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Trinkfenster

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pessac-léognan

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Trinkfenster

BeitragSo 13. Jan 2019, 21:40

Liebe Bordeaux-Freunde

Ich bin ziemlich neu hier im Forum und lehne mich (auch, aber nicht nur deshalb) ungern aus dem (Trink-)Fenster.
Aber gerade habe ich unter "Bordeaux 2011" ziemlich heftige Diskussionen darüber gelesen und mir so meine Gedanken gemacht. Immerhin geht es doch um eine ziemlich zentrale Frage. Langsam habe ich die Vermutung, dass mindestens die Hälfte aller Bordeaux-Flaschen zu früh oder zu spät aufgemacht wurden und werden - zumindest wenn man die Beiträge liest. Bei einem weiteren Viertel lohnt(e) sich das Öffnen überhaupt nicht. Den Inhalt hätte man also besser zu Essig verarbeitet (kann man ja immer noch...). Das ist doch frustrierend, nicht?
Ein wirklicher Zeitfenster-Prognostiker hätte es also verdient, rasch Millionär zu werden. Leider gibt es diesen Prognostiker offenbar bis heute nicht. Vielmehr sieht man, dass sich die ehrlichen unter diesen Prognostikern ständig selber korrigieren. Einer dieser Selbstkorrektoren ist übrigens Parker himself. Das darf man ihm zugute halten.
Dann gibt es z.B. auch länderspezifische Eigenheiten. Französische Berufsbewerter wie etwa Bernard Burtschy tendieren häufig zu knappen und relativ früh beginnenden Zeitfenstern. Selten, dass er z.B. selbst einem Rauzan-Ségla mehr als 5 bis 12 oder gar 5 bis 15 Jahre zugesteht. Das wäre bei manch anderem Bewerter gerade mal die oder gar nur die erste Verschlussphase!
Ich hoffe, dass ich hiermit allfälligen mutigen Tippgebern diesbezüglich nicht ihren Mut abgekauft habe. Ich fühle mich hier als mittelprächtiger Bordeaux-Kenner nur einfach auch nach Jahren noch sehr hilflos. Schön, wenn ihr euch aus dem (Trink-)Fenster zu lehnen wagtet. Echt!
Liebe Grüße
Jean
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vanvelsen

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Re: Trinkfenster

BeitragMo 14. Jan 2019, 07:35

Hallo Jean

nach rund 20 Jahren Bordeaux-Erfahrung habe ich für mich ganz persönlich folgende Faustregel gefunden, die eigentlich sehr gut funktioniert:

- Eher kleine, fruchtbetonte Jahre (z.B. 1993, 1997, 1999, 2007, 2013): 8 bis 25 Jahre nach Ernte. 2007 trinkt sich aktuell fantastisch, die 93er gehören mehrheitlich ausgetrunken.
--> Nach 15 Jahren sollten 2/3 der Menge im Keller getrunken sein.

- Gerbstoff/Strukturbetonte und klassische Jahre (z.B. 1988, 1995, 2001, 2002, 2004): 15-35 Jahre nach Ernte. Einige 1988 machen aktuell viel Spass, die meisten 1995er sind auf dem Peak, 2001, 2002 beginnen sich nun zu öffnen)
--> Nach 25 Jahren sollten 2/3 der Menge im Keller getrunken sein.

- Sehr gute/grosse Jahre Jahre (wie 1982, 1986, 1989, 1990, 1996, 2000, 2005, 2009, 2010): 20-50 Jahre nach Ernte. Die besten 1982er sind seit Jahren auf ihrem Peak und halten diesen sicherlich noch länger. Die kleineren 82er gehören nun langsam ausgetrunken. 1989 ist aktuell vielleicht der schönste Jahrgang zum trinken.
--> Nach 30 Jahren 2/3 der Menge im Keller getrunken sein.

Ausnahmen bestätigen die Regel und natürlich hilft es, wenn man die Charakteristik der jeweiligen Chateau' auch kennt, idealerweise auch im Jahrgangs-Kontext.

Just my 2 cents.

Beste Grüsse,

Adrian
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Olaf Nikolai

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Re: Trinkfenster

BeitragMo 14. Jan 2019, 14:01

Exakt so halte ich das auch. Die Einschätzung zur Trinkigkeit von 88,98 und 95 kann ich nur unterschreiben. Das gilt durchaus aber auch für 83 und 85.

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