Seite 1 von 16

Abendrot in Apricot

Verfasst: So 3. Jun 2012, 09:27
von Birte
Wir haben die betörenden Texte aus Saarwellingen über den Gutsriesling von van Volxem gelesen. Dank des Videos mit Herrn van Volxem wissen wir, dass man von den wollüstigen Trauben irreversiblen Hüftspeck bekommt. Schnüren wir das Korsett ein wenig lockerer, auch kein Problem.

http://www.youtube.com/watch?v=R38B_OdaDek

Um auf dem Teppich zu bleiben, probieren wir parallel den Gutsriesling von Bürklin-Wolf, über den noch keine rauschende Poesie im Umlauf ist. Frei nach Innauen ist dieser Bürklin-Wolf ein barock und breit gebauter Riesling, der für einen Gutsriesling zu wuchtig ist. Mal sehen, wie weit das von der Wahrheit weg ist. Ich bügele jetzt passend zum Anlass noch mein apricot farbenes Kleid. Das, wo ich aufpassen muss, dass das Bügeleisen nicht kleben bleibt und für das die vielen süßen kleinen Polyester sterben mussten.

Fangt heute Abend oder die Tage an, wann Euch der Sinn nach Aprikosenwasser oder nach einem Bürklin-Wolf Gutsriesling ist. Ich werde heute erst mal Aprikosensaft nach Aachen bringen. Bis später.

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: So 3. Jun 2012, 19:41
von Allegro
Dann fange ich halt mal an ....
Mit dem Bürklin-Wolf 2011 ... den hatte ich vor zwei Wochen schon mal gekostet und damals fand ich zwar ordentlich Frucht vor, aber keine Aprikosen ...

Heute nun finde ich da schon eher ein Hauch Aprikose drin ... und Ananas ... und Zitrone ... insgesamt schön viel Frucht ... und nach wie vor eine knackige Säure (zumindest für mich - dem einen oder anderen von Euch wird der Wein sicher eher mild vorkommen ... )

Aber barock, breit und wuchtig finde ich ihn nun gar nicht :? - auch wenn es sicher schlankere Rieslinge geben mag.

Zu meinem Abendessen (Lamm mit Rosmarin und Dicke Bohnen mit Trauben) hat er auch eine gute Figur gemacht.

Mein Fazit: ein schöner Gutsriesling, allerdings dafür doch etwas teuer (wenn man die Sonderangebote wegläßt).

'Viele Grüße - Allegro

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: So 3. Jun 2012, 20:00
von Bernd Schulz
Hallo Allegro,
Aber barock, breit und wuchtig finde ich ihn nun gar nicht
Wir (d.h. Birte, die mich eben besucht hat, und ich) fanden ihn auch nicht breit, barock und wuchtig, sondern eher straff und schnörkellos.
Heute nun finde ich da schon eher ein Hauch Aprikose drin ... und Ananas ... und Zitrone ... insgesamt schön viel Frucht ...
Zitrusnoten auf jeden Fall, Ananas und Aprikose nicht zwingend. Insgesamt bin ich, was die "Frucht" bei diesem Wein angeht, etwas hin- und hergerissen. Gestern abend kam sie mir streckenweise etwas plakativ-zitronenbonbonartig entgegen, heute machte sie einen verhalteneren Eindruck und tendierte eher in Richtung Zitronenmelisse.

Alles in allem gefällt mir dieser mit deutlich herben Noten unterlegte Basisriesling recht gut, und das PLV stimmt auch einigermaßen. Kistenweise kaufen würde ich mir aber trotzdem eher andere Weine... :mrgreen:

Ich bedanke mich noch mal bei Birte dafür, dass sie mich für zwei sehr angenehme Stunden aus dem Arbeitstrott gerissen hat! Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden...

Herzliche Grüße

Bernd

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: So 3. Jun 2012, 22:18
von Birte
Endlich konnte ich mich einloggen und bin auf die Seite aktuelle Themen vorgedrungen. Error, Error, Error...Bernd, Dir einen herzlichen Dank für den schönen Nachmittag. Und obwohl man das im Zusammenhang mit dieser Online-Probe eigentlich nicht erwähnen sollte, Martin Müllen hatte einfach eine andere Dimension, als unsere Online-Proben Weine. Allegro, der Bürklin-Wolf ist nicht der Aprikosenwein, das soll der vV sein. Den Bürklin-Wolf habe ich mir bereits gestern aufgemacht und da war er in der Nase sehr zu. Bernd hat ihn mir heute blind untergejubelt, was sehr amüsant war, da ich meinte so ähnlich könnte sich der Bürklin-Wolf entwickeln. Bei meinem weiteren Glas zu Hause, muss ich feststellen, dass bei Bernds Flasche die Nase offener war. Gaumen gleich, preußisch straff, Bittertöne, Grape, Limone. Die Säure ist richtig heftig da, nochmehr als ich sie heute Nachmichtag wahrgenommen habe. Null spürbarer Restzucker. Ich habe den Wein im März probiert und jetzt, barock kann der nie gewesen sein. Innauen, ab zum Zungenarzt. Beim vV lagen Bernd und ich auch nicht weit auseinender, aber vielleicht weit davon weg, was bisher geschrieben wurde. Ich warte erstmal auf Eure Ansichten. Auf jeden Fall habe ich heute im Regionalexpress einen kleine Schwipps auskuriert, aber einen der sich gelohnt hat. Es ist Ewigkeiten her, dass ich mich so gut mit einem Gleichgesinnten über Wein unterhalten konnte.

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: So 3. Jun 2012, 22:46
von Bernd Schulz
...Martin Müllen hatte einfach eine andere Dimension...
Fairerweise muss erwähnt werden, dass es sich da auch um keinen Gutsriesling gehandelt hat, sondern einen (trockenen) 09er Kabinett aus dem Hühnerberg. Spürbar teurer in der Anschaffung als der "Saarriesling" aus dem "Kometenjahrgang" :mrgreen: war der allerdings auch nicht....
Auf jeden Fall habe ich heute im Regionalexpress einen kleine Schwipps auskuriert


:mrgreen: Hinterher habe ich zwar noch etwas gearbeitet, aber ich kann nicht behaupten, dass mir das leicht gefallen wäre. :oops:

Das war fraglos eine Aktion, die wir in ähnlicher Form dringend wiederholen müssen!

Eben habe ich mir noch die Überbleibsel des VVschen Aprikosenwunders einverleibt, und jetzt gebe ich mir mit einem Weingart-Kabi Bopparder Hamm Feuerlay aus 09 den Rest!

Feuchtfröhliche Grüße

Bernd

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: So 3. Jun 2012, 23:01
von Birte
Ich habe gerade noch den Bürklin-Wolf im Glas. Hat das Nässchen etwas geöffnet, milde Kräuter. Obwohl ich zugeben muss, dass mich Deine Uhu Äusserung etwas nervös macht. In ein paar Wochen bekommst Du den nochmal aufgetischt, blind untergejubelt. :mrgreen: Jetzt hoffe ich erstmal auf vV Meldungen. Ich werde zwar die Tage dann noch eine Flasche aufmachen, aber da wird sich nicht viel ändern. Trallallla, es gibt einfach Weine, die sich überlassen werden und Weine die gemacht werden. Und glaubt ja nicht, dass eine Spontanvergärung Freiheit für den Wein bedeutet.

@Bernd, auch wenn der Martin Müllen kein Gutsriesling war, diese Bezeichnungen jucken mich nicht. Sagen wir es einfach mal in Zahlen: Ich würde fünf Euro mehr als für den vV zahlen.

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: Mo 4. Jun 2012, 08:18
von theater69
Moin zusammen,

gestern abend haben wir in einer Gewaltaktion ;) beide Weine verkostet. Zunächst der Bürklin-Wolf. Die Nase mehr als verhalten, irgendwie nur Mineral, nix mit Frucht. Erster Schluck. Tja, stark zitruslastig, zu Beginn ganz kurz etwas Fruchtsüße, dann nur noch Säure, Zitrone/Grapefruit/Limone (kann mich da nicht sooo festlegen). Zum „so trinken“ nicht unser Ding. Für den Preis haben wir schon uns besser gefallende Weine im Glas gehabt. Und dafür habe ich mich so abgeochst bei der Beschaffung. :shock:

So, und nun der van Volxem. Die Nase auch verhalten (vielleicht die Flaschen zu kalt gelagert?), aber deutlich fruchtiger. Dann der erste Schluck. Ah ja, da sind ja die Aprikosen! Eine deutlich verhaltenere Säure, viel Geschmeidigkeit, zu den Aprikosen noch etwas Banane, für uns deutlich schöner als der BW. Der geht auch "so". Mal sehen, wie er sich heute abend im Glas macht, Flasche ist noch halbvoll ...

Aber ich bin mal gespannt, was sich hier noch so tut mit den Bewertungen. Vielleicht liegen wir ja komplett falsch?

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: Mo 4. Jun 2012, 08:30
von Birte
Theater69, Deine Bürklin-Wolf Beschreibung kann ich komplett unterschreiben. Als ich ihn Samstag Nacht probiert habe, wusste ich zum einen, dass es ein Wein ist, der für die meisten Leute nix ist und zum anderen, dass der Wein sich gerade in einer Phase befindet, wo man ihn lieber zu lassen sollte. Zum van Volxem halte ich den Mund, bis mehr von Euch probiert haben. Ich möchte Euch aber einen kleinen Rat geben: Klammert Euch nicht an den Aprikosen fest. Nicht alles, was hundertmal geschrieben (abgeschrieben) wird, muss etwas mit der Realität zu tun haben.

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: Mo 4. Jun 2012, 14:54
von toff
Hallo zusammen,

weil hier ja jeder machen darf, was er will (im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, versteht sich) habe ich mir erlaubt, noch einen dritten Wein mitzutesten, einen Riesling vom Seehof in Rheinhessen. Dessen Gutsriesling hatte beim Berlin Riesling Cup ziemlich gut abgeschnitten (4. Platz). Ich hatte allerdings nicht genau diesen, sondern eine PdP-Sonderfüllung. Laut TS natürlich nochmal viel besser und mit 7,40 Euro etwas günstiger als Bürklin-Wolf. Außerdem habe ich schon am Samstag angefangen, um die Weine über zwei Tage verkosten zu können.

Bürklin-Wolf: Strohgelb, in der Nase zunächst eine deutliche Uhu-Note, die mit Belüftung weniger wird, aber auch am Tag zwei noch zu erahnen ist. Mit Luft auch Noten von gelben Früchten (Mirabelle?), im Mund mittelgewichtig (fett fand ich ihn nicht), Fruchtnoten auch im Mund, mittellanger Abgang, der am ersten Tag etwas alkoholig wirkte. Im Gegensatz zu einigen Vorschreibern fand ich ihn nicht säurelastig.

Van Volxem: Strohgelb, Nase zunächst verhalten, mit etwas Luft kommen Fruchtnoten (aber so richtig aprikosig wirkt er auf mich nicht). Etwas Restsüße, die mit der Säure gut harmoniert, relativ langer Abgang, in dem ich zunächst eine leicht unsaubere Note wahrzunehmen glaube. Diese ist am zweiten Tag weg und es kommt etwas mineralisches hinzu.

Seehof: Strohgelb, verhaltene Nase, im Mund mitteldicht, erfrischende Säure, etwas Mineralität, im relativ langen Abgang eine leichte Bitternote. Am zweiten Tag etwas offener, nun kommt in der Nase eine Zitruston hinzu und vor allem im Mund auch eine kräuterige Note.

Fazit: Alle drei Weine lassen sich ganz angenehm trinken, der Eindruck, dass 2011 "Germany´s next Jahrhunderjahrgang" sei, will sich aber nicht einstellen. Mir persönlich macht der van Volxem am meisten Spass (das ist jetzt keine qualitative Wertung sondern meinen Geschmackspräferenzen geschuldet). Für gut 11 Euro lassen sich da aber sicher mindestens genauso gute andere Weine finden.
Der Seehof wirkt am frischsten und stellt für mich einen angenehmen Sommerwein dar. "DER Referenzwein schlechthin mit einem unschlagbaren Preis-Genuss-Verhältnis" (Zitat TS) finde ich dann aber doch etwas übertrieben.

Grüße, Christopher

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: Mo 4. Jun 2012, 15:11
von Birte
Im Gegensatz zu einigen Vorschreibern fand ich ihn nicht säurelastig.
Säurelastig fand ich ihn auch nicht. Er hatte eine gute Säure. Damit meine ich, er überlebt den Winter, was ich bei einigen 2011ern bezweifel. Dieser Wein ist nocht nicht in der Form, die er erreichen kann.
relativ langer Abgang, in dem ich zunächst eine leicht unsaubere Note wahrzunehmen glaube.
Diesen Teil habe ich als rauchige mineralische Note wahrgenommen. Unsauberkeit wäre mir aufgefallen, wir haben den Wein auf Zimmertemperatur getestet.
(aber so richtig aprikosig wirkt er auf mich nicht)
Darüber werde ich mich in den nächsten Tagen noch auslassen.
weil hier ja jeder machen darf, was er will (im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, versteht sich) habe ich mir erlaubt, noch einen dritten Wein mitzutesten, einen Riesling vom Seehof in Rheinhessen.
Das finde ich super!
Alle drei Weine lassen sich ganz angenehm trinken, der Eindruck, dass 2011 "Germany´s next Jahrhunderjahrgang" sei, will sich aber nicht einstellen.
Das glaube ich auch nicht. Ich überlege, ob ich mir diese Woche statt einem weiteren van Volxem, den muss ich nicht nochmal trinken, um ihn zu verstehen, einen Wittmann genehmige. Ich möchte damit den Aktionsradius erweitern und auch alle anderen, die diese Woche etwas aus 2011 trinken ermuntern, sich die gute oder schlechte Laune von der Seele zu schreiben. Hauptthema bleiben natürlich BW und vV.