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Re: Egon Schäffer
Verfasst: Di 5. Jan 2021, 17:11
von amateur des vins
Ich vermute sowas ähnliches wie bei Grauburgunder vs. Ruländer: Eigentlich dasselbe, aber ersteres soll die "modernere" (schlanke/trockene) Ausrichtung anzeigen, letzteres die "traditionelle" (üppige/süße), zumindest im Ansatz. Und mittelbar soll das eine "besser" klingen(?).
Bei Pinot Noir vs.Spätburgunder kann man immerhin mit den Klonen argumentieren...
Re: Egon Schäffer
Verfasst: Di 5. Jan 2021, 17:17
von amateur des vins
Gerald hat geschrieben:Lustigerweise schreibt der Winzer selbst auf seiner Website, dass Müller-Thurgau und Rivaner dasselbe ist.
Das hatte ich übersehen. Aber dann ist der Beweggrund ja klar:
Weingut Schäffer hat geschrieben:Nomen ist nicht immer Omen: Denn unser 2019 Rivaner Gutswein (Synomym für Müller-Thurgau) riecht ganz und gar nicht wie ein typischer Müller-Thurgau – man könnte hier sogar einen Sauvignon vermuten.
Re: Egon Schäffer
Verfasst: Di 5. Jan 2021, 17:44
von UlliB
amateur des vins hat geschrieben:Weingut Schäffer hat geschrieben:Nomen ist nicht immer Omen: Denn unser 2019 Rivaner Gutswein (Synomym für Müller-Thurgau) riecht ganz und gar nicht wie ein typischer Müller-Thurgau – man könnte hier sogar einen Sauvignon vermuten.
Das gibt's häufiger. Vor gut einem Jahr hatte ich im Trentino (wo die Sorte gerade sehr angesagt ist) gleich mehrere Müller-Thurgau im Glas, die dermaßen deutlich nach Sauvignon blanc gerochen und geschmeckt haben, dass ich blind wohl keinen Moment daran gezweifelt hätte, dass es auch Sauvignon ist. Da es so etwas früher nicht gab, vermute ich, dass diese Aromatik das Ergebnis von kellertechnischen Eingriffen ist und vermutlich auch mit anderen eher neutralen Ausgangssorten in ähnlicher Weise erzielt werden könnte.
Aber einerlei, ob ich damit nun richtig liege oder nicht: was soll das? Wenn ich einen Wein im Glas haben möchte, der nach SB riecht und schmeckt, mache ich halt einen SB auf. Da brauche ich keinen Müller-Thurgau aus Franken oder dem Trentin oder von sonstwo, der etikettenschwindelnd daherkommt.
Gruß
Ulli
Re: Egon Schäffer
Verfasst: Di 5. Jan 2021, 17:52
von Bernd Schulz
UlliB hat geschrieben:Da es so etwas früher nicht gab, vermute ich, dass diese Aromatik das Ergebnis von kellertechnischen Eingriffen ist und vermutlich auch mit anderen eher neutralen Ausgangssorten in ähnlicher Weise erzielt werden könnte.
Da die Schäffers noch nie Freunde von großartigen kellertechnischen Manipulationen waren, vermute ich eher andere Gründe für die SB-Note. Ich könnte mir z.b. vorstellen, dass das Traubenmaterial für diesen Wein sehr früh gelesen wurde....
"Was soll das?" kann man natürlich fragen. Aber ich gestehe freimütig, dass mir dieser leichtgewichtige "Rivaner" vor allem als Sommerwein hervorragend schmeckt und zudem lediglich 6,50 kostet. Deshalb ziehe ich - jenseits aller fundamentalen Prinzipien

- durchaus eine weitere Nachbestellung in Erwägung....

.....einen Sauvignon Blanc in dieser Preisklasse, der mir ähnlich viel Spaß bereitet hätte, habe ich nämlich bislang noch nie im Glas gehabt (meistens mag ich die Sorte nicht sonderlich).....
Herzliche Grüße
Bernd
Re: Egon Schäffer
Verfasst: Di 5. Jan 2021, 18:01
von EThC
UlliB hat geschrieben:Aber einerlei, ob ich damit nun richtig liege oder nicht: was soll das? Wenn ich einen Wein im Glas haben möchte, der nach SB riecht und schmeckt, mache ich halt einen SB auf. Da brauche ich keinen Müller-Thurgau aus Franken oder dem Trentin oder von sonstwo, der etikettenschwindelnd daherkommt.
...wobei sich mir schon die Frage stellt, was tatsächlich "typisch SB" ist. Wenn ich sowas von der Loire aufmache -wo die Sorte ja eigentlich herkommt- springt mir nicht automatisch die Stachelbeere und Co. entgegen (diese grüne Rebsortentypizität ist wohl ganz woanders entstanden), nicht gerade selten ist es nicht unbedingt einfach, einen Loire-SB auch als solchen zu erkennen; einen aus NZ dagegen praktisch immer...
Und nur weil die Brot- und Buttersorte MT jahrzehntelang vorwiegend in eine bestimmte Richtung getrimmt wurde, muß man dieser Stilistik ja nicht stoisch hinterherlaufen. Da müßte ich einen meiner Lieblingsweine -den Feldmarschall- ja auch komplett negieren...
Re: Egon Schäffer
Verfasst: Di 5. Jan 2021, 18:02
von Gerald
Da die Schäffers noch nie Freunde von großartigen kellertechnischen Manipulationen waren, vermute ich eher andere Gründe für die SB-Note. Ich könnte mir z.b. vorstellen, dass das Traubenmaterial für diesen Wein sehr früh gelesen wurde....
ich habe keine Ahnung, ob das hier auch die Ursache ist, aber beim Veltliner gab es vor geraumer Zeit ja genau das Problem mit völlig sortenuntypischen Aromen, die auch stark in Richtung Sauvignon blanc gehen. Soweit ich weiß, war das aber keine kellertechnische Frage, sondern ein recht verbreiteter Klon mit dieser Aromatik.
Grüße
Gerald
Re: Egon Schäffer
Verfasst: Di 5. Jan 2021, 18:03
von amateur des vins
UlliB hat geschrieben:Das gibt's häufiger. Vor gut einem Jahr hatte ich im Trentino (wo die Sorte gerade sehr angesagt ist) gleich mehrere Müller-Thurgau im Glas, die dermaßen deutlich nach Sauvignon blanc gerochen und geschmeckt haben, dass ich blind wohl keinen Moment daran gezweifelt hätte, dass es auch Sauvignon ist.
Ich erinnere nochmal an meine Nachfrage bei der Kellerei Kaltern zum WB Quintessenz 2016:
viewtopic.php?f=45&t=487&start=560#p121217
UlliB hat geschrieben:Aber einerlei, ob ich damit nun richtig liege oder nicht: was soll das? Wenn ich einen Wein im Glas haben möchte, der nach SB riecht und schmeckt, mache ich halt einen SB auf. Da brauche ich keinen Müller-Thurgau aus Franken oder dem Trentin oder von sonstwo, der etikettenschwindelnd daherkommt.
Ich würde da garnicht Vorsatz unterstellen. Die Kalterner schienen das SB-hafte zwar durchaus zu begrüßen, aber (noch) nicht selber herbeiführen zu können. Vielleicht ist es hier ja ähnlich?
Re: Egon Schäffer
Verfasst: Di 5. Jan 2021, 18:12
von UlliB
Bernd Schulz hat geschrieben:
Da die Schäffers noch nie Freunde von großartigen kellertechnischen Manipulationen waren, vermute ich eher andere Gründe für die SB-Note. Ich könnte mir z.b. vorstellen, dass das Traubenmaterial für diesen Wein sehr früh gelesen wurde....
Naja, der 19er hat laut Preisliste 12,5% Alk, der 18er sogar 13,0%. Sofern man annimmt, dass da nicht chaptalisiert wird, hört sich das nun nicht gerade nach
sehr früher Lese an.
Ich habe in meinem Leben schon eine ganze Menge Müller-Thurgau im Glas gehabt, und wenn die was taugten, waren sie in der Aromatik entweder recht neutral, oder sie hatten die sortentypische Muskat-Note. Und ganz sicher waren da auch mal früh gelesene Exemplare dabei. MTs mit Sauvignon-Aromatik kenne ich erst seit drei oder vier Jahren, den ersten bin ich in Südtirol und eben im Trentin begegnet. Irgendwie kann ich mir nicht recht vorstellen, dass sich ein Sortencharakter nach 40 Jahren ganz plötzlich in eine grundlegend andere Richtung entwickelt, ohne dass da ein wenig im Keller dran rumgeschraubt wird.
Dass der Wein gut ist, glaube ich Dir gerne. Aber als alter Anhänger der inzwischen wohl tatsächlich überholten Auffassung, dass das, was auf dem Etikett steht, zumindest gewisse Rückschlüsse auf den Inhalt zulassen sollte, reibe ich mich trotzdem an so etwas.
Gruß
Ulli
Re: Egon Schäffer
Verfasst: Di 5. Jan 2021, 18:30
von Volker
Rivaner und Müller Thurgau beziehen sich auf die gleiche Rebsorte.
Bedingt durch das schlechte Image des MT, der ja nicht zu Unrecht als Massenwein verschrien war, hat man irgendwann mehr auf das Synonym Rivaner gesetzt, insbesondere wenn qualitativ vernünftig gearbeitet wurde. Wobei die Bezeichnung nach heutigen Erkenntnissen, wie schon erwähnt, eigentlich irreführend ist, da die beiden Eltern eben nicht Riesling und Silvaner sondern Riesling und Madeleine Royale sind.
Aber solche Fehlannahmen hat es ja bei diversen Rebsorten gegeben. Die Möglichkeiten der Gen Analyse haben sich eben verändert. Ist eben nicht das sterile Labor gewesen in dem viele Züchtungen oder eben auch natürliche Mutationen entstanden sind.
Volker
Re: Egon Schäffer
Verfasst: Di 5. Jan 2021, 18:35
von Bernd Schulz
UlliB hat geschrieben: Irgendwie kann ich mir nicht recht vorstellen, dass sich ein Sortencharakter nach 40 Jahren ganz plötzlich in eine grundlegend andere Richtung entwickelt, ohne dass da ein wenig im Keller dran rumgeschraubt wird.
Wenn ich den Senior Egon Schäffer im Sommer richtig verstanden habe, waren sein Sohn und er selber von der an Sauvignon Blanc erinnernden Note überrascht; zunächst bestand bei ihnen die Befürchtung, dass der Wein nicht durch die Amtliche Prüfung gehen würde.
Ich kenne den grundsätzlich sehr konservativ arbeitenden Betrieb ja jetzt schon etwas länger (mein erster Besuch dort hat 2009 stattgefunden) - und ich verwette vieles darauf, dass der SB-Touch nicht durch absichtliches Schrauben im Keller zustande gekommen ist.
Herzliche Grüße
Bernd