Deutsche Weinprobe in Würzburg
Verfasst: Mo 14. Nov 2011, 18:19
Hallo zusammen,
es wurde mal wieder Zeit, mit einigen gleichgesinnten Weinnasen einige deutsche Rot- und Weißweine durchzuprobieren. 14 Weine standen auf dem Prüfstand (4x rot, 10 x weiß) und ..oh Wunder.. ein Abend ohne Korkschmecker, obwohl 13 der 14 Weine verkorkt waren !!
Für die Interessierten folgend meine Kurznotizen:
1.) 2009er Lemberger ** QW trocken (Rainer Schnaitmann, Fellbach)
sehr klassischer Lemberger mit Kirsch- und Pflaumenfrucht,angenehm kühler Gaumenauftritt, noch leicht kantiges Tannin, Holz nur ganz dezent im Hintergrund, erinnert stark an einen mittelgewichtigen Burgenländer,sehr guter Trinkfluss, dürfte vor allem als Essensbegleiter eine gute Figur machen. 85 P.
2.) 2008er Cabernet Mitos QW trocken (Kirmann, Westerhausen)
die Nase erinnert durchaus an Bordeaux, etwas Cassis, Pflaume, vor allem balsamische und würzige Noten (Tabak, Leder, Tintenblei, dezent floral), leider kann der Gaumenauftritt dann -sicherlich auch jahrgangsbedingt- nicht mit der vielversprechenden Nase mithalten, es fehlt doch deutlich an Fleisch und Kraft, etwas monolithische Frucht, zu hohe Säure, etwas kurzer Abgang. Wenn man aber den Jahrgang und die klimatischen Bedingungen berücksichtigt, ein durchaus sehr ordentlicher Wein. 82 P.
3.) 2003er "Divino" Frühburgunder QW trocken (WG Nordheim)
sehr feine Nase nach Schattenmorellen ,Erd- und Himbeere,rohes Fleisch, typisches Pinot-Stinkerl, erstaunlicherweise und entgegen dem Jahrgangstrend absolut nicht marmeladig, ganz trocken, aber mit deutlicher Extraktsüsse, genau die richtige Säuredosis für eine ordentliche Struktur, fast abgeschmolzenes Tannin, reif, aber keine Spur von Alkoholübermass (vergeichsweise bescheidene 13,2 Vol%), elegant und voller Finesse, mittlerer bis langer Abgang, ein Klasse Frühburgunder, der auch wesentlich teureren Exemplaren locker Paroli bieten kann. 90P.
4.) 2004er Spätburgunder QW trocken "Alte Reben" (Huber, Malterdingen)
voll auf Eleganz getrimmte Nase, feiner MIx aus zarten Holztönen mit floralen- und
Dunkelbeereinschüben, auch hier das typische Pinot-Stinkerl, jahrgangsbedingt eine etwas höhere Säure als beim Frühburgunder, feinkörniges, mürbes Tannin, der Wein ist jetzt herrlich gereift und auf dem Punkt. Die stilistische Ähnlichkeit mit dem Frühburgunder ist wirklich erstaunlich. Auch hier 90 P.
Jetzt zu den Weißweinen:
5.) 2007er Bopparder Hamm Ohlenberg Riesling Spätlese tr. -Alte Reben- (Matthias Müller)
kräftiger Riesling mit einiges an (sauberer) Bortrytis, kräftige Honignote, reife Aprikose, Ananas, etwas exotisch, mittlere Säure, mittelgewichtig bis kraftvoll, mehr auf der wuchtig-fruchtigen als auf der mineralischen Seite, vielleicht etwas sättigend, aber trotzdem ein tadelloser, vielleicht ein Tick zu schwermütiger Riesling. Das Preis-Leistungsverhältnis ist wie bei allen Weinen von Matthias Müller sehr gut. 85 P.
6.) 2004er Kirrweiler Mandelberg Weißburgunder tr. "GG" (Rainer Bergdolt)
würzig-fruchtige, aber gleichzeitig frische und noch erstaunlich jugendliche Nase, reifer Apfel, etwas Birne, dezent vegetabile Töne (Heu, Fenchel), mundwässernde Nase, absolut trocken, fast leichtfüssig wirkend aufgrund der stringenten, aber reifen Säure, Körper bestens verpackt, die 13, 5 Vol% sind nicht zu erahnen, langer und frischer Abgang.
Ein Großes Gewächs, das durchaus seinen Namen verdient. Man merkt die Erfahrung, die Rainer Bergdolt schon sehr lange mit dem häufig unterschätzten Weißburgunder besitzt.
90 P.
7.) 2008er Retzstadter Langenberg "Recis" Silvaner Spätlese tr. (Rudi May)
frische Melonennase, etwas Heu und vegetabile Noten, wirkt sehr frisch, kräftige aber reife Säure, sehr geradlinig, dezente Mineralik auf der Zunge, ganz trocken, gelungener Mix aus Frucht und Würze, gute Länge. Ein niveauvoller, sehr trinkanimierender Silvaner. Warum genau dieser Wein von Jancis Robinson zu einem Ihrer Weine des Jahres gekürt wurde, erschließt sich mir allerdings nicht ganz. 88 P.
8.) 2008er Westhofener Kirchspiel Riesling tr. "GG" (Keller)
sehr kühle, elegante und absolut mineralisch gefärbte Nase, die Frucht entwickelt sich nur im Schneckentempo, elegant und trotzdem sehr dicht, absolut spannend.
Knackig trocken mit reifer Säure, verhaltene Zitrus-/Aprikosenfrucht mit einer Spur Tabak, nasser Stein, sehr fokussiert und klar, voll seine Eleganz ausspielend, finessenreicher Abgang. Der Wein ist noch sehr jung und wird sich zweifellos verbessern. Mir macht er aber jetzt schon riesig Spass. Mit jedem Schluck gewinnt dieser Wein. Absolut nichts für Power-Trinker. 93 P. +
Fortsetzung folgt mit den restlich 6 Weißweinen !
Grüsse
Bodo
es wurde mal wieder Zeit, mit einigen gleichgesinnten Weinnasen einige deutsche Rot- und Weißweine durchzuprobieren. 14 Weine standen auf dem Prüfstand (4x rot, 10 x weiß) und ..oh Wunder.. ein Abend ohne Korkschmecker, obwohl 13 der 14 Weine verkorkt waren !!
Für die Interessierten folgend meine Kurznotizen:
1.) 2009er Lemberger ** QW trocken (Rainer Schnaitmann, Fellbach)
sehr klassischer Lemberger mit Kirsch- und Pflaumenfrucht,angenehm kühler Gaumenauftritt, noch leicht kantiges Tannin, Holz nur ganz dezent im Hintergrund, erinnert stark an einen mittelgewichtigen Burgenländer,sehr guter Trinkfluss, dürfte vor allem als Essensbegleiter eine gute Figur machen. 85 P.
2.) 2008er Cabernet Mitos QW trocken (Kirmann, Westerhausen)
die Nase erinnert durchaus an Bordeaux, etwas Cassis, Pflaume, vor allem balsamische und würzige Noten (Tabak, Leder, Tintenblei, dezent floral), leider kann der Gaumenauftritt dann -sicherlich auch jahrgangsbedingt- nicht mit der vielversprechenden Nase mithalten, es fehlt doch deutlich an Fleisch und Kraft, etwas monolithische Frucht, zu hohe Säure, etwas kurzer Abgang. Wenn man aber den Jahrgang und die klimatischen Bedingungen berücksichtigt, ein durchaus sehr ordentlicher Wein. 82 P.
3.) 2003er "Divino" Frühburgunder QW trocken (WG Nordheim)
sehr feine Nase nach Schattenmorellen ,Erd- und Himbeere,rohes Fleisch, typisches Pinot-Stinkerl, erstaunlicherweise und entgegen dem Jahrgangstrend absolut nicht marmeladig, ganz trocken, aber mit deutlicher Extraktsüsse, genau die richtige Säuredosis für eine ordentliche Struktur, fast abgeschmolzenes Tannin, reif, aber keine Spur von Alkoholübermass (vergeichsweise bescheidene 13,2 Vol%), elegant und voller Finesse, mittlerer bis langer Abgang, ein Klasse Frühburgunder, der auch wesentlich teureren Exemplaren locker Paroli bieten kann. 90P.
4.) 2004er Spätburgunder QW trocken "Alte Reben" (Huber, Malterdingen)
voll auf Eleganz getrimmte Nase, feiner MIx aus zarten Holztönen mit floralen- und
Dunkelbeereinschüben, auch hier das typische Pinot-Stinkerl, jahrgangsbedingt eine etwas höhere Säure als beim Frühburgunder, feinkörniges, mürbes Tannin, der Wein ist jetzt herrlich gereift und auf dem Punkt. Die stilistische Ähnlichkeit mit dem Frühburgunder ist wirklich erstaunlich. Auch hier 90 P.
Jetzt zu den Weißweinen:
5.) 2007er Bopparder Hamm Ohlenberg Riesling Spätlese tr. -Alte Reben- (Matthias Müller)
kräftiger Riesling mit einiges an (sauberer) Bortrytis, kräftige Honignote, reife Aprikose, Ananas, etwas exotisch, mittlere Säure, mittelgewichtig bis kraftvoll, mehr auf der wuchtig-fruchtigen als auf der mineralischen Seite, vielleicht etwas sättigend, aber trotzdem ein tadelloser, vielleicht ein Tick zu schwermütiger Riesling. Das Preis-Leistungsverhältnis ist wie bei allen Weinen von Matthias Müller sehr gut. 85 P.
6.) 2004er Kirrweiler Mandelberg Weißburgunder tr. "GG" (Rainer Bergdolt)
würzig-fruchtige, aber gleichzeitig frische und noch erstaunlich jugendliche Nase, reifer Apfel, etwas Birne, dezent vegetabile Töne (Heu, Fenchel), mundwässernde Nase, absolut trocken, fast leichtfüssig wirkend aufgrund der stringenten, aber reifen Säure, Körper bestens verpackt, die 13, 5 Vol% sind nicht zu erahnen, langer und frischer Abgang.
Ein Großes Gewächs, das durchaus seinen Namen verdient. Man merkt die Erfahrung, die Rainer Bergdolt schon sehr lange mit dem häufig unterschätzten Weißburgunder besitzt.
90 P.
7.) 2008er Retzstadter Langenberg "Recis" Silvaner Spätlese tr. (Rudi May)
frische Melonennase, etwas Heu und vegetabile Noten, wirkt sehr frisch, kräftige aber reife Säure, sehr geradlinig, dezente Mineralik auf der Zunge, ganz trocken, gelungener Mix aus Frucht und Würze, gute Länge. Ein niveauvoller, sehr trinkanimierender Silvaner. Warum genau dieser Wein von Jancis Robinson zu einem Ihrer Weine des Jahres gekürt wurde, erschließt sich mir allerdings nicht ganz. 88 P.
8.) 2008er Westhofener Kirchspiel Riesling tr. "GG" (Keller)
sehr kühle, elegante und absolut mineralisch gefärbte Nase, die Frucht entwickelt sich nur im Schneckentempo, elegant und trotzdem sehr dicht, absolut spannend.
Knackig trocken mit reifer Säure, verhaltene Zitrus-/Aprikosenfrucht mit einer Spur Tabak, nasser Stein, sehr fokussiert und klar, voll seine Eleganz ausspielend, finessenreicher Abgang. Der Wein ist noch sehr jung und wird sich zweifellos verbessern. Mir macht er aber jetzt schon riesig Spass. Mit jedem Schluck gewinnt dieser Wein. Absolut nichts für Power-Trinker. 93 P. +
Fortsetzung folgt mit den restlich 6 Weißweinen !
Grüsse
Bodo