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Bordeaux 2002 - ein überflüssiger Jahrgang?

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
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pessac-léognan

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Re: Bordeaux 2002 - ein überflüssiger Jahrgang?

BeitragFr 11. Jan 2019, 11:59

UlliB hat geschrieben:
octopussy hat geschrieben: Was mich so stutzig macht bei dem 2002 Léoville-Barton, sind die unterschiedlichen Wahrnehmungen.

Hallo Stephan,

ja, das ist schon merkwürdig. Auch weiter oben im Thread gibt es eine absolut euphorische Bewertung zum 02er, die ja Anlass für meinen Versuch im Mai war. Da passt etwas vorne und hinten nicht zusammen; die Flasche am Freitag war zwar nicht regelrecht schlecht, aber ganz einfach wischi-waschi und belanglos, qualitativ weit unter dem nominellen Rang und auch weit unter dem, was Leo B zu leisten in der Lage ist.

Es gab hier im Forum vor einiger Zeit schon mal eine Auseinandersetzung über den 96er Leo B, den susa sehr positiv bewertet hatte (und ich hatte ihn in ähnlicher Form im Glas), was heftigen Widerspruch ausgelöst hat: offensichtlich hatten ein paar andere Leute den Wein in ziemlich gräßlicher Form erlebt.

Entweder gibt es hier wirklich fundamentale Unterschiede in der Wahrnehmung und Einschätzung, oder aber (und viel schlimmer) es gibt qualitativ deutliche unterschiedliche Abfüllungen - und bei dem 96er haben susa und ich eine gute erwischt und bei dem 02er wir beide eine schlechte. Das sollte bei einem renommierten Betrieb nicht vorkommen; unmöglich ist es aber auch nicht ganz.

Gruß
Ulli



Da fällt mir im Nachgang noch ein, dass ich aus 2002 (auch wegen der vergleichsweise zu 2000 so günstigen Preise) noch Ducru, Cos und Comtesse de Lalande hatte, allerdings nur je eine oder maximal 2 Flaschen. Allesamt waren sie für mich enttäuschend, jedenfalls deutlich unterhalb des Genussfaktors von LB 2002. Merkwürdig!
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maha

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Re: Bordeaux 2002 - ein überflüssiger Jahrgang?

BeitragMo 14. Jan 2019, 09:27

Hallo zusammen,

am Freitag war es dann so weit. Drei 2002er wurden einem kleinen Vergleichstest unterzogen

1) Comtesse 2002
Kirsche, Kräuter, wird beeriger, schwarzer Kaffee. Griffige Tannine, wirkt grob, voller Körper, würzig, baut schnell ab, bleibt die ganze Zeit etwas sperrig, wirkt alkoholisch.
Das zweite Glas wird dann etwas harmonischer. Leicht laktisch, etwas Süßholz, aber immer noch etwas unruhig. Wird dann zwar tiefer und dunkler, aber ohne dabei viel an Charme zu gewinnen. Macht im Laufe des Abends weiter zu. Im Vergleich zum Zweitwein sehr enttäuschend

2) Reserve de la Comtesse 2002
In der Nase Kuhstall, dahinter Cassis. Sehr schöne Nase, Tabak, Gewürze, die sich noch weiter entwickelt. Auch hier kräftige Tannine, dem Erstwein zunächst nicht unähnlich. Auch etwas bitter im Abgang. Viel harmonischer als die große Comtesse und rund. Bleibt harmonisch, geht dann ins würzige, schöne Extraktsüße. Auch hier gefällt mir das zweite Glas noch besser.
In diesem Status versägt der Zweitwein den Erstwein um Längen

3) D‘Armaillac 2002
Tolle Blaubeer Nase, fruchtig auch floral. Im Mund saftig, leichtes Bitterl, schöne Frucht, seidige Gerbstoffe, sehr dunkelbeerig, Volker Körper, die Säure schön integriert, das bittere im Abgang stört etwas, aber auch das legt sich mit der Zeit. Wirkt am frischsten von allen, aber dafür nicht so komplex.
Kann sich im Comtesse Reigen gut behaupten.

Fazit: Etwas ratlos. Ist die "große" Comtesse doch noch zu jung? Verschlussphase? Schlechte Flasche? Jochen hatte auch schon ein paar und konnte bisher auch noch nicht überzeigt werden.
Eigentlich sollte der Zweitwein ja schon früher zugänglich sein, also lohnt zuwarten vielleicht doch. Time will tell, ich hab leider keine mehr um das zu überprüfen.
Der D'Armaillac konnte hier durchaus mithalten. Vom Trinkvergnügen vielleicht sogar Tagessieger. Zwar kein Komplexitätsmonster, aber der harmonischste des Trios.

Gruss
Marko
Der schönste Sport ist der Weintransport!
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