Rieslingprobe in Würzburg
Verfasst: Do 9. Mai 2013, 19:09
Hallo zusammen,
letzten Freitag kamen wieder einige Weinnasen zusammen, um Rieslinge bzw. die eine oder andere Rieslingkreuzung in Augenschein zu nehmen.
Folgende Weine wurden entkorkt:
2010er Rauenthaler Steinmächer Riesling Brut (Reuter & Sturm, Walluf)
gelungener Start mit diesem Riesling-Sekt: klare Sortenart, angenehmes Mousseux, knackige, aber reife Säure, die auch für meinen Geschmack etwas niedrigere Dosage zugelassen hätte (13,9 Restzucker), ansonsten blitzsauber und erfrischend. Fairer Preis und Goldmedaille bei der Landesprämierung.
2011er "Falkenstein" Riesling Südtirol-Vinschgau DOC (Franz Pratzner, Naturns)
kräftige,weingartenpfirsichbetonte Nase mit einem leichten"Schäfer-Fröhlich"-Stinker
, jedenfalls sulphidisch-böcksrig angehaucht (wahrscheinlich gehört der Pratzners Franz zur Sponti-Fraktion
), mit einigem Glasschwenken wird die Nase aber besser oder man gewöhnt sich zumindest daran
,besser dann auf der Zunge, kraftvoll, leider ein Tick zu breit, da die Säure nicht für ausreichend Pep sorgt, ansonsten klare Frucht, Alkohol gut verpackt (13 Vol%),mittellanger, etwas schwermütiger Abgang.
Angeblich einer der besten Rieslinge Südtirols; solange aus Norditalien nicht mehr kommt,müssen sich die Riesling-Winzer hierzulande nicht besonders warm anziehen. Ordentlich und rieslingtypisch, kommt aber kaum über "Gutswein-Niveau" hinaus.
2012er Ramsthaler St. Klausen Scheurebe Kabinett trocken (Neder, Ramsthal)
ja auch die Scheurebe hat Rieslingblut (Silvaner x Riesling). Hier ein besonders schöner Vertreter aus "fränkisch Sibirien" (fränkische Saale): animierende "Scheu"-Nase mit der richtigen Mischung aus knapp reifer Cassis, etwas Holunder und reifer, grüner Paprika, nicht plakativ oder kitschig, absolut mundwässernd, auf der Zunge trockener Eindruck (4,7 g RZ, für Neder-Verhältnisse eigentlich schon halbtrocken
), stimmige Säure, mittelgewichtig, glasklare Frucht und Würze, extrem trinkig,bestens eingebunder Alkohol (knapp 13 Umdrehungen), fruchtig-würziger Abgang.
So stell ich mir eine gelungene Scheurebe vor: keine Pomadigkeit, Frische, Frucht und Würze. Die Flasche leert sich fast wie von selbst. In seiner eher dezenten Art wird er auch Leuten gefallen, die sonst mit Scheureben nichts anfangen können. Super Sommer- und Terrassenwein, der mit 6,50 EURO auch fair bepreist ist.
P.S.: wer knalltrockene und geradlinige Weine ohne viel Schnick-Schnack im Stile von "Trockene Schmitts" mag, sollte unbedingt auch die Weine von Ewald Neder einmal testen.
2010er Tauberzeller Hasennestle Müller-Thurgau trocken (Stahl, Auernhofen)
in Blindproben immer wieder ein "gemeiner" Wein, da er überhaupt nicht dem Pauschalbild eines "Müllers" entspricht: weder pomadige Würze noch ertragsbedingte Wässrigkeit, dafür sehr klare, nur dezent würzig-fruchtige Nase, absolut trocken, einiges an Extrakt (dank geringem Ertrag und Steillage), glasklare Frucht, fast eine hypothetische Mischung aus Riesling und Weißburgunder, sehr frisch und mit einiger Länge. Mit Riesling kann man diesen Wein schon aufgrund der niedrigeren Säure nicht verwechseln, auf Müller-Thurgau kommt aber in einer Blindprobe wahrscheinlich auch keiner. In jedem Falle ein Wein, der auch "Müller-Hassern" munden könnte.
2011er Gündelbacher Wachtkopf Riesling "S" trocken(Sonnenhof, Gündelbach)
ultraklare Nase mit intensiver Pfirsich- und Agrumenfrucht, fast plakativ, aber durchaus anziehend,auf der Zunge wiederum laserartige Frucht, die durch etwas Restzucker (7,9) noch intensiver wird, allerdings auch gut konterkariert durch eine stimmige Säre (7,3), fülliger, aber nicht pomadiger Riesling-Typ mit einigem Schmalz, gute Würze und Länge. Dieser Wein, bei dem jeder Weintrinker vor 20 Jahren in Jubelstürme ausgebrochen wäre, ist fast zu "schön", um wahr zu sein. Ein kultivierter Typ, aber ein Langweiler. Trotzdem ein absolut gut "gemachter" Wein, der vor allem "Frucht-Trinkern" gefallen könnte. Schwere Flasche und nicht überteuert (12 EURO ab Weingut). Da habe ich in dieser Stilistik und Qualität schon GG's getrunken, die durchaus mehr als doppelt so teuer waren.
Fortsetzung folgt !!
Grüsse
Bodo
letzten Freitag kamen wieder einige Weinnasen zusammen, um Rieslinge bzw. die eine oder andere Rieslingkreuzung in Augenschein zu nehmen.
Folgende Weine wurden entkorkt:
2010er Rauenthaler Steinmächer Riesling Brut (Reuter & Sturm, Walluf)
gelungener Start mit diesem Riesling-Sekt: klare Sortenart, angenehmes Mousseux, knackige, aber reife Säure, die auch für meinen Geschmack etwas niedrigere Dosage zugelassen hätte (13,9 Restzucker), ansonsten blitzsauber und erfrischend. Fairer Preis und Goldmedaille bei der Landesprämierung.
2011er "Falkenstein" Riesling Südtirol-Vinschgau DOC (Franz Pratzner, Naturns)
kräftige,weingartenpfirsichbetonte Nase mit einem leichten"Schäfer-Fröhlich"-Stinker
Angeblich einer der besten Rieslinge Südtirols; solange aus Norditalien nicht mehr kommt,müssen sich die Riesling-Winzer hierzulande nicht besonders warm anziehen. Ordentlich und rieslingtypisch, kommt aber kaum über "Gutswein-Niveau" hinaus.
2012er Ramsthaler St. Klausen Scheurebe Kabinett trocken (Neder, Ramsthal)
ja auch die Scheurebe hat Rieslingblut (Silvaner x Riesling). Hier ein besonders schöner Vertreter aus "fränkisch Sibirien" (fränkische Saale): animierende "Scheu"-Nase mit der richtigen Mischung aus knapp reifer Cassis, etwas Holunder und reifer, grüner Paprika, nicht plakativ oder kitschig, absolut mundwässernd, auf der Zunge trockener Eindruck (4,7 g RZ, für Neder-Verhältnisse eigentlich schon halbtrocken
So stell ich mir eine gelungene Scheurebe vor: keine Pomadigkeit, Frische, Frucht und Würze. Die Flasche leert sich fast wie von selbst. In seiner eher dezenten Art wird er auch Leuten gefallen, die sonst mit Scheureben nichts anfangen können. Super Sommer- und Terrassenwein, der mit 6,50 EURO auch fair bepreist ist.
P.S.: wer knalltrockene und geradlinige Weine ohne viel Schnick-Schnack im Stile von "Trockene Schmitts" mag, sollte unbedingt auch die Weine von Ewald Neder einmal testen.
2010er Tauberzeller Hasennestle Müller-Thurgau trocken (Stahl, Auernhofen)
in Blindproben immer wieder ein "gemeiner" Wein, da er überhaupt nicht dem Pauschalbild eines "Müllers" entspricht: weder pomadige Würze noch ertragsbedingte Wässrigkeit, dafür sehr klare, nur dezent würzig-fruchtige Nase, absolut trocken, einiges an Extrakt (dank geringem Ertrag und Steillage), glasklare Frucht, fast eine hypothetische Mischung aus Riesling und Weißburgunder, sehr frisch und mit einiger Länge. Mit Riesling kann man diesen Wein schon aufgrund der niedrigeren Säure nicht verwechseln, auf Müller-Thurgau kommt aber in einer Blindprobe wahrscheinlich auch keiner. In jedem Falle ein Wein, der auch "Müller-Hassern" munden könnte.
2011er Gündelbacher Wachtkopf Riesling "S" trocken(Sonnenhof, Gündelbach)
ultraklare Nase mit intensiver Pfirsich- und Agrumenfrucht, fast plakativ, aber durchaus anziehend,auf der Zunge wiederum laserartige Frucht, die durch etwas Restzucker (7,9) noch intensiver wird, allerdings auch gut konterkariert durch eine stimmige Säre (7,3), fülliger, aber nicht pomadiger Riesling-Typ mit einigem Schmalz, gute Würze und Länge. Dieser Wein, bei dem jeder Weintrinker vor 20 Jahren in Jubelstürme ausgebrochen wäre, ist fast zu "schön", um wahr zu sein. Ein kultivierter Typ, aber ein Langweiler. Trotzdem ein absolut gut "gemachter" Wein, der vor allem "Frucht-Trinkern" gefallen könnte. Schwere Flasche und nicht überteuert (12 EURO ab Weingut). Da habe ich in dieser Stilistik und Qualität schon GG's getrunken, die durchaus mehr als doppelt so teuer waren.
Fortsetzung folgt !!
Grüsse
Bodo