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Weisse Burgunder im wilden Belgistan

Verfasst: Sa 10. Aug 2013, 13:28
von Ostbelgier
Hallo zusammen,

gestern traf sich die bewährte Runde, um einmal ein wenig in das Thema "burgundische Burgunder in weiss" einzusteigen. Profis auf diesem Gebiet sind wir alle nicht, man verzeihe mir also die laienhaften und nur stichwortartigen Notizen. Ich hoffe, dass Bernd und Ralf sie ein wenig ergänzen.

Zum Essen musste es aber zunächst ein Roter sein. Der Auxey-Duresses 2009 von Prunier-Bonheur, der mir vor Ort vom Händler empfohlen wurde, machte einen sehr schönen Eindruck mit seinem Walbdeeren- und Veilchenduft. Noch jung, das kräftige Tannin ist aber fein gewirkt, ein feiner Village-Wein.
Von Daniel + Martine Barraud gab es dann den Saint-Veran Les Pommards 2007. Ein äusserst kräftiger Geselle, der immer noch einen klaren Eindruck davon abgibt, dass er wohl länger mit Neuholz in Berührung gekommen ist. Aber die Weine, die hier im äussersten Süden Burgunds erzeugt werden, scheinen durch die Bank recht kraftvoll u sein. Mir hat er mit seinem Nussgeschmack und der grossen Kraft sehr gefallen.
Cave des Grands Crus Blanc ist eine Genossenschaft des Maconnais. Der Pouilly Fuisse 2011 ist viel zu jung, macht aber mit seiner etwas dezenteren Art dennoch schon viel Freude.
Wirkt vornehm.
Dann der bereits ausführlich diskutierte Macon-Ige Sous la Roche 2011 der dortigen Genossenschaft. Natürlich der leichteste und vielleicht auch flüchtigste Wein der Probe, aber ich mag ihn trotzdem ;) .
Jetzt etwas Besonderes: Der Bouzeron 2008 der Domaine Chanzy ist laut Bernd die sozusagen fränkisch-trockene Spielart des Abends. Knochentrocken und sehr mineralisch mit nur 12 Vol. % ist dieser reine Aligote ein höchst interessanter Tropfen.

Jetzt ein Zwischenstopp mit etwas Riesling, die Krettnacher Euchariusberg Auslese 76 schaffte es, den Hitzejahrgang mit dem ruppigen Charme dieser B- Lage zu vereinen und einen hübschen Altwein zu präsentieren.

Domaine Jessiaume: Santenay Gravieres Premier Cru 2007 ist ein etwas schüchterner, zurückhaltender Wein aus dem südlichsten Zipfel der Cotes de Beaune.
Mein Lieblingswein des Abends: Prieur-Brunet: Mersault Les Forges Dessus 2008. Zu jung, aber mit allem versehen, was ich an Mersaults so liebe: Enorme mineralische Elemente, zitrischer Duft, ein Zusammenspiel erstklassiger Musiker, fein wie ein Streichquartett.
Wie Bruckners 8te dagegen rollt der Puligny-Montrachet Les Folatieres Premier Cru 2006 von Sauzet an, äusserst kräftiger Duft nach Orange, Kräutern und frischen Walnüssen, der Star des Abends, aber dann...mit mehr Luftzufuhr entwickelte sich eine fiese Bitternote, die immer stärker wurde. Ich vermute einfach, dass dies dem Jahrgang geschuldet ist.

Zum Abschluss der klassische und zeitlos schöne Wehlener Sonnenuhr Kabinett 1999 von Joh. Jos. Prüm. Ein schöner und sehr lehrreicher Abend, dank an die Mit- Probanden.

Viele Grüße

Markus

Re: Weisse Burgunder im wilden Belgistan

Verfasst: Sa 10. Aug 2013, 21:48
von Ostbelgier
Nachtrag: Sämtliche Weine, von denen ein Rest übrig geblieben ist, präsentierten sich heute abend nach wie vor sehr frisch und schön !

Re: Weisse Burgunder im wilden Belgistan

Verfasst: Sa 10. Aug 2013, 22:23
von Bernd Schulz
In jedem Fall war das mal wieder ein sehr interessanter Abend, der meinen Horizont erweitert hat!

Meine Favoriten waren der Pouilly-Fuisse und der Meursault; mit dem (blind gut erkennbaren) Macon-Ige konnte ich mich auch gestern nicht anfreunden. Sehr gut gefallen hat mir dagegen der knochentrockene, puristisch schlanke Aligoté aus Bouzeron, der vor allem in der Kombination mit den von Markus dazu angebotenen Garnelen viel Spaß machte.

Der mit Abstand schönste Wein des Abends war dann für mich aber doch - hier stehe ich und kann nicht anders :mrgreen: - der Prümsche Sonnenuhr-Kabi....

Ein richtig großer Chardonnay-Fan werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr. :oops:

Beste Grüße

Bernd

Re: Weisse Burgunder im wilden Belgistan

Verfasst: So 11. Aug 2013, 11:21
von octopussy
Hallo zusammen,

vielen Dank für die Eindrücke. Klingt nach einer spannenden Probe. Dass euch der Bouzeron so gut geschmeckt hat, kann ich gut nachvollziehen. Diesen konkreten Wein kenne ich zwar nicht, aber ich bin großer Fan des Bouzeron von A&P de Villaine und auch anderer Aligotés. Ich liebe diese frisch-exotischen Noten, die die Rebsorte vermittelt.

Von Sauzet hatte ich bislang erst zwei Weine (die sind leider verdammt teuer) und kann auch hier mit der Notiz etwas anfangen. Bei den Weinen scheint man ein bisschen Glück haben zu müssen und beide Weine, die ich bislang im Glas hatte (ist jeweils schon ein paar Jahre her) wechselten auch im Laufe des Abends stark ihr Gesicht. Keine Ahnung, woran das liegt.

Re: Weisse Burgunder im wilden Belgistan

Verfasst: So 11. Aug 2013, 11:52
von Ostbelgier
Hallo zusammen,

@Bernd: so etwa hatte ich mir Dein Fazit schon gedacht... :mrgreen:

@Stephan: Der Sauzet war eine Einzelflasche und wird es wohl auch bleiben, denn dieser Wein hatte das mit Abstand miserabelste PGV. Diesen Bouzeron habe ich im E.Leclerq- Supermarkt in Beaune gefunden und er hatte das beste PGV :D . Bouzeron selbst ist ein winziges, verträumtes Dorf, im Mai bin ich durchgefahren. Ich hatte mal vor Jahren Aligotes von Mikulski, die nicht so viel Spass machten wie dieser Bouzeron. Die Weine der Villaines werde ich mal suchen...

Viele Grüße

Markus

Re: Weisse Burgunder im wilden Belgistan

Verfasst: So 11. Aug 2013, 21:09
von Ralf Gundlach
So, auch mal kurz mein Statement. Erst einmal vielen Dank an Markus für die Idee und die spannenden weißen Burgunder samt leckeren Grillgut an diesem Abend, das war auch für mich eine starke Horizonterweiterung und irgendwie hatte ich mir die weißen Burgunder anstrengender vorgestellt, ich asoziiere mit weißen Burgundern Haselnussnoten, die ich zu stark gar nicht abhaben kann. Leider lies meine Aufmerksamkeit mit dem Santenay stark nach, so dass ich den Mersault gar nicht mehr so zu würdigen wusste.Schade!
Der 2009er Auxey-Duresses Pinot noir gefiel mir schon sehr gut, ein wunderbarer Einstieg zu einem lecker gegrillten Rib-Eye Steak und Lammkoteletts,
richtig gut gefiel mir direkt der erste weiße, der 2007er Saint-Veran Les Pommards, kraftvoll und mit einer wunderbaren Balance zwischen leicht zitrischen und einer Haselnussnote, so gefällt mir dass, auch die Barriquenoten waren für mich sehr gut eingebunden, der 2011er Macon Ige Sour la Roche ist sicher kein Riese, gefällt mir aber deutlich besser als Bernd, ein richtig schöner, kleiner, weißer Alltagsburgunder, der 2008er Bouzere zeigte, was anscheinend ein Aligote draufhat, viel Frische und eine kräftige Säure, in sich absolut stimmig, danach lies, wie schon geschrieben meine Verfassung und Konzentration nach :oops:

Gruß

Ralf

Re: Weisse Burgunder im wilden Belgistan

Verfasst: So 11. Aug 2013, 21:45
von sorgenbrecher
octopussy hat geschrieben: Von Sauzet hatte ich bislang erst zwei Weine (die sind leider verdammt teuer) und kann auch hier mit der Notiz etwas anfangen. Bei den Weinen scheint man ein bisschen Glück haben zu müssen und beide Weine, die ich bislang im Glas hatte (ist jeweils schon ein paar Jahre her) wechselten auch im Laufe des Abends stark ihr Gesicht. Keine Ahnung, woran das liegt.
in absolut grandioser verfassung hatte ich vor einiger zeit die 2007er puligny's la garenne und champ canet im glas, der champ-canet war dabei nochmal deutlich besser in form und absolut auf grand-cru-niveau.

allerdings hatte ich auch bereits einen 2004er champ-canet völlig oxidiert und untrinkbar im glas, genauso einen einfachen 2007er puligny village.... :twisted:
die weine sind wohl eher überdurchschnittlich fragil und anfällig für prem-ox und bei den preisen ist das dann doch ein erhebliches ärgernis....