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Cabernet /Merlot-Probe in Würzburg

Verfasst: Do 19. Dez 2013, 16:52
von weinaffe
Hallo zusammen,

letzten Freitag wurden in Würzburg Cabernet- bzw. Merlot basierte Cuvees probiert, wobei die "Originale" in Form von Bordeaux-Crus als Messlatte dienen sollten.

Folgende 14 Rotweine wurden in dieser "Mini-Weltweinverkostung" entkorkt bzw. in einem Fall entschraubt:


2010er "Zar Simeon" Royal Heritage Cabernet/Merlot (Santa Sarah) -Bulgarien-
vor nicht allzu langer Zeit grenzte eine Probe mit bulgarischen Weinen schon an "Körperverletzung". Hier hat sich vieles zum Positiven gewendet, bewiesen durch diesen Cabernet/Merlot-Verschnitt (18 Monate Barrique) aus dem Trakia Valley:
sehr klare und saubere Kirschfrucht, trotz 13,5 Vol% ein eher leichter und eleganter Vetreter, gelungener Holzeinsatz, passende Säure, relativ feinkörniges Tannin, reintönige Kirsch- und Pflaumenfrucht, dezent würzig, mittellanger fruchtbetonter Abgang.
mit weniger als 10 EURO korrekt bepreist. 84P.

2009er Cabernet Sauvignon "Silver" (Teperberg, Tzora) -Israel-
zunächst eine leicht dumpfe Note, die sich aber mit Belüftung verflüchtigte, dann auf Frucht und Holz gebaute Nase, die (zimtigen) Mainstream- (Chips?)Holznoten stören den Gesamteindruck, ansonsten ein ausgewogenes Mittelgewicht (13 Vol%) mit angenehmer Dunkelfrucht,ausgewogener Säure und etwas weichgespültem Tannin. Am Gaumen stört wieder die etwas aufgesetzt wirkende "zimtige" (Holz)Note. Ein typischer Mainstream-Cabernet mit allerdings angenehmen Alkoholgehalt, der aber von überall her stammen könnte. 82 P.

2010er "Jester" Cabernet Sauvignon Mc Laren Vale (Mitolo Wines) -Australien-
sehr expressive Cassis-Pflaumenfrucht, fast hyperfruchtig, wuchtiger Naseneindruck, kraftvoll auf der Zunge mit Extraktsüsse, reifem, butterzarten Tannin und gerade noch strukturierender Säure, der Alkohol ist vor allem im Abgang deutlich spürbar. Die Herstellungsweise (20% des Traubengutes wurde in Amarone-Manier luftgetrocknet und erhöht dadurch die Konzentration) erklärt die "vollbusige" Stilistik dieses Weins.
Sicherlich gut produziert, aber ein veritabler Sattmacher. 1 Gläschen reicht mir vollkommen ! 84P.

2007er "Hipperia" Vallegarcia Montes de Toledo (Retuerta del Bullaque) -Spanien-
47% Merlot/46% Cab. Sauv./5% Petit Verdot/2% Cab. franc/ 18 Mon. Barrique/14,5 Vol%
Dieser Rotwein stammt von den Montes de Toledo aus einer 7ha großen Einzellage:
sehr tiefe, fast schwarze Farbe, würzig-fruchtige Nase, wirkt kraftvoll und ausgereift, gut eingebundene Holznote,feine Säure, die dieses Schwergewicht gut ausbalanciert, deutliche Extraktsüsse, aber ohne marmeladige Einschübe, schönes Gleichgewicht zwischen dunklen Früchten und würzigen Holznoten, Alkohol leicht spürbar, aber noch im Rahmen, mittellanger bis langer, fruchtig würziger Abgang. Es fehlt an Komplexität und Eleganz, aber diese Cuvee ist zweifellos sehr gut vinifiziert. Wer auf Konzentration und Fülle "abfährt", wird sicherlich mehr Spass mit diesem Wein haben. 86 P.

2005er Chateau Brun St. Emilion a.c. (Chateau Brun) -Bordeaux-
85%Merlot/13% Cab. franc/2% Cab. Sauv.
grösser könnte der stilistische Unterschied zum Vorgänger gar nicht sein: unaufgeregte, "kühle" Nase mit ganz dezenter Unterreife (Hauch grüne Paprika), ätherisch, zurückhaltende Kirsch-Frucht, etwas (Alt)Holz,sehr stimmig und noch jugendlich.
Auf der Zunge ein Mix aus Kirsche und Pflaume mit etwas Cassis, etwas Holzwürze, nur mittelgewichtig (13 Vol%), frische Säure, mittlere Konzentration, diese Cuvee protzt nicht mit Konzentration, sondern besticht durch Ausgeglichenheit, Trinkigkeit und eine bourgeoise Eleganz. 87P. Gutes PLV (in der Subs knapp 10 EURO).

Fortsetzung mit den fehlenden 9 Weinen folgt!!

Grüsse
Bodo

Re: Cabernet /Merlot-Probe in Würzburg

Verfasst: Do 19. Dez 2013, 19:25
von Oberpfälzer
Hallo Bodo,

das sieht ja beinahe nach "Arbeitsprobe" aus. :) Aber allemal interessant die unterschiedlichen Ausprägungen zu probieren. Bin auf den 2. Teil gespannt. Sehen uns hoffentlich bald mal wieder. ;)

Re: Cabernet /Merlot-Probe in Würzburg

Verfasst: Fr 20. Dez 2013, 10:06
von thvins
Den 1989er Zar Simeon hatte mir zu Beginn meiner Wein-Kauf-"Karriere" Hawesko damals als Geschenk bei einer Bestellung draufgepäckt, den empfand ich damals schon als sehr anständig. Als ich darauf hin von dem Wein bestellte, kam allerdings stattdessen der 1990er - und der war für mich das Geld nicht wert, welches er kostete. War meine erste Begegnung mit Bulgarien, leider dann auch die letzte, zumal ich erstmals mit der Funktionsweise des Systems "Marketing" derart konfrontiert wurde. Leider hatte ich den kleinen Nebenhinweis auf "automatische Belieferung mit dem Folgejahrgang" überlesen, naiv, wie ich damals war. Also hab ich die Kröte gechluckt und mir alsbald die Frage gestellt, ob es zu Hawesko auch noch Alternativen gäbe - und zum Glück gab es diese...

Zu einem Neukauf eines Zar Simeon könnte ich mich bei 84 Bodo-Punkten jetzt auch nicht aufraffen, dazu ist das Anspruchsniveau bei mir inzwischen zu hoch - aber an diese Geschichte hast du mich nun wieder erinnert...

Vielleicht sehen auch wir uns ja mal wieder - dann aber hoffentlich nicht mit dem Zaren am, auf oder unter dem Tisch... :ugeek:

Re: Cabernet /Merlot-Probe in Würzburg

Verfasst: Fr 20. Dez 2013, 18:55
von weinaffe
Oberpfälzer hat geschrieben:Hallo Bodo,

das sieht ja beinahe nach "Arbeitsprobe" aus. :) Aber allemal interessant die unterschiedlichen Ausprägungen zu probieren. Bin auf den 2. Teil gespannt. Sehen uns hoffentlich bald mal wieder. ;)
Hallo Wolfgang,

das war schon eine Genussprobe, aber man sollte immer den einen oder anderen "einfachen" Wein dabeihaben, das erdet und macht demütig :lol: :lol:
Es kommen natürlich noch ein paar richtig schöne Weine !

Apropos Wiedersehen: ich hoffe doch, dass wir uns am 25.Januar in der "Casa Vinos" wiedersehen ;)

Bis dahin
Bodo

Re: Cabernet /Merlot-Probe in Würzburg

Verfasst: Fr 20. Dez 2013, 19:02
von weinaffe
thvins hat geschrieben:Vielleicht sehen auch wir uns ja mal wieder - dann aber hoffentlich nicht mit dem Zaren am, auf oder unter dem Tisch... :ugeek:
Hallo Torsten,

vielleicht klappt es ja mal wieder mit einem gemeinsamen Tasting, würde mich freuen. Und der "Zar" bekommt dann garantiert Hausverbot ;)

Grüsse
Bodo

Re: Cabernet /Merlot-Probe in Würzburg

Verfasst: Fr 20. Dez 2013, 20:20
von weinaffe
... und weiter geht's mit den Cabernet/Merlot-Cuvees:

2009er "Ansela van de Caab" WoO Simonsberg-Stellenbosch (Muratie) -Südafrika-
55% CS/35% M/10% CF/ 16 Mon. Barrique/14 Vol%
In einer Blindprobe sind die südafrikanischen Cab/Merlot-Verschnitte immer etwas irritierend. Für Bordeaux-Gewächse sind sie doch meist zu vollmundig und ausgereift, auf der anderen Seite steckt man sie auch nicht so ohne weiteres in die "Neue-Welt-Ecke", da immer auch etwas "Kühles" und "Klassisches" mitschwingt. So auch hier: Kraftvolle Nase mit eleganter Fruchtausprägung (Cassis, Pflaume, Kirsche), hintergründige Holzwürze, etwas grüne Paprika wie bei vielen Bordeaux, auf der Zunge extraktreich, füllig, aber mit einer strukturierenden Säure, die den Wein nicht mastig erscheinen lässt, gleichzeitig ätherische Noten (etwas Minze), die kühl wirken,etwas Leder,dezenter Holzeinsatz, mittellanger bis langer, eine Spur alkoholischer Abgang. Gelungene Synthese zwischen "Old" und "New World"! 87P.

2003er "Grand Noir" Tafelwein Main (Luckert, Sulzfeld) -Franken-
ein in Mini-Menge produzierte Cuvee (80% CS/20% M), 14 Vol%.
Schwarz wie Arabiens Nächte, fast völlig blickdicht,unglaublich jugendliche Nase mit zurückhaltender Fruchtnase (Preiselbeere, Blaubeere), unterlegt von röstig-speckigen Holznoten, konzentrierter, aber durchaus "kühler" Naseneindruck. Nichts ist von der häufigen Überreife in diesem Jahrgang zu bemerken. Auf der Zunge konzentriert, aber mit zurückhaltender Frucht, eher würzig (Räucherspeck, Tabak, Leder) denn tieffruchtig, angenehme Säure, extrem feinkörniges Tannin, trotz des Alkohols kein "Dickschiff", durchaus langer Abgang.
Leider bleibt trotz erkennbar hoher Qualität die Typizität und Wiedererkennbarkeit völlig auf der Strecke. Auf einen Cabernet/Merlot-Verschnitt wäre ich bei einer Blindprobe nie im Leben gekommen ! Wenn man überhaupt Anknüpfungspunkte zu anderen Rebsorten herleiten will, könnte es eher ein kräftiger Malbec, ein konzentrierter Tempranillo oder sogar ein Syrah sein. Weniger Holz-Rösttöne wären hier mehr gewesen, da der Wein das intensive Holz-Make-Up absolut nicht gebraucht hätte. Daher nur 89 P.

2009er Bourgueil ac "Le Grand Clos" (Yannick Amirault) -Loire-
100% CF/ 13 Vol%
sehr elegante Nase mit kleinen Beerenfrüchten (Johannisbeere, Himbeere), hintergründiger, nur stützender Holzeinsatz, wirkt jugendlich, aber durchaus geöffnet. Auf der Zunge wiederholen sich konsequent die nasalen Eindrücke: finessenreiche Frucht, gut stützende Säure, seidenweiches Tannin, leichte Extraktsüsse, der Wein wirkt reif, aber gleichzeitig frisch und trinkig, nur mittelgewichtig, sehr ausgewogener, fruchtig-würziger Abgang. Ein Cabernet, der auch Burgunder-Freaks gefallen kann. 89P.

2001er Chateau KIrwan 3e Grand Cru Classe Margaux (Schröder & Schyler) -Bordeaux-
40% CS/30%M/20%CF/10%PV/ 13 Vol%
Dieses Cru blieb viele Jahre deutlich unter seinen Möglichkeiten, in den letzten Jahren hat sich die Qualität aber dramatisch verbessert. Dieser 2001 macht jetzt richtig Spass:
kräftige, aber sehr elegante und finessenreiche Nase mit reifer Dunkelfrucht,feiner Würze, rohes Fleisch, in der Nase Konzentration und Finesse. Macht neugierig auf den ersten Schluck! Am Gaumen glasklare Frucht (reife Cassis, Maulbeere,Kirsche), optimaler Holzeinsatz(etwas Vanille), deutlich extraktsüss,gut stützende Säure, weitgehend abgeschmolzenes Tannin,einige Komplexität, gute Länge.
Sehr typischer, bildhübscher Margaux, der sich jetzt wunderbar trinkt, aufgrund seiner Fruchtdichte und Ausgewogenheit aber in 5-10 Jahren auch noch vollen Genuss bieten dürfte. 92P.

Fortsezung mit den letzten 5 Weinen folgt!

Grüsse
Bodo

Re: Cabernet /Merlot-Probe in Würzburg

Verfasst: Fr 20. Dez 2013, 20:59
von Oberpfälzer
weinaffe hat geschrieben: Apropos Wiedersehen: ich hoffe doch, dass wir uns am 25.Januar in der "Casa Vinos" wiedersehen ;)

Bis dahin
Bodo
Klar doch. Da freuen sich auch noch ein paar andere darauf, Dich/uns alle wieder zu sehen. 8-)

Re: Cabernet /Merlot-Probe in Würzburg

Verfasst: Mo 23. Dez 2013, 14:08
von weinaffe
.... und abschliessend noch die 5 fehlenden Weine:


2009er Lafoa Cabernet Sauvignon Südtirol DOC (KG Schreckbichl)
sehr blickdichte Farbe,noch verschlossener Naseneindruck, aber sehr tief und dicht, trotz merklicher Konzentration eher kühl wirkend, feine Cassisfrucht, reife Paprika, etwas Piment, dezente Holzwürze, kraftvoll und trotzdem elegant.
Auf der Zunge noch etwas verschlossen, verhaltene, aber feine Dunkelbeerfrucht, etwas Kakao, deutliche Extraktsüsse, glasklare Stilistik, bestens integrierter Alkohol, steht noch am Anfang, ist aber bereits mit Genuss antrinkbar. Zu Recht einer der Weinikonen Südtirols, der seinen relativ hohen Preis rechtfertigen kann. 92 P.

1996er Chateau Monbrison Cru Bourgeois Margaux (Fam. Vonderheyden)
50% CS/41% M/2% CF/7% PV.
jetzt herrlich gereift, "mürbe" Nase (Brombeeren, Cassis, Pflaume) mit integrierten Holznoten, einiges an Komplexität, auf der Zunge kühle Stilistik,toll strukturierende Säure, weitgehend abgeschmolzenes Tannin, mittelgewichtig, der Fokus bei diesem Wein liegt klar auf Eleganz, Finesse und Trinkigkeit. Bei etwas mehr Dichte und Länge wäre das sogar ein Top-Wein geworden. Monbrison ist und bleibt eine Bank für eleganten Bordeaux. 91 P.

1994er Chateau Clerc-Milon 5e Grand Cru classe Pauillac (Fam. Rothschild)
50% CS/ 36% M/11% CF/2% PV/ 1% Carmenere.
die Unreife des Jahrgangs ist bei diesem Wein perfekt ausgeblendet worden: reife, kühle Nase mit ätherischen Noten (Minze,Menthol) und schlanker Dunkelbeerfrucht, tolle Würze (Leder, heller Tabak), fein und komplex, ebenfalls reif am Gaumen, Cassis, rote Paprika, Maulbeere, perfekt strukturierende Säure, feinkörniges Tannin mit leichten Ecken und Kanten, jetzt fast auf dem Punkt, mittellanger bis langer, würziger Abgang. Ein hervorragender Jahrgangsvertreter, der sicherlich noch einige Jahre sein Niveau halten wird. Für einige sogar der Wein des Abends ! 92 P.

2007er "The Puzzle" Spring Mountain District Napa Valley (Newton)
56% CS/ 33% M/8% PV/3% CF.
Der Unterschied zu den Bordeauweinen war für alle offensichtlich: sehr kräftige Purpurfarbe, reife "beerige" Nase ohne Kitsch-Allüren, sehr dicht, aber auch durchaus mit Eleganz ausgestattet, hintergründige Holzwürze, superklare Nase. Auf der Zunge herrliche Reife mit viel Extraktsüsse, aber keinerlei Überreife, kräftige Cassis-Frucht mit Maulbeere, etwas Zedernholz, die 14,5 Umdrehungen sind dank einer präsenten Säure sehr gut abgefedert, langer fruchtiger Abgang. Der Wein ist schon gut antrinkbar, wird aber mit den Jahren noch mehr Komplexität erlangen. Bildhübscher Kalifornier, der in einer anderen "Tonlage" dem Original aus Bordeaux durchaus Paroli bieten kann. Leider kein Schnäppchen ! 92P.

1990er Chateau Chasse-Spleen Cru Bourgeois Moulis (Chateau Chasse-Spleen)
für mich der Wein des Abends, da in Topform und voll auf dem Zenit erwischt:
sehr komplexe, fast "süsse" Nase mit reifer Dunkelfrucht, konterkariert durch würzige Noten (Tabak, Leder, Kakao), elegant und finessenreich mit einem Schuss "bourgeoiser" Erdigkeit. Auch der Gaumen enttäuscht nicht: reife Frucht (Cassis, Preiselbeeren) mit fast suggestiver "Süsse", reif und trotzdem kühl, perfekt abgestimmte Säure, reifes, strukturierendes Tannin mit einem Hauch "ehrlicher" Eckigkeit,deutliche Extraktsüsse mit Cool-Climate-Charakter, passender Alkohol, tolle Länge. Ein sehr feiner Bordeaux, aus dem sicherlich kein Lafite oder Margaux werden wird, der aber im besten Sinne mit bourgeoiser Ehrlichkeit und Charakter überzeugen kann. Da verzichte ich gerne auf die großen und teuren Namen des Medoc, die in mittleren bis guten Jahren einem so tollen Chasse-Spleen nicht das Wasser reichen können. 94 P.

Das wars wieder für dieses Jahr mit Proben aus dem schönen Frankenland. Im nächsten Jahr werden wir uns u.a. mit Sherry, Silvaner+ Grüner Veltliner im Vergleich und dem Einfluss des Winzers auf das Endprodukt beschäftigen.

Euch allen wünsche ich ein frohes Fest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und immer einen feinen Wein im Glase !

Bodo