Ein paar rote Burgunder vom Salon de Vins (Strasbourg)
Verfasst: Sa 13. Apr 2013, 09:02
Hallo zusammen,
anbei ein paar rote Burgunder vom Salon de Vins in Strasbourg (18.02.2013). Die Weinmesse ist mittlerweile schon ein paar Wochen her. Leider hat bisher noch kein aktiver Forumteilnehmer von dort ausführlicher berichtet. Ich selber war nur kurz und relativ spontan und unvorbereitet mit meiner besseren Hälfte vor Ort. Die Menschenmassen waren ziemlich anstrengend und zum Verkosten kann ich mir durchaus eine angenehmere Atmosphäre vorstellen. Verkostet haben wir im Wesentlichen nur bei zwei mir bisher nicht bekannten Domäne der Cote d’Or. Anbei die kurzen Verkostungsnotizen gemäß meinen Erinnerungen:
Domaine Guyon (Vosne Romanee)
Die Weine sind in einem eher zugänglichen Stil vinifiziert! Sie wirken durch den Einsatz des neuen Holzes beim Ausbau und durch die geschliffenen Tannine eher „poliert“ und zeichnen sich in diesem jungen Stadium vor allem durch Trinkfreudigkeit aus - weniger durch pure Aromen oder Transparenz. Die Reben werden vor der Vergärung vollständig entrappt. Der Neuholzanteil beim späteren Ausbau beträgt insbesondere bei den „höherwertigeren“ Weinen bis zu 100 %.
Chorey les Beaune « les Bons Ores » 2010 (village)
verhaltene Nase, am Gaumen fehlt gänzlich die Primärfrucht, dieses « Leck » wird durch unharmonischen Holzeinsatz nicht besser, der Wein muss anscheinend noch zu sich finden
zum Zeitpunkt der Verkostung nicht zu empfehlender Wein
Savigny-les-Beaune « les Planchots » 2010 (village)
verhaltene Nase, am Gaumen Holzanteil gut integriert, feinkörnige polierte Gerbstoffe, zarter bis mittlerer Körper, dunkelrote Kirschnoten/auch etwas Veilchen, gut ausbalancierter Wein
guter bis sehr guter kleiner village-Wein
Gevrey-Chambertin « Platieres »2010 (village)
verhaltene Nase, am Gaumen deutlich gerbstoffhaltiger als die voran gegangenen Weine, mittlerer bis voller Körper, gute Intensität, dunkelrote Kirschnoten, auch etwas Cassis und Mineralik
guter village Wein
Nuits St.Georges « aux Herbues » 2010 (village)
Nase riecht etwas nach Neuholz, am Gaumen hinterlassen die Gerbstoffe deutliche Spuren, noch nicht integrierter Toastingaromen des Holzes,dunkelrote Kirschen und etwas Mineralik, mittlerer bis voller Körper, mittlere Länge und gute Intensität
guter village Wein
Vosne Romanee 2010 (village)
Verhaltene Nase, sehr schön ausbalancierter Wein, Neuholzanteil und Gerbstoffe gut integriert, mittlerer Körper, dunkelrote Kirschnoten und ansprechende Mineralik, gute Intensität und Länge
mindestens guter village Wein
Vosne Romanee « Charmes de Mazières » 2010 (village / Selektion aus alten Rebstöcken)
Etwas offenere Nase nach dunkelroten Früchten, sehr schön ausbalancierter Wein, 100% Neuholz und Gerbstoffe sind gut integriert, dunkelrote Kirschnoten und ansprechende Mineralik, etwas intensiver und länger im Abgang als der normale Vosne Romanee village
guter bis sehr guter village Wein
Vosne Romanee « en Orveaux » 2010 (1-er cru)
Eine kleine 1er Cru Lage, die eher selten zu finden ist (mir sind lediglich noch die Weine von Cathiard und Mongeard-Mugneret bekannt)
Etwas offenere Nase nach dunkelroten Früchten, sehr schön ausbalancierter Wein, 100% Neuholz und Gerbstoffe sind perfekt integriert, dunkelrote Kirschnoten und ansprechende Mineralik, deutlich intensiver und deutlich länger aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht unbedingt komplexer als der «Charmes de Mazieres ». Ich denke hinsichtlich Intensität und Länge im Abgang ein überduchschnittlicher 1er Cru.
guter bis sehr guter 1er Cru
Fazit : Insgesamt gefielen mir zum Zeitpunkt der Verkostung die Weine aus Savigny-les- Beaune und Vosne Romanee wegen ihrer Ausgewogenheit am besten. Die Weine sind in diesem jungen Stadium vor allem von der zugänglichen Stilistik geprägt und weisen alle ein ähnliches Aromenspektrum auf. Auch die Terroirunterschiede werden vermutlich erst mit zunehmendem Alter deutlicher zu erkennen sein.
Domaine Francois Buffet (Volnay)
Die Weine könnten von der Stilistik kaum unterschiedlicher sein als die vorangegangenen Weine. Der Anteil neuen Holzes beträgt jeweils 20 % und ist beim Verkosten der jüngeren Weine kaum wahrzunehmen. Die Weine verfügen zwar über reife, feinkörnige Tannine, wirken jedoch nicht so poliert und im direkten Vergleich fast etwas spröde. Insgesamt haben die Weine einen gewissen old-school Charakter.
Volnay « Carelles sous la Chapelle » 2009 (1er cru)
in der Nase dunkle Beeren, am Gaumen unerwartet kräftige Gerbstoffe, Aromen von Veilchen und vor allem dunkle Früchte, der Wein wirkt relativ dicht, hat eine gute Intensität und Länge und verfügt über einen mittleren bis vollen Körper. Ich würde den Wein allerdings nicht unbedingt als Volnay erkennen (das mag vor allem dem Jahrgang geschuldet sein, mir sind allerdings bisher auch noch keine Weine dieser Lage untergekommen)
guter 1 er Cru
Volnay « Taillepieds « 2010 (1er cru)
in der Nase rote Beeren, am Gaumen schöner, typischer Volnay, zarter Körper, seidige Textur und dennoch wirkt der Wein im Mund fokussiert, Gerbstoffe zur Zeit kaum wahrnehmbar, Aromen von Veilchen und roten Beeren, unterlegt von Mineralik, der Wein wirkt in diesem jungen Stadium schon recht komplex, mittlerer bis langer Abgang
sehr guter 1 er Cru
Pommard « Clos Micot » 1992 (1er cru)
Von den verkosteten Weinen des Messebesuchs derjenige, der mich am meisten beeindruckt hat. Schon die Nase zeigt Tertiäraromen von Waldboden und abgehangenem Wild, am Gaumen bestenfalls mittlerer Körper, keinesfalls wuchtig und vor allem sehr komplex. Primärfrucht kaum mehr vorhanden dafür feuchter Waldboden, Wildbrett und auch ein Hauch weiße Trüffel … Selbst unter diesen nicht gerade idealen Verkostungsbedingungen freut man sich auf den nächsten Schluck, um weitere Nuancen zu entdecken – ein sehr schöner auf den Punkt gereifter Wein!! Mittlere Länge und Intensität für einen premier Cru.
sehr guter 1 er Cru
Fazit: Mir persönlich haben der Clos Micot und der Taillepieds besonders gut gefallen. Der Taillepieds war vor Ort für 28 € zu erwerben – soviel kosten im deutschen Fachhandel eher Village-Weine aus Volnay! Clive Coates hat die Domäne in seinem Buch nicht erwähnt -allerdings tauchen die Weine auf seiner Webseite bei den letzten Jahrgangsverkostungen häufiger auf. Der Taillepieds scheint ihm unter anderem besonders zu gefallen!! Tendenziell sind dies eher nicht die Weine, die in Ihrer Jugend schon geköpft werden wollen!
Vielleicht haben ja auch andere „Forumianer“ die Weine probiert. Entsprechende Eindrücke und Urteile würden mich interessieren!
Gruß Tobias
anbei ein paar rote Burgunder vom Salon de Vins in Strasbourg (18.02.2013). Die Weinmesse ist mittlerweile schon ein paar Wochen her. Leider hat bisher noch kein aktiver Forumteilnehmer von dort ausführlicher berichtet. Ich selber war nur kurz und relativ spontan und unvorbereitet mit meiner besseren Hälfte vor Ort. Die Menschenmassen waren ziemlich anstrengend und zum Verkosten kann ich mir durchaus eine angenehmere Atmosphäre vorstellen. Verkostet haben wir im Wesentlichen nur bei zwei mir bisher nicht bekannten Domäne der Cote d’Or. Anbei die kurzen Verkostungsnotizen gemäß meinen Erinnerungen:
Domaine Guyon (Vosne Romanee)
Die Weine sind in einem eher zugänglichen Stil vinifiziert! Sie wirken durch den Einsatz des neuen Holzes beim Ausbau und durch die geschliffenen Tannine eher „poliert“ und zeichnen sich in diesem jungen Stadium vor allem durch Trinkfreudigkeit aus - weniger durch pure Aromen oder Transparenz. Die Reben werden vor der Vergärung vollständig entrappt. Der Neuholzanteil beim späteren Ausbau beträgt insbesondere bei den „höherwertigeren“ Weinen bis zu 100 %.
Chorey les Beaune « les Bons Ores » 2010 (village)
verhaltene Nase, am Gaumen fehlt gänzlich die Primärfrucht, dieses « Leck » wird durch unharmonischen Holzeinsatz nicht besser, der Wein muss anscheinend noch zu sich finden
zum Zeitpunkt der Verkostung nicht zu empfehlender Wein
Savigny-les-Beaune « les Planchots » 2010 (village)
verhaltene Nase, am Gaumen Holzanteil gut integriert, feinkörnige polierte Gerbstoffe, zarter bis mittlerer Körper, dunkelrote Kirschnoten/auch etwas Veilchen, gut ausbalancierter Wein
guter bis sehr guter kleiner village-Wein
Gevrey-Chambertin « Platieres »2010 (village)
verhaltene Nase, am Gaumen deutlich gerbstoffhaltiger als die voran gegangenen Weine, mittlerer bis voller Körper, gute Intensität, dunkelrote Kirschnoten, auch etwas Cassis und Mineralik
guter village Wein
Nuits St.Georges « aux Herbues » 2010 (village)
Nase riecht etwas nach Neuholz, am Gaumen hinterlassen die Gerbstoffe deutliche Spuren, noch nicht integrierter Toastingaromen des Holzes,dunkelrote Kirschen und etwas Mineralik, mittlerer bis voller Körper, mittlere Länge und gute Intensität
guter village Wein
Vosne Romanee 2010 (village)
Verhaltene Nase, sehr schön ausbalancierter Wein, Neuholzanteil und Gerbstoffe gut integriert, mittlerer Körper, dunkelrote Kirschnoten und ansprechende Mineralik, gute Intensität und Länge
mindestens guter village Wein
Vosne Romanee « Charmes de Mazières » 2010 (village / Selektion aus alten Rebstöcken)
Etwas offenere Nase nach dunkelroten Früchten, sehr schön ausbalancierter Wein, 100% Neuholz und Gerbstoffe sind gut integriert, dunkelrote Kirschnoten und ansprechende Mineralik, etwas intensiver und länger im Abgang als der normale Vosne Romanee village
guter bis sehr guter village Wein
Vosne Romanee « en Orveaux » 2010 (1-er cru)
Eine kleine 1er Cru Lage, die eher selten zu finden ist (mir sind lediglich noch die Weine von Cathiard und Mongeard-Mugneret bekannt)
Etwas offenere Nase nach dunkelroten Früchten, sehr schön ausbalancierter Wein, 100% Neuholz und Gerbstoffe sind perfekt integriert, dunkelrote Kirschnoten und ansprechende Mineralik, deutlich intensiver und deutlich länger aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht unbedingt komplexer als der «Charmes de Mazieres ». Ich denke hinsichtlich Intensität und Länge im Abgang ein überduchschnittlicher 1er Cru.
guter bis sehr guter 1er Cru
Fazit : Insgesamt gefielen mir zum Zeitpunkt der Verkostung die Weine aus Savigny-les- Beaune und Vosne Romanee wegen ihrer Ausgewogenheit am besten. Die Weine sind in diesem jungen Stadium vor allem von der zugänglichen Stilistik geprägt und weisen alle ein ähnliches Aromenspektrum auf. Auch die Terroirunterschiede werden vermutlich erst mit zunehmendem Alter deutlicher zu erkennen sein.
Domaine Francois Buffet (Volnay)
Die Weine könnten von der Stilistik kaum unterschiedlicher sein als die vorangegangenen Weine. Der Anteil neuen Holzes beträgt jeweils 20 % und ist beim Verkosten der jüngeren Weine kaum wahrzunehmen. Die Weine verfügen zwar über reife, feinkörnige Tannine, wirken jedoch nicht so poliert und im direkten Vergleich fast etwas spröde. Insgesamt haben die Weine einen gewissen old-school Charakter.
Volnay « Carelles sous la Chapelle » 2009 (1er cru)
in der Nase dunkle Beeren, am Gaumen unerwartet kräftige Gerbstoffe, Aromen von Veilchen und vor allem dunkle Früchte, der Wein wirkt relativ dicht, hat eine gute Intensität und Länge und verfügt über einen mittleren bis vollen Körper. Ich würde den Wein allerdings nicht unbedingt als Volnay erkennen (das mag vor allem dem Jahrgang geschuldet sein, mir sind allerdings bisher auch noch keine Weine dieser Lage untergekommen)
guter 1 er Cru
Volnay « Taillepieds « 2010 (1er cru)
in der Nase rote Beeren, am Gaumen schöner, typischer Volnay, zarter Körper, seidige Textur und dennoch wirkt der Wein im Mund fokussiert, Gerbstoffe zur Zeit kaum wahrnehmbar, Aromen von Veilchen und roten Beeren, unterlegt von Mineralik, der Wein wirkt in diesem jungen Stadium schon recht komplex, mittlerer bis langer Abgang
sehr guter 1 er Cru
Pommard « Clos Micot » 1992 (1er cru)
Von den verkosteten Weinen des Messebesuchs derjenige, der mich am meisten beeindruckt hat. Schon die Nase zeigt Tertiäraromen von Waldboden und abgehangenem Wild, am Gaumen bestenfalls mittlerer Körper, keinesfalls wuchtig und vor allem sehr komplex. Primärfrucht kaum mehr vorhanden dafür feuchter Waldboden, Wildbrett und auch ein Hauch weiße Trüffel … Selbst unter diesen nicht gerade idealen Verkostungsbedingungen freut man sich auf den nächsten Schluck, um weitere Nuancen zu entdecken – ein sehr schöner auf den Punkt gereifter Wein!! Mittlere Länge und Intensität für einen premier Cru.
sehr guter 1 er Cru
Fazit: Mir persönlich haben der Clos Micot und der Taillepieds besonders gut gefallen. Der Taillepieds war vor Ort für 28 € zu erwerben – soviel kosten im deutschen Fachhandel eher Village-Weine aus Volnay! Clive Coates hat die Domäne in seinem Buch nicht erwähnt -allerdings tauchen die Weine auf seiner Webseite bei den letzten Jahrgangsverkostungen häufiger auf. Der Taillepieds scheint ihm unter anderem besonders zu gefallen!! Tendenziell sind dies eher nicht die Weine, die in Ihrer Jugend schon geköpft werden wollen!
Vielleicht haben ja auch andere „Forumianer“ die Weine probiert. Entsprechende Eindrücke und Urteile würden mich interessieren!
Gruß Tobias