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Sherry-Blindprobe in Würzburg

Berichte von Verkostungen mit Weinen aus mehreren Ländern/Regionen (sonst bitte im Länderforum einstellen)
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weinaffe

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Sherry-Blindprobe in Würzburg

BeitragMo 26. Nov 2018, 18:20

Hallo zusammen,

letzten Freitag trafen sich wieder einige mutige Verkoster, die sich mit dem Nischenprodukt Sherry und seinen Spielarten und Stilistiken praxisbezogen auseinandergesetzt haben. Auf dem "sportlichen" Programm standen insgesamt 14 Sherries, die ein weites Spektrum an Stilarten abdeckten.
Ich mache ca. alle 3 Jahre eine große Sherry-Verkostung und komme doch immer wieder zum gleichen Ergebnis:

- leider trinke ich viel zu wenig Sherries, obgleich das angesichts der nachfolgenden grandiosen und teilweise hochkomplexen Weine eigentlich zwingend erforderlich wäre ;)
- es gibt, Champagner vielleicht ausgenommen, keinen besseren Aperitif
- Sherry gehört immer noch zu den am meisten unterschätzten Spitzenweinen weltweit
- in Anbetracht der Qualität und der teilweise extrem langen Ausbauzeiten sind Spitzen-Sherries immer noch vergleichsweise günstig und erschwinglich.

Doch nun zu den Weinen im einzelnen:

--- Fino "Tio Pepe" Palomino Muy Seco (Gonzales-Byass, Jerez) 15 Vol%
wo man auch ist, "Tio Pepe" ist schon da! Wahrscheinlich international der meist verkaufteste Fino ist er trotz der großen produzierten Flaschenmenge einer der verlässlichsten und wahrlich keiner der schlechten: etwas blasses Strohgelb, sehr reduktiv gehalten, sehr frische Nase mit Salz, Jod und hefigen Aspekten, die sich 1:1 am Gaumen wiederholen, in der Tat knalltrocken, extrem sauber, milde Säure, sehr stimmig bis in den mittellangen Abgang. Bei Kauf eines TIO Pepe macht man absolut nichts falsch, insbesondere wenn man Klarheit und Geschmeidigkeit ohne "anstrengende" Ecken und Kanten schätzt.

--- Manzanilla "Charito" (Emilio Hidalgo, Jerez) 15 Vol%
kräftiges Strohgelb, frische, feinhefige Nase, Hauch Apel und Quitte, nussig, deutlich salzig-jodig, kräftige Struktur mit etwas Gerbstoff, knochentrocken, durchaus langer Abgang. Im Vergleich zum Tio Pepe etwas rustikaler, aber mit mehr Grip und Länge. Ein klassischer, handwerklich produzierter Manzanilla mit Charakter. Wird fast verschenkt (knapp 8 EURO im Handel).

--- Fino Muy Secco (Gutierrez-Colosia, Puerto de Santa Maria) 15 Vol%
ein klassischer Fino aus El Puerto aus der direkt am Guadalete-Fluss gelegenen Kellerei, der den jodig-salzigen Charakter fast wie ein Manzanilla sehr schön zum Ausdruck bringt, kantiger, komromisslos trockener Typ mit kerniger Struktur, etwas Holz, gute Länge. Kein Charmeur, aber wie alle Weine dieser Kellerei absolute Charakterköpfe. Auch hier stimmt der Preis (ca. 9 EURO im Handel).

---Manzanilla "San Leon" Reserva de Familia (Bodegas Argüeso, Sanlucar de Barrameda) 15 Vol%
klassisch Manzanilla passada, der schon viele Aspekte eines Amontillado mit einbringt, aber noch die Frische des Manzanilla verinnerlicht hat, kräftiges Strohgelb, 7,5 Jahre durchschnittlich unter Florhefe gereift, sehr viel Hefe und Mineralität, Jod mit Meeresbrise, fast salziger Gaumenauftritt, nussig, viel Stoff, aber toll balancierende Säure. Langer Abgang. Top-Manzanilla passada, der früher nicht verkauft, sondern dem engsten Familienkreis vorbehalten war.

--- Fino "Ynocente" Macharnudo Single Vineyard (Valdespino, Jerez) 15 Vol%
Valdespino gehört mit Recht zu den hochgeachtesten Kellereien im Jerez-Gebiet, sehr traditionell, es werden nur eigene Trauben verarbeitet, alles wird im Holzfass ausgebaut, der "Macharnudo" ist eines der wenigen Grand Cru -Lagen im Sherry-Gebiet, von Charakter und Klasse eine Art "Latour unter den Fino-Sherries". Durchaus kräftiges stroh- bis fast goldgelb, staubtrocken mit enormen, vielschichtigen Körper, fast beissende Mineralität (Jod, Saline, Walnuss), deutliche Gerbstoffstruktur (in Eiche vergoren, nur zu 70 % entrapptes Traubengut), sehr langer, würziger Abgang. Hochklassiger, sehr eigenständiger Fino mit Charakter und Kraft. Fino geht vielleicht anders, aber in dieser Stilistik kaum besser. Super Preis/Leistung (knapp 20 EURO im Handel).

--- Manzanilla "La Bota No 42 (Equipo Navazos, Sanlucar de Barrameda) 15 Vol%
Unter dem Namen "Equipo Navazos" firmiert eine Gruppe von Sherry-Afficionados, die ursprünglich nur zum Eigengebrauch in ausgesuchten Bodegas und bei Almacenistas die besten und ältesten Fässer kauften und sich diese ungeschönt und unfiltriert haben abfüllen lassen. Aus diesem Hobby ist aufgrund der Nachfrage ein kleines Geschäftsmodell geworden. Geblieben ist weiterhin die Begeisterung dieser Sherry-Bekloppten für authentische und charaktervolle Sherries der absoluten Spitzenklasse. Alle Abfüllungen sind durchnumeriert (hier Nummer 42) und ausnahmslos empfehlenswert so wie diese:
leicht trübes Hellgold, typischer Manzanilla passada, der schon eine leichte oxidative Reifung begonnen hat, sehr komplex in der Nase, Hefebrot, Quitte, Holzwürze, Nüsse, etwas Kakao, sehr kraftvoll auf der Zunge, hefig-jodig, glyzerinreich, angenehmer Hauch Gerbstoff, komromisslos trocken, sehr lang. Toller Sherry, der die Frische, Leichtigkeit und Feinheit eines Manzanilla mit der Komplexität und Würze eines Amontillado mustergültig verbindet.

Fortsetzung mit den Amontillados, Olorosos, Palo Cortados sowie Moscatel und very old Pedro Ximenez (PX) folgen in Kürze!

LG
Bodo
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amateur des vins

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Re: Sherry-Blindprobe in Würzburg

BeitragMo 26. Nov 2018, 20:19

Bodo, das ist ja spannend - danke! Freue mich auf die Fortsetzung.
weinaffe hat geschrieben:- leider trinke ich viel zu wenig Sherries, obgleich das angesichts der nachfolgenden grandiosen und teilweise hochkomplexen Weine eigentlich zwingend erforderlich wäre ;)
- es gibt, Champagner vielleicht ausgenommen, keinen besseren Aperitif
- Sherry gehört immer noch zu den am meisten unterschätzten Spitzenweinen weltweit
- in Anbetracht der Qualität und der teilweise extrem langen Ausbauzeiten sind Spitzen-Sherries immer noch vergleichsweise günstig und erschwinglich.
Sherry hat bei mir nicht nur ein Nischendasein - er kommt praktisch nicht vor. Mit Sherry und Jura tu' ich mich schwer. Dennoch bin ich mit Deinem Fazit d'accord. Ob die PX allerdings zum Apéro taugen, sei mal dahingestellt. :P
Besten Gruß, Karsten
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EThC

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Re: Sherry-Blindprobe in Würzburg

BeitragDi 27. Nov 2018, 13:13

Hallo Bodo,
ich bin auch so einer, der beim Sherry kaum mitreden kann. Die, die's üblicherweise so als Aperitif gibt, sprechen mich eher nicht an. Aber wahrscheinlich habe ich einfach noch keinen g'scheiten bekommen, aktiv d'rum gekümmert habe ich mich bis jetzt auch noch nicht. Deine Beschreibungen klingen aber recht animierend, jetzt warte ich mal gespannt auf den nächsten Teil! Vielleicht kümmere ich mich dann ja doch mal d'rum!
Viele Grüße
Erich


Über Geschmack soll man nicht streiten, vorausgesetzt man hat einen...
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Re: Sherry-Blindprobe in Würzburg

BeitragDi 27. Nov 2018, 14:46

Hola Bodo,

auch von mir ganz herzlichen Dank für Deinen interessanten Bericht!

Treibe mich öfters im Jahr an der Costa de la Luz rum, Zahara de los Atunes. Bei einem meiner letzten Besuche im sehr empfehlenswerten Restaurante El Campero hatte ich mal einen trockenen Sherry als Aperitif bestellt und fand den zu meiner Freude auch ausgesprochen gut. Es scheint noch einiges zu entdecken zu sein. :D

Viele Grüsse
Christian
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weinaffe

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Re: Sherry-Blindprobe in Würzburg

BeitragDi 27. Nov 2018, 18:49

... und weiter geht's in der Sherryprobe zunächst mit den Amontillados:

---Amontillado Rare Seco "Escuadrilla" (Lustau, Jerez) 18,5 Vol%
Lustau ist sehr exportorientiert und daher im deutschen Weinhandel ganz gut vertreten... und bringt auch ordentliche Qualität auf die Flasche, so wie dieser Amontillado: sehr typ. Bernsteinfarbe mit grünem Schimmer, sehr feine Rancio-Noten mit Walnuss und Mandeln, Holzfasseinfluss spürbar, durchaus elegante und tiefe Nase, am Gaumen etwas schlanker, feine Würze (nussig, Bitterschokolade und ein Hauch Kaffee), gute Länge, wobei die Nase einen Tick mehr verspricht, als der Gaumen halten kann. Aber das ist Jammern auf einem sehr hohen Niveau ;) Trotzdem ein vorbildlicher Amontillado, bei dem die Eleganz im Vordergrund steht und nicht der Alkohol.

---Amontillado "Principe" Seco aged 12 Years (Bodegas Barbadillo, Sanlucar de Barrameda) 19,5 Vol%
mittleres Bernstein mit Olivgrünschattierungen, sehr feine und Tiefe Nase, Nuss, Kakao, Schokolade, Trockenfrüchte, sehr komplex und fein, Alkohol kaum spürbar, sehr langer, würziger Abgang. Toller Amontillado, der preislich mit dem Vorgänger auf einer Linie steht, aber einen Tacken mehr Klasse einbringt. Für knapp 26 EURO im hiesigen Handel ein hervorragender Gegenwert.

Als nächstes kommen zwei Olorosos:

---Oloroso "Don Jose" Reserva Especial (Bodegas Sanchez-Romate, Jerez) 18 Vol%
der Unterschied zu den anfangs unter Flor gereiften Amontillados wird schon an der Farbe deutlich: kräftiges leicht durchscheindes Kaffebraun, etwas breiter in der Anlage, weniger Säure, aber sehr würzig in der Nase (Walnuss, Mandeln, Früchtebrot), nicht zu oxidativ,Bitterschokolade, kompakter Körper, sehr harmonisch, ebenmäßiger, feiner Abgang. Ein gutklassiger, feiner Oloroso, der eher an der unteren Grenze des Verbleibs in der Solera liegen dürfte und daher auch ausgesprochen preiswert ist (ca. 19 EURO im Handel).

--- Oloroso 1/14 (Bodegas El Maestro Sierra, Jerez) 22 Vol%
ein paar Facts: Durchschnittsreifung in der Solera (gesamt 14 Fässer) mehr als 50 Jahre, abgefüllt wurden hier 101 Flaschen- Machen Frauen bessere Sherries als Männer ? Wenn man die Weine von El Maestro Sierra probiert, würde das wohl mit einem eindeutigen "ja" beantworten. In der machobetonten Sherry-Welt ist dieser Betrieb die ganz große Ausnahme: 2 Frauen als Inhaber und auch fast alle Angestellten sind weiblich. Ein kleiner, extrem handwerklich arbeitender Betrieb, in dem man den Weinen ausreichend Zeit zum Reifen gibt.
Dieser Olororso ist ein absolutes Meisterstück und kratzt an der Perfektion: sehr stimmiges Karamellbraun, wow, was für eine komplexe und vor allem intensive Nase (intensiv Walnuss, Mandeln, Trockenfrüchte, Altholz, Kakao, Espresso), hier könnte man stundenlang schnuppern und immer wieder neue Nuancen entdecken, der Gaumen kommt auch nicht zu kurz, knalltrocken, nichts anbiederndes, der Alkohol bleibt trotz 22 Umdrehungen im Hintergrund (die Serviertemperatur 11-13 Grad erwies sich als perfekt), sehr kraftvoll, unheimliche Würze, wieder viel Walnuss (mit etwas Haut),regelrechte Gewürzorgie mit noblem Holz vermischt, am Ende baut sich ein unwahrscheinlich würziger Abgang auf, der minutenlang anhält und in Wellen wiederkehrt. Man bekommt diesen -wunderbaren- Geschmack gar nicht mehr aus dem Mund. Die ganz große Klasse und nahe an der Perfektion. Ca. 95 EURO im hiesigen Handel, trotzdem ein riesiges Schnäppchen und wirklich jeden Cent wert. Für die meisten Teilnehmer der Wein des Abends.

Und nun zu den beiden Palo Cortados, wobei der erste Wein natürlich noch ganz im Schatten des überragenden Vorgängers stand:

--- Palo Cortado "Bertola" 12 years (Bodegas Diez-Merito, Jerez) 18 Vol%
mahagonifarben mit dem üblichen Grünschimmer, sehr elegant in der Nase, auch wenn er mit 12 Jahren Solera-Reifung eher für die kürzer gereiften Palo Cortados steht, ist das ein wirklich guter Wein und durchaus typisch für diese Stufe, würzige Nase mit viel Frische, die durch die biologische Reifung unter Flor verblieben ist, paart sich mit komplexer Oxidation (Kakao, Mandel, Walnuss, Schokolade), nicht zu kräftig gespritet, gute frischespendende Säure, bleibt gut am Gaumen haften. Wer einen guten und typischen Palo Cortado probieren möchte, aber nicht zu viel Geld ausgeben will, ist mit dem "Bertola" bestens bedient. Für knapp 18 EURO ein mehr als guter Gegenwert.

--- Palo Cortado VORS 30 years (Bodegas Tradicion, Jerez) 19,5 Vol%
Im Gegensatz zu dem Namen dieser Bodega ist dieser Premium-Betrieb neuen Ursprungs. Der Baumagnat Joaquin Rivero hat 1998 eine halb verfallene Bodega in bester Lage in Jerez gekauft, diese aufwendig renoviert und viele alte Soleras von bekannten Häusern und Almacenistas kaufen können. Der Anspruch dieses Hauses ist klar definiert: nur das Beste vom Besten ist gut genug. Es werden daher nur 4 lange gereifte Sherry-Typen produziert, die ausnahmslos empfehlenswert sind. So wie dieser deutlich über den vorgeschriebenen durchschnittlich 30 Jahren liegender Palo Cortado: farblich dunkles Karamell mit Oliventouch, explosiv würzige Nase aus 1001er Nacht (Walnuss, Kakao, Mandel, etwas Weihrauch, Piment, Gewürzbrot), sehr komplex, aber auch gleichzeitig viel Frische ausstrahlend, staubtrocken auf der Zunge, Alkohol fast nicht spürbar, enormer Zug, sehr dicht, komplexe Würze, ebenmässiger, extrem langer Abgang. Ganz großer Palo Cortado der absoluten Spitzenklasse, der auf unnachahmliche Weise diese Frische des ursprünglichen Fino-Materials mit komplexer oxidativer Reife des Oloroso-Typs paart. Qualitativ auf Augenhöhe mit dem vielleicht noch einen Tick beeindruckerenden Oloroso von Maestro Sierra. Großartiger Stoff, der wirklich jeden Cent mehr als wert ist. Ca. 85 EURO im hiesigen Handel.

und weiter geht es mit den abschließenden "Süssen" (Moscatel und very old Pedro Ximenez):

---Moscatel "Emilin" Muy Dulce Solera Familiar (Lustau, Jerez) 17 Vol%
jetzt kommt eine ganz andere Sherry-Welt: produziert aus auf Matten getrockneten Muskat Alexandria, der überwiegend aus der Moscatel-Hochburg Chipiona mit seinen sandigen Böden stammt. Sehr sortentypische Muskatellernase, sehr sauberes "Strohwein-Material", da keinerlei flüchtige Säure (leider häufig bei diesem Sherry-Typ),Mokka, Feigenbrot, Pflaumen, Toffee und Mandeln, nicht komplex, aber sehr saftig und typisch, dank stimmiger Säure sind die ca. 200 Gramm Restzucker gut verpackt, absolut nicht pappig, fruchtig-würziger, mittellanger Abgang. Ein guter Begleiter vieler Desserts, der so manche Auslese oder Beerenauslese gut ersetzen kann. Stimmiger Preis (ca. 22 EURO für die ganze Flasche):

Und zum Abschluss noch ein süsses "Geschoss mit knapp 400 Gramm Restzucker, das für jeden Diabetiker tödlich wirken kann ;) . Ich war auf das Schlimmste gefasst, wurde aber angenehm überrascht:

--- Very Old Pedro Ximenez (Bodegas Ximenez-Spinola, Jerez) 15 Vol%
Dieses kultig angehauchte Weingut backt in jeglicher Hinsicht eigene Brötchen: hier beschäftigt man sich ausschließlich mit dem eher stiefmütterlich behandelten P. X, nimmt grundsätzlich an keinem Weinwettbewerb teil und hat seine eigenen Qualitätsanforderungen: dieser Zuckerbolide ist erstaunlicherweise durchaus- wenn auch nur in kleinen Schlückchen - ein Genuss. Kräftiges Kaffeebraun mit deutlich sichtbarem Glyzerin (Kirchenfenster),in der Nase Sultaninen, getrocknete Feigen, Melasse, Blütenhonig und Dunkelschoko, sehr süss auf der Zunge, aber gut austariert durch eine saftige Säure, die sogar einen Hauch Trinkfluss aufkommen lässt, angenehmer, leichter Holzton, sehr langer konzentrierter Abgang. So ziemlich das Beste, was man aus getrockneten Trauben in dieser Region produziert. Beeindruckend, muss man mal getrunken haben, ist aber nicht so ganz my cup of tea. Ca. 63 EURO im Handel.

Wieder eine sehr gelungene Probe, die hoffentlich den einen oder anderen in die geheimnisvolle Welt dieser Naturweine locken kann. Der Sherry hätte es verdient....

LG
Bodo

P.S.: Die Jahrhundertprobe von Christian und ein Schaumwein-Rundumschlag stehen unmittelbar bevor. Werde berichten.
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OsCor

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Re: Sherry-Blindprobe in Würzburg

BeitragDi 27. Nov 2018, 19:26

Hallo Bodo,

du hast an einer Stelle die Temperatur erwähnt. Sind denn alle mit der gleichen Temperatur serviert worden?
Meine Versuche mit verschiedenen Sherry-Varianten haben mir gezeigt, dass zimmerwarme Sherrys mir immer noch wesentlich besser geschmeckt haben als zimmerwarme Weißweine.
Aber kühler schmecken sie mir allesamt besser - also um die 12°.

Gruß
Oswald
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weinaffe

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Re: Sherry-Blindprobe in Würzburg

BeitragDi 27. Nov 2018, 19:56

OsCor hat geschrieben:Hallo Bodo,

du hast an einer Stelle die Temperatur erwähnt. Sind denn alle mit der gleichen Temperatur serviert worden?
Meine Versuche mit verschiedenen Sherry-Varianten haben mir gezeigt, dass zimmerwarme Sherrys mir immer noch wesentlich besser geschmeckt haben als zimmerwarme Weißweine.
Aber kühler schmecken sie mir allesamt besser - also um die 12°.

Gruß
Oswald


Hallo Oswald,

ich habe versucht, die Finos und Manzanilla bei 8-10 Grad und die komplexeren Amontillados, Olorosos und Palo Cortados bei ca. 11- max 14 Grad zu servieren. Die für viele Finos/Manzanillas empfohlenen 5-7 Grad halte ich für etwas zu kühl, über 15 Grad sollten die Komplexeren Weine, insbesondere die mit höherem Alkoholgehalt, auch nicht serviert werden, denn im Glas und am Tisch wird es doch schnell etwas wärmer und der Alkohol könnte dann sich deutlicher bemerkbar machen.

LG
Bodo
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OsCor

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Re: Sherry-Blindprobe in Würzburg

BeitragDi 27. Nov 2018, 20:26

Vielen Dank für die Info!

Das Lesen deiner Verkostungsnotizen hat mir wieder mal den Mund wässerig gemacht. Aber da war ich wohl nicht der einzige „Leidtragende” :D

Als ich vor über 50 Jahren zum ersten Mal in Spanien war, befand sich an jeder, aber wirklich an jeder Plakatwand eine Reklame von Tio Pepe - was mich damals über die Maßen amüsiert hat, weil es die die spanische Variante des Spitznamens meines Vaters ist :lol:

Gruß
Oswald
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OsCor

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Re: Sherry-Blindprobe in Würzburg

BeitragMi 28. Nov 2018, 10:58

Noch eine Frage: Gläser.
Wenn ich denn schon mal Sherry trinke, verwende ich sowas wie das Riedel Ouverture Sherry Glas.

Du verwendest für die doch sehr unterschiedlichen Typen verschiedene Gläser, oder? Welche?

Gruß
Oswald
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weinaffe

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Re: Sherry-Blindprobe in Würzburg

BeitragMi 28. Nov 2018, 15:39

OsCor hat geschrieben:Noch eine Frage: Gläser.
Wenn ich denn schon mal Sherry trinke, verwende ich sowas wie das Riedel Ouverture Sherry Glas.

Du verwendest für die doch sehr unterschiedlichen Typen verschiedene Gläser, oder? Welche?

Gruß
Oswald


Hallo Oswald,

nein, wir haben alle Sherries im stinknormalen Authentis-Allzweckglas von Spiegelau verkostet. Für die komplexen Sorten ist ein nicht zu kleines Glas in Tulpenform ohnehin am zweckmäßigsten. Für die einfachen Finos und Manzanillas tut es auch ein kleines Glas in Tulpenform. Aber selbst diese Weine haben sich im Authentis sehr gut präsentiert.

LG
Bodo

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