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Spätburgunder-Ortenau-Erkenntnisse: Eberstein/Franckenstein

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thdeck

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Spätburgunder-Ortenau-Erkenntnisse: Eberstein/Franckenstein

BeitragDi 3. Jul 2018, 23:22

Die beiden Weine zeigen modellhaft zwei mögliche Stilrichtungen für die nicht ganz einfache Aufgabe, auf Granitboden einen Pinot Noir mit internationalem Niveau zu machen. Die Burgunder sagen ja, auf Granit ergebe der Pinot Noir keinen Sinn, da müsse so etwas wie Gamay drauf (siehe Beaujolais). Das kann man zwar nicht 1:1 auf Baden übertragen, aber nach meinen Trinkerfahrungen wirken die Granitweine oft leichter, weniger tief, eher rauchig. Gegenmaßnahmen wie Barriqueeinsatz, Restsüße, lange Reifezeit im Weinberg, teilweise Rappenvergärung etc. schlagen dann oft direkt auf den Weinstil durch: Zu viel Holz, zu süß, zu reif, zu grün, etc. Mit Mostkonzentration (Duijn bis 2002) wurden interessante Ergebnisse erzielt, aber das ist schon lange "out".

Am interessantesten finde ich seit ein paar Jahren die Weingüter Kopp und neuerdings auch Franckenstein, die einen ähnlichen Stil haben. Schloss Eberstein sehe ich normalerweise eher beim Riesling vorn, vielleicht nicht als alleinige Spitze der Ortenau, aber mit Sicherheit im vorderen Viertel. Beim Spätburgunder wirken Kopp und Franckenstein einfach zielstrebiger bzw. konsequenter im Stil. Und doch hat sich dieses Mal gezeigt, dass Eberstein mit einem komplett anderen Stil mithalten kann. Hier die beiden Kurznotizen:

2014 Spätburgunder**, Schloss Eberstein (Gernsbach), 13%, 19,50 Euro
2014 Lauf Gut Alsenhof Erste Lage, Franckenstein (Offenburg), 13%, 19,50 Euro

Kurznotiz Eberstein:
fruchtige Nase, Himbeere/Kirsche; im Mund mittlerer Körper, wirkt badisch bzw. granitisch, weich, Brombeere; auch Säure; ganz leicht krautig, ansonsten makellos; "zahme Variante des Granitweins"; 2. Tag: dichter als am Vortag, reintönig, leicht süßlich (Bonbon); sehr gut, macht halt weniger Eindruck als der Alsenhof; 3. Tag: top in Form; leicht süßliche Brombeerfrucht; insgesamt sehr gelungen, und das ohne Holz; 89P

Kurznotiz Alsenhof:
dezente Nase; im Mund sehr dicht+tief, mit Holz; Stil erinnert an Kopp; Kirschfrucht, Kirschkompott, Säure, sehr beeindruckend; aber auch viel Holz; 2. Tag: dicht+tief, auch dank Holz; Säure; Frucht kämpft mit dem Holz; 3. Tag: Holzton erinnert etwas an Schneider (gewisse Eleganz, Zimt); hat mehr Tiefe als Eberstein, Holz ist allerdings grenzwertig; 90P

Am ersten Tag sah ich 2 Punkte Unterschied, aber der Abstand schrumpfte über die Zeit. Es ist so, dass ich die Eberstein-Spätburgunder, seit ich sie kenne (ab dem Jahrgang 2004), fast durchgehend mit 87-90 Punkten bewerte (den ** [2-Stern]) bzw. mit 88-90 Punkten (den *** [3-Stern]). Das heißt, die 90-Punkte wirken wie eine unsichtbare Schranke.

Seit ich bei Kopp den o.g. Stil (Kirschkompott, Holz, Säure) wahrnehme, liegen meine Wertungen durchgehend bei 89-91 Punkten. In Baden wird das nur von Huber getoppt. Bisher 2 Jahrgänge von Franckensteins Alsenhof sah ich bei 91 (2013er) bzw. bei 90 Punkten (der o.g. 2014er). Diese Weine werden nämlich noch interessanter, wenn das Holz weniger dominant ist (bei Kopp in letzter Zeit immer öfter, bei Franckenstein war es beim 2013er der Fall). Man hat dann eine Mischung aus Brombeer- und Kirschfrucht, der Wein hat Struktur (trotz Granit), Tiefe (auch dank Holz, welches idealerweise allenfalls indirekt wahrnehmbar ist), aber vor allem verleugnet der Wein keinesfalls seine Herkunft. Es ist niemals ein Kaiserstühler und niemals ein Burgunder. So etwas nenne ich dann "Modellwein".


Thomas Deck

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