralität, feste Struktur durch Gerbstoff-Grip, mineralisch-würziger Abgang mit guter Länge. Handelspreis ca. 25 EURO.
2023er Wild Ferment Sauvignon blanc Elgin W.o.O. (Iona Family, Elgin) -Elgin-
Schiefer-/Ton-Böden---12,5 Vol%---
Sehr typische, das relativ kühle Klima transportierende Sortenart schon in der Nase,die sich eher an der Loire als an Neuseeland orientiert, frisch geschnittenes Gras, Hauch grüne Paprika, Stachelbeere, etwas Cassis und ein Hauch Maracuja, klirrend frischer Eindruck, im Mund komplett durchgegorener Eindruck, knackige, aber nicht bissige Säure, nur mittelgewichtig, richtig speichelziehend, am Gaumen bestätigt sich der Naseneindruck, verhaltene Frucht mit grün-ätherischer Würze, sehr straight und klar, mittlere Länge.
Gelungener Sauvignon blanc, der aber auch seinen Preis hat (ca. 29 EURO im hiesigen Handel).
2021er Chardonnay Reserve (Whalehaven, Hermanus) -Upper Hemel-en-Aarde-Valley-
12,5 Vol%---Barriqueausbau---
Dieser Chardonnay gilt als einer der besten Sortenvertreter des Landes, wobei der etwas kurze Presskorken dies jetzt nicht vermuten lässt. Der "Spar-Korken" hatte aber Gottseidank keinen Einfluss auf die Weinqualität genommen: Sehr typische und elegante Nase nach zarter Gelbfrucht, dezente Holzwürze, am Gaumen sehr ausgewogen, absolut trocken mit stimmiger Säure, Zitrus, Hauch Aprikose, leicht rauchiger, aber passender Holzeinsatz, kein Blockbuster, sondern ein perfekt ausgewogenes Mittelgewicht, klingt elegant mit dezenter Frucht und Holzwürze aus.
Hochwertiger Sortenvertreter mit entsprechendem Preis (im Handel ca. 35 EURO).
2024er Old Vines White Swartland W.o.O. (Mullineux, Malmesbury) -Swartland-
Cuvee aus 72% Chenin blanc,Rest Clairette, Viognier, Grenache blanc und Semillon gris---13,5 Vol%---Schieferboden mit Eiseneinschüben---
Diese Cuvee könnte von der perfekten Machart her auch ein Weißwein aus der Bourgogne sein: in der Nase elegante, verhaltene Gelbfrucht, die durchaus einem entsprechend ausgebauten Chardonnay ähnelt, gekonnter Barriqueeinsatz, der etwas Vanille beisteuert, der Wein ruht völlig in sich, am Gaumen zart-cremig, aber dank vifer Säure nicht in die Breite gehend, zarte Gelbfrucht mit hefigen Aspekten, zarte, gelungene Holzuntermalung, Alkohol perfekt integriert, durchaus dicht und stoffig, aber ohne jede Schwere, sehr gute, ausgewogene Länge. Perfekt vinifizierter Wein, den man aber in einer Blindprobe nur sehr schwer verorten kann. Die ca. 30 EURO Handelspreis sind aber für diese Qualität durchaus angemessen.
2022er Semillon Franschhoek W.o.O. (Boekenhoutskloof, Franschhoek) -Franschhoek-
stammt aus 3 Weinbergen mit Pflanzjahren 1902, 1936 und 1942---Ausbau in Barrique und Amphore---13,5 Vol%---1,1 % Muscat-Alexandria-Anteil---
Dieser fast sortenreine Semillon hat zunächst nasal Gemeinsamkeiten mit dem Swartland-Vorgänger, auch hier ein gefühlvoller Holzeinsatz, sehr elegant und ebenmäßig, nur dezente Fruchtausprägung (reifer Apfel, Hauch Zitrus), souverän in sich ruhend, am Gaumen geht dann aber die Post ab, komplett trocken, nicht so cremig wie der Vorgänger,spürbare Säure, auch hier nur dezente Gelbfrucht mit fast nicht wahrnehmbarem Muscat-Anteil, dann wird das komplett mineralisch, feiner Gerbstoff, der Wein schiebt sich in die Länge, druckvoll, Alkohol und Holz perfekt integriert, sehr intensiver, völlig fruchtbefreiter Abgang im Stile eines Corton. Für mich grosses Kino, aber der Wein wird nicht jeden gleichermaßen begeistern.
Berechtigte ca. 40 EURO im hiesigen Handel.
Nun geht es weiter mit den Rotweinen, wobei der erste Wein gleich der afrikanische "Pirat" war. Der Wein kommt weder aus den 3 nordafrikanischen Herkünften (Tunesien, Algerien, Marokko), sondern stammt tatsächlich aus einem Land der Sub-Sahara-Zone, wo die Reben aufgrund der feuchten Hitze und der Wasserknappheit kein leichtes Leben haben. Dieses Land ist tatsächlich nach Südafrika (95.000 ha) der zweitgrösste Traubenproduzent dieser Sub-Sahara-Zone, wobei die Anbaufläche nur auf einer Hochebene möglich ist und mit ca. 2.000 ha auch sehr überschaubar ist. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, dass in diesem Land überhaupt Trauben wachsen und Wein produziert wird. Asche über mein Haupt
Doch nun zum Wein:
2018er "Presidential" Reserve Cuvee red Wine Dodoma (Cetawico, Hombolo) -Tanzania-
Cuvee aus Teroldego, Aglianico, Marzemino und Syrah---2 Jahre Barriqueausbau---15 Vol%---
Farblich ein fast blickdichtes Purpurrot, in der Nase ein dunkles, aber nicht plakatives Frucht-Potpourri aus dunklen Beeren,schrammt etwas an der Überreife, aber noch im Rahmen, rauchiger Holzeinsatz in Richtung Schinkenspeck (für die Biertrinker etwas Schlenkerla-Feeling
Hut ab vor den Produzenten, die unter nicht gerade einfachen klimatischen Verhältnissen einen wirklich trinkenswerten Wein produziert haben, der offensichtlich auch durchaus einige Jahre reifen kann. Wahrscheinlich eine interessante, aber einmalige Begegnung mit diesem exotischen Produzenten. Vor Ort hat dieser Wein umgerechnet 15 EURO gekostet, was wirklich sehr angemessen ist.
Fortsetzung mit den 8 südafrikanischen Rotweinen folgt in Kürze!
LG
Bodo