LaLas in Graz
Verfasst: Di 14. Feb 2012, 12:22
Schon lange schleiche ich um die Lagen-Cote Roties von Guigal herum. Nach diversen erfreulichen Begegnungen mit älteren Ausgaben des "einfachen" Brune et blonde sowie jüngeren Jahrgängen Chateau d' Ampuis und Ermitage Ex Voto sowie eingehender Lektüre von Jeff Leve und Achim Becker war eigentlich klar, dass diese Weine genau mein Ding sein müssten. Nur bekommt man sie viel zu selten ins Glas. Das liegt vor allem an den geringen verfügbaren Mengen und den zum Teil wahnwitzigen Preisen, die für diese seltenen Weine aufgerufen werden. Meine Trinkerfahrungen waren demnach stark begrenzt (nur ein Mal 92er La Turque). Das hat sich nun erfreulicherweise mit einer sensationellen Weinprobe in Graz geändert.
Umrahmt wurde das Kernprogramm der 14 Guigal-Lagenweine von 14 höchstkarätigen "Nachbarn", teils von Guigal selber, teils von anderen Top-Produzenten wie Ogier, Jamet oder Rostaing. Ich glaube, ich habe selten an einem Abend so viele Parkerpunkte getrunken.
Rückschauend kann ich nur sagen: von den knapp zweitausend Kilometern, die ich für diese Probe an einem Wochenende im Auto gesessen habe, hat sich jeder einzelne gelohnt. Die Weine präsentierten sich auf unglaublich hohem Niveau und größtenteils mit einer faszinierenden Frische, die sie bei aller Konzentration phänomenal elegant erscheinen lässt. Insbesondere die reiferen Flights 3, 4 und 6 haben alles getoppt, was ich in meiner bisherigen Weinproben-Historie erleben durfte. Die Lalas verfügen einfach über einen Tick mehr Frische als Rayas, über etwas mehr Dampf als die La Chapelles und (und das schreibe ich wirklich nicht gerne) über ein Quäntchen mehr Feinheit als die Giacosas.
Ich bin überaus dankbar, dass ich an einer solchen Probe teilnehmen durfte.
Die Probe war in jeder Hinsicht perfekt organisiert. Die Weine wurden in 4er- und 5er-Flight blind aus Gabriel-Gläsern probiert. Nach jedem Flight wurde aufgedeckt.
Flight 1:
E. Guigal Chateau d'Ampuis -Cote Rotie 1995
Der erste Jahrgang Chateau d'Ampuis. Sehr dunkle, junge Farbe. In der Nase Vanille, etwas Stall. Dunkle Frucht. Eher zurückhaltend. Am Gaumen mittlere Dichte. Schlank aber sehr lang. Elegant. Im Glas öffnet sich die Nase deutlich und wird immer schöner und eigenständiger. Wie häufig bekommt man Lakritz, Thymian und Curry in einer Rotwein-Nase geboten? Über allem liegt eine ganz zarte Zitrus-hafte Note, die uns an diesem Abend noch häufiger über den Weg laufen wird. Einige der Teilnehmer riechen Blutorange, für mich geht das Ganze in Richtung Eisenkraut. Die Note sorgt für eine fabelhafte, elegant wirkende Frische, nach der ich süchtig werden könnte. Super! (93)
Jean-Michel Gerin - Côte Rôtie "Le Grand Places" 1995
Farblich dem Ampuis sehr ähnlich. In der Nase seidiger, geschliffener, feiner aber auch nochmal etwas dezenter. Am Gaumen erheblich weniger Substanz. Etwas bitteres Holz. Rustikal anmutendes Tannin. Die Nase legt zu, der bockige Eindruck aber bleibt. Ich vermute, dass der Wein noch ordentlich Luft nach oben hat. (88+)
E. Guigal - Côte Rôtie "La Turque" 1997
Auch hier farblich fast identisch. Sehr duftig, üppig und komplex. Sexy! Wunderbar. Viel Kirsche. Auch am Gaumen: jung! Tragende Säure, Ordentlich (meint: zu) viel Holz. Zumindestens im aktuellen Stadium. Deutlich länger als der Gerin. Auch hier entwickelt sich die Nase deutlich im Glas mit einer fast Latour-haften Walnuß-Note. Der Gaumen scheint sich mit der Zeit zu verschliessen und wirkt überschlank bis hohl. Den scheinen wir im Tiefschlaf erwischt zu haben. (89+)
Chapoutier - Cote Rotie "La Mordoree" 1995
Dunkler. Erneut nussige Noten. Sehr dunkle, reife, wenn man so will "moderne" Frucht. Würzige, erdig, trotzdem frisch. Am Gaumen breit, sehr viel Holz. Mit der Zeit entwickelt der Wein sehr schöne Kräuternoten und eine fast etwas künstlich anmutende Frucht. Im Mund bleibt er weiterhin ein kantiger Brocken. Hier bin ich bezüglich einer positiven Entwicklung weniger optimistisch als bei den Vorgängern. (88)
Ogier - Cote Rotie "La Belle Hélène" 1997
Der dunkelste Wein des Fünfer-Flights. Kirsche! Üppig. Sexy. Den Wein könnte man blind ohne Probleme in einen Flight modernen Italiener stellen ohne dass er übermäig auffallen würde. Am Gaumen mittlere Dichte, etwas breit. Viel Holz. Gute Länge. Hier fehlt mir die Substanz in der Mitte. Ähnlich wie bei den Weinen 2 und 3 vermute ich aber, dass der Wein deutlich Potenzial für mehr Trinkspaß hat, wenn man ihm noch etwas Zeit gibt. (90+)
Fortsetzung folgt...
Umrahmt wurde das Kernprogramm der 14 Guigal-Lagenweine von 14 höchstkarätigen "Nachbarn", teils von Guigal selber, teils von anderen Top-Produzenten wie Ogier, Jamet oder Rostaing. Ich glaube, ich habe selten an einem Abend so viele Parkerpunkte getrunken.
Rückschauend kann ich nur sagen: von den knapp zweitausend Kilometern, die ich für diese Probe an einem Wochenende im Auto gesessen habe, hat sich jeder einzelne gelohnt. Die Weine präsentierten sich auf unglaublich hohem Niveau und größtenteils mit einer faszinierenden Frische, die sie bei aller Konzentration phänomenal elegant erscheinen lässt. Insbesondere die reiferen Flights 3, 4 und 6 haben alles getoppt, was ich in meiner bisherigen Weinproben-Historie erleben durfte. Die Lalas verfügen einfach über einen Tick mehr Frische als Rayas, über etwas mehr Dampf als die La Chapelles und (und das schreibe ich wirklich nicht gerne) über ein Quäntchen mehr Feinheit als die Giacosas.
Ich bin überaus dankbar, dass ich an einer solchen Probe teilnehmen durfte.
Die Probe war in jeder Hinsicht perfekt organisiert. Die Weine wurden in 4er- und 5er-Flight blind aus Gabriel-Gläsern probiert. Nach jedem Flight wurde aufgedeckt.
Flight 1:
E. Guigal Chateau d'Ampuis -Cote Rotie 1995
Der erste Jahrgang Chateau d'Ampuis. Sehr dunkle, junge Farbe. In der Nase Vanille, etwas Stall. Dunkle Frucht. Eher zurückhaltend. Am Gaumen mittlere Dichte. Schlank aber sehr lang. Elegant. Im Glas öffnet sich die Nase deutlich und wird immer schöner und eigenständiger. Wie häufig bekommt man Lakritz, Thymian und Curry in einer Rotwein-Nase geboten? Über allem liegt eine ganz zarte Zitrus-hafte Note, die uns an diesem Abend noch häufiger über den Weg laufen wird. Einige der Teilnehmer riechen Blutorange, für mich geht das Ganze in Richtung Eisenkraut. Die Note sorgt für eine fabelhafte, elegant wirkende Frische, nach der ich süchtig werden könnte. Super! (93)
Jean-Michel Gerin - Côte Rôtie "Le Grand Places" 1995
Farblich dem Ampuis sehr ähnlich. In der Nase seidiger, geschliffener, feiner aber auch nochmal etwas dezenter. Am Gaumen erheblich weniger Substanz. Etwas bitteres Holz. Rustikal anmutendes Tannin. Die Nase legt zu, der bockige Eindruck aber bleibt. Ich vermute, dass der Wein noch ordentlich Luft nach oben hat. (88+)
E. Guigal - Côte Rôtie "La Turque" 1997
Auch hier farblich fast identisch. Sehr duftig, üppig und komplex. Sexy! Wunderbar. Viel Kirsche. Auch am Gaumen: jung! Tragende Säure, Ordentlich (meint: zu) viel Holz. Zumindestens im aktuellen Stadium. Deutlich länger als der Gerin. Auch hier entwickelt sich die Nase deutlich im Glas mit einer fast Latour-haften Walnuß-Note. Der Gaumen scheint sich mit der Zeit zu verschliessen und wirkt überschlank bis hohl. Den scheinen wir im Tiefschlaf erwischt zu haben. (89+)
Chapoutier - Cote Rotie "La Mordoree" 1995
Dunkler. Erneut nussige Noten. Sehr dunkle, reife, wenn man so will "moderne" Frucht. Würzige, erdig, trotzdem frisch. Am Gaumen breit, sehr viel Holz. Mit der Zeit entwickelt der Wein sehr schöne Kräuternoten und eine fast etwas künstlich anmutende Frucht. Im Mund bleibt er weiterhin ein kantiger Brocken. Hier bin ich bezüglich einer positiven Entwicklung weniger optimistisch als bei den Vorgängern. (88)
Ogier - Cote Rotie "La Belle Hélène" 1997
Der dunkelste Wein des Fünfer-Flights. Kirsche! Üppig. Sexy. Den Wein könnte man blind ohne Probleme in einen Flight modernen Italiener stellen ohne dass er übermäig auffallen würde. Am Gaumen mittlere Dichte, etwas breit. Viel Holz. Gute Länge. Hier fehlt mir die Substanz in der Mitte. Ähnlich wie bei den Weinen 2 und 3 vermute ich aber, dass der Wein deutlich Potenzial für mehr Trinkspaß hat, wenn man ihm noch etwas Zeit gibt. (90+)
Fortsetzung folgt...