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Droht mit den EU g. U. Eintragungen ein Lagenchaos in D?

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Kleiner_Pirat

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Droht mit den EU g. U. Eintragungen ein Lagenchaos in D?

BeitragMi 28. Nov 2018, 22:47

Ein Thema, dass mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt hat. Gefühlt wollen alle den deutschen Wein vereinfachen und dem Kunden näher bringen. Insgesamt ist die Lage aber äußerst verworren. Spätestens mit der Einführung der europäischen g.U. scheint das deutsche Lagensystem zur Farce zu werden. Sofern ich etwas falsch verstanden oder recherchiert haben sollte, bin ich für Hinweise offen!

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Viele Grüße
Andreas
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UlliB

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Re: Droht mit den EU g. U. Eintragungen ein Lagenchaos in D?

BeitragDo 29. Nov 2018, 09:04

Kleiner_Pirat hat geschrieben:Ein Thema, dass mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt hat. Gefühlt wollen alle den deutschen Wein vereinfachen und dem Kunden näher bringen. Insgesamt ist die Lage aber äußerst verworren.

Hierzu ist zunächst festzuhalten, dass der VDP durch seine unsägliche Lagenklassifikation ohnehin schon ein Chaos angerichtet hat. Durch die nachträglich eingeführte Erste Lage (bei gleichzeitiger Umbenennung der vorhergehenden Ersten Lagen in Große Lagen) und der praktisch zeitgleich vom VDP durchgedrückten weinrechtlichen Erlaubnis zur Verwendung von Parzellennamen ist nicht nur die Anzahl verwendbarer Lagen- und Parzellennamen ins schier Unermessliche gestiegen, sondern es gibt auch keine einfach verständliche Systematk mehr. Da gibt es Große-Lagen-Parzellen, die Teilstücke von VDP.Ersten Lagen sind, aber auch Erste-Lagen-Parzellen, die Teilstücke von VDP.Großen Lagen sind. Wer da noch durchsteigen möchte, muss sich schon sehr vertieft in die Materie einarbeiten. Und immer wieder kann ich in Diskussionen mit VDP-Winzern feststellen, dass die ihr eigenes System nicht verstehen und gelegentlich dagegen auch unwissentlich verstoßen.

Da fügt das g.U. - System der EU nur noch eine weitere Facette hinzu, die aus meiner Sicht die Sache jetzt auch nicht mehr viel schlimmer macht. Im Prinzip ist es mittlerweile schnurzegal geworden, was auf dem Etikett steht.

Richtig ist, dass die Deutsche Politik die Umsetzung der EU-Herkunftsbezeichnung bei Wein komplett verpennt hat und in einer Last-Minute-Notaktion das bestehende System als Traditionelle Bezeichnung im EU-Recht verankert hat. Das heißt, dass das bislang bestehende System weiter verwendet werden darf, aber nur neben genehmigten g.U.s, die wahlweise mehrere weinrechtliche Lagen zusammenfassen können oder auch nur Teilparzellen einer weinrechtlichen Lage darstellen. Alles möglich - aber da unter dem VDP-Klassifikationssystem auch schon alles möglich ist, im Ergebnis völlig egal.

Gruß
Ulli
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EThC

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Re: Droht mit den EU g. U. Eintragungen ein Lagenchaos in D?

BeitragDo 29. Nov 2018, 10:12

Ein wesentliches Problem aus meiner Sicht ist, daß es sehr viele lokale Unterschiede bezüglich der Gegebenheiten hinsichtlich Lagengrößen, -aufteilung und -qualität gibt. Wenn man da die Bezeichnung regeln will und doch alle Eigenheiten der Regionen bzw. Einzellagen berücksichtigen will, wird das Regelwerk entweder unendlich kompliziert oder es gibt viele Verlierer. Deshalb würde ich diesbezüglich lieber (fast) gar nichts regeln. Für den "normalen" Konsumenten reichen m.E. nach die Qualitätsregularien des WeinG aus, so daß zumindest die allerschlimmsten Sachen vermieden werden. Mehr wollen die Leute dieser Käuferschicht eigentlich nicht. Für die Nerds ist es doch hinsichtlich der Qualität eher Wurscht, was d'raufsteht, die informieren sich zum Gutteil eh über externe Quellen bzw. probieren vor dem Kauf. Deshalb sollte aus meiner Sicht jeder auf's Etikett d'raufschreiben können, was er will, zumindest solange er bei der Wahrheit bleibt. Also ein GG vom Würzburger Stein auch wirklich vom Würzburger Stein kommt und wenn' s in der Sublage "Harfe" gewachsen ist, dann gerne auch das...
Viele Grüße
Erich


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weingeist

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Re: Droht mit den EU g. U. Eintragungen ein Lagenchaos in D?

BeitragDo 29. Nov 2018, 10:37

EThC hat geschrieben:Für die Nerds ist es doch hinsichtlich der Qualität eher Wurscht, was d'raufsteht, die informieren sich zum Gutteil eh über externe Quellen bzw. probieren vor dem Kauf.

Wenn ich Dich recht verstehe, bezeichnest Du uns "Weinverrückte" als "Nerds" :lol:, dann bin ich hinsichtlich der Informationsquellen bei Dir, wobei gewisse Informationen am Etikett schon interessant sind.

Und bei Personen, die sich nicht für diese Thematik so wie wir "Weinverrückten" nicht interessieren, ginge ich sogar einen Schritt weiter. Da wird hauptsächlich nach einem ins Auge stechenden Etikett, dem Preis und dann vielleicht noch nach dem "Kennen" der Rebsorte (also bei uns z. B. wenn Grüner Veltliner draufsteht) gekauft. "Große Lage", "überdrüber Lage", "linke Lage" ist denen ebenfalls vollkommen egal. Genau gleiches gilt für unser aller geliebte, und wie Schwammerln aus dem Boden geschossene DAC. Frage einmal in einem Supermarkt einen Konsumenten, was das eigentlich sein soll. Nicht die Bezeichnung, die weiß sowieso keiner, sondern nur die Bedeutung. Wird Dir auch keiner sagen können.
Liebe Grüße
weingeist
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EThC

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Re: Droht mit den EU g. U. Eintragungen ein Lagenchaos in D?

BeitragDo 29. Nov 2018, 12:12

weingeist hat geschrieben:"Große Lage", "überdrüber Lage", "linke Lage" ist denen ebenfalls vollkommen egal.


...schon deswegen, weil diese Sachen dann meist auch weit außerhalb des von diesen Käufern akzeptierten Preisrahmens liegt. Die "weinverrückten Nerds" :!: sind i.d.R. genügend gut informiert bzw. wissen, wie sie sich informieren können und diejenigen, die trotz keiner Ahnung eine teure Flasche kaufen, weil es in erster Linie nur teuer sein muß, trifft meinerseits kein großes Bedauern.

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, was aus der unterschiedlichen Bezeichnungsphilosophie in den einzelnen EU-Ländern in den Köpfen der Verbraucher teils resultiert. Bei reinsortigen Sachen steht in D und A in der Regel schon mal die Rebsorte an prominenter Stelle auf dem Etikett. In der Folge meinen viele Leute, daß Barolo, Chablis, Lugana, St. Magdalener, Beaujolais etc. allesamt Rebsorten sind. In dem Zusammenhang fällt mir auch eine Abstimmung zwischen Gast und Bedienung in einem Restaurant ein, bei der der Gast bemerkte, er mag keinen Chardonnay, ob man denn nicht einen Chablis habe...

Solange in Europa schon die Bezeichnungsphilosophien teils völlig unterschiedlichen Ansätzen folgen, bringen auch die nationalen Regelungen insgesamt wohl kaum mehr Klarheit.
Viele Grüße
Erich


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