Was mich an dem weiter oben verlinkten Kössler-Rundumschlag ein wenig irritiert, ist die Tatsache, dass hier im Wesentlichen nur die
Vertriebsstruktur und die
Vermarktungskonzepte für Bordeauxweine thematisiert werden. Hierzu ist anzumerken, dass weder das eine noch das andere neu ist: der Vertrieb über die Bordelaiser
negoce ist Jahrzente alt (wenn nicht gar Jahrhunderte), und die Verwendung von Parker- / Gabriel- / Robinson- etc. Punktebewertungen als wesentliches Verkaufsargument ist nun auch nicht gerade erst gestern entstanden. Und offensichtlich konnten die Kunden damit bislang auch ganz gut leben - ich habe hier jedenfalls noch nicht den Ruf nach einem margenschneidenden
Fachhandel als notwendigem Vermittler zwischen Erzeuger und Kunden gehört. Insofern stellt sich schon ein wenig die Frage, warum denn diese Kritik erst jetzt kommt, und ob die Analyse nicht eine ganz andere Schlussfolgerung erlaubt als die, zu der Herr Kössler kommt.
Immerhin ist Kössler in seinem Beitrag verblüffend offen: ihn stört, dass die Marge in diesem Geschäft zu niedrig ist. Nun, das kann ich ja verstehen - es ist aber sein Problem, und ganz bestimmt nicht meines als Kunde. Ich würde mich jedenfalls dafür bedanken, auf einen bereits exorbitant hohen ex-Chateau-Preis auch noch einen saftigen Händleraufschlag bezahlen zu müssen, nur weil hier ein Exklusivvertrieb vereinbart wurde und jede Markttransparenz bereits im Keim erstickt wird. Bei allem Gejammer über die hohen Preise erfüllt der Bordeaux-Markt nämlich eine Voraussetzung, die für andere Weine deutlich weniger gilt: im Vertrieb herrscht Preistransparenz.
Nur noch am Rande: wenn das, was ich an einigen BDX auch aus jüngeren Jahren im Glas hatte, das Ergebnis von
unseriösem Weinbau ist, würde ich mir an Stelle der seriösen Weinbauern aus anderen Gebieten schon mal ein paar Gedanken machen, was wohl passiert, wenn das Bordelais sich eines Tages eines besseren besinnt und endlich seriös wird....
Gruß
Ulli