Spanische Rotweinprobe in Würzburg

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weinaffe
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Spanische Rotweinprobe in Würzburg

Beitrag von weinaffe »

Hallo zusammen,

letzten Freitag trafen sich wieder einige "Weinnasen", um insgesamt 14 ausgesuchte Rotweine aus Spanien zu verkosten.

Folgende Weine -angereichert durch meine VKNen- waren am Start:


2005er Negramoll Crianza La Palma DO (Llanovid, Fuencaliente)
100% Negramoll, 1 Jahr franz. Barrique, 1 Jahr Flaschenlagerung, 13 Vol%.

Sehr appetitliche Dunkelfruchtnase (Brombeere, Johannisbeere), noch durchaus jugendlich, Holz völlig im Hintergrund, fast abgeschmolzenes Tannin, dank animierender Säure ausgezeichneter Trinkfluss, ein echter Spassmacher, der wohl fast jedem gefallen wird.


2008er "El Castro de Valtuille" Bierzo DO (Raul Perez, Castro Ventosa)
100% Mencia, durchschnittl. 60 Jahre alte Reben, 14 Vol%.

seh klare, fruchtig würzige Nase mit mineralischen Einschüben, durchaus dicht, extraktsüss, aber trotzdem nicht alkoholisch oder fett, ein überaus gelungener Mencia.


2007er Ribera del Duero Crianza DO (Bodegas Comenge, Curiel de Duero)
100% Tempranillo, 15 Mon. Barrique, 14,5 Vol%.

Pürrierte, reife Früchte in der Nase, merklicher aber nicht störender Holzeinsatz (Röstnoten), kraftvoll, deutlich extraktsüss, die reife Säure hält den Wein aber im Gleichgewicht, Alkohol nur dezent spürbar, sehr gute Länge mit einem Mix aus Frucht und Würze. Sehr typischer Ribera von tadelloser Qualität.


2005er "Agnus" Rioja Reserva DOC (Bodegas Valdelana, Elciego)
95% Tempranillo/ 5% Graciano, 24 Mon. Barrique, 2 Jahre Flasche, durchschn. über 50 J. alte Reben, 14,5 Vol%.

enorm kraftvoll schon in der Nase, fast schon überreife Früchte, sehr glyzerinreich, viel Dunkelfrucht, leicht floral, einige Komplexität, aber der Alkohol ist schon deutlich spürbar, ein echtes Kraftpaket mit feurigem Abgang, das auf Dauer aber etwas ermüdet. Für eine Weinprobe aber ein gelungener Vertreter der modernen, allerdings etwas überkelterten Rioja-Stilistik. Der Händlerpreis von knapp 40 EURO ist aber deutlich zu ambitioniert.


2007er "Estrecho" Monastrell Alicante DO (Enrique Mendoza)
100% Monastrell (Mourvedre) aus Einzellage "Estrecho de Pipa" (700 m über N.N.),14 Mon. franz. Eiche (500-l-Fässer), 14 Vol%.

urwüchsige, kraftvolle Nase mit einem Mix aus würzigen Noten (heller Tabak, Piment, reife Paprika) und klarer Frucht (Kirsche, Pflaume), Kraftvoll, aber nicht ohne Charme und Finesse, Alkohol und Holz bestens verpackt, ein attraktiver Charakterkopf.


2008er Reserva Privada Binissalem DO (Masia Batle, S. Maria del Cami)
Cuvee (Manto Negro/ Callet/ Cabernet Sauvignon), 14,5 Vol%.

An Bordeaux oder besser an Bordeaux-Cuvees aus der Maremma erinnernde Nase, (reife) grüne Paprika, Sattelleder, Tabak, Graphit, Zedernholz sowie dunkle Waldbeeren, kraftvoll, aber bestens durch die Säure abgepuffert, der Cabernet kommt deutlich durch, gute Länge. Ein in dieser Stilistik nahezu perfekt vinifizierter Rotwein.


2010er Pinot Noir Sierras de Malaga DO (Cortijo los Aguilares, Ronda)
100% Pinot Noir, 900 m über N.N., 8 Mon. Ausbau in Allier-Barriques, 14 Vol%.

Im Rahmen des "Bayern-Talks" hatte ich bei Klaus-Peter schon einmal einen überraschend sortentypischen Pinot noir aus Spanien verkosten können und dieser Exot aus Südspanien bestätigt erneut, dass selbst unter südlicher Sonne unter gewissen Voraussetzungen (insbesondere Höhenlage) angenehme Pinots reifen können. Durchaus typische Erdbeer/Himbeer-Nase, wirkt eher kühl als hitzig, gut strukturierendes Tannin mit dem richtigen Mass an Säure, noch jugendlicher Eindruck, spürbarer Extrakt, ordentliche Länge. Der Wein scheint noch nicht ganz auf dem Punkt zu sein, hat aber durchaus ansprechende Anlagen zur weiteren positiven Reifung. Auf spanischen Pinot wäre ich in einer Blindprobe bestimmt nicht gekommen. Mit Burgund besteht sicher keine Verwechslungsgefahr, aber in eine Probe mit deutschen oder österreichischen Pinots aus reifem Jahrgang könnte man diesen Wein vielleicht erfogreich "reinschmuggeln".


2005er Petit Verdot Dominio de Valdepusa DO (Marques de Grinon, Toledo)
100% Petit Verdot, 15 Vol%.

fast pechschwarze, völlig blickdichte Farbe, enorm konzentriert, Pflaume, Kirsche,röstig-würzige Holznoten,kraftvolles, noch aufrauhendes Tannin und reife Säure, die dieses Schwergewicht in der Balance halten, der Alkohol ist überraschenderweise relativ gut verpackt, leicht störende, medizinale Note in Richtung Jod, noch unentwickelt. Mir persönlich haben die etwas alkoholleichteren Weine aus manchem Vorgängerjahrgang besser gefallen. Dennoch ein zweifellos sehr guter Wein.


2001er "Vina Ardanza" Reserva Especial Rioja DOC (La Rioja Alta, Labastida)
80% Tempranillo/20% Garnacha/3 Jahre gebrauchtes Fass/ Verkauf ab 2011, 13,5 Vol%.

wunderbar komplexer, bestens gereifter Naseneindruck, etwas Feuerstein (Schiesspulver), floral,reife Kirsch/Pflaume-Note, heller Tabak, Leder, leicht pfeffrig, sehr komplex auch auf der Zunge, Tannin weitgehend abgeschmolzen, fein linierte Säure, trotz einiger Kraft ein fast tänzerischer, filigraner Wein, Alkohol völlig nebensächlich, absolut unaufgeregter fast zeitloser Klasse-Rioja mit ganz feiner Klinge und unverwechselbarer Stilistik. Für sehr viele Mitverkoster der Wein des Abends, zumal der Wein zu einem sehr vernünftigen Preis noch immer zu haben ist. Absolute Kaufempfehlung !


1968er "Vina Valoria" Rioja Gran Reserva DOC (Bodegas Valoria, Logrono)
100% Tempranillo/ 15 Jahre(!) Fasslagerung, 12,5 Vol%.

Unfassbar jugendliche Gran Reserva aus ganz grossem Jahrgang! Reife Farbe, aber ohne Braun- und Ziegelrottöne, klare Dunkelfrucht mit Würze und spielerischer Eleganz, keinerlei Oxidationsnoten (Wein wurde auch nicht dekantiert),wirkt höchstens wie ein 10-15 Jahre alter Rioja. Bei solch einem gealterten Wein hängt natürlich viel von der jeweiligen Flaschenverfassung ab; insofern hatten wir offensichtlich eine optimale Flasche. Grandioser Wein im "Old-Style", der wirklich alle Mitverkoster begeistern konnte.


2005er "La coleccion No 2/3" Priorat DOQ (Trio Infernal/Combier/Fischer/Gerin)
100% Carinena (Carignan) aus 90 Jahre alten Reben, 18 Mon. neue franz. Eiche, 14,5 Vol%.

Tolle, wilde Nase nach Johannisbeere und Waldbeere, rauchig unterlegt, Holzkohle, Pfeffer,stark kräutrig, faszinierende Nase, die an südfranzösische "Garrigue-Weine" erinnert, sehr kraftvoll im Mund, noch sehr verschlossen, noch kantiges Tannin, frische Säure, perfekt balanciert, dicht und "wild", Alkohol perfekt integriert, langer, fruchtig würziger Abgang. Der Wein sollte noch ein paar Jahre im Keller verbleiben, kann aber auch jetzt schon angetrunken werden. Ganz hochwertiger Priorat mit deutlich französchischer Handschrift, der aber (berechtigterweise) nicht ganz billig ist.


1996er "Val Sotillo" Gran Reserva Ribera del Duero DO (Ismael Arroyo)
4.500 Fl., 13 Vol%.

ein echter Klassiker, extrem finessenreiche Nase mit perfektem Holzeinsatz, reife aber frische Dunkelfrucht mit markantem Himbeertönchen, Kaffe, Leder, Zedernholz, Tabak, sehr komplex und intensiv. Makellos im Mund, frische Säure und sehr feinkörniges Tannin, Eleganz geht hier deutlich vor Wucht und schierer Kraft, dennoch ein sehr intensiver Rotwein mit ebensolchem Abgang. Eine echte Schönheit und ein Plädoyer für klassisch-trinkige Weine aus dieser bekannten Herkunft, in der sich leider viel zu viele "Bodybuider" und Blender tummeln.


2006er "Clos Martinet" Priorat DOQ (Mas Martinet, Fam.Perez)
Cuvee (58% Garnacha, 18% Carinena, 12% Syrah, 6% Cabernet Sauvignon, 6% Merlot), 19 Mon. Barrique, 14,5 Vol%.

perfekt vinifizierter Roter, der auf gelungene Weise Klassik mit Moderne mischt, sehr feine Nase nach Kirsche und anderen roten Früchten, ganz feiner, nur unterstützender Holzeinsatz, sehr würzig, deutliche Schiefer-Mineralität, das Tannin ist kräftig, aber extrem feinkörnig, so dass dieser jugendliche "Tropfen" auch jetzt schon Spass macht, passende Säure, kraftvoll, aber mit einiger Eleganz gezügelt,die 14,5 Umdrehungen sind wunderbar eingepasst und kaum spürbar, der Abgang ist noch etwas verhalten, hat aber eine intensive Rückaromatik. Der Wein ist schon gut antrinkbar, man braucht aber keine prophetischen Fähigkeiten, um diesen Rotwein noch ein Reifepotential von mindestens 5-8 Jahren zu bescheinigen, vielleicht auch mehr (dafür fehlt mir etwas die Erfahrung mit diesem Wein).


2001er Rioja Alavesa Reserva DOC (Remirez de Ganuza, Samaniego)
90% Tempranillo/10% Graciano, 21 Mon. Barrique, durchschnittlich 60 Jahre alte Reben, 14 Vol%.

noch unentwickelt in der Nase (der Wein benötigt sehr viel Luft), mit der Zeit aber immer mehr reife Dunkelfrucht, wunderbar würzig-floral, enorm dicht, noch deutlich Tannin, aber wie beim Clos Martinet von der feinsten Art, auf der Zunge sehr engmaschig, komplex und fruchtdicht, man hat aber noch das Gefühl, dass der Wein beileibe noch nicht alles zeigt, noch grosses Potential,hier wächst in den nächsten Jahren ein großartiger Rioja aus ebenso großartigen Jahrgang heran. Wer hiervon noch im Keller hat, kann sich in 10-15 Jahren über einen ganz großen Wein freuen.

Das wars wieder einmal in aller Kürze. Eine nahezu perfekte Probe ohne jeglichen Korkschmecker und sonstigen Ausfall, so kann es weitergehen. Nächsten Freitag werden wir uns mit diversen Weinen beschäftigen, die nur eines gemein haben: alle sind aus dem Jahrgang 2002.

Grüsse
Bodo
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Dick
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Re: Spanische Rotweinprobe in Würzburg

Beitrag von Dick »

Hallo Bodo,

Danke für diese klare Verkostungsnotizen, haben sie mit viel Freude gelesen :!:
Mit freundlichen Grüßen aus Holland,
Dick
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vinos
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Re: Spanische Rotweinprobe in Würzburg

Beitrag von vinos »

Hallo Bodo,

vielen Dank für Deine Notizen!

Da hattet Ihr ja einige schöne Tropfen im Glas, Donnerwetter....

Den Estrecho von Enrique Mendoza hatten wir aus 2004 auch beim letzten Bayerntalk im Glas.
Da scheint sich 2007 doch offener zu präsentieren. Vielleicht hast Du ja noch Deine Notizen zum Vergleich zur Hand.

Schön zu lesen, wie sich der 2/3 von Trio Infernal aus 2005 derzeit macht. Da brauche ich also von meinem Plan, die 1.Flasche in 2015 zu entkorken nicht abrücken.
Beste Grüße
Klaus-Peter
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