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"Kabinettig"-was genau bedeutet das?

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Lurchus

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"Kabinettig"-was genau bedeutet das?

BeitragFr 1. Jun 2018, 14:28

Also, ich beschäftige mich nun seit paar jahrem mit Moselkabis, vornehmlich fruchtsüß und feinherb,wobei es auch immer mehr trockene Exemplare gibt, die ich mag. Wie dem auch sei,in vielen Weinbeschreibungen, Gesprächen etc höre ich den Begriff "kabinettig", auch immer öfters Verbunden mit der Aussage, dass die Kabis von heute eher kräftige Spätlesen seien und so etwas wie die "echten Kabis" von früher gar nicht mehr gemacht werde, wobei ich selber nun auch schon Kabis von Ende der 90er/Anfang 2000er hatte die ich durchaus mit heutigen Kabis vergleichbar finde... und keiner kann mir sagen wann genau dieses "früher" denn gewesen sein soll.
Nun ist es natürlich so,dass Kabis von verschiedenen Lagen, vor allem wenn die Saar zb als Bezugsgröße noch dazu genommen wird, sehr unterschiedlich schmecken, aber ich habe für mich da schon nen Idealtypus mittlerweile von fruchtsüßen Kabis im Kopf, den ich so beschreiben wurde: Deutliches Süße-Säure Spiel, durchaus extraktreich, trinkig-animierend,gerne hinten mit verhältnismäßig viel Länge, Schiefer, irgendwo leicht aber doch mit Power, hellgelb aber doch ausdrucksstark. Is das nun "kabinettig" oder eher "spätlesig"? Mein klar die letzten 50+ Jahre wird sich durch Klimawandel da was geändert haben das will ich gar nich abstreiten. Aber wann genau wurden den Kabis "wie früher" gemacht, und wann waren die Spätlesen "Kabis" im heutigen Stil? Finde die Debatte irgendwie schwierig und hoffe auf ne anregende Diskussion (dies hier vielleicht ja auch schon tausendmal gegeben hat, keine Ahnung...)
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amateur des vins

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Re: "Kabinettig"-was genau bedeutet das?

BeitragFr 1. Jun 2018, 14:54

Man möge mich korrigieren, aber schon "feinherb" ist nicht wohldefiniert, "fruchtsüß" noch weniger. Das müßte doch dieser Diskussion voranstehen, oder?
Besten Gruß, Karsten
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Lurchus

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Re: "Kabinettig"-was genau bedeutet das?

BeitragFr 1. Jun 2018, 15:25

Welche Begriffe sollten denn sonst benutzt werden?Oder: Wann hast du zuletzt "halbtrocken" oder "lieblich" auf einer Flasche Kabi prangen sehen?Ich kenns eher so das bis 9% Alk garnix draufsteht und so ab 9.5% "feinherb"...;) Aber ja,das mag ja "früher" auch anderes gewesen sein.Und hängt sicher mit der "Verwirrung" um den Begriff zusammen,von daher danke für den Einwand.
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amateur des vins

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Re: "Kabinettig"-was genau bedeutet das?

BeitragFr 1. Jun 2018, 15:42

Lurchus hat geschrieben:Welche Begriffe sollten denn sonst benutzt werden?
Ich bin wenig bei restsüßen unterwegs. Die Begriffe sind mir egal, sollten aber klar sein und im besten Falle eine einheitliche Bedeutung haben.
Lurchus hat geschrieben:Ich kenns eher so das bis 9% Alk garnix draufsteht und so ab 9.5% "feinherb"
"Feinherb" bringe ich mit RZ, nicht mit Alk. in Verbindung. Und schon nimmt die Verwirrung weiter zu...
Besten Gruß, Karsten
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EThC

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Re: "Kabinettig"-was genau bedeutet das?

BeitragFr 1. Jun 2018, 17:45

"Kabinett" ist ein Prädikat, welches offiziell (laut Weingesetz) nichts anderes bedeutet, als daß der entsprechende Wein nicht chaptalisiert (also nicht aufgezuckert) wurde. Ein "Kabinett" kann also trocken, halbtrocken oder auch lieblich sein. "Kabinett" kann auch mit anderen Prädikaten kombiniert werden, z.B. "Spätlese" oder auch "Auslese". Die Prädikate sind kein Muß, diese kann sich der Winzer -sofern die entsprechenden Kriterien zutreffen- bei der amtlichen Prüfung zur Verwendung genehmigen lassen, ist aber nicht obligatorisch.
Bzgl. des Süßegrades sind die Begriffe "trocken" (0 bis 9 g/l RZ, bei säurearmen Weinen 0 bis 4 g/l RZ), "halbtrocken" (9 bis 18 g/l RZ, bei säurearmen Weinen 4 bis 12 g/l RZ), "lieblich" (18 bis 45 g/l RZ) und "süß" (über 45 g/l RZ) definiert. "Feinherb" ist keine offizielle Bezeichnung und deckt sich in etwa mit "halbtrocken", darf seit einem entsprechenden Gerichtsentscheid vor ein paar Jahren nach Gutdünken verwendet werden.
Die Verwendung des Begriffs "Kabinett" erfolgt seit Jahren auch mit einer regional jeweils etwas anders zugeordneten Begrifflichkeit, hat sich also zu einer Art Selbstläufer entwickelt. Deshalb kann man häufig schwer fassen, was der Winzer damit eigentlich ausdrücken will. Deshalb ist ein Mosel-Kabinett in der Regel was völlig anderes als z.B. ein fränkischer Kabinett. "Kabinettig" würde ich persönlich als Begriff am ehesten den Mosel-Rieslingen zuschreiben, vom Süßegrad eher halbtrocken und mit mäßigem Alloholgehalt zwischen 9 und 11 Umdrehungen, aber wirklich was anfangen kann ich damit auch nicht, ist für mich eher eine Marketing-Wortblase...
Viele Grüße
Erich


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niers_runner

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Re: "Kabinettig"-was genau bedeutet das?

BeitragFr 1. Jun 2018, 21:53

kabinettig ist für mich ein M/S/R Riesling mit den Merkmalen: leicht, frisch, fruchtig, geringe Süße, sehr schönes Süße-Säure-Spiel. Keine verkappte Spätlese. Aber das sind individuelle Merkmale. Viel besser läßt sich das ausdrücken, wenn man einen Kabinett von Dirk Richter, von Othegraven oder von Schubert probiert. Dann ist sofort klar, was gemeint ist.

Beste Grüße

Peter
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Bernd Schulz

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Re: "Kabinettig"-was genau bedeutet das?

BeitragFr 1. Jun 2018, 22:31

niers_runner hat geschrieben:kabinettig ist für mich ein M/S/R Riesling mit den Merkmalen: leicht, frisch, fruchtig, geringe Süße, sehr schönes Süße-Säure-Spiel. Keine verkappte Spätlese.


So oder so ähnlich würde ich es auch für mich ausdrücken :)

EThC hat geschrieben:"Kabinettig" würde ich persönlich als Begriff am ehesten den Mosel-Rieslingen zuschreiben, vom Süßegrad eher halbtrocken und mit mäßigem Alloholgehalt zwischen 9 und 11 Umdrehungen, aber wirklich was anfangen kann ich damit auch nicht, ist für mich eher eine Marketing-Wortblase...


Eine Marketing-Wortblase ist das für mich eher nicht, da ich dem Begriff außerhalb von zwei, drei Weinforen eigentlich so gut wie nie begegnet bin.

Aufgebracht hat das Wörtchen nach meiner Wahrnehmung Charlie, und ich habe sofort, nachdem er es aufgebracht hat, verstanden, was er damit meint ;): Es geht eben um einen leichten, schlanken, nicht zu substanzarmen, aber eben auch nicht zu kraftvollen, sondern eher filigranen Typus, der rein weingesetzlich natürlich nie als solcher definiert wurde.... :twisted:

EThC hat geschrieben: "Kabinett" kann auch mit anderen Prädikaten kombiniert werden, z.B. "Spätlese" oder auch "Auslese".


Vor 1971 ja - aber auch nach 1971? Bist du dir da sicher? Bei jüngeren Weinen habe ich eine solche Kombination noch nie gesehen. Und ich glaube zunächst einmal auch nicht, dass sie statthaft wäre. Wenn man heutzutage ein Prädikat verwendet, impliziert das nach meinem Kenntnisstand fraglos, dass der betreffende Wein nicht chaptalisiert wurde. Aber für eines der Prädikate muss sich der Winzer am Ende entscheiden. "Auslese-Kabinett" is nich mehr. Gab es anno ippich mal.

Herzliche Grüße

Bernd
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EThC

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Re: "Kabinettig"-was genau bedeutet das?

BeitragFr 1. Jun 2018, 23:04

Bernd Schulz hat geschrieben:Vor 1971 ja - aber auch nach 1971? Bist du dir da sicher? Bei jüngeren Weinen habe ich eine solche Kombination noch nie gesehen.


So verstehe ich zumindest die Maßgaben des § 20 WeinG. Da z.B. eine Spätlese allerdings auch immer die Anforderungen eines Kabinetts erfüllen muß, ist die Angabe beider Prädikate eigentlich redundant. Dennoch habe ich die Kombination "Kabinett - Spätlese" schon mal bei aktuelleren Weinen gesehen.
Viele Grüße
Erich


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Bernd Schulz

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Re: "Kabinettig"-was genau bedeutet das?

BeitragFr 1. Jun 2018, 23:30

EThC hat geschrieben: Dennoch habe ich die Kombination "Kabinett - Spätlese" schon mal bei aktuelleren Weinen gesehen.


Mir ist diese Kombination in mittlerweile mehreren Jahrzehnten Säuferkarriere so noch nie begegnet. Bei richtig ollem Zeugs bin ich schon mal auf eine "Spätlese/Auslese-Cabinet" gestoßen. Aber das betraf dann eben auch Weine, die vor 1971 produziert wurden.....

Herzliche Grüße

Bernd
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Lurchus

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Re: "Kabinettig"-was genau bedeutet das?

BeitragSa 2. Jun 2018, 02:12

EThC hat geschrieben:Die Verwendung des Begriffs "Kabinett" erfolgt seit Jahren auch mit einer regional jeweils etwas anders zugeordneten Begrifflichkeit, hat sich also zu einer Art Selbstläufer entwickelt. Deshalb kann man häufig schwer fassen, was der Winzer damit eigentlich ausdrücken will. Deshalb ist ein Mosel-Kabinett in der Regel was völlig anderes als z.B. ein fränkischer Kabinett. "Kabinettig" würde ich persönlich als Begriff am ehesten den Mosel-Rieslingen zuschreiben, vom Süßegrad eher halbtrocken und mit mäßigem Alloholgehalt zwischen 9 und 11 Umdrehungen, aber wirklich was anfangen kann ich damit auch nicht, ist für mich eher eine Marketing-Wortblase...

Ich hab im Zusammenhang mit Frankenweinen noch nie "kabinettig" gehört, im Kontext von Mosel aber sehr oft. Eben dann auch im Kontext eines gewissen Idealtypus. Was ich bei Frankenkabis bisher im Glas hatte war für mich auch viel zu heterogen um einen Idealtyp im Kopf zu haben, bei Mosel is das halt völlig anders.....Deshalb habe ich diesen Thread ja auch hier gepostet und nicht bei "Franken".(Wie oben geschrieben, mittlerweile gibts ne ganze Menge trockene Kabis von der Mosel, die richtig gut sind- ich denke da etwa an Müllens Kröver Paradies mit 10.5%, Loersch hat da aus ner Trittenheimer Lage auch so was. Oder Paulys Purist. Aber "kabinettig" habe ich im Kontext dieser Weine noch nicht gehört und würds auch selbst nicht in den Mund nehmen.)
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