Climins hat geschrieben:Bernd, du als Experte für die Themen Halbtrocken und Restsüß....
Puh, ich trinke sicher mehr restsüße Weine als die meisten schreibenden Mitglieder unseres schönen Forums (von Ausnahmen wie Puschel oder Niers_Runner einmal abgesehen), aber ich genieße auch immer wieder trockene Weiß- und Rotweine. Dagegen sind mir Leute bekannt, die sich seit Jahrzehnten ausschließlich auf restsüße Sachen spezialisiert haben und auf dem Gebiet alles rauf und runter getrunken haben, was gut und teuer ist - das sind die wahren Experten! Nur schreiben sie nicht in unserem Forum.
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Climins hat geschrieben:Ist zwischen Zell und Winning dann das Klima, die Geologie, die Topographie (oder was auch immer) so anders, dass man dann dort besser trockene Rieslinge erzeugen kann? Worin unterscheiden sich die beiden Teile der Mosel?
Über diese Frage könnte man wahrscheinlich ganze Doktorarbeiten schreiben. Ich versuche mal eine (notgedrungen) etwas pauschale Antwort: Ja, offenbar unterscheiden sich die Böden und die klimatischen Gegebenheiten an der Mittel- und an der Untermosel so, dass sich dadurch Weine mit einer (etwas) anderen Charakteristik ergeben. Ganz grob gesagt ist die Feingliedrigkeit und Eleganz, wegen der die besten Süßweine der Mittelmosel aus den berühmten Lagen (Wehlener Sonnenuhr, Ürziger Würzgarten, Graacher Dompropst, Brauneberger Juffer-Sonnenuhr etc. usf....) Weltruf genießen, so an der Untermosel nicht erreichbar. Vergleichsweise kräftige trockene Rieslinge hingegen lassen sich im Bremmer Calmont oder in den Winninger Lagen auf hervorragendem Niveau erzeugen, was dann eben auch bevorzugt geschieht. Das heißt jetzt nicht, dass es keine guten restsüßen Weine aus Winningen oder Bremm gibt - es existieren ja auch gute restsüße Weine aus der Pfalz, aber.....
Ein Joachim Krieger (der Mann hat ein leider in sprachlicher Hinsicht teilweise grottenschlechtes, aber inhaltlich durchaus interessantes Buch über "Terrassenkultur an der Untermosel" geschrieben) würde mir jetzt wahrscheinlich schon widersprechen. In seinem Opus heißt es auf den Seiten 16 und 17:
"Wo ein großes Angebot an guten und herausragenden Weinen besteht, da lohnt es sich für den Handel (und nur dieser hat letztlich den Ruf der Gemeinden und Lagen in der Vergangenheit bestimmt), am Image zu arbeiten. Der Untermosel mangelte es nicht nur an großen bekannten Weingütern mit ausreichend großen Flächen, auch die Spitzenlagen an sich sind im Allgemeinen viel kleiner in der Fläche als an der Mittelmosel (wo viele Prestigenamen mehr als 50 Hektar umfassen). Zusätzlich sind die Hektarerträge in den besten Lagen der Untermosel deutlich geringer als in den Toplagen der Mittelmosel, wo kräftige Böden wie in Piesport oder Graach dafür legendär sind, durchaus eine gewisse Menge und Qualität gleichzeitig zu bringen. Genau dies funktioniert in den besten Lagen der Untermosel mit ihren kärgeren und steinigeren Böden nicht.......Der größere historische Ruf der Mittelmosel- und Saarweine rührt also nicht von der größeren Qualität an sich her, sondern beruht vor allem auf der größeren Marktstärke ihrer Lagen. Schon vor der Säkularisation hatten hier viele große Güter und Flächen bestanden, auf denen Qualitätskultur und feineres Auslesen der Trauben möglich war...."
Du siehst also, dass es sich um ein vielschichtiges Thema handelt. Vielleicht mag sich noch der eine oder andere hier dazu äußern?
Herzliche Grüße
Bernd